Was ist die Ausschluss-Methode?
Die Ausschluss-Methode (auch: Ausschlussverfahren) ist eine Kreativitätstechnik, bei der naheliegende, ungeeignete oder bereits bekannte Lösungen bewusst ausgeschlossen werden. Statt direkt nach der besten Idee zu suchen, verkleinern Sie zunächst den möglichen Lösungsraum.
Das Prinzip kennen viele aus Logikrätseln, wie Brainteasern oder Fermi-Fragen: Beim Ausschlussverfahren wird nicht sofort gefragt „Was ist richtig?“, sondern zunächst „Was kann nicht richtig sein?“ Beim Sudoku beispielsweise werden mögliche Zahlen so lange ausgeschlossen, bis sich die richtige Lösung ergibt.
Als Kreativitätstechnik bekommt dieses Prinzip jedoch einen besonderen Dreh: Hier werden bewusst auch naheliegende und brauchbare Einfälle ausgeschlossen. Die Einschränkung zwingt dazu, gewohnte Denkpfade zu verlassen und ungewöhnlichere Alternativen zu entwickeln. Wie die Disney-Methode, die Osborn-Methode oder SCAMPER-Methode gehört das Ausschlussverfahren zu den klassischen Kreativitätstechniken – dreht deren üblichen Ansatz aber gewissermaßen auf den Kopf.
Wie funktioniert das Ausschlussverfahren?
Die Ausschluss-Methode funktioniert in drei einfachen Schritten:
-
Naheliegende Ideen sammeln
Sammeln Sie zunächst typische Begriffe, Einfälle oder Lösungen zu Ihrem Thema – zum Beispiel mit einem Brainstorming.
-
Bekanntes ausschließen
Streichen Sie anschließend genau diese naheliegenden Vorschläge. Sie dürfen für die weitere Ideenfindung nicht mehr verwendet werden.
-
Neue Alternativen suchen
Jetzt beginnt die eigentliche Kreativarbeit: Welche Lösung funktioniert noch, wenn die üblichen Antworten tabu sind? Durch die künstliche Einschränkung entstehen neue Denkwege.
Das Ausschlussprinzip wirkt damit wie eine Leitplanke: Der Lösungsraum wird kleiner – gleichzeitig steigt der Zwang, innerhalb der verbleibenden Möglichkeiten anders zu denken.
Ausschluss-Methode Beispiel: Werbekampagne entwickeln
Angenommen, Ihr Unternehmen möchte eine Werbekampagne für eine neue Eiscremesorte entwickeln. Im ersten Schritt sammelt das Team alle Begriffe, die spontan mit Eiscreme verbunden werden:
- Sommer
- Sonne
- Strand
- Erfrischung
- Waffel
- Softeis
- Eis am Stiel
Nun folgt der entscheidende Perspektivwechsel: Der Meetingleiter sagt: „Entwickeln Sie einen Slogan für die neue Kampagne, in dem keiner dieser Begriffe oder Motive vorkommen darf!“ Plötzlich funktionieren die gewohnten Assoziationen nicht mehr. Das Team muss nach anderen Bildern, Emotionen, Situationen und sprachlichen Ideen suchen. Genau darin liegt die Stärke der Ausschlusstechnik: Die erste und offensichtlichste Antwort wird absichtlich versperrt, damit neue Gedanken entstehen.
Ausschlussverfahren einfach erklärt
Nicht immer führt die direkte Suche nach der richtigen Antwort zum besten Ergebnis. Beim Ausschlussverfahren drehen Sie die Frage um: Was kommt nicht infrage? Indem Möglichkeiten systematisch wegfallen, wird der Lösungsraum kleiner. Bei der Ausschluss-Methode als Kreativitätstechnik werden zusätzlich naheliegende Lösungen gestrichen, um originellere Alternativen zu provozieren.
Welche Vorteile hat die Ausschluss-Methode?
Die Methode ist vor allem dann hilfreich, wenn eine Gruppe immer wieder bei denselben Ideen landet oder eine Lösung zu vorhersehbar erscheint.
-
Klischees vermeiden
Naheliegende Assoziationen werden bewusst ausgeschlossen. Dadurch entstehen eher Vorschläge jenseits bekannter Muster.
-
Denkblockaden lösen
Eine Einschränkung klingt zunächst hinderlich, kann die Kreativität aber anregen: Wenn der gewohnte Weg versperrt ist, müssen Sie einen anderen suchen.
-
Neue Perspektiven entdecken
Die Ausschlusstechnik zwingt dazu, eine Aufgabe aus ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten und bisher übersehene Möglichkeiten einzubeziehen.
-
Einfach anwenden
Sie benötigen weder besondere Materialien noch eine aufwendige Vorbereitung. Die Methode funktioniert allein ebenso wie im Team.
Welche Nachteile hat das Ausschlussverfahren?
Der Vorteil der Originalität ist zugleich die größte Schwäche der Methode: Nicht jede naheliegende Idee ist automatisch schlecht. Wer Bekanntes grundsätzlich ausschließt, kann deshalb auch eine überzeugende Lösung unnötig verwerfen. Hinzu kommt ein Gewöhnungseffekt: Wissen Mitarbeiter bereits, dass ihre ersten Vorschläge anschließend ausgeschlossen werden, könnten sie das Brainstorming manipulieren und besonders gute Einfälle zunächst zurückhalten. Dann wird aus der Ausschlusstechnik schnell ein stumpfes Schwert.
Gerade in Werbung und Verkaufspsychologie sind Klischees und vertraute Muster zudem nicht grundsätzlich nachteilig. Bekanntes schafft Orientierung und Wiedererkennung. Ungewohnte Begriffe oder Botschaften können dagegen zunächst Skepsis oder Ablehnung auslösen.
Wann eignet sich die Ausschluss-Methode?
Setzen Sie die Methode deshalb gezielt und dosiert ein. Besonders hilfreich ist sie, wenn Ideen vorhersehbar wirken, sich Diskussionen im Kreis drehen oder ein Team immer wieder auf dieselben Lösungen kommt. Weniger geeignet ist das Verfahren, wenn es bereits wenige realistische Optionen gibt oder bewährte Lösungen aus guten Gründen funktionieren. Ausschließen ist schließlich kein Selbstzweck.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Wie können wir möglichst viele Ideen streichen?“ Sondern: „Welche naheliegenden Antworten müssen wir vorübergehend ausschließen, damit wir auf etwas Neues kommen?“ So verstanden ist die Ausschluss-Methode ein einfacher Zwang zum unkonventionellen Denken: Sie versperrt bewusst die ausgelatschten Denkpfade – und macht damit neue Wege sichtbar.
Was andere dazu gelesen haben
