Kundengeschenke: Wo beginnt die Bestechung?

Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Freundschaft, heißt es. Das gilt auch für Geschäftsbeziehungen. Allerdings macht es einen großen Unterschied, ob es sich bei einem Präsent für einen Partner oder Kunden um eine Powerbar fürs Smartphone oder nette Notizblöckchen für den schmalen Euro handelt oder um die teure Kiste Bordeaux. Einen sehr großen sogar. Denn ab einem gewissen Punkt ist die Grenze zur Korruption überschritten. Dann ist das Kundengeschenk kein nett gemeintes Mitbringsel mehr, sondern könnte der Beeinflussung dienen. Vielleicht schiebt das Luxusgut den Abschluss des Geschäfts ja ein bisschen an? Vorsicht: Das kann nach hinten losgehen! Im Zweifel werden übertriebene Geschenke doppelt teuer. Im schlechtesten Fall bezahlt der Schenkende nicht nur das Luxusgut, sondern auch mit seiner Freiheit. Bestechung ist ein ernster Straftatbestand. Was bei Kundengeschenken zu beachten ist.

Kundengeschenke: Wo beginnt die Bestechung?

Kundengeschenke: Diese gingen nach hinten los!

Es gab eine Zeit, in der Unternehmen teure und luxuriöse Kundengeschenke nicht allzu kritisch sahen. Beispiele dafür gibt es viele. Da war etwa ein früherer Chef eines Energieversorgers, der unter Verdacht stand, sich mit Ticketgutscheinen für eine Fußball-WM das Wohlwollen hochrangiger Politiker in Baden-Württemberg erkaufen zu wollen.

Auch die Führungsriege eines großen deutschen Technikkonzerns war in einen Bestechungs-Skandal verwickelt. Ebenso der ehemalige Boss eines Berliner Entsorgungsunternehmens. Jedes Mal ging es um viel zu teure Aufmerksamkeiten gegenüber hochrangigen Entscheidungsträgern. Bis vor etwa einem Jahrzehnt war diese Art des Networkings Gang und Gäbe. Es wurde auf Firmenkosten geflogen, genächtigt, edelst gespeist und, und, und. Das hatte für den ein oder anderen vielleicht ein Geschmäckle, mehr aber nicht.

Zu teure Kundengeschenke: Justiz versteht keinen Spaß

Doch dann gerieten die reichlich überteuerten Kundenpräsente ins Fadenkreuz der Justiz und das Blatt wendete sich. Zig Korruptionsprozesse beschäftigten Deutschlands Gerichte. Die damit verbundenen Kosten für Anwälte und Bußgelder kostete allein besagten Technologiekonzern seinerzeit an die 1,3 Milliarden Euro.

Denn gerade, wenn es um Luxusgüter geht, die an einflussreiche Politiker oder Amtsträger verschachert werden, um die Bindung zu stärken oder Geschäftsvorgänge zu beschleunigen, kennen Gerichte keine Gnade. Bestechung ist mit empfindlichen Strafen belegt.

Bestechung: Das sagt das Strafgesetzbuch

So sieht zum Beispiel das Strafgesetzbuch in Paragraph 334 und Artikel eins im Wortlaut vor:

Wer einem Amtsträger, einem Europäischen Amtsträger, einem für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteten oder einem Soldaten der Bundeswehr einen Vorteil für diesen oder einen Dritten als Gegenleistung dafür anbietet, verspricht oder gewährt, dass er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder künftig vornehme und dadurch seine Dienstpflichten verletzt hat oder verletzen würde, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Gleiches gilt auch für großkopferte Leader aus der freien Wirtschaft. Ohne Beamtenstatus greift Paragraph 299 des Strafgesetzbuches. Hierin heißt es, dass eine Strafe verhängt werden darf, wenn Werbegeschenke genutzt werden, um den Beschenkten dazu zu bringen, in einer konkreten Wettbewerbssituation Vorteile gegenüber den Wettbewerbern zu erhalten. Ebenso wird derjenige bestraft, der einen solchen Vorteil anbietet, verspricht oder gewährt.

Schärfere Compliance-Richtlinien in Unternehmen

Bestechung ist also wahrlich kein Kavaliersdelikt. Um über alle Hierarchiestufen über jeden Betrugsverdacht erhaben zu sein, haben viele Unternehmen ihre Compliance-Richtlinien inzwischen deutlich verschärft. Als sich deutsche Gerichte plötzlich reihenweise mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzten, war zuerst das große Umdenken bei den Konzernen angesagt, die mittleren und kleineren Player folgten. Vermeintliche Bestechungsversuche, auch wenn sie gar nicht so gemeint sind, sollten auf diese Weise von vornherein verhindert werden.

In den entsprechenden unternehmensinternen Code-of-Conduct-Richtlinien wird daher genau geregelt, welche Aufmerksamkeiten ohne Rücksprache mit dem Vorgesetzten, nur in Abstimmung mit ihm oder gar nicht angenommen werden dürfen. Ebenfalls werden in diesen Regelungen oftmals Wertgrenzen für Geschenke vorgegeben.

Kundengeschenke: Ab welcher Grenze sind sie zu teuer?

Das Problem dabei ist allerdings: Der Gesetzgeber ahndet zwar den Straftatbestand der Bestechung, gibt aber keine Regelung vor, ab welcher Kostengrenze diese beginnt. Betriebe müssen daher selbst bestimmen, wo die zulässige Kontaktpflege durch Präsente und Aufmerksamkeiten aufhört und die potenzielle Korruption anfangen könnte.

Um auf Nummer sicher zu gehen, haben die meisten Unternehmen eine eher niedrige Grenze für Kundengeschenke festgelegt. Geschenke und Einladungen im Wert von bis zu 50 Euro sind meist unbedenklich. Präsente, die teurer sind, sollten von dem Vorgesetzten abgesegnet werden.

Compliance-Regelungen: Bei Nichtbeachtung droht die Kündigung

Die Belegschaft ist verpflichtet, sich an die vorgegebenen Compliance-Regelungen zu halten. Ist dies nicht der Fall, kann das als Verstoß gegen eine berechtigte Weisung gewertet werden. Und dieser kann üble Folgen haben. Eine Abmahnung zum Beispiel. In gravierenden Fällen auch die Kündigung.

Aber Achtung: Der Teufel steckt im Detail. Was ist zum Beispiel, wenn der Geschäftspartner seinen Kunden in schöner Regelmäßigkeit mit Aufmerksamkeiten erfreut und jedes Geschenk zwar für sich genommen unter den magischen 50 Euro liegt? Zusammen ergibt sich aber ein weit höherer Betrag. Ist das dann noch okay?

Hier sind Unternehmensjuristen kritisch. Schickt der Partner etwa fünfmal im Jahr ein Geschenk zu allen möglichen Anlässen – Ostern, Weihnachten, Geburtstag, Firmenjubiläum oder gar zum Namenstag – liegt das berühmtberüchtigte Geschmäckle in der Luft. Bereits hier könnte die Absicht der Beeinflussung dahinterstecken.

Kundengeschenke: Auf die Anzahl achten

Wer in eine solche Situation kommt und immer wieder großzügig beschenkt wird, sollte daher gegenüber dem Partner spätestens nach dem zweiten Präsent signalisieren, dass die Grenze des guten Geschmacks nun überschritten ist. Nett aber bestimmt. Ebenfalls sollten der Vorgesetzte und der Unternehmensjurist informiert werden.

Vorsicht ist auch bei Essenseinladungen geboten – auch diese gelten als Kundengeschenke. Die Krux: Hier sind die 50 Euro für die Einzelperson je nach Restaurant mit Getränken, Vor- und Nachspeise schnell überschritten. Hat ein Unternehmen für sich festgelegt, dass Einladungen oder Geschenke ab 50 Euro genehmigungspflichtig sind, und das Essen hat 54 Euro gekostet, wird das sicher nicht gleich zur Kündigung führen.

Aber Mitarbeiter sollten die unternehmenseigenen Compliance-Richtlinien auch beim Geschäftsessen unbedingt im Hinterkopf behalten und die Einladung zum überteuren Wein oder Champagner wiederum nett aber bestimmt ablehnen.

Kundengeschenke: Was gilt bei Geschäftsfahrten?

Gleiches ist angeraten, wenn das Treffen außerhalb stattfindet und der Einladende nicht nur das Essen, sondern auch die Anfahrt zum Restaurant und die Übernachtung zahlen will. Hier sollten Arbeitnehmer nur das Essen annehmen – die Reise- und Übernachtungskosten übernimmt bei einem gerechtfertigten und angemeldeten Businesstrip in der Regel ohnehin der eigene Arbeitgeber.

Das Signal, das Arbeitnehmer damit aussenden: „Geschäftsbeziehung ja, aber diese kommt nur durch ein gutes berufsbezogenes Angebot zustande und hängt nicht von besonderen Annehmlichkeiten ab. Wir lassen uns nicht kaufen.“

Um gar nicht erst in solche Bredouillen zu geraten, können Arbeitnehmer aber auch selbst vorbeugen. Folgende Tipps helfen:

  • Arbeitnehmer können in einem Vorabgespräch ihre Geschäftspartner bezüglich der geltenden Compliance-Richtlinien aufklären.
  • Alle Werbegeschenke von und an Kunden und Geschäftspartner sollten dokumentiert werden.

Und wer selbst schenken will? Im Zweifel lieber zum preiswerteren Kundengeschenk greifen. Sicher ist sicher!

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
13. August 2018 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Kb Buch Werbung 2019
Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!