Voraussetzungen
Einen Rechtsanspruch auf den Bildungsgutschein gibt es zwar nicht. Beantragen können ihn aber alle Arbeitnehmer und Arbeitslose, wenn sie durch eine berufliche Weiterbildung ihre Jobchancen deutlich verbessern können. Das betrifft in erster Linie drei Fälle: Durch den Bildungsgutschein können Sie…
- eine bestehende Arbeitslosigkeit beenden.
- eine drohende Arbeitslosigkeit verhindern.
- einen fehlenden Berufsabschluss nachholen.
Auch Arbeitsuchende, die ihre Qualifikationen erweitern oder aktualisieren möchten, können mit dem Instrument gefördert werden, wenn sich damit ihre Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, prüft die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter in einem persönlichen Beratungsgespräch. Dabei wird auch festgestellt, ob die gewünschte Qualifizierung zum individuellen Berufsweg passt (siehe Merkblatt der Arbeitsagentur).
Ablauf: Wie bekomme ich den Bildungsgutschein?
Der Weg zum Bildungsgutschein ist unkompliziert und erfolgt in drei Schritten:
1. Beratungstermin vereinbaren
Vereinbaren Sie zuerst einen Termin bei der Agentur für Arbeit bzw. im Jobcenter. Erwähnen Sie bereits bei der Terminvereinbarung, dass Sie einen Bildungsgutschein beantragen möchten.
2. Beratungsgespräch vorbereiten
Bereiten Sie sich sorgfältig auf das Gespräch vor und bringen Sie wichtige Unterlagen dazu mit. Wir empfehlen hierfür folgende Dokumente:
- Lebenslauf
Ein aktueller Lebenslauf ist unverzichtbar, um Ihre Laufbahn und Berufschancen einzuordnen. - Zeugnisse
Dokumentieren Sie bisherige Qualifikationen sowie Ihr Bildungsziel mit entsprechenden Abschlusszeugnissen. - Stellenangebote
Drucken Sie eine Liste mit aktuellen Stellenangeboten aus, die belegen, dass Ihre Wunsch-Weiterbildung auf dem Arbeitsmarkt gesucht wird. - AZAV-Bildungsanbieter
Recherchieren Sie im Vorfeld ebenso ein paar AZAV-zertifizierte Bildungsanbieter, die genau diese Fortbildung anbieten. - Bildungsziele
Formulieren Sie überzeugend und präzise, wie und warum diese Weiterbildung Ihre beruflichen Chancen fördern wird. - Bewerbungen
Idealerweise weisen Sie zusätzlich nach, dass Ihre (vielen) Bewerbungen bisher ohne Erfolg geblieben sind – etwa durch Kopien von Absagen.
All diese Unterlagen steigern im Beratungsgespräch Ihre Chancen auf eine Bewilligung des Bildungsgutscheins. Je ausführlicher, desto besser. Denn das zeigt, dass Sie sich wirklich bemühen und wieder arbeiten wollen.
Tipps fürs Beratungsgespräch (PDF)
3. Bildungsgutschein einlösen
Nach erfolgreicher Prüfung erhalten Sie den Bildungsgutschein mit einer festgelegten Gültigkeitsdauer. Einlösen können Sie ihn ausschließlich bei einem AZAV-zertifizierten Bildungsträger für eine zugelassene Weiterbildungsmaßnahme. Die Weiterbildungskosten werden direkt von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter übernommen – für Sie entstehen keinerlei Kosten.
Wo finde ich AZAV-zertifizierte Bildungsanbieter?
In Deutschland gibt es mehrere tausend AZAV-zertifizierte Bildungsträger. Eine tagesaktuelle Online-Datenbank stellt die Bundesagentur für Arbeit über die Portale „mein NOW“ sowie „KURSNET“ bereit. Geben Sie dazu Ihr Thema oder Ihren Wohnort ein und wählen Sie „Förderung mit Bildungsgutschein“ oder „AVGS“. Anschließend erhalten Sie eine aktuelle Übersicht passender Kurse. Möchten Sie die AZAV-Zertifizierung eines Anbieters prüfen, finden Sie Informationen in den Registern der Zertifizierungsstellen wie DEKRA Certification, TÜV Süd/Nord, GUTcert oder DQS.
Welche Kosten fördert der Bildungsgutschein?
Mit einem Bildungsgutschein können die Kosten einer geförderten Weiterbildung bis zu 100 % von der Arbeitsagentur übernommen werden. Dazu zählen insbesondere:
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Lehrgangskosten
Inklusive Lernmaterialien, Prüfungsgebühren und – falls erforderlich – Arbeitskleidung.
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Fahrkosten
Pendelfahrten zwischen Wohnort und Bildungsstätte mit 30 Cent pro Kilometer, Höchstsatz: 588 € pro Monat.
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Unterkunft & Verpflegung
Ist das Pendeln unzumutbar, bezahlt die Arbeitsagentur Kosten für Unterkunft (bis 64 € pro Tag, maximal 448 Euro im Monat) sowie Verpflegung (Tagegeld, bis zu 28 € pro Tag, maximal 196 € im Monat).
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Kinderbetreuung
Betreuungskosten für Kinder unter 15 Jahren oder Kinder mit Behinderung – pauschal 160 € monatlich pro Kind.
Welche Leistungen Sie im Einzelfall erhalten, entscheidet die Agentur für Arbeit im Beratungsgespräch. Beginnen Sie die Weiterbildung während des Bezugs von Arbeitslosengeld, wird dieses in der Regel weitergezahlt. Bei bestimmten abschlussorientierten Weiterbildungen können Sie zusätzlich von einem monatlichen Weiterbildungsgeld sowie einer Weiterbildungsprämie profitieren.
Was ist die Weiterbildungsprämie?
Bei erfolgreicher Prüfung im Rahmen einer Umschulung können Sie eine Weiterbildungsprämie als Belohnung erhalten. Das Jobcenter zahlt bis 1.000 € für eine erfolgreiche Zwischenprüfung und 1.500 € bei Abschluss. Voraussetzung ist jedoch, dass die Ausbildung mindestens 2 Jahre dauert.
Warum wird ein Antrag auf den Bildungsgutschein abgelehnt?
Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, liegt im Ermessen des Sachbearbeiters. Wenn die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter Anträge ablehnt, dann meist aus diesen Gründen:
- Die Weiterbildung verbessert nicht ausreichend Ihre Arbeitsmarktchancen.
- Der Kurs passt nicht zur aktuellen Nachfrage auf dem Stellenmarkt.
- Sie haben erst kürzlich eine geförderte Weiterbildung absolviert.
- Der Bildungsanbieter ist nicht AZAV-zertifiziert.
- Ihre Begründung im Beratungsgespräch konnte nicht überzeugen.
- Die Notwendigkeit für eine Förderung ist nicht erkennbar.
Hinweis: Wird Ihr Antrag auf einen Bildungsgutschein abgelehnt, können Sie Widerspruch einlegen. Oft können Sie Ihre Chancen auf eine Bewilligung steigern, indem Sie Ihre bisherigen und vergeblichen Bewerbungsbemühungen noch einmal nachweisen und die Bedeutung der Weiterbildung für Ihre Arbeitsmarktchancen besser dokumentieren. Hierfür können Sie jederzeit ein neues Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter beantragen.
Checkliste: So sichern Sie sich Ihren Bildungsgutschein
Auch wenn die Vergabe eines Bildungsgutscheins eine Ermessensfrage der Arbeitsagentur bleibt: Mit der richtigen Vorbereitung und einer strategischen Argumentation maximieren Sie Ihre Bewilligungschancen. Nutzen Sie hierfür unsere kostenlose Checkliste als Leitfaden für Ihr Beratungsgespräch:
- Konkrete Stellenangebote sammeln: Bringen Sie aktuelle Ausschreibungen zum Termin mit. Das beweist Schwarz auf Weiß, dass Arbeitskräfte mit Ihrer Wunschqualifikation dringend gesucht werden.
- Zertifizierte Angebote vergleichen: Recherchieren Sie im Vorfeld passende Weiterbildungen. Wichtig ist, dass die Kurse und der Anbieter AZAV-zertifiziert sind. Nennen Sie im Gespräch konkrete Beispiele.
- Auf Zukunftsthemen setzen: Wählen Sie primär Weiterbildungen mit hoher Marktrelevanz. Digitale Kompetenzen, KI-Grundlagen oder Online-Marketing haben aktuell exzellente Bewilligungschancen, da sie den Nerv des modernen Arbeitsmarktes treffen.
- Arbeitsmarktorientiert argumentieren: Stellen Sie Ihr persönliches Interesse hintenan. Betonen Sie stattdessen, wie die Qualifikation Ihre Chancen auf eine schnelle Reintegration in den Arbeitsmarkt erhöht.
- Berufliche Ziele definieren: Formulieren Sie präzise, wo Sie nach der Weiterbildung stehen wollen. Je exakter Sie Ihren Karriereweg skizzieren, desto eher wird die Agentur für Arbeit investieren.
- Motivation und Engagement zeigen: Treten Sie unbedingt bestens vorbereitet, selbstbewusst und zielstrebig auf. Ein gut strukturierter Auftritt signalisiert dem Sachbearbeiter, dass Sie die Maßnahme erfolgreich abschließen werden.
Strategische Vorbereitung
Überzeugende Argumentation
Kein Bildungsgutschein? Das sind Ihre Alternativen
Wird Ihr Antrag auf einen Bildungsgutschein abgelehnt, bedeutet das noch lange nicht das Ende für Ihre Weiterbildungspläne. Es gibt effektive Alternativen, mit denen Sie ebenfalls Ihre Karriere vorantreiben können:
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Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)
Eine der besten Alternativen ist der AVGS. Er fördert individuelles Karrierecoaching, Bewerbungstraining oder kürzere Qualifizierungsmaßnahmen. Auch hiermit werden Kosten komplett von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter übernommen.
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Aufstiegs-BAföG (ehemals Meister-BAföG)
Planen Sie einen echten Karrieresprung (z.B. zum Meister, Fachwirt oder Techniker)? Dank Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) können Sie alters- und einkommensunabhängig mit Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen gefördert werden. Siehe: Aufstiegs-BAföG.
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Bildungsurlaub (Bildungszeit)
In fast allen Bundesländern (Ausnahmen: Bayern, Sachsen) haben Angestellte einen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub – also eine bezahlte Freistellung (meist 5 Tage pro Jahr) für eine anerkannte Weiterbildung. Vorteil: Das Gehalt bekommen Sie in der Zeit weiter. Dafür müssen Sie die Kursgebühren in der Regel selbst zahlen – sie lassen sich jedoch als Werbungskosten steuerlich absetzen.
Karrierebibel-Tipp: Hat das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit Ihren Bildungsgutschein-Antrag abgelehnt? Dann fragen Sie explizit nach einem AVGS für ein professionelles Karrierecoaching! Oft ist die Hürde für diese Bewilligung niedriger, und Sie erhalten wertvolle Unterstützung für Ihre Jobsuche und Bewerbungen…
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