Projektarbeit
Eine Projektarbeit im Studium ist eine echte Herausforderung. Sie setzt geordnetes und logisches Denken voraus, die Fähigkeit, sich auf eine Fragestellung zu konzentrieren, die relevanten Informationen aus großer Fülle von Literatur herauszufiltern. Richtlinien, Recherche und Formalitäten - häufig stehen die Studenten ratlos davor und wissen sich nicht zu helfen. Wir erläutern den Aufbau und geben Tipps für das Durchführen von Projekten und für das Schreiben von Projektarbeiten...

Projektarbeit: Was ist das?

Eine Projektarbeit im Rahmen des Studiums ist eine wissenschaftliche Arbeit mit praktischem Hintergrund. Schon in der Schule werden Projektarbeiten geschrieben, später auch im naturwissenschaftlichen Studium, im Rahmen einer Ausbildung und im Beruf.

Während der Projektarbeit beschäftigen sich die Verantwortlichen mit einer Fragestellung, die auf praktischen Wegen bewiesen oder widerlegt werden soll. Erst nachdem der Arbeitsprozess eines Projekts durchgeführt wurde, kann die Projektarbeit vollständig erstellt und dokumentiert werden. Sie ist im Grunde eine Hausarbeit mit praktischen Hintergrund, die Themenfindung und der Aufbau sind gleich.

Projektarbeit: Definition

Ein Projekt ist durch das Deutsche Institut der Normen (abgekürzt DIN) 69901 folgendermaßen definiert: Es ist ein Vorhaben, das im Wesentlichen durch die Einmaligkeit aber auch Konstante der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, wie zum Beispiel Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle und andere Begrenzungen, Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben und projektspezifische Organisation.

Ein Projekt hat einen Anfang und ein Ende, im Gegensatz zu einem Prozess, der fortlaufend ist. Ein Projektstrukturplan (PDF) ist in Arbeitspakete gegliedert, in denen die einzelnen Vorgänge, also auszuführende Schritte, beschrieben sind. Häufig wird am Ende eines Arbeitspakts ein Meilenstein gesetzt – ein Zeitpunkt zu dem der Fortschritt des Projekts analysiert und gegebenenfalls den Auftraggebern in einem Meeting vorgestellt wird. Die Überwachung des Ablaufs führt der Projektmanager durch, alle Mitglieder des Projektteams müssen ihm zuarbeiten und sind für die ihnen zugewiesenen Vorgänge verantwortlich. Auch das Krisenmanagement und das Erstellen einer Dokumentation fallen in die Aufgaben des Managers.

Projektarbeit: Der Arbeitsprozess

Der Arbeitsprozess eines Projekts im Studium hat einige Strukturunterschiede zum Projekt im Beruf. Während ein professioneller Projektmanager einen Auftraggeber und ein Projektteam hat und während des gesamten Projekts seine Vorgehensweise und den Fortschritt transparent gestalten muss, sind die meisten Studenten darauf angewiesen, sich selbstständig der Aufgabe anzunehmen. Die Arbeit an einem studentischen Projekt wird in fünf Schritte gegliedert:

  1. Themenfindung

    Beim Suchen des Themas für die Arbeit wird das thematische Feld und die Problemstellung bestimmt. Dieses Problem wird dann analysiert, ein möglicher Lösungsweg wird festgelegt.

  2. Informationsanalyse

    Zunächst wird festgelegt, welche Informationen zur Erfüllung des Projekts notwendig sind, diese werden aus Büchern, aus dem Internet und aus Dokumentationen, die aus ähnlichen Projektarbeiten entstanden sind, gesammelt und sortiert. Auch Hinweise auf Informationslücken sind bei der Analyse wichtig, weil sie eventuell die Problemstellung beeinflussen können. Gegebenenfalls muss sie geändert oder umformuliert werden.

    Danach wird das gesamte Material studiert. Der Verantwortliche beziehungsweise das Projektteam sucht nach einem optimalen Weg zur Erreichung des Ziels, indem er oder sie alle möglichen alternativen Lösungsvorschläge analysieren und besprechen. Erst danach stellen sie die Vorgehensweise logisch auf und teilen sie in mehrere Schritte. Dieser Plan ist mit dem Projektstrukturplan aus den DIN gleichzusetzen: Arbeitspakete, Vorgänge und Meilensteine.

  3. Praxisphase

    Die zuvor festgelegten technologischen, chemischen oder soziologischen Verfahren werden durchgeführt und laufend kontrolliert. Das Projektteam realisiert und eignet sich bekannte oder innovative Vorgehensweisen an – Videoaufnahmen, neue Computerprogramme, soziologische Untersuchungen oder neue technologische Hilfsmitte. Je nach Notwendigkeit werden Veränderungen in den Strukturplan und in die Konstruktion beziehungsweise in das Vorgehen selbst eingefügt und dokumentiert.

  4. Präsentation

    Jedes Projekt muss ein Produkt oder ein Ergebnis entwickeln. Am Ende oder in regelmäßigen Abständen während großer Projekte wird eine Präsentation des Fortschritts oder des Ergebnisses erstellt. Sie beinhaltet Materialen, Fotos, Grafiken und Diagramme. Zum Ende der Präsentation gehört eine Analyse des Projektergebnisses, zum Beispiel die fachlichen Anwendungsmöglichkeiten.

  5. Kontrolle

    Zum Projektcontrolling gehören Erfahrungswerte – Fehler, Fehleinschätzungen oder Ablaufschwierigkeiten. Die Qualität des Ergebnisses wird ausführlich dargelegt.

Das Ziel einer studentischen Projektarbeit ist es zu zeigen, dass der Student sich alleine oder im Team mit einer komplexen Aufgabenstellung und einem Problem auseinandersetzen kann: Er sucht relevante Informationen aus und verliert sich nicht in der Informationsfülle, er analysiert die Voraussetzungen und die Projektstruktur auf die richtige Weise, er führt die praktische Phase angemessen aus und kann Krisenmanagement betreiben. Imm Studium ist bekanntlich der Weg das Ziel.

Projektarbeit: Aufbau

Erst nachdem der Arbeitsprozess einer Projektarbeit beendet ist, kann sie in schriftliche Form umgewandelt werden. Alle Notizen, Dokumente und Grafiken, die schon für die Präsentation angefertigt wurden, müssen hier eingefügt und gegebenenfalls erläutert werden. Nicht anders als eine Hausarbeit ist die Projektarbeit eine Verschriftlichung der Präsentation – umfangreich und mit Nachweis aller Quellen. Auch der Aufbau gleicht einer Hausarbeit:

  • Titelblatt

    Das Titelblatt ist das Gesicht der Projektarbeit und sollte nicht überladen sein. Der Projekttitel, auch gerne mit einem Untertitel, und alle relevanten Informationen zum Verfasser (eigener Name, die Universität, die Fakultät mit Studienfach, Matrikelnummer, Datum und Semesterjahrgang) sind die einzigen Bestandteile. Denken Sie an die Aussagekraft des Titels – er soll das Projektthema deutlich benennen und Interesse wecken.

  • Inhaltsverzeichnis

    Er soll die Gliederung der Projektarbeit zeigen. Einzelne Kapitel und Unterpunkte werden dort aufgeführt – häufig gleichen sie Arbeitspaketen und Vorgängen, die schon im Arbeitsprozess definiert wurden.

  • Vorwort

    Es ist kein Pflichtbestandteil, kann aber die gesamte Arbeit aufwerten. Das Vorwort sollte aus der Sicht des Verfassers geschrieben werden: Warum er das Thema gewählt hat, was ihn besonders daran interessiert hat. Es ist auch der Ort, an dem der Verfasser sich für Hilfe und Ratschläge bei Menschen oder Institutionen bedankt.

  • Einleitung

    Hier wird das Thema definiert, die Fragestellung, die Thesen und das Projektziel werden erläutert. Es ist eine Einleitung und soll entsprechend knapp und präzise sein – nicht länger als zwei DIN A4-Seiten.

  • Hauptteil

    Das ist der wichtigste und auch der längste Teil der Arbeit. Die Gliederung und Abschnitte sollten aussagekräftig sein und aufeinander aufbauen – denken Sie an den berühmten roten Faden. Sie müssen Formale Richtlinien, wie Abkürzungen oder Zitierregeln, beachten – häufig unterscheiden sie sich von Fach zu Fach, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, dann sollten Sie sich für eine entscheiden und in der gesamten Arbeit beibehalten. Meist wird der Hauptteil der Projektarbeit in drei Abschnitte gegliedert:

    Am Anfang beschreiben Sie die Fragestellung, erläutern die Vorgehensweise, Methoden und Materialien – immer ausführlich und durch Quellen belegt. Im Wesentlichen werden hier die Gedanken und Schlüsse aus der Informationsanalyse niedergeschrieben.

    In der Mitte des Hauptteils beschreiben Sie die einzelnen Arbeitspakete und die Vorgänge, hier auch knapp und präzise – unwichtige Details und kleine Fehler, die das Ergebnis nicht beeinflusst haben, können Sie verschweigen. Im Gegenteil dazu gehören Ursachen, die den anfänglichen Plan geändert haben, unbedingt dazu. Es sind wichtige Erkenntnisse, Fehleinschätzungen und Ihre Erfahrungen - sie beeinflussen die Auswertung der Ergebnisse.

    Am Ende des Hauptteils nehmen Sie immer Bezug auf die Einleitung. Hier stellen Sie das Ergebnis der Projektarbeit heraus, Sie thematisieren diese und bewerten sie. Sie können zum Beispiel eine kritische Analyse eigener Ergebnisse durchführen, indem Sie diese von allen Seiten beleuchten und hinterfragen. Auch ein Fazit gehört an das Ende des Hauptteils, das entweder eine Prognose oder die Bedeutung des Projekts in den Vordergrund stellt.

  • Schlusswort

    Es rundet die Projektarbeit ab. Wie schon im Vorwort sind hier persönliche Erfahrungen und Eindrücke gefragt. Hier sollten Sie zeigen, ob die eigenen Erwartungen erfüllt wurden, gegebenenfalls können Sie auch den Projektverlauf kommentieren.

  • Glossar, Abkürzungen, Literaturverzeichnis und Anhang

    Dies ist der formelle Teil der Arbeit, in dem Sie Abkürzungen und Fachbegriffe erläutern, immer in alphabetischer Reihenfolge. Achten Sie auch beim Erstellen des Literaturverzeichnisses darauf. Hier nennen Sie alle – absolut alle – Quellen, die Sie verwendet, zitiert oder ausgewertet haben. Im Anhang fügen Sie Daten, Grafiken, Tabellen, Fotos, Videos, Interviews ein, die Sie erstellt oder ausgewertet haben.

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