Tacheles-Sagen-Knebel
Wenn die Nervosität steigt, dominiert unser Stammhirn - und damit geht meist auch alle Eloquenz flöten. Heraus kommt nur noch Gestammel, Floskeln aus der Phrasendreschmashine, Formulierungen wie aus Textbausteinen. Ein einziges Wörterlego vom Typ: "Achja, belastbar und teamfähig bin ich auch..." Tatsächlich neigen nicht wenige Kandidaten im Bewerbungsgespräch dazu, Floskeln aneinander zu reihen, die für die Personalverantwortlichen soviel Aussagekraft haben wie ein Stein. Ob wegen Nervosität oder schlechter Vorbereitung: So jemand offenbart kaum intellektuellen Mehrwert für die Firma, sondern allenfalls ein dünnes Nervenkostüm und dass er die auswendig gelernte Begriffe halbwegs gut aufsagen kann...

Schlüsselbegriffe nur dosiert verwenden

Klartext-Tacheles-reden-offene-WorteNatürlich kann es sinnvoll sein, ein paar wichtige Schlüsselbegriffe ins Vorstellungsgespräch einzuflechten. Insbesondere wenn sie Bezug auf die Stellenausschreibung nehmen und so noch einmal unterstreichen, wie gut man zur Stelle passt.

Gleichzeitig ist es aber immer überzeugender, soziale Fähigkeiten oder Erfahrungen nicht mit Adjektiven, sondern mit kleinen Anekdoten zu umschreiben. Sagen Sie also beispielsweise nicht, Sie seien teamfähig oder lösungsorientiert. Bei einem solchen Satz zählen Personaler nur noch die Tage bis zu ihrer Pension. Das muss schon subtiler verpackt werden. Erzählen Sie lieber, wie Sie mit ihrem Team zuletzt ein aktutes Problem originell und zügig gelöst haben. Überhaupt wirkt Storytelling immer motivierter als die Aussage: "Ich bin hoch motiviert..."

Und nebenbei: Die Aussage - Ich bin motiviert - ist ohnehin tautologisch. Schließlich haben Sie sich für die Stelle aktiv beworben. Wenn Sie nicht motiviert sind, warum machen Sie das dann überhaupt?

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Eine einzelne Floskel ist kein Problem. Zwei auch nicht. Nur würde Paracelsus sagen: Die Dosis macht das Gift. Nehmen derlei Phrasen überhand, wirken sie wie Kompetenzkiller und sogenannte Buzzwords. Egal, was Sie dann noch erzählen - es wirkt seltsam hohl, abgestanden, unglaubwürdig.

Daher - und mit einer Prise Ironie - haben wir ein Bullshit-Bingo mit den meistverwendeten und daher schlimmsten Floskeln im Jobinterview zusammengestellt...

Das Bullshit-Bingo fürs Bewerbungsgespräch

Bewerbungsgespräch-Bullshit-Bingo-Grafik

[Für Personaler haben wir das Bullshit-Bingo auch als PDF aufbereitet - zum Download, Ausdrucken und Ankreuzen im Bewerbungsgespräch...]

Das Problem der Worthülsen

Das generelle Problem all dieser hohlen Phrasen und Floskeln ist: Das Gegenteil wäre die Nachricht (dann allerdings keine förderliche für die Bewerbung). Der Personaler darf erwarten, dass Kandidaten Eigenschaften wie Zielorientierung, Belastbarkeit oder Effizienz mitbringen – eben weil sie selbstverständlich sind. Wer das Selbstverständliche betont, nährt eher den Zweifel, dass da sonst nicht mehr viel ist.

Und wenn wir schon dabei sind und Sie im Jobinterview ins Plaudern kommen, vermeiden Sie bitte auch die folgenden abgedroschenen Anmoderationen, die jeden Zuhörer wahlweise in den Wahnsinn oder ins Wachkoma treiben...

  • Also, um ehrlich zu sein... - (war bisher alles gelogen?)
  • Wenn Sie mich fragen... - (Ja klar, habe ich Sie gerade gefragt!)
  • Machen wir uns nichts vor... - (Wir nicht, du!)
  • Jetzt mal im Ernst... - (Echt jetzt, kein Scherz?)
  • Man müsste, man sollte, man könnte... - (Lirum, larum, Löffelstiel!)
  • Ich würde mir wünschen, dass... - (Das Leben ist kein Kindergeburtstag!)

PS: Worthülsen, Floskeln und Phrasen sind natürlich auch schon im Bewerbungsanschreiben tabu - unabhängig davon, ob Sie sich für eine Stellenanzeige in Österreich, in der Schweiz oder in Deutschland bewerben.

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