Freiberuflern reicht oft ein Schreibtisch mit Computer als Arbeitsplatz – und der kann prinzipiell auch zu Hause stehen. Vielen fehlt dann aber der Austausch mit anderen Menschen: Sie brauchen Feedback, um sich wohl zu fühlen. Manchmal spielt auch die soziale Kontrolle eine Rolle, um wirklich jeden Tag pünktlich mit der Arbeit zu beginnen. Deswegen profitieren sie, wenn sie eine Bürogemeinschaft eingehen.

Egal, ob Freiberufler sich Mitstreiter suchen und eine Bürogemeinschaft gründen, sich in ein bestehendes Gemeinschaftsüro einmieten, Räume in einem Business Center beziehen oder ihren Arbeitsplatz in einem Co-Working Space einrichten: Wo eng zusammengearbeitet wird, entstehen schnell innige Gemeinschaften. Schließlich ist es fast unmöglich, allein vor sich hinzuwursteln, wenn man sich Schreibtisch an Schreibtisch gegenüber sitzt oder wenigstens täglich auf dem Flur begegnet.

Zusammen ist man weniger allein

Anfangs ist der Kontakt vielleicht nur ein kurzer Small Talk über den Schreibtisch hinweg oder ein Schwätzchen am Kaffeeautomat, bei dem man sich höflich danach erkundigt, was der andere denn so macht. Doch wenn man dranbleibt, wird der Kontakt schnell fester, und bald wissen die Büro-Genossen, was den Anderen jeweils umtreibt, wo der Schuh drückt – oder welcher Erfolg gerade gefeiert werden will.

So werden aus Büro- oder Schreibtischnachbarn Schritt für Schritt Ansprechpartner für alle möglichen Fragen, Schulter zum Ausheulen, wenn Projekte scheitern, Motivatoren bei Durchhängern und manchmal auch mahnende Antreiber, wenn jemand unangehme Aufgaben vor sich herschiebt: Dabei erhält jeder die Unterstützung, die er gerade braucht, um (wieder) Tritt zu fassen.

Weil so die Probleme am Arbeitsplatz bleiben, entlastet die Büro-Partnerschaft das Privatleben. Und oft genug bereichert sie es sogar: Solche Arbeits-Gemeinschaften können sehr intensiv werden, daher entstehen aus ihnen häufig gute Freundschaften.

Synergien sind möglich – und erwünscht

Gerade Existenzgründer profitieren sehr stark vom Arbeiten in Gruppen: Denn in der Nachbarschaft findet sich immer jemand, der ihnen weiterhelfen kann – egal, mit welchem Problem sie gerade konfrontiert sind. Dieser Jemand leistet oft wichtige Weichenstellungen, damit beispielsweise Neulinge ihren Weg finden und nicht vorschnell aufgeben.

Aber natürlich profitieren von einer Gemeinschaft nicht nur Gründer: Wo viele Menschen zusammen arbeiten, findet sich immer ein unterstützender Partner: Vielleicht sitzt ja gleich im Büro nebenan ein Webdesigner, der die dringend benötigte Homepage zum Sonderpreis programmiert – und als Dank für den Auftrag außerdem einen Texter-Job für ein Kundenprojekt vermittelt. So ergeben sich oft nicht nur einzelne Projekte, sondern langfristige Kooperationen. Ganz nebenbei entstehen auch Referenzen, die jeder braucht, um neue Kunden zu gewinnen.

Selbstverständlich fließen zwischen Gemeinschaftsarbeitern auch Informationen: Tipps zu passenden Aufträgen aus dem eigenen Kudenkreis werden ebenso ausgetauscht wie Hinweise auf gute Geschäftspartner: Wer etwa einen guten Steuerberater benötigt, muss sich nur unter den Bürokollegen umhören – oder sie bitten, im Freundes- und Kollegenkreis nachzufragen. So wird jeder ins Netzwerk des Anderen eingebunden – und alle profitieren.

Mehr Möglichkeiten durch Kostenteilung

Neben diesen sozialen Aspekten gibt es noch ein paar handfeste finanzielle Argumente, die für den Zusammenschluss mit anderen Freelancern sprechen: Ein Freelancer, der in der eigenen Wohnung kein Büro abteilen kann, wird seine Kunden wohl kaum im Wohnzimmer oder der Küche empfangen wollen. Weil die Miete für ein allein genutztes Büro gerade für Start-Ups zu teuer ist, profitieren Gründer – und nicht nur die – wenn sie diese Kosten gemeinsam tragen.

Dazu kommen dann noch einige Investitionen für IT und Telekommunikation, bis ein Büro wirklich funktionsfähig ist. Wer mit Anderen zusammenlegt, reißt keine allzu tiefen Löcher ins ohnehin knappe Budget und kann sich trotzdem eine qualitativ hochwertige Ausstattung leisten. Weil sie von Mehreren genutzt wird, amortisieren sich deren Kosten außerdem deutlich schneller.

Und dann ist da auch noch die Personalfrage: Ein Freiberufler, der oft in Meeetings sitzt oder Kunden besucht, wünscht sich bald einen Mitarbeiter, der eingehende Anrufe entgegennimmt und für ihn Termine vereinbart. Teilt man sich die Kosten für diesen Arbeitsplatz, kann man sich oft sogar eine Vollzeitkraft leisten, die den ganzen Tag für die Repräsentanz zur Verfügung steht und die Büro-Genossen auch bei anderen Aufgaben unterstützt.

Miteinenader arbeiten – voneinander profitieren

Wenn Sie mit Anderen zusammenarbeiten möchten, kommen für Sie die folgenden Möglichkeiten in Frage:

Gemeinschaftsbüro

Die meisten Büroräume sind sowieso dafür eingerichtet, mehr als einen Schreibtisch plus Infrastruktur aufzunehmen. Was liegt also näher, als sie entsprechend auszustatten? In kleineren Räumen ist es prinzipiell auch möglich, sich einen gemeinsamen Schreibtisch zu teilen, wenn man sich bei dessen Nutzung nicht in die Quere kommt: So können sich beispielsweise Frühaufsteher und Nachteulen ein Büro teilen. Prinzipiell ist egal, wer so zusammenarbeitet – zumindest so lange der Ordnungsbegriff beider Seiten ähnlich ist. nur besonders geräuschverursachende und ruhebedürftige Menschen sollten sich keinen Raum teilen.

Business Center

Business Center stellen Büroräume in verschiedenen Größenordnungen für einen meist moderaten Preis bereit. Freiberufler, die kein permanentes Büro benötigen, können sich in BizzCentern auch tage- oder stundenweise einmieten. Gleichermaßen können Sie dort Konferenzräume inklusive Veranstaltungstechnik für Kundenpräsentationen oder Seminare mieten: Die Raum-Reservierung funktioniert einfach per Telefon oder Internet. Gegen einen moderaten Aufpreis ist dort auch ein Sekretariatsservice buchbar, der Telefonate im Namen Ihrer Unternehmung entgegennimmt, Fragen beantwortet und sich auf Wunsch auch um Ihre Post kümmert. Selbstverständlich stehen in solchen Bürozentren auch hochwertige Drucker und Kopierer zur Verfügung.

Gründerzentrum

Jede größere Gemeinde betreibt mittlerweile ein Gründerzentrum, in dem sich Existenzgründer für einen bestimmten Zeitraum einmieten können. Ähnlich wie in Business Centern finden Sie dort in der Regel eine Service-Infrastruktur vor, nur sind die Kosten für Miete und Extras deutlich günstiger. Interessant ist aber vor allem die Firmenmischung in diesen Inkubatoren: Hier findet sich das ganze Spektrum vom gerade gestarteten Einzelkämpfer bis zum Unternehmen mit mehr als zwanzig Mitarbeitern, das gerade auf dem Absprung ins eigene Firmengebäude ist. Ähnlich verschieden sind die vertretenen Geschäftsideen: Hier begegnen sich Dienstleister, Kreative, Handwerker, Tüftler und Erfinder – und können sich oft genug gegenseitig unterstützen.

Coworking-Space

Der Coworking-Space ist eine Großraum-Bürogemeinschaft mit Loft-Charakter – und somit der ideale Arbeitsort für die Avantgardisten und den Gemeinschaftsarbeitern. Hier kann jeder seinen Arbeitsplatz den eigenen Bedürfnissen und finanziellen Mitteln anpassen: Die Bandbreite reicht vom Rollcontainer, der jeden Tag irgendwo anders stehen kann, über den Schreibtisch im Großraumbüro bis zum eigenen, abgeschlossenen Raum. Natürlich ist dieses Setting bei Bedarf variabel, denn der ständige Wechsel ist Teil des Programms: Co-Worker legen großen Wert auf Gemeinschaft, und die entsteht durch Austausch. Gemeinschaftsfördernde Events haben hier deswegen einen großen Stelllenwert – vor allem gemeinsame Feiern. Wer vor, neben und nach der Arbeit Geselligkeit sucht, ist in so einer hippen Gemeinschaft richtig.