von Jochen Mai am 19. Februar 2009
→ Artikel in Bewerbung
Eine Frage von Format – Tipps für das Bewerbungsfoto
Um das Bewerbungsfoto wird immer viel Bohai gemacht. Schließlich sagt ein Bild mehr als tausend Worte und für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Soweit die gängigen Klischees. Da ist sicher auch einiges Wahres dran. Eine Hexenkunst, sich bei der Bewerbung ins rechte Licht zu rücken, sind solche Bewerbungsporträts aber trotzdem nicht. Allerdings gibt es ein paar Grundregeln, die jede(r) beachten sollte, wie etwa sich vorher genau zu überlegen, welche Wirkung Sie erzielen wollen (die natürlich zur angestrebten Position passen muss). Ein konservativer Eindruck eignet sich weniger für einen Kreativberuf und umgekehrt. Verstehen Sie mich aber nicht falsch: Es geht weder um Kostümierung noch um eine theatralische Inszenierung. Auch für Bewerbungsfotos gilt stets: Weniger ist mehr.
Entscheidend sind eher die Feinheiten, die der Betrachter zwar unterschwellig wahrnimmt, die aber auf die Wirkung großen Einfluss haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Haare ordentlich gekämmt sind, dass die Kleidung fleckenfrei ist und keine unschönen Falten wirft (wird ganz oft vergessen!). Schlampig gebundene Krawattenknoten oder Make-up-Kontraste zwischen Hals und Gesicht sind absolut tabu. Ebenso verbietet es sich, ein altes Bewerbungsfoto zu verwenden. Spätestens beim Vorstellungsgespräch sorgt der optische Widerspruch mindestens für Irritationen, wenn er nicht gar Ihre Glaubwürdigkeit unterwandert.
Darüber hinaus sollten Sie folgende Punkte beachten:
Formelle Regeln
- Qualität. Es klingt vielleicht banal, aber man kann es nicht oft genug sagen: Das Bewerbungsfoto sollte weder aus einem Automaten noch aus dem Urlaub stammen. Das sieht billig aus und entwertet Sie bereits auf den ersten Blick. Lassen Sie ein solches Porträt (bitte keine Ganzkörperaufnahmen!) immer von einem Fotografen machen. Lassen Sie sich aber vorher Beispiele zeigen. Einige Fotografen versuchen Ihnen dabei Kunst zu verkaufen. Darum geht es aber nicht. Form follows function!
- Größe. Die heute gängigen Formate variieren zwischen 6 x 4 oder 9 x 6 Zentimetern. Beide entsprechen dem sogenannten goldenen Schnitt und wirken daher besonders schön. Hochformat ist dabei die Regel, mit Querformat fallen Sie aber mehr auf – jedoch nur, wenn Sie den Ausschnitt des Bewerbungsfotos gekonnt wählen. Wer hier nicht sicher ist, sollte lieber einen Profi zu Rate ziehen.
- Farbe. Farbig oder Schwarzweiß? Das ist letztlich reine Geschmacksache. Monochrome Bilder wirken in der Regel eleganter, können aber auch manieriert aussehen. Zudem treten hier die Konturen mehr in den Vordergrund. Das schmeichelt eher ebenen Gesichtern. Wer aber ohnehin ein kantiges Konterfei besitzt, wirkt dann oft noch härter. Farbfotos hingegen sind authentischer und natürlicher, je nach Beleuchtung aber auch misstönend. Bei Farbfotos ist zudem wichtig, dass Sie bei der Kleiderwahl auf gedeckte und harmonische Farben achten. Bei Schwarzweiß-Fotos zählt indes mehr die Form und der Kontrast. Wer das Budget dafür hat, sollte beide Varianten anfertigen lassen und anschließend Freunde fragen, welche Alternative sie sympathischer finden.
- Position. Wer die Abzüge in die Bewerbungsmappe integriert, sollte sie direkt auf dem ersten Blatt des Lebenslaufs – und zwar oberhalb der ersten Zeile einfügen. Ob rechts oder links, hängt davon ab, in welche Richtung die Nase zeigt. Die Faustregel: immer in die Seite hineinschauen!
- Befestigung. Befestigt wird das Bewerbungsfoto mit einem Klebestift, nicht mit einer Büroklammer. Das sieht hässlich aus und wirkt als wollten Sie das Lichtbild später noch mal verwenden. Genau diese Botschaft darf eine Bewerbung jedoch nie vermitteln: Ich bin eine Massenwurfsendung, die recycelt wird. Wer das Foto digital in den Lebenslauf integriert, sollte indes auf zwei Dinge achten: a) eine möglichst hohe Auflösung wählen, damit der Druck besser wird und b) möglichst fototaugliches hochwertiges Papier verwenden. Sonst können Sie genauso gut eine Fotokopie einschicken.
Motivische Regeln
- Porträt. Das perfekte Motiv zeigt Sie im Halbporträt, dazu etwas Schulterpartie. Damit das Gesicht nicht glänzt, vorher abpudern oder mit Klopapier sanft abreiben. Ganz wichtig: immer lächeln! Das macht sofort sympathischer, darf aber nicht gekünstelt wirken.
- Kleidung. Die Kleidung sollte immer zum angestrebten Job passen. Also: Wer sich zum Beispiel als Banker in spe bewirbt, sollte wie ein Banker aussehen. Für Frauen gilt noch der Zusatz: Schulterfrei-Look ist absolut tabu, ebenso tiefe Dekolletees und zu viel Make-up. Wenn überhaupt dann nützt eine Portion Männlichkeit mehr als weibliche Reize. Ein dunkler Hosenanzug mit schlichter heller Bluse kommt bei den meisten Personalern besser an. Wirkt seriöser und durchsetzungsstärker.
- Haare. Unabhängig vom Geschlecht haben Bewerber mit Attributen, die als typisch männlich gelten, bessere Chancen auf Führungsposten, zeigte die Mannheimer Soziologin Anke von Rennenkampff in ihrer Promotion über Bewerbungsfotos. Zurück gekämmte oder hochgesteckte Haare signalisierten bei Frauen mehr Führungskompetenz als die offene Wallemähne. Frauen mit kurzen Haaren, so wiederum eine Studie der Yale-Universität, werden mehrheitlich als intelligent und selbstbewusst empfunden. Dunkle, lange Locken dagegen schneiden schlechter ab: Ihre Trägerinnen hält die Mehrheit für unsicher und naiv. Bei Männern wiederum ist das Wichtigste, dass sie überhaupt Haare haben. Glatzenträgern wird im Job weniger zugetraut, fanden Saarbrücker Wissenschaftler heraus. Bewerber mit Halbglatze oder Glatze wurden deutlich seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Zudem stuften die Testpersonen sie als weniger karriereorientiert und weniger kreativ ein.
- Hintergrund. Leider wird der von Laien oft vergessen. Er entscheidet aber enorm über die Wirkung. Werden etwa Motiv, Kontrast oder Farben falsch gewählt, rückt es den Bewerber in ein falsches Licht. Gegenstände, die zu erkennen sind, lenken das Auge zu sehr ab und erwecken den Anschein, das Foto sei eher ein Schnappschuss als eine bewusste Fotografie. Eine neutrale Fläche ist daher immer besser. Idealerweise passt die Farbe harmonisch zur Kleidung (Farbfotos) und hässliche Schlagschatten (wichtig bei S/W-Bewerbungsfotos) sind nicht vorhanden. Ist der Kontrast zu hoch (kalkweißer Hintergrund), wirken Gesichter schnell blass und krank.
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1. Kommentar
Nikita
19.02.09 um 12:51 Uhr
Ein bischen lächeln ist aber schon erlaubt und für Flugbegleiterjobs etc. ist ein Ganzkörperfoto Pflicht.
2. Kommentar
Jochen Mai
19.02.09 um 12:54 Uhr
Das mit dem Lächeln steht da ja… siehe Punkt “Porträt”.
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