Das Wichtigste auf einen Blick
- Zweck: Der Notgroschen dient als finanzielle Reserve für unvorhersehbare Ausgaben wie Reparaturen oder einen plötzlichen Einkommensverlust bzw. Jobverlust. Er ist nicht für geplante Anschaffungen (Urlaub, neues Handy) gedacht, sondern nur für echte Notfälle!
- Höhe: Finanzexperten empfehlen eine Summe von 3-6 Nettomonatsgehältern, um eine solide Absicherung zu gewährleisten.
- Verfügbarkeit: Das Geld sollte sofort und ohne Kündigungsfristen griffbereit sein. Hierfür eignet sich ein Tagesgeldkonto am besten.
- Trennung: Die Rücklage sollte strikt vom Alltagskonto getrennt werden, um die Hemmschwelle für alltägliche Konsumausgaben zu erhöhen.
- Priorität: Der Aufbau der eisernen Reserve hat finanziell stets Vorrang vor der Altersvorsorge sowie vor riskanten Investments wie Aktien oder Kryptowährungen.
Hinweis: In Deutschland unterliegen Guthaben der gesetzlichen Einlagensicherung. Beträge sind bis zu 100.000 € pro Bank geschützt. Im Falle einer Privatinsolvenz oder Pfändung ist der Notgroschen jedoch auf einem normalen Sparkonto rechtlich nicht vor Gläubigern sicher.
Warum ein Notgroschen?
Laut einer Schufa-Studie verfügen rund 33 Prozent der Geringverdiener über keinerlei Rücklagen, in den mittleren und höheren Einkommensgruppen sind es mit 15 bzw. 5 % sogar noch weniger Menschen. Grund hierfür sind häufig die steigenden Lebenshaltungskosten (Miete, Sprit, Energie, Lebensmittel). Doch so ganz ohne Spargroschen über die Runden zu kommen, ist riskant. Wenn die Waschmaschine plötzlich kaputtgeht oder das Auto eine Reparatur braucht, geraten viele in die Schuldenfalle.
Finanzielle Freiheit durch Liquidität
Wer finanziell stets „auf Kante näht“, ist erpressbar. Ohne Rücklagen neigen Betroffene dazu, in einem toxischen Arbeitsverhältnis auszuharren oder bei Gehaltsverhandlungen aus einer Position der Schwäche heraus zu agieren. Der Notgroschen hingegen verleiht Ihnen das, was man gerne „Fuck-off-Money“ nennt: die Gewissheit, dass Sie im Ernstfall auch mal „Nein“ sagen oder den Job kündigen können, ohne gleich in einen finanziellen Abgrund zu stürzen. Die Psychologie hinter der Reserve ist simpel, aber effektiv: Der Puffer beruhigt und schützt zugleich vor irrationalen Entscheidungen. Ein solider Unterbau transformiert eine potenzielle Existenzkrise in eine bloße Unannehmlichkeit.
Wie hoch sollte mein Notgroschen sein?
Idealerweise umfasst Ihr Notgroschen (auch: Notfallgroschen) 3-6 Nettomonatsgehälter. Müssen Sie ungeplante Rechnungen bezahlen, bleibt Ihnen genügend Geld für die laufenden Kosten. Hinzu kommt, dass ein Jobwechsel bzw. eine Jobsuche in Deutschland im Schnitt ebenfalls 3-6 Monate dauert. Eine entsprechende Reserve sichert Sie in dieser Zeit finanziell ab – mit dem Arbeitslosengeld der Bundesagentur für Arbeit (etwa 60 % des vorherigen Nettogehaltes) reicht es sogar noch länger.
Beachten Sie bitte: Bei einer Eigenkündigung droht Ihnen eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld von bis zu 3 Monaten. Gerade hierfür ist das „Fuck-you-Money“ im Hintergrund extrem hilfreich und beruhigend.
Was sind Merkmale eines optimalen Notgroschens?
-
Jederzeit verfügbar
Der Notgroschen sollte sofort und ohne Einschränkungen zugänglich sein, da unvorhergesehene Ausgaben jederzeit auftreten können.
-
Sicher angelegt
Das Geld sollte so aufbewahrt werden, dass es keinen Wertschwankungen unterliegt und im Ernstfall vollständig verfügbar ist. Es geht dabei nicht um Rendite, sondern um Sicherheit.
-
Höhe passend zur Lebenssituation
Die Rücklage sollte sich an Ihren persönlichen Risiken und Ausgaben orientieren. Wer z.B. kein Auto oder keine teuren Verpflichtungen hat, benötigt weniger als jemand mit höheren laufenden Kosten.
-
Individuell anpassbar
Die Höhe sollte regelmäßig überprüft und bei Lebensveränderungen (z.B. Einkommen, Familie, Ausgaben) neu angepasst werden. 2-3 Monatsgehälter sollten es aber immer sein.
„Machen Sie es nicht kompliziert: Ein zentraler Ausgangspunkt für Ihren Finanzpuffer sollten die monatlichen Fixkosten sein. Der Notfallgroschen sollte ausreichen, diese einige Monate zu bezahlen, um Ihnen ein gutes Sicherheitsgefühl zu geben.“ – Jochen Mai, Jobmentor mit über 20 Jahren Erfahrung und Autor zahlreicher Karrierebücher.
Tipps: Wie kann ich einen Notgroschen aufbauen und ansparen?
Gerade für Geringverdiener ist es oft eine große Herausforderung, regelmäßig Geld zur Seite zu legen und finanzielle Rücklagen aufzubauen. Das verstehen wir. Betrachten Sie dies aber nicht als Sprint, sondern eher als Marathon: Kleine Schritte sind besser als keine Schritte! Hier sind die effektivsten Hebel, um ein finanzielles Polster zügig und stressfrei aufzubauen:
1. Sparquote festlegen
Überlegen Sie sich zuerst, welche Summe Sie monatlich entbehren könnten, ohne die Lebensqualität spürbar einzuschränken. Laut 50-30-20-Regel liegt das Optimum bei einer Sparquote von 20 % des Nettoeinkommens. Wer das nicht schafft, kann genauso mit 3-5 % beginnen. Wichtig ist nur, dass Sie es tun!
2. Dauerauftrag einrichten
Behandeln Sie Ihren Notgroschen wie eine unaufschiebbare Rechnung. Richten Sie bei Ihrer Bank direkt einen Dauerauftrag ein, und überweisen Sie das Ersparte auf ein separates Tagesgeldkonto – ganz nach dem Motto: „Bezahle dich selbst zuerst.“ Was weg ist, kann nicht mehr impulsiv ausgegeben werden.
3. Tricks nutzen
Auch Kleinvieh macht Mist: Nutzen Sie überdies Apps oder Bankfunktionen zum Aufrunden. Dabei wird jeder Einkauf auf den nächsten Euro aufgerundet und die Differenz automatisch gespart. Dasselbe funktioniert, indem Sie etwa alle 2-Euro-Münzen sofort in ein Sparschwein stecken. Das merken Sie im Alltag kaum – es läppert sich aber über den Monat einiges dabei zusammen.
3. Etappenziele setzen
Ein weiterer psychologischer Trick ist, sich kleine Ziele zu stecken. Ein volles Polster von sechs Monatsgehältern kann einschüchternd wirken. Feiern Sie stattdessen schon die ersten 1000 €. Das ist oft eine wichtige Hürde, um davon z.B. eine kleine Autoreparatur oder den kaputten Kühlschrank ohne Pulsbeschleunigung zu bezahlen.
Gewinne umleiten
Sogenannte Windfall-Gewinne sind Steuerrückerstattungen, Bonuszahlungen oder Extra-Geld vom Chef wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld. Auch diese Zahlungen sollten Sie sofort und konsequent auf Ihr Notgroschen-Konto umleiten, statt in einen höheren Lebensstandard zu investieren. Dadurch vermeiden Sie zudem die sogenannte Lifestyle-Inflation.
30-Tage-Regel anwenden
Die 30-30-Regel verhindert Impulskäufe oder einen Kaufrausch. Der Trick: Bevor Sie eine größere Anschaffung tätigen, die nicht lebensnotwendig ist, warten Sie 30 Tage. Oft verschwindet der Wunsch von selbst – und das gesparte Geld wandert direkt aufs Notfallkonto.
Fixkosten-Inventur machen
Überprüfen Sie alle Abos und Verträge selbstkritisch: Was davon muss wirklich sein? Was nutzen Sie vielleicht gar nicht mehr? Jedes gekündigte Streaming-Abo oder Einsparungen durch einen günstigeren Stromtarif bringen monatlich bares Geld, ohne dass Sie auf irgendetwas Wichtiges verzichten müssen. Und natürlich sollte auch das gesparte Geld sofort in Ihren Puffer fließen.
Haushaltsbuch führen
Nicht wenige Menschen haben Probleme damit, den Überblick über Ihre Finanzen zu behalten. Das gute alte Haushaltsbuch (modern: eine Excel-Tabelle mit automatischen Rechenfunktionen) hilft Ihnen, einen Überblick zu gewinnen sowie weitere Sparpotenziale aufzuspüren.
Lesen Sie dazu auch: Die 60 besten Spartipps
Wie sollte ich meinen Notgroschen anlegen?
Das Geld unter der Matratze zu parken, ist sicher keine Option. Schon weil es durch die Inflation schleichend an Wert verliert. Am besten sind Anlageformen für einen Notfall geeignet, die Sicherheit und wenigstens ein paar Zinsen bieten. Unsere Empfehlungen:
Tagesgeldkonto – die Ideallösung
Das Tagesgeldkonto ist der Goldstandard für Ihren Notgroschen. Es vereint drei entscheidende Vorteile: Das Geld ist jederzeit und sofort verfügbar, es ist durch das separate Konto von den Alltagsausgaben getrennt, und es ist dank der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu 100.000 € pro Bank absolut geschützt.
Zusätzliche Profi-Tipps
- Auch wenn der Notgroschen nicht dafür gedacht ist, ein Vermögen aufzubauen, ist die Inflation dennoch ein natürlicher Feind. Nutzen Sie deshalb Neukundenangebote bei Tagesgeldkonten. Oft erhalten Sie darauf kleine Zinsen, die die Inflation zumindest teilweise ausgleichen.
- Ebenso empfehlen wir das Zwei-Konten-Modell: Eröffnen Sie das Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank als Ihr Girokonto. Warum? So sehen Sie den Betrag nicht jedes Mal, wenn Sie sich in die Banking-App einloggen. Damit steigt die psychologische Hürde, das Geld anzurühren.
- Nutzen Sie zusätzlich eine eiserne Reserve im Portemonnaie: Unabhängig vom Konto ist ein kleiner Barbetrag (z.B. 100 €), der separat im Geldbeutel oder zu Hause liegt, sinnvoll – falls einmal das Kartensystem im Supermarkt ausfällt oder Sie ein Taxi bar bezahlen müssen.
- Wichtigste Regel: Wenn Sie den Notgroschen für einen echten Notfall nutzen mussten, hat der Wiederaufbau des Puffers oberste Priorität – vor allen anderen Sparzielen oder Investments. Es ist Ihre Liquiditäts-Versicherung!
Was sind ungeeignete Anlageformen?
Aktien, ETFs und Kryptowährungen sollten Sie hingegen nicht für den Spargroschen nutzen. Diese Anlageformen locken zwar mit hohen Renditen, sind aber für den Notgroschen tabu: zu hohes Ausfallrisiko! Wenn Sie ausgerechnet während eines Börsencrashs an Ihr Geld müssen, realisieren Sie herbe Verluste. Zudem dauern der Verkauf und die Auszahlung oft mehrere Bankarbeitstage.
Dasselbe gilt für Immobilien und Sachwerte: Immobilien sind „immobil“ – also extrem unbeweglich. Ein Verkauf dauert Monate und ist mit hohen Nebenkosten verbunden. Goldmünzen oder Uhren müssen erst mühsam zu einem fairen Preis verkauft werden. Im Notfall zählt jedoch jede Stunde. Und bei Festgeld kassieren Sie zwar höhere Zinsen als beim Tagesgeld – Sie verpflichten sich aber, das Geld für Monate oder Jahre nicht anzurühren. Ein vorzeitiger Abbruch ist oft unmöglich oder mit hohen Strafgebühren (Vorschusszinsen) verbunden.
Was andere dazu gelesen haben
„Machen Sie es nicht kompliziert: Ein zentraler Ausgangspunkt für Ihren Finanzpuffer sollten die monatlichen Fixkosten sein. Der Notfallgroschen sollte ausreichen, diese einige Monate zu bezahlen, um Ihnen ein gutes Sicherheitsgefühl zu geben.“ – Jochen Mai, Jobmentor mit über 20 Jahren Erfahrung und