Ghostwriter: In 3 Tagen zum eigenen Buch?

Der Begriff Ghostwriter weckt Assoziationen vom Schreiben von Geisterhand: Ohne eigenes Zutun entsteht ein formvollendeter Text und die Lorbeeren dafür heimst nicht der Verfasser ein, sondern derjenige, unter dessen Namen das Ganze publiziert wird. Häufig ist dies bei Autobiographien zu beobachten. Eigentlich werden damit häufig von Prominenten selbst verfasste Lebensbeschreibungen bezeichnet. Aber nicht jeder ist zum Schreiben geboren und möchte trotzdem etwas nach außen vermitteln. Oder aber enormer Zeitdruck führt dazu, dass das einst begonnene Projekt „Buch“ einfach nicht voranschreitet. In solchen Fällen kommen Ghostwriter ins Spiel. Was ihre Aufgaben sind und woran Sie einen guten Ghostwriter erkennen können…

Ghostwriter: In 3 Tagen zum eigenen Buch?

Ghostwriter Definition: Schreiben im Auftrag anderer

Ghostwriter Agentur Preise deutsch DefinitionAls Ghostwriter, deutsch: Geisterschreiber, wird ein Auftragsschreiber bezeichnet, der im Namen einer anderen Person eine schriftliche Arbeit verfasst. Gegen Zahlung eines Honorars tritt ein Ghostwriter sämtliche Urheber- und Nutzungsrechte der selbst verfassten Arbeit an seinen Auftraggeber ab.

Und das kann je nach Umfang recht fix gehen: Der Auftraggeber selbst bespricht sich mit dem Ghostwriter maximal zwei, drei Tage und der übernimmt die restliche Arbeit. Das können längere Texte wie für Reden, Hausarbeiten oder Bücher sein.

Gründe dafür, dass ein Ghostwriter beauftragt wird:

  • Der eigentliche Autor hat keine Zeit, um den Text zu verfassen.
  • Er ist mit dem handwerklichen Vorgehen nicht vertraut, das heißt: Recherche, Stilistik und Struktur bereiten ihm Schwierigkeiten.
  • Schreibblockaden erschweren den Einstieg in den Text.

Ein Ghostwriter muss dafür über die sprachlichen Mittel verfügen und in der Lage sein, stilistisch sicher einen Text zu verfassen. Vor allem beim Verfassen akademischer Arbeiten muss er über die nötige Expertise verfügen. In diesem Fall ist von academic ghostwriting die Rede.

Der Beruf des Ghostwriters ist bereits seit der Antike bekannt: Große Staatsmänner wie Cäsar und Augustus, aber auch Denker wie Platon und Cicero ließen sich bereits ihre Reden von Ghostwritern schreiben. Auftragstexte gegen Geld sind heutzutage in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft durchaus üblich – ganz unproblematisch ist das Ganze jedoch nicht.

Ghostwriter legal: Juristisch unbedenklich?

Ghostwriter Erfahrungen Agentur Preise gesucht günstig deutsch Definition legalGanz grundsätzlich ist Ghostwriting eine legale Dienstleistung, deren Rechtmäßigkeit unabhängig davon gilt, in welchem Bereich sie erbracht wird.

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt stellte dies in seinem Grundsatzurteil am 01.09.2009 fest (Aktenzeichen: 11 U 51/08). Nun folgt das große Aber:

Academic Ghostwriting stellt stellt eine Ausnahme dar. Der Ghostwriter an sich macht sich mit seiner Arbeit zwar nicht strafbar. Jedoch der Auftraggeber, wenn er die Arbeit seines Ghostwriters komplett als die eigene ausgibt. Grund dafür ist die eidesstattliche Erklärung, die jeder Studierende unterschreiben muss.

Die gibt ihn als den alleinigen Verfasser seines Textes aus. Findet die Hochschule heraus, dass dies nachweislich nicht der Fall ist, kann er gemäß § 156 Strafgesetzbuch (StGB) wegen einer falschen Versicherung an Eides statt belangt werden. Dies kann zur Zahlung eines Bußgeldes oder schlimmstenfalls sogar Exmatrikulation führen.

Der legale Teil einer akademischen Arbeit, die von einem Ghostwriter angefertigt wurde, erstreckt sich auf drei Bereiche:

  • Zur Inspiration, wenn beispielsweise die Gliederung unklar ist.
  • Zur Unterstützung, wenn inhaltliche Zweifel oder Unsicherheiten bestehen.
  • Zur Korrektur, wenn Korrektorats- und Lektoratsaufgaben übernommen werden.

Ghostwriter gesucht: Wer lässt schreiben?

Fragt sich nur: Lohnt sich ein Ghostwriter für die eigene Arbeit? Offensichtlich. Denn Ghostwriter schreiben für eine Vielzahl an Menschen, die mehr oder weniger in der Öffentlichkeit stehen: Politiker, Fernsehmoderatoren, Kabarettstars – sie alle publizieren und oftmals landen ihre Bücher in den Bestsellerlisten.

Aber auch in der Wirtschaft gilt: „Wer als Keynote-Speaker, Unternehmensberater oder Trainer zur Spitzengruppe gehören will, beeindruckt potenzielle Kunden mit einem eigenen Buch zum Thema“,so Petra Begemann, selbst Autorin zahlreicher Bücher, langjährige Verlagsdirektorin und Ghostwriterin.

Und als Insiderin weiß sie, wie die Arbeit zwischen Ghostwriter und Auftraggeber zustande kommt:

Oft sind es die Buchverlage selbst, die dem Autor die Zusammenarbeit mit einem Ghostwriter nahe legen. In den Lektoraten weiß man, dass begnadete Redner nicht automatisch gute Schreiber sind und dass exzellente Fachleute ihr Wissen nicht immer lesbar zu Papier bringen. Also bringt man den Inhaltsprofi mit einem Schreibprofi zusammen.

Allerdings ist es längst nicht nur das Ringen um Formulierungen, das Experten zu der Überlegung bringt, mit einem Ghostwriter zusammenzuarbeiten. Begemann spricht in diesem Zusammenhang von einem „Schreib-Sabbatical„, denn: Es ist häufig eine längere Auszeit vonnöten, um konzentriert am Buch arbeiten zu können:

Es gibt daher ebenso viele professionelle Kollegen, die es vorziehen, ihr Kerngeschäft voranzutreiben und die Mühsal des Recherchierens und Schreibens zu delegieren. Für beides gibt es gute Argumente. In beiden Gruppen finden sich Prominente und weniger prominente Kollegen. Wer gern und gut schreibt, tut es häufig selbst. Wer einsame Tage vor dem PC hasst und im Schreib-Sabbatial auf hohe Tagessätze verzichten müsste, delegiert lieber. Denn ein Buch schreibt sich eben nicht nebenbei.

Ghostwriter Agentur: Über Verlag passenden Dienstleister finden

Wer einen Ghostwriter sucht, kann natürlich ganz simpel über Google (oder andere Suchmaschinen Ihres Vertrauens) vorgehen. Es empfiehlt sich, die Suche mit passenden Stichworten zu kombinieren, also:

  • Ghostwriter + Themengebiet
  • Ghostwriting + Themengebiet

Daneben empfiehlt Begemann folgende Möglichkeiten:

  • Fragen Sie zunächst Kollegen, die bereits publiziert haben, nach Empfehlungen.
  • Lektoren Ihrer Zielverlage sind gute Ansprechpartner, denn sie kennen verschiedene Dienstleister und können deren Arbeitsqualität zuverlässig einschätzen.
  • Agenten oder Spezialisten für Buch-PR haben oft einschlägige Kontakte.

Gerade im Feld des academic ghostwriting sind in den letzten Jahren zahlreiche Anbieter wie Pilze aus dem Boden geschossen – leider oftmals alles andere als seriös. Interessenten sollten daher auf folgende Punkte achten:

  • Angebot

    Sie bekommen ein detailliertes und verbindliches Angebot noch vor Vertragsabschluss. In diesem sollte ein zusätzliches Lektorat eines zweiten Ghostwriters nebst Plagiatsprüfung ohne Aufpreis enthalten sein.

  • Raten

    Sie haben die Möglichkeit, vor allem bei umfangreichen Aufträgen die Summe in Raten zu bezahlen beziehungsweise die Arbeit in Teillieferungen zu erhalten. Das ermöglicht ihnen eine zwischenzeitliche Kontrolle der Arbeit und stellt sicher, dass Ihr Auftrag zu Ihren Wünschen erfüllt wird.

  • Überweisung

    Sie überweisen ausschließlich auf Konten innerhalb Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz. Alles, was außerhalb dieser Länder oder gar der EU geht, sollten Sie meiden.

  • Transparenz

    Sie können das Unternehmen auffinden, und zwar sowohl im Handelsregister als auch im Netz. Finden Sie entsprechende Referenzen zum Dienstleister, die sich positiv äußern, beispielsweise Videos und Pressematerial, dann ist dies ein weiterer Hinweis auf Seriosität.

  • Kosten

    Sie bekommen realistische Preise vorgeschlagen. Agenturen zufolge liegt der Seitenpreis für eine akademische Arbeit nicht unter 50 Euro – alles, was dennoch darunter angeboten wird, sollte Sie stutzig machen.

Begemanns Tipp dazu:

Achten Sie auf Referenzen und Vergleichsprojekte. Ein guter Ghostwriter ist Experte für bestimmte Bereiche und bietet nicht alles. Wenn dann noch die Chemie beim ersten Telefonat stimmt, sind Sie fast am Ziel. Letzter Test ist ein längeres Gespräch – es zeigt Ihnen, ob Sie und Ihr Gegenüber in die gleiche Richtung denken.

Ghostwriter: Preise für Maßarbeit

Es lassen sich keine generellen Preise nennen, da eine Dienstleistung individuell nach Umfang und Schwierigkeitsgrad bemessen wird. Um beispielsweise sich beispielsweise im Feld der akademischen Arbeiten unterstützen zu lassen, müssen Sie als Auftraggeber für eine Seminararbeit ungleich weniger zahlen als wenn Sie eine Dissertation schreiben lassen.

Das gilt auch, wenn Sie den Text lediglich als Inspiration nutzen und selbst umformulieren: Der Aufwand für eine Dissertation ist ein deutlich höherer. Für Auftragsarbeiten wie Reden oder Sachbücher spielt der Umfang eine Rolle. Die meisten Ghostwriting Agenturen werden Ihnen erst ein seriöses Angebot machen können, wenn die Rahmenbedingungen klar sind.

[Bildnachweis: Antonio Guillem by Shutterstock.com]
18. Dezember 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!