Kamira/ShutterstockUnd auf einmal ist er da, der Gedankenblitz. Eine gute Idee kommt selten allein, sagt man. Stimmt! Nur gehören zu ihrem Gefolge leider nicht nur der zweite blitzgescheite Einfall, sondern auch allerlei Hofschranzen: Zweifler, Nörgler, Skeptiker, Bedenkenträger – wie auch immer man sie nennen mag. Viel leichter als eine Idee zu bekommen, ist es, die keimende Kreativität gleich wieder zu beerdigen – aus Neid oder aus Prinzip. Der doppelte Vorteil: Irgendwie wirkt der Kritiker dabei selbst recht smart – und die wenigsten nehmen ihn in die Pflicht, selbst eine bessere Alternative zu entwickeln…

Pauschalkritik, Dramatisierung, Angriff

YuriyZhuravov / shutterstock.comKlassische Wege, Kreativität schon im Keim zu ersticken, sind:

  • Pauschalkritik
  • Verweis auf Traditionen, Normen, feste Prozesse
  • Dramatisierung der Riskien
  • Persönlicher Angriff

Die Strategien funktionieren freilich auch in Form des Allzwecksatzes, der von jeglicher Denkanstrengung entbindet: Hamwerschonimmersogemacht. Aber natürlich existieren noch weitaus subtilere und gemeinere Formen. Fünf davon und deren übliche Einwände lesen Sie jetzt…

So lässt sich jede großartige Idee beerdigen:

  1. Es ist zu einfach, um wahr zu sein!
  2. Die einfachsten Lösungen sind oft die besten. Leider glauben – vor allem wir Deutschen – gerne das Gegenteil: Nur wenn etwas kompliziert ist (oder wenigstens so klingt, kann es auch klappen. Blödsinn! Keep it simple ist ein Erfolgsrezept, das schon seit Jahrhunderten gilt.

  3. Es funktioniert sowieso nicht!
  4. Wenn Glaube Berge versetzt, kann Zweifel diese aufschütten. Nicht selten lassen wir uns von im Vorfeld von Bedenken und hypothetischen Szenarios abschrecken, statt der Idee eine Chance zu geben.

  5. Es ist praktisch unmöglich!
  6. Das haben die Bedenkenträger rund um Christoph Kolumbus wohl auch gedacht, als der einen Seeweg nach Indien entdecken wollte. Trotzdem hat er es gewagt. Gut, mit dem ursprünglichen Plan ist er trotzdem gescheitert. Aber das Ergebnis war letztlich noch viel besser. Welche Innovationen sind je entstanden, weil ihre Entdecker an das Unmögliche glaubten? Eben.

  7. Es gibt noch eine bessere Alternative!
  8. Die gibt es (fast) immer. So wie die Suche nach selbiger oft nichts weiter ist, als eine Hinhalte- oder Vermeidungstaktik. Und somit Selbstbetrug. Wer solange wartet, bis er die beste Lösung gefunden hat, verpasst womöglich etwas anderes: den besten Zeitpunkt dafür.

  9. Sie sind der Einzige, der daran glaubt!
  10. Das kann natürlich wirklich daran liegen, dass die Idee Murks ist. Oft stammt dieser Einwand aber auch von eloquenten Alpha-Tieren, die eifersüchtig darüber wachen, dass die besten Ideen von ihnen selbst stammen. Nicht selten beerdigen solche Typen durch geschickte Rhetorik einen brillanten Gedanken, weil der sie in den Schatten stellt. Lassen Sie sich also bloß nicht davon einschüchtern!

Das Ideen-Killer-Bingo

Keine Frage, es gibt noch viel mehr Strategien, um Vorschläge abzubügeln. So viele, dass sich damit prima Bingo spielen lässt – das Ideen-Killer-Bingo. Die Idee dazu ist (zum Glück) nie beerdigt worden, aber geklaut. Aber die Übersetzung ist wenigstens von uns (und darf ihrerseits geklaut werden)…

Ideen-Killer-Bingo

Anleitung: Bingozettel ausdrucken, damit ins Meeting setzen, auf Killerphrasen warten und ankreuzen. Wer zuerst fünf in einer Reihe hat, hat gewonnen – und mindestens vier Ideen beerdigt…