Key Facts
- Definition: Eine Working Mom (deutsch: „arbeitende Mutter“) ist eine berufstätige Frau, die ihre Erwerbstätigkeit mit der Carearbeit für ein Kind oder mehrere Kinder kombiniert.
- Herausforderungen: Working Moms haben eine enorme Doppelbelastung. Hinzu kommen häufig Selbstzweifel, Selbstvorwürfe oder fehlendes Verständnis im sozialen Umfeld („Rabenmutter“).
- Mental Load: Die hohe Belastung und oft unsichtbare Arbeit durch die zusätzliche Verantwortung für die Organisation des Haushalts führen zu einer enormen „Mental Load“.
- Karriere: Trotz bester Qualifikationen erleben viele Frauen nach der Elternzeit einen Karrierestillstand. Verbreitet ist auch die sog. Teilzeitfalle: Mütter kehren in Teilzeit zurück und bleiben darin stecken.
Wann Mütter wieder in den Job einsteigen, hängt hauptsächlich vom Alter des Kindes ab: 39,7 % der Mütter mit einem Kind unter 3 Jahren sind erwerbstätig. Wird der Nachwuchs älter, steigt die Erwerbstätigkeit bei Müttern auf mehr als 70 %. Aber: 49 % der Frauen in Deutschland arbeiten in Teilzeit, weil sie weiterhin hauptverantwortlich für die Betreuung der Kinder sind.
Definition: Was ist eine Working Mom?
Als Working Mom werden berufstätige Mütter bezeichnet, die nach einer beruflichen Pause durch den Mutterschutz und die Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen. Meist sind Mütter gemeint, die wieder in Vollzeit arbeiten gehen. Der Begriff zeigt eigentlich, wie Mütter Familie und Beruf erfolgreich vereinbaren können. Der zugehörige Hashtag (#workingmom) ist beliebt in den sozialen Medien und auch eine erfolgreiche Sitcom mit dem Titel „Workin’ Moms“ beschäftigt sich mit dem Leben von Müttern im Job.
Falsche Botschaften der Bezeichnung
Trotz des positiven Grundgedankens steckt der Begriff voller Probleme. Allen voran die Frage: Ist die Sonderstellung durch den Begriff hilfreich? Schließlich orientiert er sich am klassischen Rollenmuster: Der Vater geht arbeiten, die Mutter bleibt zu Hause. Für Working Moms entsteht automatisch ein Rechtfertigungszwang. Zusätzlich sendet der Begriff falsche Botschaften: Working Moms gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Dabei hat jede Mutter bereits einen Vollzeitjob: Carearbeit daheim ist schon ein Rund-um-die-Uhr-Job, allerdings ohne Gehalt, ohne Urlaubsanspruch oder die Möglichkeit, sich krankzumelden.
Unterschied: Working Mom oder Stay-at-home-Mom?
Beide Begriffe klingen ähnlich, der Hauptunterschied liegt jedoch im täglichen Arbeitsplatz: Eine Working Mom geht neben der Kindererziehung einem Beruf außerhalb oder innerhalb des Hauses nach, verdient eigenes Geld und jongliert täglich zwischen Jobpflichten und Familienalltag. Eine Stay-at-home-Mom hingegen widmet ihre volle Arbeitszeit unbezahlt dem Management von Haushalt und der Kinderbetreuung. Während eine Working Mom oft mit Zeitmangel und dem Spagat zwischen zwei Welten kämpft, trägt die Stay-at-home-Mom die Hauptlast des Haushaltsmanagements ohne berufliche Abwechslung. Beide Lebensmodelle sind auf ihre Weise extrem fordernd und erbringen unverzichtbare Arbeit für die Familie und die Gesellschaft.

Herausforderungen einer Working Mom
Kaum eine Rolle ist so schwierig und herausfordernd wie die der Working Mom. Dahinter steht natürlich die Doppelbelastung, doch die Gründe sind umfangreicher und gehen tiefer:
-
Innere Zerrissenheit
Zahlreiche Mütter berichten von der Angst, keiner Seite gerecht werden zu können. Egal, wie sehr man sich anstrengt, von einem Ort zum anderen hetzt und organisiert: Es bleibt das Gefühl, zwischen den Stühlen zu sitzen. Zu Hause verpassen Working Moms immer irgendetwas, bei dem sie gerne dabei gewesen wären – gleichzeitig besteht der Wunsch, im Job erfolgreich zu sein und sein Bestes zu geben.
-
Unzählige Erwartungen
Eng verbunden mit dem ersten Punkt sind die unzähligen Erwartungen, die an eine Working Mom gestellt werden. Perfekte Mutter, die zu Hause alles im Griff hat, den Haushalt schmeißt, einkaufen geht, den Nachwuchs zum Kindergarten, zur Schule oder zum Sport bringt, nebenbei Freunde trifft und gesund kocht. Auf der anderen Seite hervorragende und verlässliche Mitarbeiterin, die Verantwortung übernimmt, erreichbar, flexibel und zu 100 % dem Unternehmen verpflichtet ist. Jede Working Mom kennt das Gefühl, es nicht allen recht machen zu können.
-
Vielseitige Vorwürfe
Working Moms werden von allen Seiten mit Vorwürfen konfrontiert. Ein großer Teil sind Vorwürfe für die berufliche Entscheidung: Wie kannst du dein Kind so früh in die Betreuung geben? Willst du keine Zeit mit der Familie verbringen? Liebst du dein Kind denn nicht? Hinzu kommen Anschuldigungen vom Chef, wenn es nicht perfekt läuft; von den Freunden, wenn Treffen ausfallen müssen; oder von der Kinderbetreuung, wenn die Abholzeiten um 5 Minuten überschritten werden.
-
Steigender Druck
Als Working Mom steht immer der Vergleich mit einem Idealbild im Raum. Die perfekte berufstätige Mutter, die problemlos alles schafft und dabei nicht einmal Stress empfindet. Nicht zuletzt, weil dieses Bild in vielen sozialen Medien geprägt wird. Das erzeugt einen enormen Druck. Gesteigert wird dieser, weil Mütter sich selbst die Schuld geben, wenn es bei ihnen nicht so läuft. „Bei anderen klappt es doch auch, also muss es an mir liegen.“
-
Fehlende Zeit für sich
Morgens das Kind fertig machen und in die Betreuung bringen, anschließend einen vollen Arbeitstag, im Anschluss die restliche Zeit mit dem Nachwuchs genießen, wichtige Telefonate führen, den Haushalt organisieren und erschöpft ins Bett fallen. Working Moms nehmen sich Zeit für alles, außer für sich selbst. Oft bleiben nicht einmal zehn Minuten, um ein Buch zu lesen oder die Lieblingsserie zu schauen.
-
Veraltete Ansichten
Wahrscheinlich hat jede Working Mom schon einmal Sätze wie „Das war früher aber ganz anders“ oder „Zu unserer Zeit wäre das unvorstellbar gewesen“ gehört. Zwischen der Zeit damals und heute liegen nicht selten 20, 30 oder mehr Jahre. So ist es nur anstrengend, immer wieder erklären zu müssen, was heute alles anders ist.
Lesen Sie dazu: Kind krank: Was beachten bei Krankmeldung und Dauer?
Tipps für Working Moms
Leicht ist es als Working Mom nie. Trotzdem haben wir einige Profi-Tipps für Sie gesammelt, die Ihnen in Ihrer Rolle helfen können:
-
Rechtfertigen Sie sich nicht
Bei Vorwürfen, Kommentaren und ungebetenen Meinungen verspüren viele den Drang, sich rechtfertigen zu müssen. Geben Sie diesem Druck nicht nach. Es ist Ihre Entscheidung, die Sie gemeinsam mit Ihrem Partner für Ihre Familie treffen. Sie sind Außenstehenden keine Rechenschaft schuldig.
-
Kümmern Sie sich um sich selbst
Immer nur funktionieren, funktioniert nicht. Bei all den Verpflichtungen, Aufgaben und Problemen, denen Sie sich Tag für Tag widmen, dürfen Sie sich selbst nicht vergessen. Es ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um sich zu erholen und Kraft zu tanken. Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit nur für sich.
-
Organisieren Sie Unterstützung
Der Partner, mit dem Sie sich die vielen Aufgaben teilen, Freunde, die einen Nachmittag auf das Kind aufpassen, Großeltern, die am Wochenende für Entlastung sorgen, Paten, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, oder auch Kollegen, die hilfsbereit und flexibel sind – als Working Mom brauchen Sie Unterstützung. Haben Sie keine Angst, danach zu fragen.
-
Suchen Sie Lösungen mit dem Arbeitgeber
Als berufstätige Mutter ändern sich oftmals die Bedürfnisse für den Arbeitsplatz. Gerade Flexibilität erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf enorm. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber und sprechen Sie über mögliche Lösungen. Vielleicht lassen sich Regelungen zu Homeoffice oder flexiblen Arbeitszeiten umsetzen.
-
Senken Sie Ihre Erwartungen an sich selbst
Immer perfekt sein und diesen Eindruck auch nach außen vermitteln? Diesem Anspruch können Sie nicht gerecht werden. Senken Sie Ihre Erwartungen und erlauben Sie sich Fehler. Keine Mutter muss perfekt sein. Gestehen Sie sich auch manchmal ein, dass Sie überfordert sind. Das ist normal und geht anderen genauso. Indem Sie es zugeben, reduzieren Sie aber den Druck für sich und andere.
-
Seien Sie stolz auf sich
Jede Working Mom kann und sollte stolz auf sich sein. Erinnern Sie sich regelmäßig daran, wie viel Sie leisten und welche Anstrengungen Sie meistern, die Sie sich selbst früher nie zugetraut hätten. Manches mag sich alltäglich anfühlen, ist es aber nicht.
Die wohl größte Hilfe für Working Moms wäre aber größere Akzeptanz und Verständnis für jede Form von Lebensentwurf, den jemand anders für sich wählt.
Was andere dazu gelesen haben
