Berufsziel: Finden und nutzen
Jobsuchende verzweifeln, wenn trotz unzähliger Bewerbungen die Einladungen zu Vorstellungsgesprächen ausbleiben. Eine mögliche Ursache, die nur selten bedacht wird: Das unspezifische Streuen der Bewerbungen ohne konkretes Berufsziel. Wer sich sowohl auf Positionen in der IT-Abteilung als auch für Stellen im Personalwesen bewirbt, darf sich nicht wundern, wenn auch Personaler nicht überzeugt sind, den perfekten Kandidaten für eine Stelle gefunden zu haben. Besonders fatal wirkt sich die fehlende Zielorientierung bei Initiativbewerbungen und bei eigenen Stellensuchanzeigen aus. Botschaften wie "Suche interessante Aufgabe mit Verantwortung" oder gar "Mache alles" sind nicht geeignet, seriöse Arbeitgeber zur Kontaktaufnahme zu animieren. Als Bewerber sollten Sie zeigen, dass Sie sich intensiv Gedanken gemacht haben, ein Berufsziel vor Augen haben und wissen, warum es gerade dieser Job sein soll...

Berufsziel: Niemand bietet eine Stelle für "egal"

Mehr Bewerber als man annehmen würde sind der Meinung, Sie könnten einfach nur so ihre Bewerbungsunterlagen nicht nur an verschiedene Unternehmen, sondern an gänzlich unterschiedliche Abteilungen und Anforderungsprofile abschicken. So ist es keine Seltenheit, dass sich ein Kandidat auf Jobangebote mit vollkommen unterschiedlichen Aufgabenfeldern, Herausforderungen und auch Bedingungen bewirbt. Getreu dem Motto: Für irgendwas wird es schon passen und die Unternehmen wissen schon, für welche Stelle man sich eignet.

Aber mal im Ernst: Welcher Personaler hat so viel überschüssige Zeit und Energie, um sich die Gedanken zu machen, die ein Bewerber sich im Vorfeld zu seinen Bewerbungen machen sollte? Zu wissen, welchen Job Sie machen wollen, was Ihr Berufsziel ist, ist ohne Ausnahme Ihre Aufgabe.

Kein Bewerber erhält auf seinen Wunsch nach einer "interessanten Herausforderung" die Rückmeldung des Unternehmens: Wir hätten da eine Stelle als Marketing-Assistentin, eine andere im Vorstands-Sekretariat und eine dritte im Controlling. Welche davon hätten Sie denn gern?

Berufsziel finden: Aber wie?

Als Bewerber müssen Sie von sich aus deutlich machen, welche Art von Aufgabe Sie anstreben und in welcher Position Sie sich selbst sehen. Allgemeines Geschwafel und leere Worthülsen sind dabei fehl am Platz. Denken Sie immer daran: Die Konkurrenz ist groß und Marketing-Mitarbeiter, Assistenten oder Controller gibt es viele. Erleichtern Sie zukünftigen Arbeitgebern die Entscheidung - zu Ihren Gunsten - indem Sie hervorheben, was Sie besonders macht: Ihre Affinität zu Zahlen, Ihre besonderen Fortbildungen, Ihre Sprachkenntnisse oder die Erfahrungen im Ausland.

Wenn Sie sorgfältig herausarbeiten, was Sie für Ihr Berufsziel qualifiziert, vergrößern Sie nicht nur Ihre Chancen, vom richtigen Arbeitgeber ausgewählt zu werden, sondern Sie schlagen dann auch andere Kandidaten, die sich eher nach dem Gießkannenprinzip beworben haben, locker aus dem Feld.

Das Problem: Das eigene Berufsziel will erst einmal gefunden werden. Wer sich noch nie damit beschäftigt hat, steht erst einmal ratlos da. Diese drei Schritte helfen, das eigene Berufsziel zu definieren:

  1. Stellen Sie sich Ihre Wunschtätigkeit vor

    Wagen Sie einen Blick in die Zukunft und stellen sich vor, dass bereits einige Jahre vergangen sind und Sie Ihr Berufsziel erreicht haben. Wie genau sieht Ihre Arbeit aus, wo genau arbeiten Sie und was tun Sie in Ihrem Job? Je konkreter und ehrlicher Sie bei diesem Gedankenexperiment sind, desto besser können Sie Ihre Jobsuche in der Gegenwart gestalten. Stellen Sie sich möglichst detailliert vor, wie Ihr Arbeitstag aussieht, was Ihren Arbeitgeber und natürlich auch Ihren Job auszeichnet.

  2. Definieren Sie Ihre Schritte zur Zielerreichung

    Sie wissen nun, wie Ihr Berufsziel aussieht und wo die Reise in einigen Jahren hingehen soll. Um dies wirklich zu erreichen, müssen Sie einen Plan erstellen und festhalten, was dafür nötig ist. Informieren Sie sich auf Messen oder bei Unternehmen selbst, ob beispielsweise Praktika erforderlich sind oder gewisse Fortbildungen die eigenen Chancen erhöhen. Mit einem konkreten Plan wissen Sie genau, was zu erledigen ist, um Ihr Berufsziel erreichen zu können.

  3. Gehen Sie die Schritte einzeln an

    Mit dem Wissen, welche Schritte Sie zu Ihrem Berufsziel führen, brauchen Sie diese nur noch zu gehen. Behalten Sie dabei immer Ihr Ziel im Auge und bleiben Sie flexibel genug, um mögliche Anpassungen vorzunehmen, die mit der Zeit notwendig werden können. Auch gilt: Überstürzen Sie es nicht. Es ist schön, sein Berufsziel schnell zu erreichen, doch wenn alles auf einmal angepackt wird, bleibt immer etwas auf der Strecke.

Berufsziel finden: Machen Sie den Test

Wer sich schwer tut das eigene Berufsziel zu finden, kann auch auf verschiedene Tests zurückgreifen, die dabei helfen können. Häufig werden dabei verschiedene Interessen, Qualifikationen und Persönlichkeitsmerkmale abgefragt und mit einem großen Pool an Jobprofilen abgeglichen. So erhält man einen Überblick über verschiedene Berufsziele, die gut zu einem passen könnten.

Einen solchen Test bietet beispielsweise das Borakel der Ruhr-Universität Bochum.

Zielorientiert und trotzdem offen für Alternativen

Aber dann enge ich mich doch viel zu sehr ein! Mit diesem Einwand rechtfertigen einige Bewerber, warum ein konkretes Berufsziel nicht förderlich, sondern sogar schädlich sein kann. Arbeitgeber sehen das hingegen anders.

So hart es klingt: Für alles offen sein, heißt, für nichts begeistert. Genau diese Begeisterung und Leidenschaft ist es aber, die Personaler von ihren zukünftigen Mitarbeitern erwarten. Sie wünschen sich eine stimmige Bewerbung, ein tiefes Interesse an der angestrebten Tätigkeit, das sich wie ein roter Faden durch das Leben des Bewerbers zieht. Sie möchten das Leuchten in seinen Augen sehen, wenn er über die angebotene Aufgabe spricht.

Für Sie heißt das: Nur wenn Sie sich für Ihr Berufsziel bewerben, für das, was Sie wirklich tun wollen, werden Sie potenzielle Arbeitgeber mit Ihrer Begeisterung für den Job überzeugen.

Berufsziel nutzen: Es kommt nicht darauf an, was Sie nicht wollen

Was ist Ihr Berufsziel? Die Antwort vieler Bewerber sieht in etwa so aus: Ich möchte auf keinen Fall einen autoritären Chef und auch keine regelmäßigen Überstunden machen. Stress will ich auch nicht und sowieso keinen anstrengenden und rechthaberischen Kollegen. Bringt Sie das weiter oder versetzt Sie in die Lage, Ihr Berufsziel für Bewerbungen oder die Jobsuche zu nutzen?

Wie soll ein Arbeitgeber schon reagieren, wenn Sie aufzählen, was Sie alles nicht wollen? Das Problem ist, dass es auch nichts bringt, die Nicht-Wünsche zu verschweigen und unbeachtet zu lassen. Findet man sich dann doch unter einem schwer autoritären Chef wieder, ist nicht nur der Spaß an der Arbeit vorbei, sondern auf kurz oder lang vermutlich der gesamte Job.

Überlegen Sie deshalb lieber, was Sie positiv anstreben, was Ihnen Freude machen würde. Kurz: Was wollen Sie? Dann formulieren Sie es ganz konkret. Ich will geregelte Arbeitszeiten. Ich will flache Hierarchien und eine transparente Kommunikation am Arbeitsplatz.

So aufgebaut können Sie Ihr Berufsziel aktiv nutzen um potenzielle Arbeitgeber zu bewerten, interessante Stellenangebote herauszufiltern und den Job zu finden, den Sie schon immer wollten.

[Bildnachweis: Pressmaster, by Shutterstock.com]

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