Die Finanzkolumne von Daniel Schönwitz

Betriebliche Altersvorsorge-GeldsparenJa, Sie haben richtig gelesen: Man kann auch zu früh anfangen mit der Altersvorsorge. Klar, wir alle kennen die Mahnungen von Bankberatern, Versicherungsvermittlern und Politikern: Die gesetzliche Rente reicht nicht. Sorgt privat vor, sonst müsst Ihr im Alter Euren Lebensstandard runterschrauben.

Stimmt ja auch. Aber man muss nicht sofort zum Berufsstart loslegen, wie viele Absolventen glauben (und Finanzvermittler gerne behaupten). Es spricht überhaupt nichts dagegen, sich vom selbstverdienten Geld erstmal was zu gönnen. Reisen Sie; kaufen Sie sich schicke Möbel oder ein neues Auto! Gehen Sie gut essen...

Vorsorgen kann brandgefährlich sein

Stattdessen zu sparen, kann nämlich brandgefährlich sein – zumindest bei langfristigen und unflexiblen Modellen wie Bausparverträgen oder Lebensversicherungen.

Das Problem: Die wenigsten können mit Anfang/Mitte 20 schon sagen, wo es beruflich und privat hingeht.

  • Lockt bald ein Job im Ausland?
  • Mache ich noch einen MBA?
  • Oder wage ich den Sprung in die Selbstständigkeit?

Es kommt deshalb immer wieder vor, dass motivierte Frühstarter das fürs Alter zurückgelegte Geld nach ein paar Jahren plötzlich brauchen (etwa um den MBA oder eine eigene Firma zu finanzieren) – aber nicht drankommen oder bei vorzeitiger Vertragsauflösung hohe Verluste in Kauf nehmen müssen.

Wer zum Beispiel eine Lebensversicherung schnell wieder kündigt, erhält nicht sein gesamtes Geld zurück, weil Versicherer und Vermittler am Anfang hohe Gebühren abgezwackt haben. Auch bei Fondssparplänen droht frühen Aussteigern ein Minus, weil der Aktienmarkt möglicherweise gerade schlecht läuft.

Altersvorsorge-Berater blenden mit Prognosen

Halfpoint/Shutterstock.comSeriöse Berater raten deshalb von allzu frühen Langfrist-Engagements ab – trotz der Tatsache, dass Frühstarter umso stärker vom Zinseszinseffekt profitieren und die Renditeprognosen über Laufzeiten von 30 oder 35 Jahren sensationell aussehen (was viele Finanzberater gezielt nutzen, um jungen Kunden provisionsträchtige Produkte zu verkaufen).

Doch was bringen die tollen Rendite-Rechnungen, wenn man nach ein paar Jahren mit Verlust aussteigt? Oder einen teuren Kredit aufnehmen muss, weil man nichts ans Ersparte kommt?

Flexibel. Versichert. Schuldenfrei.

Am Anfang zählt eben vor allem eines: Flexibilität. Wer schon was zur Seite legen will, sollte das Geld deshalb - trotz mickriger Zinsen - lieber auf dem Tagesgeldkonto parken und abwarten, bis er genauer weiß, wo es im Leben hingeht.

Zur Hektik besteht kein Grund: Wer mit 30 loslegt, hat noch genug Zeit, um einen Puffer fürs Alter aufzubauen.

Zwei Mahnungen kann ich Berufsanfängern aber nicht ersparen:

  1. Bleiben Sie schuldenfrei, um nicht mit Ballast in die Phase zu starten, in der sie fürs Alter vorsorgen. Wer ein Auto auf Pump finanziert, sollte beispielsweise darauf achten, dass der Kredit mit Anfang 30 abbezahlt ist.
  2. Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Das ist ein unverzichtbarer Pfeiler jeder Altersvorsorge, der frühzeitig stehen sollte. Denn mit jedem Jahr, das man wartet, wird die "BU" teurer.
    • Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist übrigens für viele Berater der Einstieg, gleichzeitig eine unflexible Altersvorsorge zu verkaufen - und so eine höhere Provision einzustreichen. Dazu empfehlen sie gerne sogenannte Kombi-Modelle, bei denen ein Teil der Monatsrate in eine BU und der Rest in eine klassische Altersvorsorge fließt (etwa eine Lebensversicherung).

      Das kann steuerliche Vorteile haben. Muss aber nicht.

      Mein Rat an Berufsanfänger: Lassen Sie es trotzdem. Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Absicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos – und unterschreiben Sie - später - einen geeigneten, langfristigen Sparvertrag, wenn die Zeit reif ist.

      Ohne Hektik. Aber zielstrebig.

      Über den Autor

      Daniel-SchönwitzDaniel Schönwitz (37) ist Wirtschaftsjournalist und schreibt über Finanz- und Steuerthemen – vorwiegend für die WirtschaftsWoche, das Manager Magazin und Capital. Zudem arbeitet er als Schreibtrainer für den Seminaranbieter DIALEKTIK for Business wo er High Potentials in Workshops beibringt, verständlich über komplizierte Themen zu schreiben. Auf seiner Homepage danielschoenwitz.de bloggt er über aktuelle Fragen zu Geld, Steuern und Moral.