Mit dieser Frage entlarven Personaler Egoisten

Ein Vorstellungsgespräch dient dazu, den Bewerber besser kennenzulernen. Innerhalb kurzer Zeit müssen sich Personaler ein Bild davon machen, welche Art Mensch vor ihnen sitzt: Egoist oder nicht? Erzählen kann ein Kandidat viel – niemand outet sich als Egoist. Es gibt einen simplen Trick, den wahren Charakter einer Person aufzudecken. Mit dieser Frage entlarven Personaler Egoisten

Mit dieser Frage entlarven Personaler Egoisten

Unterschiedliche Sorten von Mitarbeitern

Um zu der Frage, mit der Personaler Egoisten entlarven zu kommen, ist es notwendig, zunächst etwas über unterschiedliche Persönlichkeitstypen zu wissen. Der amerikanische Organisationspsychologe Adam Grant hat unzählige Studien durchforstet, verschiedene Unternehmen und Organisationen untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass die Arbeitswelt sich in drei Sorten von Mitarbeitern einteilen lässt:

  • Giver

    Solche Kollegen sind bei anderen immer beliebt, denn sie gehören zu den hilfsbereiten. Das kann mitunter soweit gehen, dass ihre eigene Arbeit darunter leidet, nur weil sie so schlecht nein sagen können. Ihre Leitfrage lautet Grant zufolge: What can I do for you? Ein Viertel aller Mitarbeiter im Unternehmen ist den Gebenden zuzuordnen.

  • Taker

    Das krasse Gegenteil sind die Kollegen mit Nehmerqualitäten. Taker sehen soziale Interaktion vor allem unter dem Gesichtspunkt, welchen Nutzen sie aus dem Kontakt ziehen können. Ihre Leitfrage hingegen sei: What can you do for me? Grant zufolge machen sie 19 Prozent aller Mitarbeiter im Unternehmen aus.

  • Matcher

    Die mit Abstand größte Gruppe aller Mitarbeiter, 56 Prozent, geht den goldenen Mittelweg. Sie halten es eher mit „Eine Hand wäscht die andere“ oder „Wie du mir, so ich dir“, sprich: Sie schauen genau, ob jemand sie ausnutzen will und entscheiden danach, wie groß ihre Hilfsbereitschaft ist.

Grants Befund: Die Giver lassen sich oftmals leicht ausnutzen, sind aber diejenigen, die ein Unternehmen in Wirklichkeit voranbringen. Die Taker hingegen gehören in die Kategorie toxische Menschen. Sie mögen am Anfang eine super Performance hinlegen, aber genauso schnell wie sie aufsteigen, fallen sie auch wieder.

Mit dieser Frage entlarven Personaler Egoisten

Nun präsentiert sich jeder Kandidat im Vorstellungsgespräch nach Möglichkeit von seiner Schokoladenseite. Viele zählen fantastische Attribute auf, sind echte Teamplayer, lösungsorientiert und motiviert sowieso. Dabei kann der erste Eindruck durchaus trügen:

Jemand, der im persönlichen Gespräch unglaublich sympathisch wirkt, kann wenn es um soziale Kompetenzen geht, plötzlich ganz anders sein. Denn auch das gehört zu den Takern: Eine aufgeschlossene Art, die sehr einnehmend ist.

Auf der anderen Seite wiederum mag ein Bewerber im Vorstellungsgespräch noch sehr spröde und wenig sozial kompetent wirken. Aber im realen Arbeitsleben entpuppt er sich als kritikfähig und engagiert, wenn es um Teamkonflikte geht.

Um die Spreu vom Weizen zu trennen, schlägt Grant folgende Frage vor:

Können Sie die Namen von vier Menschen nennen, deren Karriere Sie fundamental verbessert haben?

  • Taker

    werden als Antwort die Namen von vier Personen angeben, die hierarchisch über ihnen stehen. Das können Prominente oder anderweitig einflussreiche Personen sein. Denn Taker sind ganz opportunistisch darauf bedacht zu schauen, wer ihnen selbst in ihrer Karriere von Nutzen sein kann, also stellen sie sich mit dieser Person möglichst gut. Kann der- oder diejenige ihn nicht weiterbringen, wird er abserviert.

  • Giver

    hingegen werden meist Menschen nennen, die hierarchisch unter ihnen oder auf gleicher Hierarchiestufe stehen, sie also beruflich nicht weiterbringen können. Das sind dann beispielsweise Familienmitglieder, Freunde oder wenig einflussreiche Kollegen. Bei Gebenden steht das Bedürfnis, anderen zu helfen im Vordergrund.

Welche Bedeutung die Frage hat

Für Personaler ist es wichtig, etwaige Egoisten zu entlarven. Sie mögen für eine gewisse Zeit gewinnbringend für das Unternehmen sein. Langfristig haben sie jedoch selten das Wohlergehen des Unternehmens im Blick, sondern ausschließlich ihr eigenes. Dadurch, dass sie andere für sich zum Arbeiten kriegen, haben diese wiederum Schwierigkeiten, ihre Arbeit angemessen zu erledigen.

Eine Studie (PDF) der Forscher Michael Housman und Dylan Minor von der Harvard Business School wertete die Daten von 50.000 Mitarbeitern in elf verschiedenen amerikanischen Firmen aus.

Ihren Ergebnissen zufolge zeichnen sich toxische Mitarbeiter vor allem durch Egoismus und Selbstüberschätzung aus. Mit ihrer Art bringen sie Unternehmen deutlich höhere Verluste als jeder sozial kompetente überhaupt einbringen kann.

Konkret in Zahlen bedeutet das, dass einem Verlust von 12.500 Euro durch Egoisten ein Gewinn von lediglich 5.000 Euro gegenübersteht.

Unternehmenskultur und Erfolg an Teams abzulesen

Giver sind diejenigen, die sich durch Großzügigkeit auszeichnen. Grant fand heraus, dass ein Taker schon ein ganzes Team von Givern „versauen“ kann. Sie werden aufhören, sich hilfsbereit zu zeigen, da sie merken, dass sie ausgenutzt werden sollen. Und kommt ein Giver in ein Team von Takern, ist ebenso klar, dass sich nichts zum Positiven ändern wird.

Wenn es darum geht, einen hohen Krankenstand und Frustration zu vermeiden, gleichzeitig ein gutes Betriebsklima zu schaffen, müssen Unternehmen bei der Personalauswahl entsprechend umsichtig sein.

Allerdings müsse es für Unternehmen nicht nur darum gehen, wie sich Giver anziehen lassen. Es geht vor allem darum, die Taker zu identifizieren und sich ihrer zu entledigen. Dann blieben nur noch Giver und Matcher übrig, die sich hervorragend ergänzten. Denn Matcher finden eine gesunde Balance zwischen Hilfsbereitschaft und Abgrenzung.

Was heißt das für Bewerber?

Während des Jobinterviews mag sich vielleicht noch jemand verstellen können. Wer sich jedoch langfristig im Unternehmen bewähren will, braucht bestimmte Soft Skills.

Genau an diesen mangelt es Narzissten und Psychopathen, beides typische Taker-Persönlichkeiten. Wollen Unternehmen langfristig die Leistungsfähigkeit und Motivation ihrer Mitarbeiter erhalten, werden sie sich ihre Bewerber genauestens unter den oben genannten Gesichtspunkten anschauen.

[Bildnachweis: Gearstd by Shutterstock.com]
12. Oktober 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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