Für Napoleon war Lob der Dolch, nach dem der Mächtige stets Ausschau zu halten hatte. Hinter dem Kompliment verbarg sich in seinen Augen entweder ein widerlicher Opportunist oder ein Cäsarenmörder in spe. Dabei muss Napoleon freilich die heimliche Macht des Lobens und Schmeichelns bewusst gewesen sein.
Lob ist nicht nur Labsal für die Seele – es ist zugleich ein mächtiges Instrument, um das Verhalten anderer zu beeinflussen: Lob bringt die Menschen dazu, selbigem gerecht zu werden; es wärmt das Herz und öffnet sanft den verstockten Geist. Durch sublimen Beifall lassen sich Chefs genauso lenken wie Kollegen oder Konkurrenten. Das hat nichts mit Schleimen zu tun, weil das lediglich Botschaften transportiert, die der andere hören will. Belobigen dagegen vermittelt eigene Ziele und verstärkt so gewünschtes Betragen. Jemandem zu sagen, dass er dieses oder jenes sein lassen soll, wirkt längst nicht so überzeugend wie die diskrete Einflussnahme durch gezielte Anerkennung: „Der Schmeichelei gehen auch die Klügsten auf den Leim“, erkannte schon der französische Dramatiker Molière. Und auch rund 300 Jahre später stellte der Tiefenpsychologe Sigmund Freud noch fest, dass sich der Mensch wohl gegen Angriffe wehren könne, gegen Lob aber „machtlos“ sei.
Nichts will so gekonnt sein und wird doch so vernachlässigt wie intelligenter Applaus. Wie Gesten der Hilflosigkeit muten Prämien oder Gehaltserhöhungen an, wenn diese späte Würdigung ausdrücken sollen. Handgeschriebene Zettel, E-Mails, ein kurzer Anruf, ein Schulterklopfen – privat oder im Kollegenkreis – sind dagegen weitaus billiger und nicht selten wirkungsvoller, weil sie die Rückmeldung um zwei wertvolle Beigaben bereichern: aufgewendete Zeit und menschliche Nähe.
Die positive Wirkung der Wertschätzung wies unter anderem Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, in einigen Studien nach: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihre Leistungskraft verbessert (Latham/Locke 1991). „Es ist ein Zeichen von Mittelmäßigkeit, nur mittelmäßig zu loben“, mäkelte schon der US-Präsident Benjamin Franklin. Vielleicht war das sein Fehler: Er hätte die Botschaft in Lob kleiden sollen, damit sie gehört wird.
Richtig zu loben ist eine Kunst! Jemandem nur zu sagen „Gut gemacht!“, reicht nicht – im Gegenteil: Ohne konkrete Begründung verkehrt sich die Effekt. „Wen jemand lobt, dem stellt er sich gleich“, räsonierte Goethe. Mindestens. Meist erhöht sich der Lobende sogar, weil er scheinbar als einziger die fremde Leistung bewerten darf. So funktioniert das nicht. Damit Komplimente das Herz des anderen wirklich berühren und ihn zur gewünschten Reaktion bewegen, müssen sie zwei Bedingungen erfüllen:
Lob ist sanfte Manipulation in bester Absicht. Das richtige Bonmot im richtigen Augenblick überzeugend vorgebracht, hilft nicht nur dabei, fehlgeleitete Kollegen auf die rechte Spur zurück zu führen. Mit gezielten Komplimenten können Sie sogar eine Konversation steuern. Zum Beispiel so:
Merke: Das Klopfen auf die Schulter liegt zwar nur ein paar Rückenwirbel über dem Tritt in den Steiß – in Sachen Effizienz ist es diesem aber deutlich überlegen.
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