Was sind die häufigsten Bürokrankheiten?
Zu den typischen Bürokrankheiten zählen Rücken- und Nackenschmerzen, trockene Augen, Mausarm, Magen-Darmbeschwerden, Bluthochdruck, chronische Müdigkeit und psychische Erkrankungen. Sie werden durch unterschiedliche Faktoren begünstigt: langes Sitzen, einseitige Bewegungen, intensive Bildschirmarbeit, Bewegungsmangel oder dauerhaften Stress.
Der Begriff „Bürokrankheiten“ ist eine umgangssprachliche Sammelbezeichnung für Beschwerden und Erkrankungen, die bei Büroarbeit auftreten oder durch Arbeitsbedingungen verstärkt werden. Er ist keine eigenständige medizinische Diagnose. Auch sind nicht alle genannten Beschwerden als typische Berufskrankheit anerkannt.
1. Trockene Augen (Office-Eye-Syndrom)
Wer stundenlang konzentriert auf einen Monitor schaut, blinzelt häufig seltener. Dadurch verteilt sich der Tränenfilm schlechter auf der Augenoberfläche. Die Folge sind trockene, gereizte oder müde Augen. Hinzu kommen ungünstige Lichtverhältnisse, Blendungen oder ein unpassender Bildschirmabstand.
Merkmal |
Beschreibung |
| Ursachen | Lange Bildschirmarbeit, seltenes Blinzeln, trockene Raumluft, Blendung und ungünstige Bildschirmposition. |
| Symptome | Brennende, juckende oder gerötete Augen, Fremdkörpergefühl, verschwommenes Sehen und schnelle Ermüdung. |
| Tipps | Regelmäßig in die Ferne schauen, bewusst blinzeln, Bildschirm und Beleuchtung anpassen und kurze Bildschirmpausen einlegen. |
Eine praktische Übung ist die 20-20-20-Regel: Schauen Sie etwa alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf einen Gegenstand in rund 6 Metern Entfernung. Das unterbricht die dauernde Naharbeit. Halten die Beschwerden an, sollten Sie Ihre Augen und gegebenenfalls die benötigte Sehhilfe untersuchen lassen.
2. Rücken- und Nackenschmerzen
Rückenschmerzen gehören zu den bekanntesten Bürokrankheiten. Besonders belastend sind stundenlanges Sitzen, wenig Bewegung und eine dauerhaft ungünstige Körperhaltung. Auch falsch eingestellte Bürostühle, Schreibtische und Monitore begünstigen Verspannungen in Rücken, Schultern und Nacken.
Merkmal |
Beschreibung |
| Ursachen | Langes Sitzen, Bewegungsmangel, einseitige Muskelbelastung und schlecht eingestellte Büromöbel. |
| Symptome | Verspannungen, Schmerzen im unteren Rücken, steifer Nacken, eingeschränkte Beweglichkeit und gelegentliche Kopfschmerzen. |
| Tipps | Sitzposition häufig wechseln, regelmäßig aufstehen, Bewegungspausen einbauen und den Arbeitsplatz ergonomisch einstellen. |
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt eine dynamische Arbeitsweise mit regelmäßigem Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegung – siehe auch 40-15-5-Regel. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch erleichtert diesen Wechsel. Zusätzlich hilft eine gute Ergonomie am Arbeitsplatz.

3. Mausarm (RSI-Syndrom)
Ein Mausarm entsteht durch wiederholte, einseitige Belastungen von Hand, Arm oder Schulter. Besonders häufig sind Beschwerden bei intensiver Arbeit mit Computermaus und Tastatur. Der medizinische Begriff RSI steht für „Repetitive Strain Injury“ und beschreibt belastungsbedingte Beschwerden durch wiederholte Bewegungen.
Merkmal |
Beschreibung |
| Ursachen | Häufige gleichförmige Handbewegungen, ungünstige Handgelenkhaltung, hoher Kraftaufwand und fehlende Entlastung. |
| Symptome | Ziehende Schmerzen, Brennen oder Verspannungen in Hand, Unterarm, Ellenbogen oder Schulter. |
| Tipps | Maus und Tastatur ergonomisch positionieren, Eingabebewegungen variieren, kurze Pausen einlegen und Beschwerden frühzeitig abklären lassen. |
Ein Mausarm ist nicht mit dem „Karpaltunnelsyndrom“ gleichzusetzen: Bei letzterem wird der Mittelnerv im Handgelenk eingeengt. Typische Anzeichen sind Kribbeln und Taubheitsgefühle, vor allem an Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Treten solche Symptome auf, sollten Sie die Ursache ärztlich untersuchen lassen.
4. Magen-Darmbeschwerden
Auch die Verdauung leidet bei manchen Beschäftigten unter dem Büroalltag. Unregelmäßige Mahlzeiten, hastiges Essen in der Mittagspause, dauerhafter Stress und Bewegungsmangel begünstigen unterschiedliche Beschwerden. Nicht jede Magenverstimmung entsteht allerdings durch die Arbeit.
Merkmal |
Beschreibung |
| Ursachen | Stress, unregelmäßiges Essen, geringe Bewegung, ballaststoffarme Ernährung und individuelle Unverträglichkeiten. |
| Symptome | Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung oder wiederkehrende Verdauungsprobleme. |
| Tipps | Mahlzeiten in Ruhe einnehmen, ausreichend trinken, ballaststoffreich essen und sich regelmäßig bewegen. |
Besonders hilfreich sind feste Essenspausen und ein kurzer Spaziergang nach dem Mittagessen. Wer regelmäßig unter starken oder anhaltenden Beschwerden leidet, sollte diese medizinisch abklären lassen. Blut im Stuhl, starke Schmerzen oder ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust sind Warnzeichen.
5. Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Stundenlanges Sitzen, wenig körperliche Aktivität und chronischer Stress gehören zu den Faktoren, die das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen. Bluthochdruck ist dabei besonders tückisch: Viele Betroffene bemerken über lange Zeit keine Beschwerden.
Merkmal |
Beschreibung |
| Ursachen | Bewegungsmangel, anhaltender Stress sowie weitere Risikofaktoren wie Veranlagung, Übergewicht und hoher Salzkonsum. |
| Symptome | Bluthochdruck verursacht häufig keine spürbaren Symptome. Gelegentlich treten Kopfschmerzen oder Schwindel auf. |
| Tipps | Regelmäßig bewegen, Blutdruck kontrollieren, ausgewogen essen, Stress reduzieren und ärztliche Vorsorge wahrnehmen. |
Ein erhöhter Blutdruck lässt sich zuverlässig nur durch Messungen feststellen. Wer bereits Risikofaktoren hat, sollte die empfohlenen Kontrollen mit der Hausarztpraxis abstimmen. Plötzlicher Brustschmerz, Atemnot oder neurologische Ausfälle sind Notfallsymptome und erfordern sofortige medizinische Hilfe!
6. Chronische Müdigkeit und Erschöpfung
Häufige Überstunden, Schlafmangel und eine dauerhaft hohe Arbeitsbelastung können zu ständiger Erschöpfung führen. Auch schlechte Beleuchtung, ein ungünstiges Raumklima oder fehlende Erholung verstärken die Müdigkeit im Büro. Hinter anhaltender Erschöpfung können jedoch ebenso Erkrankungen stecken.
Merkmal |
Beschreibung |
| Ursachen | Schlafmangel, Überstunden, hohe Arbeitsbelastung, fehlende Pausen und mögliche körperliche oder psychische Erkrankungen. |
| Symptome | Anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, verminderte Leistungsfähigkeit und Antriebslosigkeit. |
| Tipps | Arbeitsbelastung überprüfen, Erholungszeiten schützen, ausreichend schlafen, Tageslicht nutzen und regelmäßige Pausen machen. |
Müdigkeit nach einem anstrengenden Arbeitstag ist zunächst normal. Hält die Erschöpfung jedoch über Wochen an oder verschlimmert sie sich, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll. Der Begriff chronische Müdigkeit beschreibt zunächst ein Symptom und ist nicht automatisch mit der eigenständigen Erkrankung ME/CFS gleichzusetzen.
7. Psychische Erkrankungen
Psychische Belastungen sind im Büro oft weniger sichtbar als körperliche Beschwerden. Hoher Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit, Konflikte und mangelnde Wertschätzung können die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Zu den möglichen Folgen gehören depressive Beschwerden, Angststörungen oder ausgeprägte Erschöpfungszustände.
Merkmal |
Beschreibung |
| Ursachen | Dauerhafte Überlastung, geringe Handlungsspielräume, Konflikte, fehlende Unterstützung und weitere individuelle Einflussfaktoren. |
| Symptome | Anhaltende Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Ängste, Rückzug, Erschöpfung oder deutlicher Interessenverlust. |
| Tipps | Belastungen frühzeitig ansprechen, Arbeitsbedingungen verbessern, Erholung ermöglichen und bei anhaltenden Beschwerden professionelle Hilfe suchen. |
Psychische Erkrankungen haben meist mehrere Ursachen. Arbeitsbedingungen können zu ihrer Entstehung beitragen oder bestehende Beschwerden verstärken. Ein Burnout beschreibt dabei ein arbeitsbezogenes Phänomen und ist nicht mit einer Depression gleichzusetzen. Bei deutlichen oder anhaltenden Symptomen sollten Betroffene medizinische oder psychotherapeutische Unterstützung suchen.
Was sind die Ursachen typischer Bürokrankheiten?
An der obigen Liste erkennen Sie schon: Bürokrankheiten haben unterschiedliche Ursachen. Bestimmte Arbeitsbedingungen erhöhen jedoch das Risiko für mehrere Beschwerden gleichzeitig. Besonders häufig sind Bewegungsmangel, einseitige Belastungen, intensive Bildschirmarbeit und dauerhafter Stress. Hinzu kommen individuelle Faktoren wie Vorerkrankungen, Schlafgewohnheiten oder die persönliche Lebensweise.
4 Risikofaktoren von Bürojobs
-
Wenig Bewegung
Unser Körper ist auf Bewegung ausgelegt. Wer acht Stunden nahezu unbeweglich am Schreibtisch sitzt, belastet den Bewegungsapparat einseitig und erhöht langfristig bestimmte Gesundheitsrisiken.
-
Ungünstige Ernährung
Hastige Mahlzeiten, häufige Snacks und eine einseitige Ernährung begünstigen Übergewicht und Stoffwechselprobleme. Auch unregelmäßige Essenszeiten können Beschwerden verstärken.
-
Hohe Augenbelastung
Lange Bildschirmzeiten ohne ausreichende Unterbrechungen fördern trockene und müde Augen. Ungünstige Beleuchtung und nicht passende Sehhilfen verstärken die Beschwerden.
-
Ungünstige Arbeitsumgebung
Schlechte Raumluft, störender Lärm, unzureichende Beleuchtung und ungeeignete Büromöbel beeinträchtigen das Wohlbefinden. Mangelnde Hygiene und enge Kontakte erleichtern außerdem die Übertragung von Infektionserregern.
Auch die Arbeitsorganisation spielt eine wichtige Rolle: Wer unter permanentem Zeitdruck steht, regelmäßig Überstunden macht oder kaum Einfluss auf seine Aufgaben hat, erlebt häufiger belastende Situationen. Die Risiken verstärken sich, wenn körperliche und psychische Belastungen zusammenkommen.
Wie kann ich Bürokrankheiten vorbeugen?
Viele typische Bürokrankheiten lassen sich durch gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen und bessere Gewohnheiten vermeiden oder zumindest in ihrem Risiko verringern. Besonders wirksam ist eine Kombination aus Bewegung, ausreichenden Pausen, ergonomischer Ausstattung und einer realistischen Arbeitsbelastung.
Mehr Bewegung!
Sorgen Sie für einen regelmäßigen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach einem höhenverstellbaren Schreibtisch, falls Sie bisher ausschließlich im Sitzen arbeiten. Nutzen Sie kurze Wege zu Kollegen oder zum Drucker für Bewegung und machen Sie in der Mittagspause einen Spaziergang an der frischen Luft.
Mehr trinken!
Stellen Sie eine Wasserflasche gut sichtbar auf Ihren Schreibtisch und trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt. Wasser und ungesüßter Tee sind geeignete Getränke. Der Flüssigkeitsbedarf hängt unter anderem von Ihrer körperlichen Aktivität und der Raumtemperatur ab. Wer das Trinken häufig vergisst, stellt sich eine Erinnerung auf dem Smartphone.
Mehr Pausen!
Immer nur funktionieren, funktioniert nicht! Der Mensch ist keine Maschine und braucht regelmäßige Erholungsphasen. Kurze Unterbrechungen entlasten die Augen, lockern die Muskulatur und helfen, die Konzentration zu erhalten. Eine bekannte Studie der lettischen Draugiem-Group machte den 52-17-Arbeitsrhythmus populär: 52 Minuten konzentrierte Arbeit wechseln sich mit 17 Minuten Pause ab. Das ist ein guter Rhythmus für die Arbeitsorganisation, aber keine feste Regel. Wichtiger ist, dass Sie Ihre Pausen an die Tätigkeit und Belastung anpassen.
Mehr Ergonomie!
Stellen Sie Ihren Bürostuhl so ein, dass Ihre Füße sicher auf dem Boden stehen und die Schultern entspannt bleiben. Positionieren Sie den Bildschirm in einem angenehmen Sehabstand und vermeiden Sie Blendungen. Eine gute Arbeitsplatzgestaltung erleichtert gesunde Haltungswechsel und verringert unnötige Belastungen.

Arbeitgeber haben übrigens gegenüber ihren Beschäftigten eine Fürsorgepflicht und müssen gesundheitliche Gefährdungen am Arbeitsplatz beurteilen sowie geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen. Mitarbeiter sollten Beschwerden frühzeitig ansprechen und ihre Möglichkeiten zur Gesundheitsvorsorge nutzen.
Kostenlose Checkliste: Gesundheit am Arbeitsplatz
Wie gesund ist Ihr Büroarbeitsplatz? Mit unserer kostenlosen Checkliste überprüfen Sie wichtige Faktoren wie Ergonomie, Beleuchtung, Bewegung und Erholung. So erkennen Sie Verbesserungsmöglichkeiten und können diese gezielt mit Ihrem Arbeitgeber besprechen.
Was andere dazu gelesen haben
