Was bedeutet Größe zeigen?
Größe zeigen bedeutet, auch in schwierigen Situationen souverän, großzügig und menschlich zu handeln. Wer wahre Größe besitzt, muss sich nicht auf Kosten anderer erhöhen, jeden Fehler kritisieren oder immer auf seinem Recht beharren. Menschliche Größe beweist sich durch Charakterstärke, Wertschätzung und die Fähigkeit, über den eigenen Schatten zu springen.
Wahre menschliche Größe offenbart sich genau nicht am Sozialstatus, den jemand hat, sondern am Status, den er oder sie anderen gibt. Sie beweist sich am Umgang mit anderen, vermeintlich „kleinen“ Leuten. Jenen, die sich allenfalls bedanken können, von denen aber keinerlei adäquate Gegenleistung zu erwarten ist. Das erinnert zwar an das moralinsaure Prinzip vom Geben, das seliger macht als das Nehmen. Doch dahinter steckt mehr: Wer über den Status eines Menschen hinwegsieht, der erkennt nicht nur den Menschen in seinem Gegenüber, sondern auch sich selbst.
Warum es vielen schwerfällt, Größe zu zeigen
Einfach mal „ein Auge zudrücken“ oder „Fünfe gerade sein lassen“ – das sagt sich leicht. Die Umsetzung fällt vielen schwerer. Tatsächlich klammern sich zahlreiche Menschen lieber an feste Regeln und Vorgaben, pochen auf ihr Recht und sind erst dann so richtig zufrieden, wenn sie auch ja nicht zu kurz gekommen sind. Ist das schon kleinkariert oder kleingeistig – also so gar keine Größe?
Hinter dem Kleinklein steckt oft mehr als Kleinmut oder Pedanterie. Oft handel solche Menschen aus Unsicherheit und dem Gefühl, im Leben immer wieder den Kürzeren zu ziehen. Die Erfahrung führt dann oft zu Bitterkeit und oberflächlicher Unbarmherzigkeit und Härte. Schade. Denn das kleinliche Ergebnis macht die Menschen selbst klein.
Größe zeigen: 6 Merkmale wahrer Größe
Größe zu zeigen, ist keine Charaktereigenschaft, die wir wie ein Kleid zu Festtagen anziehen und ansonsten im Schrank lassen. Größe ist eine generelle Haltung im Denken und Handeln. Sie wird gelebt. Täglich. Und sie zeigt sich vor allem in unserem Verhalten, wenn wir benachteiligt werden, enttäuscht oder verletzt sind. Sechs Merkmale machen menschliche Größe besonders deutlich:
1. Wertschätzung – unabhängig vom Status
Es gibt zahlreiche Berufe. Manche haben mehr Ansehen als andere. Gefeiert werden oftmals ABC-Promis, Musiker, Influencer und Selfmade-Millionäre. Aber ohne Müllwerker, Pflegefachkraft, Bus- und Lkw-Fahrer oder Friseure würde in Deutschland wenig laufen. Größe beweist, wer andere wertschätzt – unabhängig von ihrem Einkommen, ihrer Schönheit oder Intelligenz.
2. Selbstlosigkeit – ohne opportune Gegenleistung
Unsere Gesellschaft ist stark auf Leistung, Erfolg und Profit ausgerichtet. Selbst gute Taten werden gerne damit begründet, dass sie sich irgendwann auszahlen. Wahre Größe verzichtet auf diese Rechnung und handelt auch mal ohne Tauschabsicht und mögliche Gegenleistung. Echte Selbstlosigkeit und Großzügigkeit führen kein Kassenbuch und suchen auch nicht den Applaus.
3. Verzicht – trotz Anspruch und Recht
„Ich war aber zuerst da! Es ist mein gutes Recht.“ Stimmt. Und manche Regeln müssen sein oder schützen davor, ausgenutzt oder betrogen zu werden. Aber nur weil man im Recht ist, muss man nicht immer darauf bestehen. Ein solches Anspruchsdenken offenbart einen Menschen voller Angst. Wahre Würde und Größe zeigen sich darin, die Luft aus dem eigenen Ego zu lassen, statt sich aufzuplustern. Anderen den unverdienten Vortritt zu lassen oder die Bühne zu geben, die sie vielleicht nötiger brauchen.
4. Demut – vor der eigenen Bedeutung
Status und Macht sind kein Eigentum, sondern Leihgaben. Nicht wenige verwechseln ihr Amt mit ihrer Person, werden darüber eitel oder arrogant. 500.000 Follower erheben niemanden, aber sie verpflichten! Wahre Demut bedeutet, die eigene Bedeutung im Kosmos richtig einzuschätzen und sein Selbstwertgefühl nicht an zeitweiliger Aufmerksamkeit festzumachen oder diese immer wieder vorzuführen. Hochmut ist bekanntlich die Vorstufe vor dem Fall.
5. Nachsicht – gegenüber menschlichen Fehlern
Menschen machen Fehler. Alle. Und immer wieder. Nullfehlertoleranz können sich allenfalls Götter leisten. Wer Größe zeigt, beurteilt andere deshalb nicht allein nach einem Missgeschick. Er unterscheidet zwischen dem Fehler und dem Menschen, der ihn gemacht hat. Das bedeutet nicht, jedes Fehlverhalten zu entschuldigen. Wiederholte Nachlässigkeit oder bewusste Grenzüberschreitungen verlangen eine klare Reaktion. Ansonsten aber zeigt Größe, wer nachsichtig bleibt und konstruktive Hilfe anbietet, statt öffentlich zu tadeln.
6. Souveränität – gegenüber der Größe anderer
Menschliche Größe ist nicht relativ, sondern absolut. Niemand wächst dadurch, dass er oder sie andere kleinmacht oder ihnen ihre Größe nimmt oder missgönnt. Das alles sind eher veritable Anzeichen von einem schwachen Kleingeist. Wer wirklich groß ist, lässt andere in seinem Umfeld wachsen oder freut sich an ihrer Größe. Größe zeigen Sie immer gegenüber anderen. Niemals erfüllen Sie damit einen Selbstzweck.
Größe zeigen – auch sich selbst gegenüber
Hand aufs Herz: Wie viel Größe zeigen Sie sich selbst gegenüber? Oftmals sind wir selbst unsere schärfsten Kritiker. Von uns selbst erwarten wir viel – und legen teils einen extrem hohen Maßstab an. Es ist zwar okay, sich hohe Ziele zu stecken – das Streben danach motiviert und bringt uns dazu, über uns selbst hinauszuwachsen. Wer es damit aber übertreibt, gerät in eine Abwärtsspirale aus Enttäuschung und sinkendem Selbstvertrauen.
Wahre Größe sich selbst gegenüber zeigt sich vor allem in den Niederlagen und Lebenstälern, die jeder von uns erlebt. Rückschläge gehören zum Leben dazu. Ebenso das Scheitern. Wie großartig sind Menschen, die damit offen und souverän umgehen können und diese als wichtige Lektion auf dem Weg zum Ziel begreifen!
Größe zeigen – anderen gegenüber
Sich selbst gegenüber Größe zu zeigen, ist nur der erste Schritt. Daraus sollte schließlich eine generelle Haltung werden, die Sie ebenso gegenüber Mitmenschen beweisen. Für den Anfang genügen oft schon kleine Gesten, zum Beispiel:
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Ideen anerkennen
Kennen Sie das Not-invented-here-Syndrom? Die saloppe Übersetzung hierfür lautet: „Die Idee kann nicht gut sein, denn sie war nicht von mir!“ Letztlich ist das Eitelkeit pur. Zeigen Sie lieber Größe, indem Sie anerkennen, dass auch andere gute oder sogar bessere Ideen haben. Am Ende profitieren alle davon.
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Ehre geben
„Wer stets den ganzen Kuchen für sich allein haben will, bekommt davon nur Bauchschmerzen“, lautet ein schönes Sprichwort. Würdigen Sie deshalb die Leistungen und Erfolge anderer, freuen Sie sich mit und machen Sie diese sichtbar. Genau dieses ehrliche Gönnen-Können ist ein starkes Indiz für wahre Größe.
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Perfektionismus ablegen
Gerade wir Deutschen neigen dazu, sofort die Fehler oder Unzulänglichkeiten zu sehen und zu kritisieren – und teils gleich noch den Menschen dazu infrage zu stellen. Wie klein! Drücken Sie öfter mal ein Auge zu und fokussieren Sie mehr auf das Gute – oder überlegen Sie, wie Sie mithelfen können, das Mangelhafte besser zu machen.
Wahre Größe zeigen: 3 Geschichten zum Nachdenken
Wie behandeln Sie andere Menschen – insbesondere jene, zu denen Sie nicht aufsehen? Klar, Sie müssen die Frage nicht beantworten. Schon gar nicht uns. Wer sind wir schon? Aber womöglich geben die folgenden drei Kurzgeschichten einen Anlass dazu, darüber nachzudenken. Dabei handelt es sich zwar um sogenannte urbanen Legenden – also Geschichten, von denen man nicht weiß, ob sie wahr sind. Das ist in dem Fall aber auch unerheblich: Der Kern bleibt trotzdem wertvoll…
Erste Lektion: Die Putzfrau
In den ersten Wochen an der US-Hochschule händigte der Professor seinen Studenten einen Fragebogen aus. Es war eine Art Quiz über ihre Motivation, hier zu studieren, gemischt mit einigen Fragen zur Uni selbst. Nur die letzte Frage fiel aus dem Rahmen: „Wie heißt die Frau mit Vornamen, die regelmäßig diesen Hörsaal reinigt?“ Tatsächlich konnte kaum jemand die Frage beantworten. Zwar hatten die meisten Studierenden die Putzfrau schon ein paar Mal gesehen, wussten, dass sie um die 50 war, dunkle Haare hatte und einen spanischen Akzent. Aber ihren Namen kannte keiner. Wie auch? Niemand hatte je mit ihr ein Wort gewechselt. Also ließen die meisten das Antwortfeld zu dieser Frage frei, andere rieten einfach den Namen und schrieben „Maria“ hin.
Als alle den Fragebogen abgegeben hatten, fasste sich eine der Studierenden ein Herz und sprach den Professor direkt auf diese Frage an: „Wird diese Frage Einfluss auf die Gesamtnote am Ende des Semesters haben?“ – „Absolut“, antwortete der Professor und erklärte auch, warum: „In Ihrer Karriere werden Sie einen Haufen Leute kennenlernen. Und alle werden sehr wichtig sein. Und ich meine wirklich a-l-l-e! Jeder einzelne davon verdient Ihre Aufmerksamkeit, Ihren Respekt – zumindest aber ein Lächeln.“ Die Studenten vergaßen diese Lektion nie – ebenso wie den Namen der Putzfrau. Sie hieß Dorothy.
Zweite Lektion: Der blinde Mann
Dritte Lektion: Das Trinkgeld
Zu jener Zeit, als Eiscreme noch ein paar Cents kostete, kam ein kleiner Junge, nicht viel älter als 10 Jahre, in einen Coffee-Shop und setzte sich an einen Tisch. Nach einiger Zeit kam die Bedienung an seinen Tisch und brachte ihm ein Glas Gratis-Wasser. „Was kostet bei Ihnen eine Eiscreme-Sundae?“, fragte der Junge. „25 Cent“, gab die Bedienung zurück. Der kleine Junge wühlte in seinen Taschen und kramte einige kleine Münzen hervor, die er sorgsam zählte. Er überlegte eine Weile, dann fragte er erneut: „Und wie viel kostet ein kleines Wassereis?“ Inzwischen waren noch andere Gäste in den Coffee-Shop gekommen und wurden zunehmend ungeduldig. Entsprechend barsch antwortete die Kellnerin dem Jungen: „20 Cent! Willst du nun ein Wassereis?“
Der Junge zählte wieder seine Münzen und bejahte die Frage schließlich. Die Kellnerin beeilte sich, brachte dem Jungen das Eis, die Rechnung und verschwand. Der Junge aß sein Eis, legte seine ganzen Münzen auf den Tisch und ging. Als die Kellnerin später seinen Tisch abräumen wollte, sah sie auf die Rechnung, auf die Münzen und fing an zu weinen: Auf dem Tisch lagen exakt 25 Cent. Der Junge hatte genau ausgerechnet, dass er auf den leckeren Eiscreme-Sundae verzichten musste, um der Kellnerin ein Trinkgeld geben zu können.
Wer seine Größe kennt, lässt anderen ihre
Wie heißt es so richtig: „Die Art, wie dich jemand behandelt, sagt mehr darüber aus, was für ein Mensch dieser jemand ist – und weniger darüber, wer du bist!“ Oder wie es ein anderes Bonmot ausdrückt: „Solange du versuchst, andere zu beeindrucken, bist du von dir selbst nicht überzeugt. Solange du versuchst, besser zu sein als andere, zweifelst du an deinem Wert. Solange du versuchst, dich größer zu machen, indem du andere klein machst, hast du Zweifel an deiner Größe.“
Wer in sich ruht, hat das nicht nötig. Wer seinen Wert kennt, braucht keine ständige Bestätigung. Und wer wahrhaft groß ist, lässt anderen ihre Größe. Echter Erfolg gönnt, behandelt alle anderen Menschen mit Respekt und besitzt die innere Freiheit, auch einmal nachzugeben.
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