Arroganz-Ego-Schutzpanzer-Profilneurose
Leider werden auch Sie einen solchen Kollegen kennen: Er glaubt, immer alles zu wissen; er verbessert die Aussagen oder die Arbeit der anderen; stellt sein eigenes Tun in den Vordergrund und ist ohnehin davon überzeugt, dass das gesamte Unternehmen ohne ihn in kürzester Zeit im Chaos versinken würde. Kurz gesagt: Ein schwerwiegender Fall von Arroganz. Wenig überraschend, dass ein solches Verhalten bei den Kollegen wenig Sympathien weckt. Wie Hochmut auf der Arbeit schaden kann und Tipps, um weniger arrogant zu wirken...

Definition: Was ist Arroganz?

Arroganz (Superbia) ist zunächst einmal eine zugeschriebene Eigenschaft. Niemand wird wohl von sich behaupten, arrogant zu sein - das machen andere. Gemeint ist damit jemand, der einem nicht auf Augenhöhe begegnet, sondern sich für etwas Besseres hält. Synonyme für Arroganz sind daher auch Hochmut, Überheblichkeit, Hochnäsigkeit, Eitelkeit, Einbildung oder etwas älter: Dünkel.

Zu dem typischen Verhaltensweisen der Arroganz gehört:

  • Sich für etwas Besonderes halten.
  • Sich für unersetzlich halten.
  • Alles besser wissen wollen.
  • Ratschläge ignorieren.
  • Andere beurteilen und verurteilen.
  • Überlegenheit demonstrieren.
  • Herablassend über andere sprechen.
  • Andere verunsichern und kleinmachen.

Man könnte auch sagen: Arroganz besitzt die Fähigkeit zur Miniaturisierung - in ihrer Nähe fühlt man sich kleiner, als man ist.

Allerdings ist Hochmut ein extrem wackeliges Konstrukt. Es bleibt stets abhängig von anderen und braucht deren Spiegel, um sich abheben und erheben zu können.

Arroganz: Hochmut ist gefährlich

Nicht erst in Büros sind arrogante Zeitgenossen unbeliebt. Seit Jahrhunderten sind die Menschen auf Hochmut schlecht zu sprechen. Das musste auch Sir Walter Raleigh erfahren...

Er war einer der brillantesten Köpfe am Hofe Elizabeths I. von England. Der Mann schrieb Gedichte, die zu den schönsten seiner Zeit gezählt werden, er war ein begnadeter Wissenschaftler, ein großer Seefahrer, ein wagemutiger Unternehmer, er konnte erwiesenermaßen Menschen führen. Charmant war er auch noch. So sehr, dass er es mit seinen Gaben bis zum Favoriten der Königin brachte.

Genutzt hat es ihm nichts. Irgendwann fiel in Ungnade und wurde zum Tode verurteilt. Fürsprecher gab es nicht, denn Raleigh hatte sich mit seiner Perfektion und Arroganz zuvor zu viele Feinde gemacht.

Hochmut kommt vor dem Fall.

Dahinter verbirgt sich allerdings häufig eine Art Selbstschutz. Hinter der arroganten Fassade liegt ein zerbrechliches Ego mit einem veritablen Minderwertigkeitskomplex: ein geringes Selbstbewusstsein gepaart mit einer zarzisstischen Kränkung. Weil aber Arroganz sozial isoliert, entsteht daraus meist eine Abwärtsspirale:

  • Um seine geringes Selbstwertgefühl aufzuwerten, giert der Arrogante nach Aufmerksamkeit und Anerkennung und macht sich wichtig.
  • Das wieder stößt aber ab, das Umfeld meidet ihn. Statt Beifall erntet der Betreffende Ablehnung.
  • Daraufhin steigert der Arrogante die Dosis und spielt sich noch mehr auf. Ein Negativkreislauf entsteht.

Teilweise gibt es aber auch einen gegenläufigen Effekt, jedoch mit demselben Ergebnis: Durch seine Besserwisserei, die Vehemenz als Ersatz für Substanz nutzt, verunsichert der Arrogante sein Umfeld (zunächst). Das aber bestärkt ihn in seiner Wahrnehmung und (vermeintlichen) Überlegenheit. Die Folge: Krasse Selbstüberschätzung. Der Erfolg steigt den Betroffenen sprichwörtlich zu Kopf.

Auch hier entsteht eine Negativspirale, die den Hochmütigen noch arroganter werden lässt - in dem Fall aber auch noch überzeugter von sich selbst.

Drei Indizien, dass Sie arrogant werden

Extra-Tipp-IconFragen Sie sich jetzt vielleicht, wie Sie auf Kollegen wirken? Wenn Sie diese drei Anzeichen bei sich entdecken, laufen Sie Gefahr, von anderen als arrogant wahrgenommen zu werden:

  1. Überhören

    Sie hören nicht mehr richtig zu. Andere Meinungen ignorieren Sie oder bügeln sie ab und beharren auf Ihrem Standpunkt. Und natürlich ist nur Ihr Standpunkt der einzig richtige.

  2. Übersehen

    Dass Sie falsch liegen, schließen Sie ebenso aus, wie die Möglichkeit, Fehler zu machen. Tatsächlich aber gewinnen Sie mit dieser fehlerfreien Haltung nicht mehr Respekt – Sie verlieren ihn.

  3. Überfliegen

    Mit Menschen unter Ihrem Niveau geben Sie sich nicht mehr ab. Dafür fehlt Ihnen schlicht die Zeit, die Lust sowieso. Dass Wissen ebenso verpflichtet wie Wohlstand – der Gedanke kommt Ihnen gar nicht erst.

Hochmut: So kann er schaden

Beratungsresistenz-Arroganz-EgoGlücklicherweise wird heutzutage niemand mehr so leicht hingerichtet - schon gar nicht für Eitelkeit und Arroganz. Wer jedoch anderen - und sei es ohne böse Absicht - immer wieder deren eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen führt, erzeugt Minderwertigkeitsgefühle und Rachegelüste.

Natürlich ist nicht jeder Mensch arrogant, dem andere dieses Attribut zuschreiben. Viele außergewöhnliche und hoch talentierte Menschen werden regelmäßig als arrogant verschmäht, nur weil sie über das Mittelmaß hinausragen. Wie heißt es so schön zynisch: Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.

Selbstvertrauen, Selbstliebe und mentale Stärke sind zunächst auch überhaupt nichts Schlechtes, im Gegenteil. Allerdings unterscheiden Psychologen genau zwischen den authentischen und deshalb positiven Ausprägungen einerseits und den negativen, weil anmaßenden andererseits.

So ist denn auch ein wesentliches Merkmal der Überheblichkeit das Fehlen von Selbstreflexion. So kommt es zu einer verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit. Ein probates Mittel dagegen ist der regelmäßige und ehrliche Austausch mit anderen, um die Eigenwahrnehmung durch Fremdwahrnehmung abzugleichen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Übermäßig viele Neider können einem das Leben aber zur Hölle machen. Vor allem im Job. Auf der Beliebtheitsskala im Büro steht der Arrogante auf den letzten Plätzen. Nur allzu schnell werden arroganten Kollegen (teils zu Recht) noch weitere negative Eigenschaften zugeschrieben:

  • Unsicherheit

    Viele sehen in der Arroganz eine Überkompensation von Unsicherheit und einem geringen Selbstwertgefühl. Um die eigenen Schwächen nicht zu zeigen, werden diese durch Überheblichkeit überspielt. Eine klassische Profilneurose.

  • Angst

    Hochmut kann auch als eine Art Panzer fungieren, der vor Bewertung und Kritik durch Außenstehende schützen soll. Das eigene Auftreten soll dabei helfen, nichts an sich herankommen zu lassen.

  • Faulheit

    Einigen arroganten Kollegen wird ebenso unterstellt, mehr darauf zu achten, Fehler zu vermeiden, als Erfolge umzusetzen. Arrogante sollen also einen geringeren Arbeitsanteil leisten.

Nicht zuletzt leidet das Betriebsklima unter zu viele Arroganz in den Fluren. Niemand möchte mit einem arroganten Kollegen arbeiten. Daher kommt es schnell zu Ausgrenzung oder auch Mobbing gegenüber den betroffenen Kollegen.

Der Flurschaden von Dünkel und Hochmut ist nicht zu unterschätzen:

  • Die Arbeitsatmosphäre leidet. Es kann die Stimmung im gesamten Team runterziehen, wenn ein Kollege sich ständig aufspielt und die Arbeit der anderen als unwichtig abstempelt. Schnell wird so aus einem Team eine Gruppe von Einzelgängern, die nur noch an sich selbst denken.
  • Die Motivation sinkt. Wer sich an seinem Arbeitsplatz nicht mehr wohlfühlt, verspürt auch keinen Antrieb mehr, sein Bestes zu geben. Es wird nur noch Dienst nach Vorschrift geleistet, während die täglichen acht Stunden im Büro abgesessen werden.
  • Die Leistungen verschlechtern sich. Die logische Folge daraus ist, dass auch die Qualität der Arbeit nachlässt. Deadlines verschieben sich nach hinten und es kommt vermehrt zu Fehlern, die sich durch die mangelnde Konzentration einschleichen.

Arbeiten arrogante Kollegen wirklich schlechter?

Extra-Tipp-IconWissenschaftler um Russell Johnson von der Michigan State Universität haben das genauer untersucht. Dazu beobachteten sie zunächst typische Alltagsszenarien ihrer 82 Probanden und erstellten eine Art Arroganz-Index für das herrschende Betriebsklima. Also etwa, wie oft Ideen anderer in Meetings einfach so abgeschossen wurden.

Dann versuchten die Forscher jene Teilnehmer zu identifizieren, die als besonders arrogant galten, um schließlich die eigentliche Frage zu klären: Wie gut sind die als arrogant verschrienen Kollegen tatsächlich in ihrem Job?

Das Ergebnis: Wer als arrogant bekannt war, wurde von allen schlechter bewertet und als fauler Minderleister abgestempelt – egal, ob Chef oder Mitarbeiter (was die Forscher eher als Beleg für den Halo-Effekt werteten). Eine echte Minderleistung ließ sich aber nicht nachweisen. Allenfalls gab es eben jenen Effekt, dass die Arroganten aufgrund ihrer sozialen Isolation weniger effektiv in Teamprojekten arbeiteten.

Arroganz: So wirken Sie weniger hochmütig

Arroganz-Werbung-SpruchNicht immer steckt hinter einem arroganten Auftreten Berechnung und Kalkül. Manch ein Kollege verfügt einfach über einen Wissensvorsprung, den er aber auf denkbar ungünstige Weise zum Ausdruck bringt und seinen Büronachbarn damit auf die Füße tritt. Ist der Ruf des arroganten Besserwissers aber einmal etabliert, ist es oft ein anstrengender Weg, um die Kollegen vom Gegenteil zu überzeugen. Die folgenden Tipps sind daher eine Art Wegweiser zur Demut oder auch eine Anleitung für bescheidenere Auftritte:

  1. Machen Sie öfter Komplimente.

    Aber unbedingt ehrliche! Unverdienter Beifall lärmt wie verkleideter Spott. Wichtig ist, bei den Fakten zu bleiben und weder zu übertreiben, noch herunterzuspielen. Je spezifischer das Lob, desto glaubhafter die Anerkennung.

  2. Ehre, wem Ehre gebührt.

    Lassen Sie auch andere in Ihrem Scheinwerferlicht stehen. Sie schaffen sich viel eher loyale Freunde, wenn Sie den Anstifter Ihres schlauen Gedankens zu sich mit auf die Bühne bitten.

  3. Hören Sie zu.

    Wissen ist Macht, keine Frage. Aber keiner hat die Wahrheit gepachtet. Eine objektive gibt es sowieso nicht. Weise und taktisch zudem klüger ist es, auch andere Meinungen demonstrativ zuzulassen. Stellen Sie dazu Fragen – und geben Sie ruhig auch mal zu, die Antwort nicht zu wissen. Schließlich könnte Ihre Erleuchtung auch nur Blendwerk sein.

  4. Geben Sie Fehler zu.

    Kein Mensch ist perfekt, das weiß jeder. Trotzdem ist es (und nicht erst seit Elton John einen Song dazu geschrieben hat) einer der schwersten Sätze: "Sorry, du hattest recht und ich lag falsch." Aber genau diese Fähigkeit (zu seinen Fehlern zu stehen) ist eine wesentliche Führungsqualität. Genauso wie über sich selbst lachen zu können.

  5. Beziehen Sie bewusst den Rat anderer Experten ein.

    Jeder Mensch hat individuelle Stärken. Honorieren Sie das. Sie glauben gar nicht, wie verbindend es wirkt, wenn Sie sich diese Talente und Kompetenzen merken und gezielt ansprechen, Motto: "Kai, was sagst du als Entscheidungs-Experte dazu?"

  6. Bekämpfen Sie Ihren Stolz.

    Egal, was Sie sagen – die anderen spüren, ob Sie Ihnen damit wirklich einen Dienst erweisen oder sich lediglich selbst produzieren wollen. Fragen Sie sich also: Warum wollen Sie Ihr Wissen wirklich teilen? Stets alles besser wissen zu wollen, kann nicht zuletzt ein Indiz für Unsicherheit sein. Wie sagte schon Satre: "So ist der Stolz nun einmal: Ein Plädoyer der Elenden."

So reagieren Sie auf arrogante Kollegen

Extra-Tipp-IconWenn Sie das Pech haben, täglich mit einem arroganten Kollegen zusammenarbeiten zu müssen, haben Sie sich wahrscheinlich schon des öfteren darüber geärgert. Mit diesen drei Tipps parieren Sie in Zukunft jedes arrogante Verhalten:

  1. Ruhe bewahren

    Egal, wie sehr der Typ nervt, lassen Sie sich zu keiner Kurzschlusshandlung hinreißen. Stellen Sie sich den Kotzbrocken lieber als Patienten vor, der seine Profilneurose therapieren muss. Einfach nur mitleiderregend und nichts, über dass Sie sich aufregen sollten!

  2. Professionell bleiben

    Bleiben Sie Profi – zu jedem Zeitpunkt. Parieren Sie Arroganz durch Freundlichkeit, überhören Sie plumpe Angriffe und nehmen Sie dem Typ den Wind aus den Segeln. Erinnern Sie sich daran: Oft steckt hinter seinem Verhalten nur Eitelkeit und Unsicherheit.

  3. Ausweichen

    Wenn alles nicht hilft, gehen Sie dem Kollegen weiträumig aus dem Weg. In der Regel stolpern solche Leute eher früher als später über ihre eigenen Unarten. Sie beweisen derweil Größe und Souveränität – und machen Karriere.

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