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5 von Jochen Mai am 4. September 2009 → Artikel in Psychologie
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Gruppendynamik – Niemand ist so irre wie wir alle zusammen

Angenommen, nur angenommen, Sie pferchen zehn intelligente Menschen in einen Raum und bitten Sie ein neues Auto zu entwickeln. Nehmen wir weiter an, Sie nennen dieses Beisammensein Brainstorming oder – ganz originell: Meeting. Was, glauben Sie, kommt dabei heraus? Der neue Auris Hyper-Hybrid oder eher Robbi-Tobbis-Fliewatüüt?

Da ich eingangs die Einschränkung machte, bei dieser heiligen Zusammenkunft treffen sich nur intelligente, erwachsene Menschen, folgern Sie vermutlich, das Ergebnis geht eher in Richtung Hyper-Hybrid. Tja, Sie liegen damit falsch, aber so richtig. Psychologische Studien (Stoner, 1968) kommen zu dem exakt gegenteiligen Ergebnis: Tatsächlich neigen Gruppendiskussionen dazu, die Gruppe selbst zu polarisieren. Man könnte auch sagen: zu extremisieren. Egal, wie moderat und vernünftig die einzelnen Positionen anfangs noch waren – was hinten herauskommt, ähnelt eher einem Extrem dessen, womit es begann.

Natürlich haben sich Psychologen auch gefragt, warum das so ist. Demnach unterscheiden Wissenschaftler drei Mechanismen der Gruppendynamik und –polarisierung:

    mobbing

  1. Beeinflussung: Zunehmend mehr Diskussionsteilnehmer ändern ihre Meinung aufgrund rationaler Argumente.
  2. Vergleich: Die Menschen spüren, dass sich hinter manchen Meinungen Gruppenwerte und –normen verbergen. Um sich keinem sozialen Druck auszusetzen, passen sie sich an.
  3. Differenzierung: In diesem Fall handelt es sich um eine Variante von Punkt 2. Auch hier passen sich die Teilnehmer der Mehrheit an, differenzieren den Sinneswandel aber (zum Teil auch, damit das nicht so auffällt).

Hinter allen diesen mehr oder weniger unabhängigen Mechanismen steckt jedoch derselbe Ablauf: Zunächst gibt es eine Art initiale Entscheidungspräferenz. Der folgen zwar nicht alle, doch im Verlauf der Diskussion schließen sich immer mehr Teilnehmer der mehrheitsfähigen Entscheidung an und drehen über zusätzliche Differenzierung die Ausgangsthese ins Extrem.

Zugegeben, nicht alle Gruppen agieren so. Klar ist aber auch, dass es sich dabei um einen gefährlichen Effekt handelt. Leider gibt es nicht allzu viel, was sich dagegen unternehmen ließe. Schließlich ist man meist selbst Betroffener und die Gruppendynamik wird ja nicht umsonst so genannt, weil ihr ein stetiger Drang zur Verselbstständigung innewohnt. Immerhin: Sie kennen das Phänomen jetzt, erleben es bewusster und können dem deshalb zumindest ab und an entgegen wirken. Mal sehen wie sich das hier in der Kommentar-Diskussion auswirkt…


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