Man ist sich da nicht sicher. Aber vermutet wird, dass das Wort Ostern auf eine germanische Fruchtbarkeitsgöttin namens Eostrae zurückgeht. Der zu deren Ehren wurde seinerzeit im Frühling ein Fest gefeiert. Heute gibt es dafür einen viel freudigeren Anlass (auch wenn um das Datum seit Jahrhunderten keine Einigkeit besteht): Mit Ostern feiern die Christen ihr höchstes Fest – die Auferstehung Jesu Christi. Das tun sie allerdings so unterschiedlich, dass sich dazu inzwischen weltweit zahlreiche, mitunter skurrile Osterbräuche gebildet haben. Und damit meine ich jetzt nicht bunte Eier oder den Osterhasen: Die einen bewerfen sich mit Eiern, andere peitschen sich mit Weidenruten und wieder andere kippen jungen Frauen Wassereimer über den Kopf. Wo Sie mit besonderen Bräuchen rechnen müssen…
Achtung Ostern!
- Bulgarien. Die Bulgaren verstecken Ostereier nicht – sie bewerfen sich damit. Allerdings so, dass das Ei möglichst nicht zerbricht. Wem das Kunststück gelingt, der hat angeblich im kommenden Jahr viel Erfolg. Noch bekannter ist allerdings das Backen des Osterbrots. Das besteht aus Eiern, Zucker und Früchten und darf nur von unverheirateten Mädchen gebacken werden.
- Polen. An Ostern wird es in Polen nass. Da gehört es zur Osterbrauch, sich am Ostersonntag mit Wasser zu bespritzen (“Śmigus-dyngus“). Es kommt allerdings immer öfter vor, dass Jugendliche statt einiger Wasserspritzer ganze Wassereimer auf andere Personen kippen – vorzugsweise Mädchen und Frauen. Angeblich geht der Brauch auf das Jahr 966 zurück, als sich der polnische Herrscher Mieszko I. taufen ließ und damit stellvertretend Polen zum katholischen Christentum bekehren ließ.
- England. Die Briten sind ein raues Volk, das merkt man auch an Ostern. Da nämlich sammeln die Inselbewohner Weidenkätzchenzweige und peitschen sich damit (sanft) gegenseitig. Angeblich bringt das Glück – oder Striemen. In manchen Gegenden Englands lässen die Bewohner die bunten Eier auch an abschüssigen Straßen hinunterrollen, bis die Schale kaputt ist. Ob sie die Eier auch anschließend essen?
- Finnland. Und Sie dachten schon die Briten wären hart! Die Finnen sind härter. Die ziehen Freunden und Bekannten am Palmsonntag gleich noch einen mit der Birkenrute, der sogenannten Virpovitsa über den Rücken. Das Ganze soll Glück bringen und die Palmwedel beim Einzug Jesu nach Jerusalem symbolisieren. Erinnert aber eher an Spießrutenlaufen. Dafür rennen die Kinder am Ostersonntag durch die Straßen, machen Krach mit allem Möglichen und vertreiben so den Winter.
- Philippinen. Warte bis der Osterhase kommt, dann wirst du groß und stark… So ließe sich das dortige Osterritual beschreiben: Sobald die Osterglocken am Sonntag läuten, fassen die Eltern ihre kleinen Kinder am Kopf und heben sie hoch. Und das tatsächlich, weil sie glauben, dass die Kinder so größer werden.
- USA. Im Garten des Weißen Hauses in Washington wird seit mehr als 100 Jahren das sogenannte White House Easter Egg Roll zelebriert: Am Ostermontag zwischen 10 und 14 Uhr wird dann ein kleiner Teil des Gartens zum Spielfeld umfunktioniert. Die Besucher müssen dort dann Dutzende Eier mit Esslöffeln ins Ziel rollen. Immerhin: Jeder Teilnehmer erhält vom Präsidenten und der First Lady signiertes Holzei als Dankeschön.
- Australien. In Australien schöpfen manche verlobten Paare an Ostern fließendes Wasser aus einem Bach und bewahren dies bis zu ihrem Hochzeitstag auf. Bevor sie zur Kirche gehen, besprengen sie sich dann gegenseitig damit. Es soll der Ehe Glück bringen. Angeblich.
- Spanien. Im katholischen Spanien geht man am Ostersonntag natürlich in die Ostermesse. Die Jungs tragen dabei ein paar Palmwedel, bei den Mädchen sind sie zudem mit Süßigkeiten und bunten Schleifen geschmückt. Wer so einen Palmwedel dabei hat wird anschließend vom Priester gesegnet. Eine Besonderheit gibt es in der vor der Kathedrale in Palma de Mallorca. Dort wird am Ostersonntag die Passionsgeschichte nachgespielt.
- Frankreich. Bei den Franzosen wird es über Ostern still: Von Gründonnerstag bis Karsamstag klingen im gesamten Land keine Glocken. Das passiert erst am Ostersonntag – und dann umarmen und küssen sich gute Freunde zur Freude über die Auferstehung Christi. In Teilen Frankreichs müssen die Kinder nach einer Kutsche suchen, die von vier weißen Pferden gezogen wird. Sie ist mit Eiern gefüllt.
- Griechenland. Die orthodoxen Griechen feiern erst rund eine Woche nach uns ihr Osterfest. Den Höhepunkt bildet die Messe in der Nacht vom Samstag auf den Ostersonntag. Die Gläubigen bringen dazu weiße Kerzen mit. Um Mitternacht werden jedoch alle gelöscht – bis auf eine. An dieser einen Flamme, die die Auferstehung symbolisiert, werden später alle Kerzen wieder entzündet und das Leben so weitergegeben. Sonntags wird überdies die Majiritsa, eine Suppe aus den Innereien des Lamms gegessen, das dann im Laufe des Ostersonntags am Spieß gegrillt wird.
- Italien. Ostern beginnt bei den Italienern mit einem Trauer- und Schweigemarsch am Karfreitag. Bei der Prozession wird die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet, dafür brennen überall Kerzen in den Fenstern. Am Ostersonntag ist der Spuk allerdings vorbei, die Glocken läuten wieder und es wird ordentlich gegessen. Herzaftes vor allem, wie die Ostertorte – einen salzigen Kuchen mit gekochten Eiern und Spinat.
- Schweiz. Die Osterbräuche wechseln von Kanton zu Kanton. Im Wallis etwa gingen die Bewohner am Karfreitag nur barfuss auf die Straße – um die Erde nicht zu stören. Am Ostersonntag wird der Sonnenaufgang heute mit einem Freudentanz eingeläutet – die Sonne symbolisiert dabei die Auferstehung. Wer fit ist, macht dazu noch drei Purzelbäume.
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Nucleus
In Ungarn müssen sich die Damen vor Duft-Attacken in Acht nehmen. Die Herren und Jungen besorgen sich (meist sehr günstiges) Parfum, mit dem die Frauen geehrt werden. Ein zusätzliches Gedichtlein für die Holden soll… ich weiß auch nicht. Ein seltsamer Brauch, der stets mit dem olfaktorischen Exitus zu enden droht.
Jochen Mai
Cool. Danke für die Ergänzung!