Handwerker-Blogs: Mehr Vertrauen, Kunden, Umsatz

Bloggen? Ausgerechnet Handwerker? Deren Werkzeug ist doch nun wirklich nicht die Tastatur! So denken viele – auch und gerade viele Handwerksbetriebe. Fehler! Gerade kleinere Firmen, die noch nicht so bekannt sind, können von Handwerker-Blogs und Social Media enorm profitieren: Gut gemachte Blogs erhöhen die Sichtbarkeit bei Google & Co. erheblich, schaffen Transparenz und Kundenvertrauen und nicht zuletzt sorgen sie für Mundpropaganda und damit für mehr Kunden und Aufträge. So ein Handwerker-Blog wirkt am Ende wie ein übergroßes virtuelles Schaufenster: Der Handwerksbetrieb demonstriert in Form von Artikeln, Fotos, Videos und Kundenreferenzen Kompetenz und kann durch den gezielten Einsatz von Keywords sogar neue Zielgruppen erschließen. Wie das funktioniert, zeigen gleich mehrere Erfolgsbeispiele…

Handwerker-Blogs: Mehr Vertrauen, Kunden, Umsatz

Erfolg per Blog: Die bloggenden Handwerker

Während die anderen noch zweifeln, steigt die Zahl der bloggenden, twitternden und facebookenden Handwerker. Allesamt erzählen sie immer wieder davon, wie viel Spaß ihnen das neue Medium macht. Mehr noch: Sie können längst auch handfeste Erfolge in Form von Kundenzuwächsen und Umsatzsteigerungen vorweisen.

Allerdings sei an der Stelle vor übertriebenen Erwartungen gewarnt: Ein gut geführtes Blog macht Arbeit und braucht vor allem Zeit, bis es sich entwickelt. Mit gut einem Jahr Entwicklungsdauer sollten Blogger in spe rechnen. Solange schreiben die meisten in eine Art schwarzes Loch, wo Kommentare selten und Effekte kaum spürbar sind. Bloggen ist eben ein Marathon, kein Sprint.

Bestätigen können das auch die bloggenden Handwerker. Ihre Beispiele zeigen: Bloggen lohnt sich…

  • Ludger Freese: Hier geht es um die Wurst

    Ludger Freese gibt inzwischen Live-Interviews auf Skype, schreibt Gastartikel in anderen Genuss-Blogs und ist vielleicht so etwas wie das Urgestein der bloggenden Handwerker: Schon 2007 begann er mit seinem Blog „Essen kommen!„.

    Heute erreicht die Seite mehr als 100.000 Leser im Monat. Dabei bloggt Freese gut alle zwei bis drei Tage über den Alltag in seiner Fleischerei, über Rezepte zu „Kohl und Pinkel“, wie man Messer richtig schärft oder über seine inzwischen zahlreichen Vorträge, etwa zum Thema „Hackfleisch in Bakum“. Aber lohnt sich das? Auf jeden Fall! Deutliche Umsatzsteigerungen kann Ludger Freese seit seinem Online-Engagement ausmachen. Bloggen gehört für ihn heute genauso zu Alltag wie ein gutes Schnitzel.

  • Claus Böbel: Der Social Media Metzger

    Auch beim Metzgermeister Claus Böbel geht es um die Wurst – sprichwörtlich. Denn so heißt auch sein Blog: Umdiewurst.de.

    Eigentlich hat Böbel eine Metzgerei im fränkischen Rittersbach. Ein 300-Seelen-Kaff. Nichts besonderes eigentlich. Doch dann fing er an, zusätzlich einen Webshop aufzubauen, in dem man Weißwurst, Bratwurst und Leberkäse auch gleich online bestellen kann. Zum Schluss kam noch das Blog dazu, in dem er viele kleine Geschichten und Bilder rund um sein Ladengeschäft präsentiert. So erfährt man beispielsweise von Kunden, die Bullenhoden bestellen oder Tartar-Würste oder dass es ab April 2014 eine Bratwurst-Erlebnis-Show-Arbeits-Vorberreitungs-Verpackungs-Spül-Pausen-Küche geben soll.

    Bis zu vier Stunden seiner Zeit investiert Claus Böbel täglich ins Marketing und in seine Webseiten. Die seien Chefsache. Und zahlen sich aus: Claus Böbel ist auch im Netz längst als Social Media Metzger bekannt, hält Wurst-Vorträge und gibt Seminare. Während woanders Handwerksbetriebe dank der Discounterkonkurrenz schließen müssen, feiert er Zuwächse.

  • Matthias Schultze: Der Media-Malermeister

    Matthias Schultze ist Inhaber des Malerfachbetriebs Heyse bei Hannover – und in Sachen Social Media sowas von aktiv: mit eigenem Blog, auf Facebook, Twitter, Google+ Pinterest, Youtube… das volle Programm.

    Dahinter steckt jedoch eine klare Social Media Marketing Strategie, in deren Zentrum er sein Blog gestellt hat und über die jeweiligen Social Media Plattformen Aufmerksamkeit und Reichweite erzielt. All die Kanäle zusammen bringen ihm zunehmend Kunden und sorgen dafür, dass er unter wichtigen Keywords in seiner Region gefunden wird (siehe Interview weiter unten).

  • Thomas Fieber: Ganz im Fliesen-Fieber

    Zugegeben, so richtig modern und schön ist das Blog nicht. Da geht noch einiges bei der Optik. Aber was Thomas Fieber mit seinem Fliesen Blog „Fliesenfieber“ erreicht hat, kann sich sehen lassen. Derzeit erreicht die Seite schon täglich rund 1200 Besucher. Parallel setzt er noch voll auf auf die Kraft der Bewegtbilder: Sein Youtube-Kanal ist prall gespickt mit Tipps und Infos zum Bad-Design, über richtiges Fliesen verfugen oder die Optionen von Steinwänden im Wohnbereich.

  • Heinrich Gerstel: Ein Autohaus gibt Gas

    Die Mitarbeiter des Autohauses von Heinrich Gerstel bloggen bereits seit 2010 unter dem Namen Gerstelblog – über Beulenschutz, Ölwechsel oder die Organisation in der Werkstatt. Er selbst habe damit „nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Gerstel. Das sei der beste Ersatz für ein gedrucktes Kundenmagazin. Das koste pro Ausgabe irrsinnig viel, muss auch noch mit deutlichen Kosten verteilt werden und ist nach dem Verteilen des letzten Exemplares vergessen. Das Unternehmensblog dagegen bleibe.

Das sind natürlich nur ausgewählte Beispiele. Es gibt noch viele weitere Handwerker-Blogs. Allerdings auch keine Massen. Was schade ist. Denn angesichts solcher Erfolgsbeispiele sollte es längst mehr bloggende Handwerker geben…

Interview: Dank Blog 600.000 Euro mehr Umsatz

Interview: Dank Blog 600.000 Euro mehr UmsatzMatthias Schultze verdankt seinen Social-Media-Aktivitäten viel. Insbesondere seinem Handwerker-Blog. Ohne all das würde, wie er selbst sagt, „sein Unternehmen heute gar nicht mehr existieren“.

Dass sich Blogs für Handwerker und Kleinbetriebe lohnen, würde Schultze heute immer unterschreiben. Zwei Stunden täglich investiert er selbst für sein Blog. Und es lohnt sich: Nach eigenen Angaben hat ihm sein Social-Media-Engagement allein im Jahr 2012 zig neue Kundenaufträge im Gesamtvolumen von mehr als 360.000 Euro gebracht, 2014 waren es schon rund 600.000 Euro Mehrumsatz. Wie das funktioniert, wollten wir von ihm im Interview erfahren…

Herr Schultze, Sie bloggen, facebooken, twittern seit 2010. Wie hat sich Ihr Geschäft dadurch verändert?

Eine Menge. Heute weiß ich, dass es einer der wichtigsten Schritte und Entscheidungen war, diesen Teil der digitalen Transformation zu starten. Die großartigen Möglichkeiten der bidirektionalen Kommunikation hat uns entscheidende Vorteile zur positiven Entwicklung unseres Unternehmens gebracht. Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Expertenstatus, Wunschkundenfindung und stabile Zukunftsplanungen haben sich enorm verbessert und unser Image und Bekanntheitsgrad ist sehr stark gestiegen.

Sie machen das noch immer alles selber? Wie viel Zeit nehmen Sie sich dafür?

Ja, mache ich. Anfänglich waren es ein bis zwei Stunden die Woche, um Ziele und Analysen zu erarbeiten. Zwischenzeitlich waren es sogar einmal vier Stunden täglich, um strategisch Inhalte, Ideen, Bilder und Storys zu sammeln, Artikel zu schreiben und unser Tun im Netz auszuwerten. Mittlerweile reichen mir nach den vielen Jahren wieder zwei Stunden täglich. Mein Motto ist: Wenn es in dir brennt, musst du Dinge tun. Andere werden es nie verstehen, aber wenn es in dir brennt, lebst du.

Lohnt sich der Aufwand denn auch finanziell?

Sagen wir es so: Ich kann es mir heute nicht mehr leisten, kein Internetmarketing und Social Media Marketing zu betreiben. Ein durchaus spannendes Thema, wenn man bedenkt, wie Kunden heute nach Dienstleistungen suchen. Für uns hat es sich mehr als gelohnt, denn ohne diese wichtige Unternehmensentscheidung, würde es uns heute so nicht geben. Der harte Marktkampf hätte mich dazu getrieben, das Unternehmen zu schließen. Im Jahr 2014 haben wir es aber geschafft, 600.000 Euro Umsatz allein auf diesem Weg einzufahren. Ein einmaliges Ergebnis im Handwerk deutschlandweit.

Wie gehen Sie dabei mit Kritik oder Fehlern um? Die werden damit per Kommentar ja ebenfalls öffentlich…

Eines der größten Geschenke ist es doch, durch das Sichtbarmachen von Fehlern und dem gesunden Umgang in Wort und Schrift daraus zu lernen und zu wachsen. Wir begrüßen konstruktive Kritik sehr, denn wir können nicht alles wissen und machen garantiert nicht alles fehlerfrei. Wir freuen uns immer, wenn wir die Chance bekommen, aus Fehlern zu lernen. Wenn Kunden und Fans es öffentlich machen, dann nehmen wir dankend dazu Stellung. Jeder kann unsere Herangehensweise erkennen und damit steigt auch unser Ansehen und Image. Nobodys perfect.

Und wie reagieren Ihre Kunden darauf auf die öffentliche Schelte?

Überwiegend wertschätzend und begeistert. Wo kann sich ein Kunde im Vorfeld über so wichtige Themen informieren, bevor eine Dienstleistung eingekauft wird? Schon lange ist nicht mehr der Preis primär entscheidend, sondern Werte, Zuverlässigkeit und Informationen um die Dienstleistung herum. Menschen wollen Authentizität und ein Zugehörigkeitsgefühl spüren und wissen, wie eine Firma im Falle eines Fehlers reagiert. Diese Softfacts sind viel wichtiger, als klassische Hardfacts. Durch authentische Social Media Kommunikation und dem Erzählen von echten Geschichten aus dem Unternehmen heraus schaffen wir genau dadurch Bindung und Anziehungskraft.

Haben Sie eigentlich noch Nachwuchssorgen wie so viele Handwerksbetriebe?

Ja und Nein. Es ist uns gelungen, die besten Experten in den vergangenen drei Jahren zu uns zu holen. Und das ausschließlich durch unsere Internet- und Blogseiten, die stark dafür sorgen, dass sich Menschen darüber schlau machen, wie wir ticken, wie wir im Team arbeiten und unsere Mitarbeiter sehr stark in den Fokus stellen. Nachwuchssorgen haben wir aber dennoch, wie viele andere auch. Aber wir schreiben darüber und gehen offen in den Dialog. Dadurch erhalten wir wesentlich mehr Anfragen von Bewerbern, als unser Wettbewerb. Das Problem ist, die Richtigen zu finden. Hier mangelt es oft an elementaren Grundlagen und die sind nicht durch Social Media zu egalisieren. Hier hapert es an anderer Stelle.

Warum folgen Ihrem Beispiel noch immer so wenige Handwerker?

Weil sie wenig Verständnis dafür aufbringen und das fehlende Wissen mit althergebrachten Weisheiten vom Tisch wischen. Schlichtweg ist es Angst vor der Veränderung, doch das wird vielen bald zum Verhängnis werden.

Was würden Sie Ihren Kollegen raten, die Ihr Geschäft ebenfalls digitalisieren wollen?

Ziele definieren, Expertenrat einholen und strategisch daran festhalten, es Schritt für Schritt zu realisieren. Wenn die Bereitschaft vorhanden ist, dann empfehle ich, nicht mehr lange zu warten. Der Vorsprung wird sich in zwei Jahren deutlich auszahlen. Wer den Zug aber jetzt verpasst, wird in fünf Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig sein und wird sich damit beschäftigen müssen, sich allein über den Preis zu definieren. Ein Teufelskreis, mit traurigem Ende.

Herr Schultze, danke für das Gespräch.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com, Matthias Schultze]
1. Dezember 2013 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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