Lehrer Quereinsteiger: Über Umwege zum Job

Lehrer werden – das geht am einfachsten über das Lehramtsstudium mit angehängtem Referendariat. Die einzige Möglichkeit aber ist das nicht. So können mittlerweile in fast allen Bundesländern auch andere Akademiker quer einsteigen. Ingenieure aus der Baubranche, Biologen aus der Pharmaindustrie, Musiker aus der Kulturszene – sie alle können auch nachträglich noch Lehrer werden, wenn sie denn wollen. Welche Bundesländer greifen bevorzugt auf Quereinsteiger zurück? Welche Fächer bieten sich an? Was müssen Quereinsteiger tun? Alle Infos für die Lehrer von morgen…

Lehrer Quereinsteiger: Über Umwege zum Job

Quereinsteiger Lehrer: Habe ich Chancen?

Antwort vorweg: Wahrscheinlich ja. Die Chancen für Quereinsteiger waren vermutlich nie größer als heute. So betrug die Zahl der eingestellten Seiteneinsteiger im Jahr 2016 nach Daten der Kultusministerkonferenz exakt 3015. Damit stellten Quereinsteiger 8,4 Prozent aller Einstellungen in den öffentlichen Schuldienst.

Innerhalb eines Jahres hat sich ihre Zahl verdoppelt. 2015 gab es erst 1508 Seiteneinsteiger. Und die Perspektiven dürften sich in Zukunft eher noch verbessern. Gründe sind unter anderem die starke Immigration und (leicht) steigende Geburtenraten.

Das Centrum für Hochschulentwicklung prognostiziert vor allem einen Mangel an Berufsschullehrern. So waren 48 Prozent der Lehrkräfte an beruflichen Schulen im Schuljahr 2015/16 bereits 50 Jahre oder älter – eine Pensionierungswelle stehe bevor.

Als Seiteneinsteiger werden laut KSK Lehrer bezeichnet, „die in der Regel über einen Hochschulabschluss, nicht jedoch über die erste Lehramtsprüfung verfügen und ohne das Absolvieren des eigentlichen Vorbereitungsdienstes in den Schuldienst eingestellt werden.“ Sie erhalten stattdessen eine pädagogische Zusatzqualifikation, häufig berufsbegleitend.

Die Chancen auf einen Quereinstieg sind für angehende Lehrer maßgeblich von Schulart, Bundesland und Fächerkombination abhängig…

Lehrer: In welchen Bundesländern ist ein Quereinstieg möglich?

Die meisten Seiteineinsteiger gab es 2016 in Berlin mit 864. Ein Jahr zuvor waren es dort lediglich 469.

Hinter Berlin folgen Sachsen (615), Nordrhein-Westfalen (580) und Niedersachsen (464). Vor allem die hohe Zahl in Sachsen erstaunt, immerhin ist die Bevölkerung in NRW ungefähr viereinhalb mal so groß. Die Sachsen haben 34,6 Prozent aller neuen Lehrer über den Quereinstieg gewonnen – also mehr als jeden Dritten. In Berlin wurden 28,8 Prozent aller Einstellungen in den öffentlichen Schuldienst über Quereinsteiger abgedeckt.

Seiteneinsteiger in dreistelliger Zahl verzeichneten 2016 auch Baden-Württemberg (150) und Brandenburg (141). Gar keine Seiteneinsteiger gab es laut Statistik in Bayern, Hessen und im Saarland.

In Rheinland-Pfalz konnte man sie an zwei Händen abzählen – neun Quereinsteiger betraten dort die Klassenräume. In Thüringen waren es immerhin 14. Allerdings hat auch die Erfurter Landesregierung angekündigt, in Zukunft vermehrt auf Quereinsteiger zu setzen…

Quereinstieg: In welchen Fächern werden Lehrer gebraucht?

Von den 3015 Seiteneinsteigern im Jahr 2016 unterrichten 2394 in allgemeinbildenden Fächern, das entspricht 79,4 Prozent. 513 entfielen auf die beruflichen Fächer, das macht 17 Prozent. Und 108 (3,6 Prozent) Quereinsteiger ließen sich dem Bereich der sonderpädagogischen Förderung zuordnen. Im Jahr 2015 waren von den 1508 Seiteneinsteigern 1.003 in allgemeinbildenden und 446 in berufsbildenden Fächern tätig.

Der Blick auf die Daten bestätigt die Vermutung: Quereinsteiger mit naturwissenschaftlichen Hintergrund haben besonders gute Einstellungschancen. 561 Neu-Lehrer entfielen 2016 auf die Fächer Biologie, Physik und Chemie, dahinter folgen Deutsch (425), Sport (277) und Mathematik (258). Kaum Quereinsteiger gab es dagegen in Latein und Religion. Auch in Erdkunde und Geschichte ist der Bedarf an Quereinsteigern nur schwach ausgeprägt.

Einstellungen von Seiteneinsteigern in den öffentlichen Schuldienst 2016:

  • Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie etc.): 561
  • Deutsch: 425
  • Sport: 277
  • Mathematik: 258
  • Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Latein etc.): 256
  • Musik: 197
  • Gesellschaftswissenschaften (Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde etc.): 170
  • Kunst, Gestaltung, Werken: 115
  • Informatik: 91
  • Religion, Ethik, Philosophie: 30
[Quelle: Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz]


Bei den berufsbildenden Fächern liegen Metalltechnik (140), Elektrotechnik (107) und Sozialpädagogik (60) vorne. Kaum Bedarf gibt es aktuell in Holztechnik, Textiltechnik, Ernährung und Hauswirtschaft.

Quereinstieg Lehrer: So läuft es in den Bundesländern

Die Einstellungsverfahren variieren von Bundesland zu Bundesland. Für Quereinsteiger sind Voraussetzungen und Perspektiven so unterschiedlich wie Waterkant und Schwäbische Alb.

Exemplarisch stellen wir Ihnen einige (größere) Bundesländer vor:

  • Sachsen

    In Sachsen, eigentlich ein bildungspolitisches Vorzeigeland, scheint man den Trend verschlafen zu haben. So verfügte von den im Schuljahr 2017/18 eingestellten Lehrern mehr als die Hälfte nicht über eine aktuelle Lehramtsbefähgung.

    Voraussetzung für einen Quereinstieg ist laut Kultusstaatsministerium ein abgeschlossenes Hochschulstudium an einer Universität, Kunst- oder Fachhochschule. Dabei muss ein Master, Diplom oder Magister auf dem Zeugnis stehen. Ein ausländischer Abschluss reicht unter Umständen auch, der Bachelor dagegen nicht.

    Auch prüft die Sächsische Bildungsagentur, ob sich die Ausbildung einem Schulfach zuordnen lässt. Das dürfte bei Mathematiker oder Biologen relativ einfach sein, bei Betriebswirten oder Juristen schon etwas schwieriger.

    In der Regel werden die Kandidaten in Sachsen berufsbegleitend ausgebildet. Zunächst absolvieren Sie eine dreimonatige Einstiegsfortbildung, danach folgt die berufsbegleitende Phase der Qualifizierung. So sollen fehlende pädagogische und fachliche Kompetenzen ausgeglichen werden. Dabei müssen Sie zwei Qualifizierungsbausteine durchlaufen: eine schulpraktische Ausbildung und das Studium eines zweiten Faches, um hinterher im Schuldienst zwei Fächer unterrichten zu können.

    Das Studium absolvieren die Quereinsteiger an einer der drei Unis in Sachsen, die Lehrer ausbilden: Universität Leipzig, TU Dresden und TU Chemnitz. Dort nehmen sie an zwei Tagen pro Woche an den Lehrveranstaltungen teil, die andere drei Wochentage werden sie an Ihrer Schule eingesetzt.

    Während der schulpraktischen Ausbildung bzw. des berufsbegleitenden Vorbereitungsdienstes finden die Lehrveranstaltungen an einem Tag pro Woche in den Lehrerausbildungsstätten des Freistaates in Dresden, Leipzig und Chemnitz statt. Vier Tage sind für die Schule reserviert.

    Für das Studium müssen Interessenten mit mindestens vier Semestern, also zwei Jahren, rechnen. Die schulpraktische Ausbildung bzw. der berufsbegleitende Vorbereitungsdienst dauern zwölf Monate.


  • Niedersachsen

    In Niedersachsen führen zwei Wege ins Klassenzimmer: Der erste führt über den Vorbereitungsdienst. Er ist nur für bestimmte Fächer und Studienabschlüsse möglich. Voraussetzung auch hier: Master, Diplom oder Magister.

    Interessenten haben aber auch die Möglichkeit, sich direkt für den Schuldienst zu bewerben. Sie werden allerdings nur nachrangig behandelt, Lehramtsstudenten werden bevorzugt. Die wenigsten Bewerber – und damit die besten Chancen für Quereinsteiger – gibt es laut niedersächsischem Kultusminsterium hier:

    • Hauptschulen: Musik, Physik, Chemie, Technik, Politik und Englisch
    • Realschulen: Musik, Physik, Chemie, Technik und Französisch
    • Gymnasien: 
Latein, Spanisch, Musik, Politik, Evangelische Religion, Mathematik, Physik, Chemie, Informatik und Kunst
    • Berufsbildende Schulen: 
Metalltechnik, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Sozialpädagogik und Pflege
    • Förderschulen:
 Alle sonderpädagogischen Fachrichtungen

    Quereinsteiger können in Niedersachsen prinzipiell bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres verbeamtet werden. Wer älter ist, wird als tarifbeschäftigte Lehrkraft eingestellt.


  • Bayern

    Weniger gut sind die Aussichten für Quereinsteiger in Bayern. Hier wurden in den Jahren 2015 und 2016 offiziell überhaupt keine Seiteneinseiger in den öffentlichen Schuldienst aufgenommen. Das liegt unter anderem daran, dass es ein großes Reservoir an Realschul- und Gymnasiallehrern gibt.

    Für genau diese Lehrkräfte hat der Freistaat Zweitqualifizierungsmaßnahmen aufgesetzt, über die sie die Lehramtsbefähigung für Grund- und Mittelschulen erwerben und so ihre Aussicht auf eine feste Stelle erhöhen können.

    Auch Bewerbern mit einer ersten Lehramtsprüfung oder einer Lehramtsbefähigung für andere Lehrämter steht es offen, eine Sondermaßnahme zur Nachqualifizierung zu absolvieren, um an Mittelschulen unterrichten zu können. Diese Sondermaßnahme hat Bayern nun auch für die Grundschulen geöffnet.

    Die Bewerber holen so noch fehlende Studien- und Prüfungsleistungen an der Universität nach und absolvieren einen – gegebenenfalls verkürzten – Vorbereitungsdienst.

    Und auch darüber hinaus scheinen die Bayern immer mehr Lücken stopfen zu müssen. So gibt es aktuell einen erhöhten Bedarf an Lehrkräften für das Fach Kunst am Gymnasium.

    Masterabsolventen mit dem Hauptfach Bildende Kunst und Ästhetische Erziehung oder einem analogen Studienabschluss können im September 2018 den Vorbereitungsdienst in Bayern beginnen. Das gilt auch für Absolventen, die nicht aus Bayern kommen und das 1. Staatsexamen für das Fach Kunst in einer Fächerverbindung für Sekundarstufe 2 in der Tasche haben.

    Der Vorbereitungsdienst startet im September mit 20 Teilnehmern. Wer Interesse hat, sollte sich beeilen. Bewerbungsfrist ist der 1. April 2018.

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[Bildnachweis: quietbits by Shutterstock.com]
3. März 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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