Das Wichtigste auf einen Blick
- Marktvergleich: Orientieren Sie sich an branchenüblichen Gehältern in Ihrer Position, Region sowie basierend auf Ihren Qualifikationen, um eine realistische Gehaltsvorstellung zu formulieren.
- Recherche: Als Ausgangspunkt dienen Gehaltstabellen, Stellenanzeigen, Berufsprofile und Durchschnittsgehälter, die Sie mithilfe von KI ermitteln können.
- Berechnung: Unternehmensgröße, Berufserfahrung und relevante Zertifikate haben Einfluss auf eine höhere Gehaltseinstufung. Ebenso gültige Tarifverträge.
- Verhandlung: Ihre Gehaltsforderung muss angemessen und realistisch sein – mehr als 10-20 % sollten Sie nie aufschlagen, um die Jobchancen nicht zu gefährden.
Zur ersten Orientierung finden Sie hier eine aktuelle Gehaltsübersicht (alle Angaben als Monatsgehalt, ⌀ = Durchschnitt):
Kategorie |
Gehalt 2026 |
| ⌀ Gehalt (nur Vollzeit) | 4.480 Euro |
| ⌀ Gehalt (Alle) | 3.540 Euro |
| ⌀ Gehalt (Netto) | 2.430 Euro |
| ⌀ Einstiegsgehalt (Absolventen) | 3.783 Euro |
| ⌀ Einstiegsgehalt (Ausbildung) | 2.500 Euro |
Wer als Single mehr als 5.300 Euro netto im Monat erzielt, gehört bereits zu den 10 % der Topverdiener in Deutschland. Das durchschnittliche Maximalgehalt von 58.538 Euro erreichen viele Arbeitnehmer in Deutschland wiederum erst mit 52 Jahren. Die größten Gehaltssprünge gibt es zwischen 30 und 40 Jahren.
Wie kann ich meinen Marktwert ermitteln?
Werden Sie angemessen und fair bezahlt? Um einen realistischen Gehaltswunsch zu formulieren – in der Bewerbung oder im Job – müssen Sie zuerst den eigenen Marktwert ermitteln. Dafür haben Sie mehrere Optionen:
-
Gehaltstabellen
Nutzen Sie verschiedene Quellen und Gehaltsdaten – etwa Gehaltstabellen und Gehaltsvergleiche im Internet oder die Tabellen auf Karrierebibel zum Einstiegsgehalt oder Durchschnittsgehalt.
-
Stellenanzeigen
Werten Sie Stellenanzeigen und Berufsprofile mithilfe von KI aus: Diese enthalten teilweise Gehaltsangaben für vergleichbare Berufe oder Branchen. Manchmal werden auch Gehaltsspannen genannt. Dies sind ebenfalls ein guter Anhaltspunkt.
-
Online-Jobbörsen
Viele Jobbörsen informieren inzwischen über aktuelle Gehälter – z.B. Stepstone, Glassdoor oder Indeed. Auch in unserer Jobbörse finden Sie mehrere Jobprofile mit Gehaltsangaben.
-
Soziale Netzwerke
Ein weiterer Weg, den Marktwert zu berechnen, sind Businessnetzwerke wie Linkedin. Fragen Sie Kontakte und Branchenkollegen, ob sie „ungefähre“ Angaben zum Gehalt machen können und was sie für angemessen halten. Fragen kostet nichts!
-
Statistisches Bundesamt
Auch der Gehaltsrechner des Statistischen Bundesamts ermittelt mithilfe eines Fragebogens einen durchschnittlichen Gehaltswert. Dabei werden Ihre Angaben mit umfangreichen Datenbanken verglichen, um einen individuellen Marktwert zu berechnen. Weitere kostenlose Gehaltsrechner gibt es von Hays oder Kununu.
-
Kollegen
Der Gehaltsvergleich unter Kollegen ist zwar schwierig: „Über Geld spricht man nicht!“, denken viele. Ein Versuch ist es aber wert: Das Entgelttransparenzgesetz sorgt für zusätzliche Lohntransparenz. Aber Vorsicht: Behandeln Sie die Auskünfte unbedingt diskret!
-
Gehalt berechnen
Ein einfacher Trick, um den eigenen Marktwert zu ermitteln, ist: Nehmen Sie Ihren absoluten Minimallohn und verdoppeln Sie diesen! Die Methode liefert zwar nur einen Näherungswert, führt in der Praxis aber zu erstaunlich realistischen und durchsetzbaren Werten.
-
Individuelle Faktoren
Berücksichtigen Sie bei Ihrer Berechnung des Marktwertes zusätzlich individuelle Faktoren. Dazu zählen eigene Ausbildung oder Studium, Berufserfahrung (Jahre), Zusatzqualifikationen, Spezialisierungen oder seltene Fähigkeiten sowie nachweisbare Erfolge. Ebenfalls Einfluss haben Branche, Unternehmensgröße und Standort Ihres Arbeitgebers.
Tipp: Berechnen Sie Ihren Marktwert regelmäßig, weil sich der Arbeitsmarkt und die Bezahlung durch Inflation oder Tarifverträge immer wieder verändern. Generell lässt sich ein realistischer Marktwert am besten durch eine Kombination aus Online-Recherche, persönlichem Austausch sowie mittels Gehaltsrechner und Tabellen ermitteln. Besondere Stärken und Erfahrungen steigern Ihren Wert.
Marktwert Definition
Der Marktwert ist der Wert, den ein Arbeitnehmer oder Wirtschaftsobjekt auf einem Markt erzielen kann. Er spiegelt den Preis bzw. das Gehalt wider, das Käufer oder Arbeitgeber zu zahlen bereit sind. Bei Immobilien wird der Marktwert auch als „Verkehrswert“ bezeichnet.
Marktwert berechnen: Diese Faktoren haben Einfluss
Ein einheitliches Gehalt oder einen einheitlichen Marktwert gibt es leider nicht. Arbeitnehmer in identischen Jobs und Branchen verdienen in Deutschland mitunter sehr unterschiedlich. Um das mögliche Einkommen zu berechnen, müssen Sie nicht nur geschickt verhandeln, sondern ebenso folgende Einflussgrößen einbeziehen:
Trotz gleichem Jobtitel und vergleichbarer Tätigkeit werden in der Pharmabranche, in der chemischen und erdölverarbeitenden Industrie deutlich mehr bezahlt als z.B. in der Dienstleistungsbranche oder in sozialen Berufen. Das liegt teils schon an den Tarifverträgen. Zu den bestbezahlenden Branchen gehören seit Jahren Pharma, Chemie, Maschinenbau, Finanzen, Energie und IT. Abgehängt sind hingegen Berufe im Handel (speziell Einzelhandel), Sozialbereich, in der Bildung, Tourismus und Gastronomie.
Je höher die Bildung und Spezialisierung, desto können Sie verdienen (siehe: Bildungsrendite). Akademiker erhalten im Schnitt 20.000 € pro Jahr mehr als Angestellte mit einer Ausbildung. Ein Masterabschluss wiederum bringt im Jahr im Schnitt 6.000 Euro mehr als ein Bachelor.
Berufseinsteiger verdienen logischerweise weniger als erfahrene Fach- oder Führungskräfte. Statistisch erreichen die meisten Berufstätigen in Deutschland mit 52 Jahren das durchschnittliche Maximalgehalt von 58.539 €. Danach sinkt das Gehalt häufig, weil viele beruflich kürzer treten (siehe: Downshifting). Die größten Gehaltssprünge machen Arbeitnehmer zwischen 30 und 40 Jahren.
Insbesondere im öffentlichen Dienst und TVöD spielt es eine Rolle, wie Ihre bisherige Berufserfahrung oder Qualifikation eingestuft wird. Nicht selten werden (studierte) Sozialpädagogen als Erzieher eingestellt – und bekommen somit auch nur ein Erziehergehalt. Achten Sie deshalb unbedingt auf eine korrekte Einstufung!
In Deutschland herrscht ein sog. Süd-Nord-Gefälle: In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen werden die höchsten Gehälter gezahlt. In Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten.
In großen Städten und Ballungsgebieten wird mehr bezahlt als auf dem Land oder in strukturschwachen Regionen. In Großstädten wie München, Frankfurt oder Stuttgart herrscht in Deutschland das höchste Gehaltsniveau – gleichzeitig sind hier aber auch die Lebenshaltungskosten und Mieten deutlich höher als etwa in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern.
Erfahrungen und Expertise können zu einem höheren Gehalt führen – aber nur, wenn die Berufserfahrungen für den Job relevant sind. Einschlägige Praktika werden selten honoriert. Umgekehrt: Je weniger Sie dem Anforderungsprofil im Stellenangebot entsprechen, desto geringer das Gehalt. Quereinsteiger und Bewerber mit Defiziten (z.B. lange Arbeitslosigkeit) müssen mit Abschlägen von bis zu 10 % kalkulieren.
In internationalen Konzernen liegen die Gehälter meist 10-20 % höher als in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Faustregel: Ab 500 Mitarbeitern ist gegenüber dem Branchendurchschnitt oft ein Mehrgehalt von bis zu 20 % möglich.
Umsatzwachstum, Auftragslage und Konjunktur beeinflussen die Bezahlung. Geht es dem Unternehmen gut, haben Sie in der Gehaltsverhandlung bessere Karten. In einer Rezession berufen sich Chefs gerne auf fehlende Budgets.
Angebot und Nachfrage bestimmen auch das Gehalt. Gibt es mehr Bewerber als freie Stellen (sog. Arbeitgebermarkt), sinken die Gehaltschancen. Zählen Sie hingegen zu den raren und gesuchten Fachkräften mit hoher Spezialisierung (sog. Bewerbermarkt), können Sie Ihr Wunschgehalt meist einfach durchsetzen.
„Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.“ – Das gilt auch beim Gehalt: Wer per Empfehlung abgeworben wird, kann seinen Marktwert praktisch immer steigern. Ein gutes Netzwerk sowie hohe Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken (z.B. Linkedin) führen häufig zu einem zusätzlichen Gehaltsplus von 5-10 %.
Wie kann ich meinen Marktwert steigern?
Den eigenen Marktwert zu steigern, bedeutet, dass Sie für Ihren (oder andere) Arbeitgeber wertvoller, seltener und sichtbarer werden. Ihren Wert können und sollten Sie systematisch erhöhen. Das sind die wichtigsten Hebel, die funktionieren:
-
Hohe Spezialisierung
Positionieren Sie sich als Experte oder Expertin in einem klar abgegrenzten Bereich. Eine starke Nische macht Sie weniger austauschbar und steigert Ihren Wert enorm.
-
Seltene Skills
Bauen Sie Fähigkeiten auf und aus, die stark nachgefragt und schwer durch KI zu ersetzen sind. Besonders wertvoll sind Kombinationen aus mehreren Disziplinen – etwa Projektmanagement und Personalführung.
-
Mehr Sichtbarkeit
Sorgen Sie dafür, dass andere Ihre Skills und Erfahrungen wahrnehmen – z.B. über Linkedin oder ein Portfolio. Sichtbarkeit sorgt dafür, dass Chancen Sie finden, statt umgekehrt!
-
Messbare Ergebnisse
Zeigen Sie intern und Ihrem Chef immer wieder, welchen konkreten Nutzen Sie dem Unternehmen bringen, idealerweise mit Zahlen! Ergebnisse zählen mehr als Aufgaben und sind immer starke Argumente für mehr Geld.
-
Passendes Umfeld
Bewegen Sie sich und suchen Sie sich ein Umfeld, das Ihren Marktwert erkennt und Ihre berufliche Entwicklung fördert. Der richtige Arbeitgeber kann Ihr (finanzielles) Wachstum massiv beschleunigen.
Wie viel Prozent mehr kann ich verlangen?
Wie hoch eine Gehaltssteigerung ausfällt, hängt maßgeblich von den bisherigen Leistungen und zukünftigen Aufgaben ab. Im Schnitt lassen sich in einem Gehaltsgespräch zwischen 3-10 % mehr Gehalt aushandeln. Bei einem externen Jobwechsel sind es oft sogar bis zu 30 %. Als Faustregeln können Sie sich merken:
Anlass |
Gehaltsplus |
| Gehaltsverhandlung nach Probezeit | + 2-3 % |
| Gehaltsverhandlung nach 1 Jahr | + 3-5 % |
| Mehr Verantwortung, neue Aufgaben | + 7-10 % |
| Beförderung | + 10-15 % |
| Abwerbung | + 15-20 % |
Tipp: Sprechen Sie stets von einer „Gehaltsanpassung“, nicht von einer „Gehaltserhöhung“. Gehaltserhöhung klingt nach „mehr Geld bezahlen“ ohne Grund. Bei einer „Anpassung“ schwingt mit, dass etwas bisher nicht korrekt war und angepasst werden muss. Also gibt es dafür einen triftigen Grund.
Kann ich jedes Jahr mehr Gehalt fordern?
Wer zu häufig nach einer Gehaltsanpassung fragt, wirkt schnell gierig. Idealerweise liegen zwischen jeder Gehaltserhöhung 12-24 Monate. Gehaltsforderungen benötigen schließlich gute Gründe. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Sie jedes Jahr Ihre Ziele übererfüllen.
Warum sollte ich meinen Marktwert ermitteln?
Der Marktwert entscheidet darüber, wie viel Sie verdienen können. Mit einem regelmäßigen Marktwert-Test verhindern Sie, sich unter Wert zu verkaufen und eine Menge Geld zu verschenken. Weitere Vorteile sind:
- Der eigene Marktwert fördert das Selbstvertrauen.
- Der Wert zeigt eine überfällige Gehaltsverhandlung an.
- Er signalisiert ein wirklich angemessenes Gehalt.
- Die Gehaltstransparenz steigert Ihre Gehaltszufriedenheit.
Wir empfehlen, dass Sie Ihren Marktwert nicht nur ermitteln, sondern anschließend gleich in eine sogenannte Leistungsmappe übertragen. Diese umfasst eine strukturierte Sammlung der besten Argumente für eine Gehaltsanpassung.
Erfolgreiches Training für mehr Geld
Fühlen Sie sich unterbezahlt oder weiterhin nicht sicher genug für eine Gehaltsverhandlung? Dann nutzen Sie zusätzlich unser erprobtes Gehaltscoaching und unsere einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung für bis zu 30 % mehr Gehalt. Wir haben unsere besten Tipps und Erfahrungen in 5 Modulen, 3 Stunden Videos und jede Menge Begleitmaterial zusammengefasst:
Was andere dazu gelesen haben
- Gehaltsvorstellung formulieren: Tipps & Beispiele für die Bewerbung
- BATNA, WATNA, ZOPA: Ihre Bedeutung im Gehaltsgespräch
- Unfaires Gehalt: Was tun gegen ungerechte Bezahlung?
- Keine Gehaltserhöhung bekommen – was tun?