Exnovation: Platz für Neues durch Aussortieren

Alles schreit nach Innovation – das Alte wird für schlecht oder unbrauchbar befunden und schon muss etwas Neues her. Natürlich ist es richtig, nach neuen Wegen zu forschen, wenn das Alte nicht mehr passend erscheint. Aber wie heißt es so schön? Eins nach dem anderen, erst die eine Sache beenden. Und genau darum geht es bei Exnovation. Altes wird aussortiert, beendet, abgeschafft. Das lässt sich gut im Bereich verschiedener Technologien beobachten, aber auch in anderen Lebensbereichen. Wie Exnovation Ihnen dabei hilft, Klarheit zu gewinnen…

Exnovation: Platz für Neues durch Aussortieren

Exnovation Definition: Was ist das?

Exnovation NachhaltigkeitExnovation ist das Antonym zu Innovation. Übersetzt wird es meist mit der Abschaffung von Altem. Dieses Alte, das können überholte Technologien sein, Nutzungssysteme, Praktiken oder Prozesse, die nicht mehr für gut befunden werden.

Die Gründe können darin liegen, dass sie unrentabel geworden sind, dass sie modernen Qualitätsansprüchen nicht genügen oder anderweitig unpraktisch sind. Zu beobachten ist das beispielsweise bei Gegenständen wie der Videokassette als Speichermedium für Filme.

Die Nachhaltigkeitsforschung sieht in Exnovation weniger ein punktuelles Ereignis, sondern eher einen Prozess. So beispielsweise beim Atom- und Kohleausstieg, der sich über Jahre hinweg zieht. Der Begriff wird auf den amerikanischen Wirtschaftssoziologen John R. Kimberly zurückgeführt, der es 1981 so formulierte:

Die ‚Einführung des Neuen‘ ohne die ‚Ausführung des Alten‘ (Exnovation) zu denken, verschleiert aber den Blick auf die Komplexität vieler Veränderungsprozesse, mit denen sich moderne Gesellschaften momentan konfrontiert sehen. (Zitiert nach Annika Arnold, Martin David, Gerolf Hanke, Marco Sonnberger)

Wie Unternehmen Exnovation nutzen

Wenn erkannt wurde, dass keine Innovation, keine Weiterentwicklung möglich ist, liegt Exnovation am Ende eines Lebenszyklus eines Produktes oder Prozesses. Genau das führt bei einigen Unternehmen dazu, ihre Organisation zu verbessern. Erfolgreich angewandt haben das bereits die amerikanischen Unternehmen General Electric, Ford Motor Company and American Airlines.

So geht es bei Exnovation also nicht nur darum, etwas Bestehendes schlicht zu beenden, sondern gängige Praktiken zu verbessern. Zu beobachten ist dies beispielsweise, wenn neue Projekte ins Leben gerufen werden. Im Laufe solcher Projekte wird – nicht selten am Mitarbeiter vorbei – eine Reihe von Richtlinien, Vorgaben und Verfahrensweisen aufgebürdet, die den Ablauf belasten.

Besonders frustrierend: Häufig ist ihr Nutzen längst nicht mehr vorhanden, da andere Vorgänge die alten abgelöst haben. Zu beobachten beispielsweise, wenn Behörden verpflichtet sind, Unterlagen für eine Abteilung doppelt auszudrucken, obwohl bereits an anderer Stelle die Informationen digital vorliegen.

Mit Exnovation lassen sich also alte Praktiken auf den Prüfstand stellen und untersuchen, was funktioniert und was nicht. So erhalten Sie die Chance, Überflüssiges zu streichen und Platz für Neues zu schaffen.

Exnovation im eigenen Leben

Sie kennen das sicherlich aus Ihrem Leben: Sehr gerne möchten Sie etwas Neues haben. Vielleicht neue Kleidung, neue Möbel – ganz gleich. Eine gewisse Zeit können Sie sich einfach neue Dinge anschaffen. Doch irgendwann stoßen Sie an Ihre Grenzen. Soll die Wohnung oder das Haus nicht einer Müllhalde oder einem Sammelsurium aller möglichen Dinge gleichkommen, müssen Sie aussortieren.

So verhält es sich auch in anderen Bereichen. Exnovation ist auch hier das Stichwort: Man muss auch loslassen können. Das gilt für langjährige Beziehungen, in denen sich die Partner vielleicht in eine andere Richtung weiterentwickelt haben. Das gilt für langgehegte Träume, deren Realisierung immer unwahrscheinlicher wird.

Natürlich können Sie sich in eine Sache verbeißen, die Frage ist nur, ob es das wert ist? Das soll jetzt keinesfalls ein Plädoyer für schnelles Aufgeben werden. Und es gibt auch immer wieder Situationen, in denen Durchhaltevermögen gefragt ist.

Beispielsweise wenn sich jemand kürzlich selbständig gemacht hat und die Aufträge einfach ausbleiben. Sofort das Handtuch zu werfen, wäre auf eine Art und Weise die einfachste Lösung. Statt sich unbequemen Fragen zu stellen und zu überlegen, woran die derzeitige Durststrecke liegt.

Die Angst vor Veränderungen

In anderen Fällen können alte Vorstellungen Ballast darstellen. Vielleicht hat jemand immer die Vorstellung gehabt, Jurist werden zu müssen. Am besten Staranwalt. Er quält sich durchs Studium, weil er schließlich diesem ganz alten Traum nachgeht. Und weil die Eltern hohe Erwartungen an ihn haben.

Aber eigentlich sind die Leistungen gerade mal mittelmäßig und der Spaß bleibt auf der Strecke. Stattdessen bindet dieses ungeliebte Studium sämtliche Kapazitäten, frisst Zeit für Freunde und Freizeit und blockiert die Gedanken.

Die Gründe dafür, warum viele an Altem festhalten, sind unterschiedlicher Natur:

  • Nostalgie – Sie haben sich alles so schön ausgemalt und in Ihrer Fantasie war es ganz anders. Sie hängen diesem Gedanken nach und hoffen unrealistisch, dass es doch noch so werde.
  • Investitionen – Sie haben bereits viel Geld, viel Zeit und viel Mühe in Ihr Projekt gesteckt und es muss jetzt einfach klappen. Gerade wenn viele Investitionen getätigt wurden, fällt es schwer sich davon zu trennen, vor allem, wenn andere einem diese Dinge aufgeschwatzt haben.
  • Skepsis – Sie trauen dem Braten nicht. Für Sie ist nicht erkennbar, ob sich mit etwas anderem als dem bisherigen System wirklich was bewerkstelligen lässt.

Exnovation als eine Form der Innovation

Gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht, erinnert Exnovation stark an das Konzept des Minimalismus. Denn als ein zentrales Problem vor allem in westlichen Gesellschaften wird das Konsumverhalten gesehen.

Alles ist im Überfluss vorhanden und muss massenweise konsumiert werden. Statt sieben T-Shirts müssen es 30 sein, statt einmal in der Woche muss es jeden Tag Fleisch zu essen geben. Die Folge sind Billigproduktionen in Schwellenländern und Massentierhaltung. In jedem Fall ausbeuterische Verhältnisse, die den Massenkonsum erst möglich machen.

Es gibt bereits mehrere Trends, die sich dem widersetzen. Letztlich ist auch Konsumverzicht von Exnovation inspiriert: Statt sich jede Woche ein neues Billigshirt in einer Kaufhauskette zu kaufen, wird der eigene Kleiderschrank ordentlich ausgemistet und geschaut, was davon wirklich noch getragen wird beziehungsweise überhaupt passt.

Ganz gleich, ob es um den Kleiderschrank oder Prozesse im Unternehmen geht: Exnovation als Maßnahme verschafft Ihnen wieder einen Überblick über die elementaren, unverzichtbaren Bestandteile. Genau der geht manchmal verloren.

Im Hinblick auf Dinge, die wir ändern möchten, denken viele an Erneuerung ausschließlich als Innovation. Dabei gibt es ungeachtet der Tatsache, ob es um Probleme im Unternehmen oder gesellschaftliche Herausforderungen geht, noch andere Möglichkeiten, von denen Exnovation nur eine darstellt.

Ebenfalls möglich:

  • Renovation

    Statt etwas völlig anderes zu besorgen oder etwas Altes abzuschaffen, besteht ebenso die Möglichkeit der Generalüberholung. Angenommen, Sie besitzen ein älteres, hochwertiges Fahrrad, das kaputt ist, dann wäre Innovation in diesem Fall, es durch ein Auto oder ein Motorrad zu ersetzen. Exnovation wäre die Beseitigung des Fahrrads. Ebenso möglich ist die Reparatur. Vielleicht nehmen Sie sogar die Gelegenheit wahr und schaffen sich hydraulische Bremsen im Vergleich zu den herkömmlichen an. Damit haben Sie Ihr Fahrrad wieder funktionstüchtig gemacht und es gleichzeitig aufgewertet. Die Japaner haben für diese schöne Tradition übrigens einen Namen: Kintsugi.

  • Imitation

    Es wird auf etwas zurückgegriffen, was es so schon vor längerer Zeit gab, was allerdings in Vergessenheit geraten ist. Als Beispiel hierfür kann der biologische Anbau gesehen werden. Eigentlich bildet er etwas ab, das es so bereits früher gab. Einige Biohändler ärgern sich daher über die Unterscheidung zwischen „biologischen“ und „konventionellem Anbau“, denn genaugenommen ist der biologische Anbau der konventionelle, da der herkömmliche, den es lange vor der Erfindung irgendwelcher Pestizide gab.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
18. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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