Alles auf einen Blick
- Definition: Mitarbeiterempfehlungen sind ein Recruiting-Instrument zur Personalbeschaffung, bei dem Mitarbeiter Personen aus ihrem privaten oder beruflichen Netzwerk für offene Stellen beim eigenen Arbeitgeber vorschlagen.
- Erfolgsquote: Empfohlene Kandidaten haben eine deutlich höhere Chance auf eine Einstellung, bleiben statistisch länger im Unternehmen und passen meist genau zum Anforderungsprofil.
- Vorteile: Für Arbeitgeber sinken durch Mitarbeiterempfehlungen die Kosten pro Einstellung (Cost-per-Hire) sowie die Zeit bis zur Besetzung (Time-to-Hire) im Vergleich zu klassischen Kanälen der Personalgewinnung.
- Anreize: Unternehmen fördern Mitarbeiterempfehlungen meist durch Geldprämien, Sachpreise, zusätzliche Urlaubstage oder andere Benefits.
- Voraussetzung: Ein funktionierendes Empfehlungsprogramm basiert auf einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit, da nur überzeugte Angestellte ihren Arbeitgeber weiterempfehlen.
Laut Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nutzen 58 % der Unternehmen in Deutschland Mitarbeiterempfehlungen, um Personal über eigene Beschäftigte oder persönliche Kontakte zu rekrutieren. Empfohlene Kandidaten werden dabei mit einer bis zu 4-mal höheren Wahrscheinlichkeit eingestellt als ein Bewerber von einer Jobbörse. Die Conversion-Rate bei Empfehlungen liegt zwischen 30-50 % und führt zu einem dauerhaften Arbeitsverhältnis.
Wie funktionieren Mitarbeiterempfehlungen?
Bei einer Mitarbeiterempfehlung machen die eigenen Mitarbeiter Vorschläge für die Neubesetzung einer freien Stelle. Der empfehlende Angestellte stellt den Kontakt zwischen Arbeitgeber und potenziellem neuen Arbeitnehmer her. Dafür eignen sich ehemalige Kollegen aus anderen Unternehmen, frühere Kommilitonen oder private Freunde – natürlich unter der Voraussetzung, dass diese die notwendigen Qualifikationen und Erfahrungen mitbringen. Das sprichwörtliche Vitamin B alleine reicht nicht für eine erfolgreiche Empfehlung.
Vorteile: Gute Gründe für Mitarbeiterempfehlungen
Arbeitgeber nutzen schon immer das bewährte Konzept von Stellenausschreibungen und Bewerbungsprozessen, um neue Mitarbeiter zu finden. Warum sind Mitarbeiterempfehlungen dann überhaupt notwendig? Das hat gleich mehrere Gründe: Zum einen ist es kein Ersatz, sondern eine Ergänzung. Unternehmen können weiterhin freie Positionen ausschreiben und darüber besetzen. Hinzu kommen zahlreiche Vorteile von Mitarbeiterempfehlungen:
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Geringe Kosten
Ausschreibungen und ein umfangreicher Auswahlprozess kosten viel Zeit und Geld. Durch eine Empfehlung von Mitarbeitern können Sie ohne große Kosten qualifizierte Fachkräfte finden – selbst wenn für die erfolgreiche Mitarbeiterempfehlung ein finanzieller Bonus gezahlt wird.
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Größere Reichweite
Klassische Ausschreibungen erreichen nur Fachkräfte, die aktiv auf der Suche nach einem neuen Job sind. Mitarbeiterempfehlungen sorgen für zusätzliche Reichweite. Durch Kontakte können auch Arbeitnehmer empfohlen werden, die sich nicht gezielt nach einer neuen Position umsehen – aber das passende Profil für die Stelle haben.
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Gutes Employer Branding
Mitarbeiterempfehlungen sind gut für das Employer Branding. Kein Arbeitnehmer empfiehlt seinen Kontakten einen Job im eigenen Unternehmen, wenn er dort unzufrieden ist. Damit positionieren Firmen sich als attraktive Arbeitgeber.
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Passende Kandidaten
Die vorgeschlagenen Bewerber passen gut zum Unternehmen und zur freien Position. Mitarbeiter empfehlen einen Kandidaten nur dann, wenn sie absolut überzeugt von dessen Qualifikation, Motivation und Passgenauigkeit für das Team sind. Schließlich möchte niemand seinem Chef einen neuen Angestellten vorschlagen, der sich als kompletter Flop herausstellt.
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Mehr Loyalität
Wer als Mitarbeiter empfohlen wird, bleibt durchschnittlich länger im Unternehmen und zeigt mehr Loyalität zum Arbeitgeber. Zudem haben auch die empfehlenden Mitarbeiter eine längere Betriebszugehörigkeit – ein Zeichen der Zufriedenheit mit dem Job und dem Unternehmen.
Probleme und Risiken bei Mitarbeiterempfehlungen
Neben den Vorteilen kann es bei Mitarbeiterempfehlungen im Unternehmen aber auch zu Problemen und Nachteilen kommen. Eine Schwierigkeit besteht bereits darin, dass es oft keine klare Struktur und Regelung gibt. Arbeitgeber überlassen es dem Zufall, statt aktiv an der Umsetzung und Förderung zu arbeiten. Zusätzlich kann es weitere Nachteile geben:
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Unklare Anforderungen
Die eigenen Mitarbeiter wissen nicht immer genau, wie das Anforderungsprofil für eine freie Stelle aussieht. So sind Empfehlungen vielleicht gut gemeint, den Kandidaten fehlen aber notwendige Fähigkeiten für die Aufgaben im Job.
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Problematische Bonuszahlungen
Arbeitgeber können Empfehlungen durch finanzielle Anreize belohnen. Das kann aber gleich zwei Probleme haben: Entweder sind die Bonuszahlungen zu gering und der gewünschte Effekt bleibt aus – oder der finanzielle Anreiz bringt unzählige (auch ungeeignete) Mitarbeiterempfehlungen, weil Angestellte die Finanzspritze bekommen wollen.
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Mögliche Vetternwirtschaft
Werden zunehmend Mitarbeiter über Beziehungen eingestellt, droht Vetternwirtschaft im Betrieb. Alles läuft nur noch über Kontakte. Beförderungen und Gehaltserhöhungen gehen an Freunde, wichtige Projekte werden den eigenen Empfehlungen zugeschoben. Außenstehende haben keine Chance mehr.
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Interne Konflikte
„Der hat den Job doch nur über seine Verbindung zum Chef bekommen…“ – Der Einstieg ins Team kann schwierig sein, wenn Mitarbeiter nach einer Empfehlung eingestellt werden. Es drohen Konflikte und Probleme für das Betriebsklima.
Tipps für bessere Mitarbeiterempfehlungen
Wollen Arbeitgeber durch Mitarbeiterempfehlungen erfolgreich neue Angestellte finden, müssen sie dabei einige Punkte beachten. Ansonsten bleiben Empfehlungen möglicherweise komplett aus – oder es droht Chaos, weil die Vorschläge nicht in geregelte Bahnen gelenkt werden. Diese Tipps helfen bei der Einführung und Umsetzung von Mitarbeiterempfehlungen:
Etablieren Sie ein Programm für Mitarbeiterempfehlungen
Es braucht einen klaren Ablauf und Regeln für die Mitarbeiterempfehlung. Denkbar ist eine Möglichkeit zur Empfehlung über das Intranet oder Führungskräfte führen direkte Gespräche, wenn ein Mitarbeiter einen Kontakt empfehlen möchte. Wichtig ist klare Kommunikation, dass Mitarbeiterempfehlungen gewünscht sind und gefördert werden. Die klaren Regelungen steigern die Erfolgschancen und senken die Hemmschwelle innerhalb des Teams. Wer nicht weiß, wie auf eine Empfehlung reagiert wird, hält sich lieber zurück – selbst dann, wenn er vielleicht den perfekten Kandidaten für eine Stelle kennt.
Achten Sie auf eine passende Belohnung
Eine Belohnung in Form einer Prämie ist ein beliebter Anreiz für Empfehlungsprogramme. Wird ein neuer Kollege aufgrund der Empfehlung eingestellt und bleibt das Arbeitsverhältnis für eine bestimmte Mindestdauer – etwa bis nach der Probezeit – bestehen, wird eine Prämie an den Empfehler ausgezahlt. Das kann die Zahl der Kandidatenvorschläge steigern, sollte aber nicht der alleinige Fokus sein. Zu hohe Zahlungen führen zu willkürlichen Empfehlungen. Es geht dann nur noch ums Geld. Ob ein Kandidat wirklich passt, spielt dann eine untergeordnete Rolle. Mehr zu möglichen Anreizen erfahren Sie im nächsten Abschnitt.
Wählen Sie Kandidaten mit Bedacht aus
Mitarbeiterempfehlungen sind eine gute Grundlage und liefern vielversprechende Kandidaten. Die Vorschläge aus der Belegschaft sind aber nur eine Vorauswahl – am Ende liegen die Auswahl und die Entscheidung in der Personalabteilung. Es müssen dieselben Kriterien und Voraussetzungen wie bei anderen Bewerbern gelten. Nur so werden letztlich wirklich die besten Mitarbeiter eingestellt.
Machen Sie Mitarbeiter nicht verantwortlich
Nicht jede Empfehlung entpuppt sich als Glücksgriff. Vielleicht zeigt sich nach einiger Zeit, dass der neue Mitarbeiter die Erwartungen nicht erfüllen kann. Die Verantwortung und Schuld dafür darf nie beim empfehlenden Mitarbeiter gesucht werden. Gleichermaßen gibt es keine Verpflichtung, einer Mitarbeiterempfehlung zu folgen. Zeigt sich im Vorstellungsgespräch, dass der empfohlene Mitarbeiter nicht zum Unternehmen passt, oder wird ein besserer Kandidat gefunden, kommt eine Absage. Auch dies sollte von Anfang an klar und offen kommuniziert werden, um Missverständnissen vorzubeugen.
Vergessen Sie den normalen Bewerbungsablauf nicht
Das Anwerben von Freunden durch Mitarbeiter ist zwar eine Alternative, kann jedoch das normale Bewerbungsverfahren nur ergänzen – nicht ersetzen. Das Augenmerk sollte daher auch weiterhin auf den klassischen Bewerbungen liegen, schon aus dem Grund, um nicht viele mögliche Arbeitnehmer von vornherein auszuschließen.
Anreize für Mitarbeiterempfehlungen
Ein funktionierendes Empfehlungsprogramm ist kein Selbstläufer. Ein zu komplizierter Prozess oder fehlende Anreize bringen das gesamte System ins Stocken. Damit die eigenen Mitarbeiter passende Empfehlungen liefern, können verschiedene Belohnungen angeboten werden:
- Einfache Positionen, Sachbearbeitung: 500 € bis 1.000 €
- Fachkräfte, IT-Spezialisten: 1.500 € bis 3.000 €
- Führungskräfte, gefragte Experten: mehr als 5.000 €
- Hochwertige Tech-Gadgets (z.B. Tablet oder Smartphone)
- Reisegutscheine oder Wochenendtrips
- Tank- oder Einkaufsgutscheine (siehe: steuerfreie Sachzuwendungen)
1. Klassische Geldprämie (Cash Bonus)
Geld ist nach wie vor der stärkste Motivator für Mitarbeiterempfehlungen. Die Höhe der Prämie variiert je nach Dringlichkeit und Qualifikationsniveau der Stelle:
Wichtig für die Praxis: Die Auszahlung erfolgt fast nie sofort. Ein bewährtes Modell ist die Splittung: 50 % der Prämie werden mit der erfolgreichen Unterzeichnung des Arbeitsvertrags ausgezahlt, die restlichen 50 % nach dem Überstehen der sechsmonatigen Probezeit durch den neuen Kollegen. Empfehlungsprämien sind in Deutschland voll steuer- und sozialversicherungspflichtig!
2. Non-monetäre Anreize (Sachpreise)
Statt einer reinen Geldleistung können für erfolgreiche Mitarbeiterempfehlungen auch Sachpreise angeboten werden. Beliebt sind zum Beispiel:
3. Zusätzliche Urlaubstage
Zeit ist die neue Währung auf dem Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern für eine erfolgreiche Vermittlung bis zu 3 zusätzliche, voll bezahlte Urlaubstage an. Für viele Angestellte ist dies sogar attraktiver als eine Geldprämie.
4. Fortlaufende Motivation
Um das Thema dauerhaft im Gedächtnis zu halten, setzen einige Firmen auf Leaderboards und Punktesysteme. Mitarbeiter erhalten bereits Punkte dafür, dass sie eine Stelle auf Social Media teilen oder ein Profil einreichen – selbst, wenn es am Ende nicht zur Einstellung kommt. Die Punkte können später in einem internen Shop gegen Prämien eingetauscht werden. Diese Form der Gamification sorgt für Motivation und Begeisterung für die Mitarbeiterempfehlungen.
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