Antworten Sie bitte ganz spontan: Welche Aufgaben könnten Sie in Ihrem Job noch ohne Computer und Internet erledigen? In den meisten Fällen dürften das wenige bis keine mehr sein, denn fast alle Arbeitsabläufe setzen in der einen oder anderen Weise eine Internetverbindung oder doch zumindest einen Computer voraus. Was am Arbeitsplatz längst Normalität ist, setzt sich in Deutschland auch im Bildungssektor immer weiter durch. E-Learning wird in einigen Universitäten und Fachhochschulen bereits seit vielen Jahren eingesetzt, doch erst in den letzten zwei bis drei Jahren ist das Konzept beim größten Teil der Bildungseinrichtungen angekommen.

Vor allem Fernuniversitäten profitieren von dieser Form des Lernens und setzen diese daher massiv ein. Doch hat E-Learning gegenüber klassischen Präsenzangeboten wirklich Vorteile? Und – viel wichtiger – was ist E-Learning überhaupt?

E-Learning – Eine Definition

Bitte beachten Sie die Überschrift dieses Abschnitts, die Formulierung “eine Definition” ist bewusst gewählt, denn “die” allgemein anerkannte Definition des Begriffs gibt es nicht. Meine Definition des E-Learnings schließt Online-Kurse, vorbereitete Lektionen, Module und interaktive Test mit ein. Video-Konferenzen oder Gruppenchats nehme ich hier jedoch explizit aus. Gerade die Chatfunktion ist zwar in vielen E-Learning-Plattformen integriert, doch aus meiner Sicht ist das etwas anderes. Denn bei Chats und Video-Konferenzen handelt es sich schlicht um Kommunikationskanäle für Lehrer und Lernende. E-Learning ist für mich jedoch der Prozess der Wissensvermittlung durch vorbereitete Inhalte und Lernangebote. Von dieser Definition gehe ich im Folgenden aus.

E-Learning – Eine geniale Ergänzung

E-Learning gehört für mich mit zu den besten Entwicklungen, die im Bildungsbereich zu finden sind. Diese Form des Lernens bietet den Lernenden viele Vorteile, die mit traditionellen Lernformen nicht zu erreichen sind. E-Learning ergänzt die menschliche Interaktion hervorragend, ersetzen kann es diese jedoch nicht. Viele Inhalte lassen sich über E-Learning optimal erfassen, doch es wird immer Fragen und Themen geben, bei denen das Gespräch und der Austausch mit einem Menschen die beste Form des Lernens darstellt. Dabei müssen sich die Menschen gar nicht persönlich sehen, virtuelle Lernräume mit Video-Konferenzen reichen meines Erachtens nach völlig aus, doch die Interaktion mit einem Menschen ist einfach nicht zu ersetzten. Hier also zwölf Vorteile die E-Learning – als Ergänzung – gegenüber reinen Präsenzlehrgängen bietet.

  1. Völlig Ortsunabhängigkeit – Ein offensichtlicher Punkt: Wo immer Sie Strom und Internet haben, können Sie E-Learning nutzen.
  2. Eigener Rhythmus – Lernende können sich die Module und Angebote nach ihrem ganz eigenen Rhythmus erarbeiten, ohne auf Kommilitonen oder Referenten Rücksicht nehmen zu müssen.
  3. Dauernde Verfügbarkeit – So lange die Server laufen, sind die Kursinhalte verfügbar. Wenn Sie also nicht schlafen können, spricht nichts gegen eine Lerneinheit um drei Uhr morgens. Ernsthaft, für Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob ist dieser Faktor Gold wert.
  4. Einfache Aktualisierbarkeit – Referenten können das E-Learning-Material jederzeit aktualisieren und den Lernenden so die neuesten Inhalte problemlos bereitstellen.
  5. Unkomplizierte Distribution – Noch ein Vorteil für Referenten: Inhalte lassen sich einfach und schnell an viele Studenten verteilen. So bald das Material in das System eingepflegt ist, reicht eine Nachricht an alle Mitglieder der Lerngruppe und schon haben alle Zugriff auf das neue Material.
  6. Interaktive Lerninhalte – Module und Lektionen lassen sich interaktiv gestalten und erzielen so einen höheren Lerneffekt. Videos, Tests und animierte Inhalte stellen dabei nur einen kleinen Teil der Palette dar.
  7. Hohe Mobilität – Je nach System lassen sich E-Learning-Kurse auch auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets einsetzen. Für Pendler kann das – wenn es die Umgebung zulässt – sehr praktisch sein.
  8. Geringe Kosten – Okay, die Administratoren und Verwaltungen mancher Universität werden jetzt die Augen verdrehen, doch E-Learning-Systeme können sehr viel günstiger sein traditionelle Lernformen. Gerade in Zeiten wachsender Studienzahlen können Räume und Gebäude besser ausgelastet werden, wenn ein Teil des Studiums von zu Hause aus stattfindet. Und für Arbeitnehmer die ein Fernstudium absolvieren oder sich autodidaktisch weiterbilden, ist E-Learning ohnehin günstiger als Präsenzveranstaltungen mit teilweise langen Anfahrtswegen.
  9. Einfacher Zugang – Zugegeben, die verschiedenen Plattformen für E-Learning-Systeme sind nicht übertrieben benutzerfreundlich, doch wirklich schwer ist kein System zu bedienen. Der Umgang mit der eingesetzten Software lässt sich meist in wenigen Minuten – maximal Stunden – lernen.
  10. Mehrsprachiges Material – Je nach Kurs und Inhalt können die Lernmaterialien in verschiedenen Sprachen angeboten werden. Das stellt zwar zusätzlichen Aufwand dar, kann für Lernende jedoch ein wahrer Segen sein.
  11. Niedere Hemmschwelle – Sich für einen Präsenzkurs oder -Studiengang anzumelden, stellt vor allem für Arbeitnehmer eine hohe Hemmschwelle dar. E-Learning-Angebote mit wenigen bis keinen Präsenztagen – die möglicherweise durch Video-Konferenzen ausgeglichen werden – senken diese Hemmschwelle drastisch.
  12. Attraktive Lernform – Schon der Begriff E-Learning klingt für viele Menschen deutlich attraktiver als ein klassisches Studium oder eine Vorlesung. Das liegt einerseits an den interaktiven Lerninhalten, andererseits jedoch auch einfach an der Tatsache, dass Online-Dienste längst zum Alltag vieler Menschen gehören und es daher nur konsequent ist, auch Lerninhalte – zumindest teilweise – online zu rezipieren. E-Learning-Angebote stoßen daher oft auf eine sehr hohe Akzeptanz bei den Lernenden.