Gegenfrage – Was Sie im Vorstellungsgespräch fragen sollten
„Haben Sie noch Fragen?“
Auf jeden Fall! Unbedingt!! Und zwar so einige!!!
Wann immer Ihnen ein Personaler im Jobinterview die Frage stellt, ob auch Sie noch etwas wissen möchten, sollten Sie auf keinen Fall schweigen oder gar den Kopf schütteln! Schon aus zwei Gründen:
- Dies ist Ihre Chance , mehr über das Unternehmen und Ihren vielleicht künftigen Job, den Chef, die Anforderungen und die Kollegen zu erfahren.
- Dies ist ein Test, der Ihr wahres Interesse an dem Job abklopft, aber auch ob und wie intensiv Sie sich auf das Vorstellungsgespräch und das Unternehmen vorbereitet haben. An der Tiefgründigkeit und Pfiffigkeit Ihrer Rückfragen kann selbst ein ungeübter Personaler schnell erkennen, ob Sie nur die Stellenanzeige oder auch die Webseiten (Plural!) des Unternehmens sowie einschlägige Fachartikel dazu studiert haben.
So unglaublich das klingt: Mangelhafte Vorbereitung kommt nicht nur bei Anfängern (die das ABC der Bewerbung noch nicht kennen) vor. Immer wieder sitzen gestandene Manager im Jobinterview und kommen bei den Fragen, wieso sie sich für dieses Unternehmen interessieren oder was sie an diesem Job reizt, ins Schlingern. Wer derart schlecht präpariert erscheint, bleibt ohne Chance.
Gegenfragen sind das Symbol für Eigeninitiative, Selbstbewusstsein und signalisieren eine professionelle Einstellung. Gute Fragen zu stellen, ist deshalb Ihre Pflicht. Die folgenden zehn Fragen dürfen und sollten Sie stellen. Sie sind natürlich allgemein gehalten. Bei Ihrer Bewerbung sollten Sie dann freilich noch ein paar Fragen zum jeweiligen Arbeitgeber stellen, die mehr ins Detail gehen:
- Warum wird diese Position ausgeschrieben?
- Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen dieses Jobs?
- Können Sie mir einen typischen Tag oder eine typische Woche in dieser Position beschreiben?
- Welche wesentlichen Ziele sollten innerhalb des ersten Jahres erreicht werden?
- Und wie würden Sie diese Erfolge messen?
- Was würde der ideale Kandidat in diesem Job außergewöhnliches leisten?
- Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?
- Und wie würden Sie den Führungsstil des direkten Vorgesetzten beschreiben?
- Haben Sie noch irgendwelche Zweifel an meiner Eignung für diese Position über die wir reden sollten?
- Wann denken Sie, werden Sie eine Entscheidung treffen?
ANZEIGE
Tags
Ähnliche Artikel
1. Kommentar
Sascha
28.05.08 um 19:24 Uhr
Super Frage! Vielen dank für diesen tollen Tipp!
2. Kommentar
Jochen Mai
28.05.08 um 21:23 Uhr
@Sascha: Wenn er geholfen hat, lass es mich wissen…
3. Kommentar
Sebastian
08.06.08 um 10:23 Uhr
Sollte die letzte Frage wirklich so lauten oder nicht “wann”?
4. Kommentar
Jochen Mai
08.06.08 um 13:35 Uhr
@Sebastian: Du meinst einfach nur: “Wann werden Sie eine Entscheidung treffen?” Kann man auch fragen. Finde ich in der Bewerbungssituation allerdings einen Tick zu aufdringlich. In meinen Ohren schwingt da im Subtext zuviel Forderung mit. Klar, hat jeder Bewerber das Recht, von der Entscheidung bald zu hören. Alles andere wäre unhöflich. Aber durch den Einschub “denken Sie” signalisiert man Verständnis dafür, dass der Personaler womöglich noch andere Bewerbungen prüfen muss – ohne dabei seinen Anspruch zu schmälern. Ich finde die Frage so wie oben formuliert einfach empathischer und höflicher.
5. Kommentar
Simone
24.06.08 um 08:21 Uhr
Vielen Dank, sehr hilfreich!
6. Kommentar
Michaela
21.10.08 um 18:15 Uhr
Ich habe Bewerbungstrainings absolviert, hatte eine persönliche Beraterin. Diese Fragen waren mir nicht bekannt, ich fand sie durch eigene Recherchen und habe mir drei für mein morgiges, erstes wichtiges Bewerbungsgespräch notiert. Ich werde sie auch stellen, denn oft genug habe ich an der falschen Stelle mit dem Kopf geschüttelt.
Danke für die Anregungen!
7. Kommentar
mike.
24.11.08 um 13:58 Uhr
super beitrag. ich will meistens nur noch raus, aber die fragen sind echt spitze.
danke.
8. Kommentar
Peter
19.03.09 um 19:44 Uhr
Ergänzung zu Frage 10:
Erfahrungsgemäß kommt auf diese Frage meist etwas Unkonkretes, z.B. “So in zwei bis drei Wochen melden wir uns bei Ihnen.” Hier ist es wichtig, den Terminkalender zu zücken und den Gesprächspartner auf einen festen Termin festzunageln. Z.B. “Zwei bis drei Wochen? Ok, da sind wir ungefähr beim 23. April.” Dann gut sichtbar für den Gesprächspartner eintragen. Dann: “Macht es Ihnen was aus, wenn ich mich am 24. April melde, falls ich bis dahin nichts von Ihnen gehört habe?” Niemand wird diese Frage mit Nein beantworten. Das wirkt professionell, man nimmt das Ruder selbst in die Hand und man vermeidet es, in eine passive und abwartende Rolle hineingedrängt zu werden.
9. Kommentar
Frauke
22.07.09 um 11:38 Uhr
Vielen Dank für die Zusammenstellung.
Diese Fragen zeigen nicht nur Interesse für den Job, sondern bringen mir auch noch wichtige Informationen.
Werde ich nutzen!
10. Kommentar
Tanja
27.10.09 um 13:34 Uhr
In einem anderen Artikel dieser Webpage habe ich gelesen, dass man 1. keine Fragen stellen soll, die man selber mit ein paar Klicks auf den Internetseiten des Unternehmens beantworten kann und 2. nicht fragen soll, welchen Eindruck man hinterlassen hat oder wie die Chancen sind.
Wie passen diese beiden Fragen denn nun dazu?
7. Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?
–>> Dazu steht doch meistens eher zu viel als zu wenig auf den Internetseiten der Unternehmen. Etwas anderes wird einem der Interviewer wohl auch nicht erzählen (können/wollen).
9. Haben Sie noch irgendwelche Zweifel an meiner Eignung für diese Position über die wir reden sollten?
–>> Heißt für mich: Wie sind meine Chancen? Außerdem schwingt da für mich auch etwas mit wie “Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich passe, deshalb haben Sie doch bestimmt auch Zweifel.”
Ansonsten vielen Dank für diesen und andere Artikel!
Gruß
Tanja
11. Kommentar
Jochen Mai
27.10.09 um 13:50 Uhr
@Tanja: Nein, die Frage nach der Kultur hat durchaus Ihre Berechtigung – eben weil man auf der Webseite dazu meist nur Floskeln vom Typ “offen, ehrlich, leistungsorientiert” findet. Das sagt nichts aus. Sehr wohl aber die Antwort – insbesondere der Subtext – eines Mitarbeiters.
Die Frage 9 ist falsch interpretiert – es kommt nämlich drauf an, wie man sie betont (was schriftlich freilich schwer zu transportieren ist). Selbstbewusst vorgetragen klingt sie eben nicht wie “hab ich Chancen?”, sondern wie “sollten Sie noch immer nicht überzeugt sein, was kann ich Ihnen noch zu mir erzählen?” – und so ist sie auch gemeint.
12. Kommentar
Daniel
05.11.09 um 14:53 Uhr
So wichtig es auch ist Fragen zu stellen, ich hätte von den 10 Fragen keine einzige so in einem Bewerbungsgespräch gestellt. Wahrscheinlich sind so Formulierungen allgemein zu kontextabhängig. Es ist schon ein Unterschied ob man mit einem Personaler eines Großunternehmnes am Tisch sitzt oder mit dem potentiellen Vorgesetzten in einem KMU.
Abgesehen davon vermisse ich in der Liste den Aspekt einfach mal nach der Aufstellung der Firma selbst zu fragen. In meiner bescheidenen Erfahrung (fast ausschliesslich mit KMU) kommt es sehr gut an, wenn man nach der Geschäftsenwtcklung fragt.
Also z.B. wie das Unternehmen von der Wirtschaftskrise betroffen wurde, auf welchen Märkten/Produktbereichen man die größten Wachstumschancen sieht, wie die langfristigen Ziele der Firma aussehen (z.B. neue Geschäftsfelder etc.)
Das zeigt nicht nur Interesse an der Firma sondern bringt einem selber auch hilfreiche Anhaltspunkte wie das Unternehmen so aufgestellt ist.
13. Kommentar
Jochen Mai
05.11.09 um 15:04 Uhr
@Daniel: Die Frage, die Sie vorschlagen ist allerdings brandgefährlich (was ich hier schon ein paarmal beschrieben habe und weshalb sie auch nicht aufgeführt ist). Das Unternehmen nach seiner Aufstellung zu befragen, ist nur dann ratsam, wenn derlei Informationen weder in der Presse stehen, noch über die Firmenwebseite in Erfahrung zu bringen sind (was aber eher unwahrscheinlich ist). Andernfalls kann diese Frage auch so ausgelegt werden, dass der Bewerber sich vorab überhaupt nicht über seinen Wunscharbeitgeber informiert noch ausreichend recherchiert hat. Und das ist sehr oft ein K.O.-Kriterium.
Trackbacks
Sagen Sie ihre Meinung!
Folgendes HTML ist in den Kommentaren verwendbar: <a> <em> <strong>