Syda Productions/shutterstock.comDie Weihnachtszeit ist nun auch die Zeit der Geschenke. Spätestens ab Ende November sind die Einkaufszentren und Innenstädte voller Menschen, die auf der Suche nach passenden Präsenten sind. Doch nicht nur die Lieben daheim werden beschenkt, auch in Vereinen, im Freundeskreis und natürlich im Büro wird geschenkt. Ein typisches Ritual dafür: das Wichteln. Doch was für Heiterkeit sorgen und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team stärken soll, löst bei vielen Arbeitnehmern Unbehagen aus. Kein Wunder! Denn bei der Auswahl eines Wichtelgeschenks für Kollegen lauern überall Stolperfallen und Fettnäpfchen. So mancher hat hier in guter Absicht gehörig daneben gegriffen und Socken, Parfum oder Geld verschenkt. Eine peinliche Situation für alle Beteiligten. Denn ein Geschenk enthält immer auch eine Subbotschaft und diese kann verletzen, bloßstellen, diffamieren oder eben schmeicheln und erfreuen. Wie das Wichteln im Büro zum Erfolg wird...

Wichteln: Woher stammt der Brauch?

Der Brauch, der auch hierzulande seinen festen Platz unter Weihnachtstraditionen hat, kommt ursprünglich aus Schweden. Dort heißt er "Julklapp" und funktioniert so: Zu einem vorher vereinbarten Termin in der Adventszeit wird dem Beschenkten still und heimlich das Geschenk zugesteckt. Der Schenkende verhält sich dabei wie ein Wichtel, eine nordische Sagengestalt, die Gutes tut, beispielsweise bei der Arbeit hilft, jedoch ohne dass der andere etwas davon mitbekommt.

Wichtel Varianten: Vom Blindwichteln bis zum Schrottwichteln

Gerade dass der Beschenkte nicht weiß, von wem das Geschenk kommt, macht den Reiz aus. Mittlerweile gibt es verschiedene Varianten diesen Brauch zu zelebrieren. Hier ein Überblick der bekanntesten:

  • Loswichteln. Ist der Klassiker der Wichtelpartys. Zuerst kommen die Namen aller beteiligten Kollegen jeweils auf einen Zettel, dann werden diese gelost. So kann es zwar passieren, dass man jemanden beschenken muss, den man gar nicht richtig kennt – aber das ist ja gerade der tiefere Sinn.
  • Blindwichteln. Hierbei werden zuerst alle verpackten Geschenke eingesammelt, in einen Sack oder eine Kiste gelegt und reihum gezogen. Der Vorteil: Der Zufall kann hier lustige Streiche spielen. Gleichzeitig kann sich keiner beleidigt fühlen, wenn eine(r) eine Schachtel Pralinen bekommt, obwohl er oder sie gerade Diät macht. Einzige Bedingung: Vorher sollten Sie festlegen, wie viel jeder dafür ausgibt und die Geschenke sollten geschlechtsneutral sein.
  • Würfelwichteln. Auch bei dieser Variante entscheidet der Zufall. Alle Geschenke werden an einem Ort gesammelt und nun wird der Reihe nach gewürfelt. Wer eine 6 würfelt darf sich ein Geschenk vom Gabentisch aussuchen.
  • Räuberwichteln. Beim Räuberwichteln werden auch alle Geschenke an einem Ort gesammelt, der erste wählt nun eins der Päckchen und packt es aus. Der nächste darf nun entscheiden, ob er ein neues Päckchen auspacken oder eines der ausgepackten Geschenke klauen möchte. Diese Variante verleiht dem Wichteln eine spielerische Note und sorgt für reichlich Action und Spaß.
  • Schrottwichteln. Auch Greuli-Wichteln genannt. Dabei wird die eigentliche Geschenkidee ins Ironische verkehrt: Jeder bringt etwas mit, das er schrecklich findet. Das können Werbegeschenke sein, aber auch Kellerfundstücke. Hauptsache hässlich und geschmacklos (aber bitte nicht intim!). Ein herrlicher Spaß, weil man nichts verkehrt machen kann.

Wichtel Regeln: Was sollte beachtet werden?

Poznyakov/shutterstock.comHaben Sie sich im Team auf eine Variante geeinigt, sollten Regeln festgelegt werden. Zu den wichtigsten gehören:

  • Bestimmen Sie einen preislichen Rahmen. Meistens einigt man sich auf einen Rahmen von fünf bis zehn Euro. Zehn Euro sind dabei aus unserer Sicht optimal, denn es ist nicht so wenig, dass Sie nichts Brauchbares für das Geld finden, aber auch nicht so viel, dass es teuer für Sie wird, wenn Sie auch noch mit Freunden oder im Verein wichteln. An das festgelegte Preislimit sollten sich unbedingt alle halten. Gimmicks für 50 Cent zeigen nur wie geizig man ist und wie wenig die Kollegen einem bedeuten. Doch auch wer den Chef gezogen hat, sollte nicht den preislichen Rahmen sprengen, sonst ist man schnell der Schleimer.
  • Tauschen Sie nicht untereinander. Sie haben in den Lostopf gegriffen und einen Kollegen gezogen, den Sie überhaupt nicht leiden können. Jetzt ist die Versuchung groß mit einem anderen Kollegen zu tauschen. Doch damit geht die Überraschung und ein großer Teil des Spaßes verloren. Auch von Rachepräsenten sollten Sie absehen. Zeigen Sie stattdessen Größe oder nutzen Sie die Gelegenheit zur Versöhnung.
  • Seien Sie kein Spielverderber. Ein Erfolg wird das Wichteln nur, wenn sich alle ein paar Gedanken über das Geschenk machen und es nicht als lästige Notwendigkeit empfinden. Geht man mit der falschen Einstellung auf Geschenksuche, ist das Ergebnis auch entsprechend: nämlich einfallslos.
  • Werden Sie nicht zu persönlich. Auch wenn Sie jemanden gezogen haben, mit dem Sie über die Arbeitsbeziehung hinaus eine enge Freundschaft verbindet, ist Vorsicht bei der Geschenkauswahl geboten. Sie wissen viel über diese Person, doch will sie auch, dass bestimmte Informationen im gesamten Team bekannt werden? Deswegen gilt: Finger weg von Geschenken, die dem anderen peinlich sein könnten.

Das passende Wichtelgeschenk: Was soll man den Kollegen schenken?

Halfpoint/shutterstock.comGute Frage. Gute Wichtelgeschenke sind eine Kunst für sich. Vor allem wenn Sie mit dem Wichtelgeschenk dem oder den Kollegen wirklich eine Freude machen wollen. Eine konkrete Empfehlung kann aber dennoch nur falsch sein, denn das hängt ja vor allem vom Empfänger ab.

Grundsätzlich aber gilt, dass das Geschenk dem Beschenkten gefallen muss. Um ihn geht es schließlich. Allerdings gilt es im Büro als unangebracht, Dinge zu schenken, die eine intime Subbotschaft transportieren, wie etwa Parfüm, Cremes, Krawatten oder Schals. Sie könnten auch als unterschwelliger Hinweis missverstanden werden, dass der Kollege sich nicht ausreichend pflegt oder bei der Kleiderwahl an Geschmacksverirrung leidet und deshalb Nachhilfe benötigt.

Bücher sind in dem Zusammenhang nicht ungefährlich. Je nachdem, welchen Titel sie tragen. Dem Chef ein Buch mit dem Titel “Besser führen” zu schenken, ist genauso selbstmörderisch wie in dessen Beisein Kollegen mit Büchern vom Typ “Ich arbeite in einem Irrenhaus” einzudecken. Genauso gut könnten Sie sich morgen das Cover auf den Schreibtisch legen: “Und morgen bringe ich ihn um!“. Dann lieber einen Roman (aber nicht 50 Shades of Grey!), oder eine Biographie.

Auch sollte man auf Geschenke verzichten, die den Empfänger zu irgendetwas verpflichten: Bilder, Briefbeschwerer oder Blumenvasen, die der Empfänger anschließend in sein Büro stellen muss, können einem Akt seelischer Grausamkeit gleichkommen.

Wesentlich unproblematischer sind deshalb Geschenke mit selbstvernichtendem Charakter: eine Flasche Wein, guter Whisky, Theaterkarten, Blumen. Für den Beschenkten indes sollte es obligat sein, sich zu bedanken.

Die Faustregeln für Wichtelgeschenke:

  • Das Wichtelgeschenk sollte originell sein, zum Beschenkten passen, aber dennoch einen Nutzen haben.
  • Geschenke an Kollegen dürfen witzig sein, aber niemals sexualisiert.
  • Büro-Dekoration eignet sich ebenso wenig wie Hygieneartikel. Es verpflichtet den Beschenkten oder diskreditiert ihn.
  • Vorsicht bei Lebensmitteln! Der Kollege könnte eine Allergie dagegen haben.

Das perfekte Geschenk

Was ist wohl das perfekte Geschenk? Im Grunde ist es ganz einfach. Der Verhaltensforscher Dan Ariely beschreibt es folgendermaßen:

Das perfekte Geschenk ist etwas, das jemand unbedingt haben will, aber ein schlechtes Gewissen hätte, es selbst zu kaufen.

Das Smarte an dieser Definition ist, dass es dabei gar nicht darum geht, jemanden mit einem Geschenk zu überraschen, von dem er vorher vielleicht gar nicht wusste, dass er oder sie es wollte. Auch spielt es keine Rolle, ob sich derjenige das Geschenk leisten kann oder nicht. Womöglich könnte er oder sie es sich leisten – gönnt es sich aber nicht. Wegen eines schlechten Gewissens.

Anregungen für mögliche Wichtelgeschenke

Sie grübeln und grübeln, doch das richtige Geschenk will Ihnen einfach nicht einfallen? Mehrfach standen Sie bereits vor den Regalen im Geschäft, waren sich dann aber doch nicht sicher? Dann haben wir hier ein paar Anregungen für Geschenke, mit denen Sie auf der sicheren Seite sind.

  • Edle Süßigkeiten und Pralinen. Erkundigen Sie sich aber vorher, ob der oder die Beschenkte Probleme mit dem Blutzucker hat oder gerade eine Diät macht.
  • Hochwertige Teesorten. Auch mit Warmgetränken können Sie guten Geschmack beweisen. Ein edles Set mit ausgesuchten Teesorten und Zubehör für eine kleine Teezeremonie ist praktisch immer unverfänglich.
  • Bücher und Bildbände. Hierbei ist natürlich etwas Vorab-Recherche nötig, um die Vorlieben des Beschenkten zu kennen. Ebenso sollte man auf Subbotschaften im Titel achten: "Nieten in Nadelstreifen" ist sicher kein geeignetes Wichtelgeschenk.
  • Selbstgemachtes. Diese Geschenke haben mitunter den höchsten Wert, denn sie sind einerseits unbezahlbar, zum anderen steckt in ihnen viel Wertvolleres als Geld: Lebenszeit.

Haben Sie noch weitere Geschenkideen oder gute Erfahrungen mit Wichtelgeschenken gemacht? Dann berichten Sie uns doch bitte davon im Kommentar...

Der Ultimative Tipp für Ihr Wichtelgeschenk

Die Verpackung macht's! Egal, was Sie beim Wichteln verschenken - verpacken Sie es. Als Daniel Howard, Marketing-Professor an der Southern Methodist Universität in Dallas, schon 1992 der Frage nachging, ob das Auspacken eines Geschenks Einfluss auf den Beschenkten hat - und ob der danach mit dem Geschenk zufriedener ist, stellte sich schnell heraus: Ja, hat es. Großen sogar.

"Das Auspacken hat einen enormen Einfluss auf die positive Stimmung des Beschenkten", schrieb Howard damals. Heute würde man sagen: Vorfreude ist die eben die schönste Freude.

[Bildnachweis: Syda Productions, Poznyakov, Halfpoint by Shutterstock.com]