Unterbezahlt im Job? Anzeichen + Was Sie tun können

Bekommen Sie, was Sie verdienen? Aktuellen Umfragen zufolge sind rund 63,6 % der Arbeitnehmer unzufrieden mit ihrem Gehalt und fühlen sich unterbezahlt (Quelle: Stepstone). Besonders in Gesundheits- und sozialen Berufen liegt das als „fair“ empfundene Gehalt oft bis zu 32 % über dem tatsächlichen Gehalt. Die Folgen sind Motivationsverlust, Dienst nach Vorschrift oder gar Kündigung. Die wichtigsten Anzeichen für eine Unterbezahlung – und was Sie dagegen tun können und sollten…

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Bin ich unterbezahlt?

Haben Sie das Gefühl, ein „unfaires Gehalt“ zu bekommen? Damit sind Sie nicht allein! Laut einem Stepstone-Report sagen 47,5 % der Beschäftigten in Deutschland, mit ihrem Gehalt „unzufrieden“ zu sein, 16,1 % bezeichneten sich sogar als „sehr unzufrieden“. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigt: Etwa 56 % der Beschäftigten empfinden ihren Lohn als zu niedrig bzw. unfair.

Das ist jedoch zunächst nur ein Gefühl. Tendenziell ist jeder Arbeitnehmer davon überzeugt, mehr zu verdienen. Mehr Geld geht schließlich immer. Entscheidend für alle weiteren Schritte ist aber, ob das Gefühl der Unterbezahlung auch realistisch ist. Beginnen Sie daher stets mit einer Recherche zum eigenen Marktwert: Was zahlt man vergleichbaren Arbeitnehmern in Ihrer Position, Ihrer Region, Ihrer Branche und Unternehmensgröße? Hierbei lohnt sich ein Vergleich und Blick auf Gehaltstabellen und Durchschnittsgehälter in Deutschland oder Umfragen im Bekanntenkreis und Netzwerk.

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6 Anzeichen, dass Sie unterbezahlt sind

Zusätzlich sollten Sie die folgenden Anzeichen für eine Unterbezahlung prüfen. Auch sie können ein wichtiges Indiz für eine Gehaltserhöhung bzw. baldige Gehaltsanpassung sein:

  1. Die Gehaltserhöhung ist überfällig

    Mit der Berufserfahrung und steigenden Qualifikationen (etwa durch relevante Fortbildungen) sollte auch das Gehalt steigen. Nicht zwangsläufig jedes Jahr, aber regelmäßig. Warten Sie hingegen schon mehr als 2-3 Jahre auf eine überfällige Gehaltserhöhung, spricht einiges dafür, dass Sie unterbezahlt sind.

  2. Die Kollegen verdienen mehr

    Ein eindeutiges Zeichen. Zwar wird in Deutschland ungern über Geld gesprochen. Wenn Sie aber erfahren, dass Kollegen in gleicher Position und bei gleicher Leistung mehr verdienen, ist das definitiv unfair. Seit 2017 gilt in Deutschland das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG). Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern können ein anonymisiertes Vergleichsgehalt (Median) von Kollegen in ähnlicher Position anfordern. Bevor Sie aber nachverhandeln, prüfen Sie immer zuerst die Gründe für den Unterschied. Es kann Lohndiskriminierung dahinterstecken – muss es aber nicht!

  3. Der Chef weicht dem Thema Gehalt aus

    Haben Sie schon versucht, Ihr Gehalt anzusprechen, und der Chef hatte dafür nie Zeit? Dann ist das ebenfalls ein schlechtes Zeichen. Geht der Chef Gehaltsgesprächen regelmäßig aus dem Weg, hat er vermutlich ein schlechtes Gewissen und weiß: Sie verdienen längst mehr!

  4. Ihre Entwicklung bleibt unbezahlt

    Eigentlich läuft es gut im Job: Der Chef gibt Ihnen positives Feedback, Sie bekommen mehr Verantwortung, größere Projekte, wichtigere Kunden – alle Zeichen stehen auf Aufstieg. Nur am Verdienst ändert sich nichts. Ein klares Indiz, dass Sie unterbezahlt sind.

  5. Der Unternehmenserfolg spiegelt sich nicht auf dem Konto

    Wenn es im Unternehmen oder in Ihrer Abteilung gut läuft, großes Wachstum erzielt wurde und ein Erfolg nach dem anderen eingefahren wird, sollte sich das auch in der Bezahlung widerspiegeln. Schließlich sind die Mitarbeiter daran maßgeblich beteiligt. Leider passiert das nicht automatisch – und aus der Unterbezahlung wird eine Holschuld. Traurig, ja. Aber auch eine Chance für Sie!

  6. Andere Unternehmen zahlen mehr

    Gerade der Arbeitsmarktvergleich und Gehaltscheck (auch mittels Stellenanzeigen) liefern Ihnen ein wichtiges Indiz dafür, was Sie anderswo verdienen könnten. Liegen Sie deutlich darunter, sind Sie definitiv unterbezahlt.

Was sind häufige Gründe für eine Unterbezahlung?

Wenn Sie feststellen, dass Sie wirklich unterbezahlt sind, muss das nicht automatisch böse Absicht vom Chef oder Arbeitgeber sein. In der Regel geht jeder Bezahlung eine Gehaltsverhandlung voraus – und hierbei machen nicht wenige Arbeitnehmer kostspielige Verhandlungsfehler. Die häufigsten Gründe für eine Unterbezahlung sind, dass Sie Ihren aktuellen Markwert nicht kennen und deshalb zu früh zustimmen.

Wenn Ihnen der Chef 3 % mehr Geld gibt, sind viele schon zufrieden. Dabei wären womöglich auch 10-15 % drin gewesen. Geben Sie sich deshalb nie mit dem ersten Angebot ab – es signalisiert lediglich Verhandlungsspielraum. Ebenso sollten Sie sich auf typische Killerphrasen stets vorbereiten und diese mit guten Argumenten kontern.

Gender-Pay-Gap: Warum sich viele Frauen unterbezahlt fühlen

Der Gender-Pay-Gap bleibt weiterhin ein großes Thema: Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 16 % weniger als Männer (unbereinigter Gender-Pay-Gap). Bei gleicher Arbeit und Qualifikation verdienen Frauen immer noch 6 % weniger als ihre männlichen Kollegen (bereinigter Gender-Pay-Gap). Die Ursachen dafür sind oft strukturell: Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen (z.B. Pflege, Erziehung), sind seltener in Führungspositionen und arbeiten öfter in Teilzeit. Umso wichtiger ist es für Frauen, den eigenen Marktwert zu ermitteln und diesen selbstbewusst einzufordern.

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Unterbezahlt im Job? Die besten Tipps und Strategien

Es ist sicher und belegt: Sie sind definitiv unterbezahlt! In dem Fall sollten Sie unbedingt aktiv werden und das nicht einfach hinnehmen oder schmollen. Stummer Ärger kostet Sie bares Geld! Auch wenn Ihnen das vielleicht unangenehm ist und Überwindung kostet: Sie müssen mit dem Vorgesetzten in den Ring steigen und Ihr Gehalt nach- oder neuverhandeln. Die folgenden bewährten Tipps helfen Ihnen, wenn Sie unterbezahlt sind:

1. Legen Sie eine Leistungsmappe an

Wenn Sie schon länger für das Unternehmen arbeiten, sollten Sie genau dokumentieren, was Sie alles im Job leisten und welche Erfolge Sie in der Vergangenheit und in der Zukunft erzielt haben bzw. erzielen werden. Das gelingt am besten mithilfe einer Leistungsmappe. Damit haben Sie Ihre stärksten Argumente schwarz auf weiß fixiert.

2. Vereinbaren Sie einen Termin

Ein Gehaltsgespräch führt man nicht zwischen Tür und Angel. Wenn Sie unfair bezahlt werden, machen Sie einen Termin mit dem Chef für eine Gehaltsverhandlung. Dies geht allerdings nur, wenn seit der letzten Gehaltsvereinbarung einige Zeit vergangen ist oder wenn sich in Ihren Arbeitsbedingungen etwas deutlich verändert hat. Faustregel: Alle 12 Monate ist ein Gehaltsgespräch angebracht. Im Gespräch selbst nutzen Sie all die Tipps, die Sie auf Karrierebibel in den verlinkten Artikeln finden, und vermeiden bitte obige Fehler. Zeigen Sie selbstbewusst, welchen Markt- und Mehrwert Sie dem Unternehmen stiften, von welchen Leistungen der Arbeitgeber profitiert und welches Gehalt angemessen ist.

3. Verbessern Sie Ihre Position

Manchmal verdienen andere mehr, weil sie mehr oder bessere Qualifikationen besitzen. Finden Sie heraus, ob Sie Ihren Wert durch eine Fortbildung steigern oder mehr Verantwortung in Projekten übernehmen können. Je wichtiger Ihre Position im Unternehmen, desto stärker der Ausgangspunkt für eine Gehaltserhöhung!

4. Vereinbaren Sie konkrete Ziele

Eine gute Strategie für mehr Geld ist, immer klare und messbare Ziele zu vereinbaren – nicht nur für die Gehaltsverhandlung. Formulieren Sie mit dem Chef zusammen eine konkrete Zielvereinbarung: Was sollen Sie im kommenden Jahr erreichen? Sollten Sie diese Ziele übertreffen, haben Sie erneut ein starkes Argument für eine höhere Bezahlung. Daher: Ziele genau formulieren und immer schriftlich fixieren!

5. Wechseln Sie das Unternehmen

Das ist natürlich die ultima ratio: Haben Sie das Gefühl, bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber permanent unterbezahlt zu sein und mit allen genannten Strategien zu scheitern, bleibt oft nur noch ein Jobwechsel. Hier sollten Sie sich aber vorab gut informieren, ob woanders wirklich besser bezahlt wird. Sonst kommen Sie nur vom Regen in die Traufe – und bleiben weiterhin (gefühlt) unterbezahlt.

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Was sind schlechtbezahlte Jobs in Deutschland?

Neben den bestbezahlten Berufen in Deutschland gibt es ebenso Tätigkeiten, in denen nur ein geringes Gehalt gezahlt wird – häufig knapp über dem Mindestlohn. Insbesondere in Aushilfs- und Reinigungsjobs liegen die Jahresgehälter oft nur zwischen 26.000 € und 32.000 € pro Jahr bei einer Vollzeitstelle:

Beruf

⌀ Gehalt (brutto)

1. Küchenhilfe 26.500 €
2. Reinigungskraft 27.200 €
3. Friseur/in 27.800 €
4. Servicekraft (Gastronomie) 28.500 €
5. Floristiker/in 29.000 €
6. Bäckereiverkäufer/in 29.800 €
7. Housekeeping 30.200 €
8. Callcenter-Agent 31.000 €
9. Rezeptionist/in 31.500 €
10. Tierpfleger/in 32.000 €

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