Im Büro deutet häufig nur wenig auf Begeisterung und Euphorie hin. Tatsächlich hat Heiterkeit im Betrieb ein veritables Imageproblem. Gut gelaunte Mitarbeiter stehen überraschend schnell unter dem Generalverdacht, dass es ihnen, nun ja, zu gut geht. Nicht wenige Manager glauben, dass Optimismus und gute Laune im Büro ablenken, fahrlässig und faul machen. Der Gedanke dahinter: Wer satt ist, geht nicht mehr auf die Jagd; wer zufrieden ist mit sich und der Welt, strengt sich weniger an. Entsprechend ernst geht es in vielen Unternehmen zu: Es wird geschwiegen und gelangweilt, drangsaliert und geschurigelt. Und dafür kaum noch gelobt, gescherzt, gelacht. Der Alltag – ein einziges Trauerspiel.

Wie falsch!

Denn Frohsinn und Optimismus sind nützlich. Gute Laune, also jener Zustand, in dem man laut Definition die Umwelt mit durchweg positiven Gefühlen wahrnimmt, wird in der Wissenschaft schon länger erforscht. Die bisherigen Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen:

10 Fakten, die Sie über Frohsinn wissen sollten

  • Heiterkeit macht kreativer. Schon in seinem Bestseller Emotionale Intelligenz wies der Harvard-Psychologe Daniel Goleman darauf hin, dass erhöhte Heiterkeit kreativer macht, weil sie bisherige Denkblockaden auflöst und hilft, anschließend komplexere Gedanken zu knüpfen.
  • Optimismus macht intelligenter. Denn das Gehirn belohnt Lebensfreude mit gesteigerter Denkleistung. Zu diesem Ergebnis kamen Untersuchungen der Universität Toronto. Der Psychologe Adam Keith Anderson teilte dazu 24 Probanden in drei Gruppen ein. Die erste wurde durch Musik in eine beschwingte Stimmung versetzt, die zweite hörte traurige Lieder, die Kontrollgruppe schmökerte geografische Fakten über Kanada. Anschließend sollten die Teilnehmer kreative Aufgaben lösen sowie solche, die ihre volle Konzentration verlangten. Das Ergebnis spricht für sich: Die Hochstimmung verbesserte die Aufnahme- und Analysefähigkeit der Probanden enorm. Lediglich bei den Konzentrationstests ließen sie sich etwas leichter ablenken als die traurig gestimmten Gemüter.
  • Frohsinn fördert die Karriere. Zu dem Schluss kommt Chris Robert, Psychologe und Management-Professor an der Universität von Missouri-Columbia. Er beschäftigt sich schon seit Jahren mit Humor am Arbeitsplatz, seine Quintessenz: Lustige Menschen, die ab und an einen Witz erzählen oder Optimismus im Job verbreiten, können ihr Ansehen enorm steigern. Sie werden sogar eher erinnert und weiterempfohlen als andere.
  • Optimismus sorgt für höheres Einkommen. Den Schluss legen Studien von Alice Isen, Psychologieprofessorin an der Cornell-Universität in New York nahe. Sie zeigte, Gutgelaunte sind beliebter und populärer und werden von ihren Vorgesetzten besser bewertet und öfter befördert. Das Gros erzielte am Ende höhere Einkommen.
  • Gute Laune macht erfolgreicher. Gutgelaunte Kollegen bringen im Schnitt 17,5 Verbesserungsvorschläge und gute Ideen in ihre Unternehmen ein, so eine Untersuchung des IFAK-Instituts. Miesepeter dagegen kamen nur auf 8,4 Vorschläge. Ebenso kommen motivierte Mitarbeiter im Schnitt auf höchstens 4,3 Fehltage, ihre frustrierten Kollegen dagegen auf zehn.
  • Hochstimmung macht Unternehmen attraktiver. Die beiden Wissenschaftler Adrian Gostick und Scott Christopher haben über eine Million Angestellte dazu befragt, was diese motiviert oder was einen Arbeitgeber attraktiv macht. Die Ergebnisse hat das Duo in dem Buch The Levity Effect: Why it Pays to Lighten Up zusammengefasst, ihre Haupteinsicht: Die Menschen mögen Betriebe und Büros umso mehr, wenn in diesen häufig gelacht wird.
  • Humor macht sexy. Vor allem Männer werden dadurch für das weibliche Geschlecht anziehender, fand Eric Bressler von der McMaster Universität heraus.
  • Lachen hilft beim Lernen. Kristy A. Nielson und Mark Powless vom Psychology/Integrative Neuroscience Research Center der Marquette Universität in Wisconsin zeigten: Wird 30 Minuten nach einem Lernvorgang gelacht, können die Wissbegierigen das Gelernte besser behalten.
  • Lächeln verlängert das Leben. Das behaupten zumindest kanadische Forscher der McMaster University in Hamilton. Sie untersuchten 2004 rund 5000 über 40-Jährige und errechneten, dass die positiv eingestellten Probanden aufgrund der Gesundheitseffekte – Stärkung des Immunsystems, Stressreduktion – eine bis zu sieben Jahre höhere Lebenserwartung hatten. Zumindest aber sind Gutgelaunte stressresistenter, ertragen Rückschläge leichter, können besser mit Niederlagen umgehen und lernen daraus mehr.
  • Optimismus steckt an. Wie der Harvard-Soziologe Nicholas Christakis sowie James Fowler von der Universität von Kalifornien in San Diego im British Medical Journal berichteten, kann man seine Mitmenschen ebenso leicht indirekt und über mehrere Kontakte hinweg glücklich machen. Dazu werteten die beiden über einen Zeitraum von 20 Jahren die Daten von rund 4700 Erwachsenen zu deren Befindlichkeiten und sozialen Kontakten aus. Am Ende stellten sie verblüfft fest, dass die Wahrscheinlichkeit glücklich zu sein um 34 Prozent steigt, wenn unser direkter Nachbar ebenfalls glücklich ist – egal, ob im Büro oder in der Wohnsiedlung. „Wir haben herausgefunden, dass der eigene emotionale Status von den Gefühlen von Menschen abhängen kann, die man nicht einmal kennt“, sagt Christakis. Und: Gute Laune ist ansteckender als schlechte. Auch das konnten Wissenschaftler belegen.

Übertreiben Sie es mit dem Optimismus aber bitte auch nicht: Ein 90-sekündiges Strahlen reicht völlig, um sich unmittelbar besser zu fühlen. Krampfhaftes Permagrinsen, das sogenannte Lächelmasken-Syndrom, kann hingegen zu Depressionen führen, weiß wiederum die Psychologin Makoto Natsume von der Universität Osaka.