Beileid bekunden Mitgefühl Trauer Trost spenden
Es ist ein Tabu-Thema, über das niemand gerne spricht, das aber trotzdem jeden betrifft und vor dem man sich nicht verstecken kann. Trauerfälle bei Freunden, Kollegen oder auch im Bekanntenkreis passieren, auch wenn man gerne die Augen davor verschließen möchte. Ändern kann man dies nicht, doch man kann in dieser schweren Zeit zusammenrücken, Mitgefühl zeigen und sein Beileid bekunden. Aber was sagt man dabei? Wir zeigen, was dabei wichtig ist - und die gute Nachricht: Die genaue Wortwahl spielt nur eine untergeordnete Rolle...

Beileid bekunden: Eine schwierige Geste des Mitgefühls

Auf einen Trauerfall oder Schicksalsschlag reagiert jeder Mensch erst einmal anders. Die eine Gruppe zieht sich vollkommen zurück, braucht Zeit für sich allein, um die Dinge zu verarbeiten und kann in dieser Zeit niemanden an sich heranlassen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Menschen, die gerade in einer solch schwierigen Phase den Kontakt und die Unterstützung ihrer Umgebung suchen.

Der Arbeitsplatz ist da keine Ausnahme. Betroffene nehmen sich zwar in der Regel einige Tage frei, doch auch bei ihrer Rückkehr steht das Thema weiterhin im Raum. Nur wie sollte darauf reagiert werden? Eine allgemeine Antwort darauf ist sehr schwer, denn das Verhalten hängt stark vom jeweiligen individuellen Verhältnis und der Situation ab, doch gibt es verschiedene Punkte, auf die Sie achten sollten.

Zunächst einmal sollten Sie es jedem selbst überlassen, wie im Job mit einem Trauerfall umgegangen wird. Vielleicht möchte ein Kollege seine Gefühle der Trauer nur im privaten Rahmen zeigen und im Beruf weiterhin auf einer rein professionellen Ebene sein. Auch wenn Sie es nur gut meinen, sollten Sie einen solchen Wunsch respektieren. Sie sind als Außenstehender ohnehin erst einmal in einer passiven Rolle. Überfallen Sie den Kollegen nicht mit einem Oh Gott, ich hab schon gehört, was passiert ist...

Solche Nachrichten sprechen sich im Büro schnell rum, doch sollten Sie es dem Betroffenen selbst überlassen, das Thema anzusprechen und sich im Vertrauen an Sie zu wenden. Auch Ihre bisherige Beziehung zum Kollegen sollten Sie berücksichtigen. Stehen Sie sich nahe und hat sich im Job eine Freundschaft entwickelt? Dann können Sie auch bei Ihrer Beileidsbekundung persönlicher werden. Handelt es sich hingegen um eine wirklich rein berufliche Beziehung, kann überschwängliches Mitgefühl schnell unauthentisch wirken.

Drücken Sie sich nicht vor Beileidsbekundungen

Egal, ob es sich um Freunde oder Kollegen handelt: Sein Beileid zu bekunden ist meist eine unangenehme Situation. Man begegnet dem anderen in einer sehr schwierigen Lage, fühlt mit ihm und ist doch hilflos. Denn so hart es klingt, wirklich bessern können Sie den akuten Schmerz nicht. Oder im Falle einer schweren Krankheiten haben Sie keine Lösung parat, die dafür sorgt, dass alles wieder gut wird, nachdem Sie Ihr Mitgefühl ausgesprochen haben. In einigen ruft diese Hilflosigkeit den Wunsch hervor, der Beileidsbekundung aus dem Weg zu gehen.

Natürlich gibt es keine Pflicht, dass Sie Ihr Mitgefühl zeigen, doch sollten Sie sich trotzdem nicht davor drücken - gleich aus mehreren Gründen: Auf der einen Seite ist es sehr egoistisch, nur an sich selbst zu denken und einer möglicherweise unangenehmen Situation auszuweichen, während es einem Freund oder Kollegenwirklich schlecht geht. Empathie zeigt ein solches Verhalten auf keinen Fall.

Außerdem sollten Sie sich immer fragen: Würden Sie das für sich wollen? Sie wären wohl ebenfalls sehr enttäuscht, wenn in dieser Situation niemand für Sie da wäre und Ihre Freunde Ihnen plötzlich aus dem Weg gehen, anstatt sich bei Ihnen zu melden.

Dass es Ihnen schwer fällt, zeigt umso mehr, wie nahe Ihnen die Situation und das Leid eines Kollegen geht. Schon deshalb sollten Sie enger zusammenrücken, statt ihrer Angst nachzugeben.

Beileid bekunden: So zeigen Sie Ihr Mitgefühl richtig

Beileid bekunden Sprüche Mitgefühl zeigenHaben Sie erfahren, dass ein Freund oder ein Kollege einen schmerzlichen Verlust erlitten hat, sollten Sie beim nächsten Treffen sofort Ihr Beileid bekunden. Eine andere Strategie ist es abzuwarten, bis der Trauernde das Thema von sich aus anspricht und erst dann die eigene Anteilnahme auszusprechen. Empfehlenswert ist jedoch der erste Ansatz. Zu warten mag vielleicht nett gemeint sein, erst Unwissenheit vorzutäuschen und anschließend überrascht und bestürzt zu spielen, ist aber alles andere als ehrlich. Da das Thema so heikel und unangenehm ist, herrscht große Unsicherheit, wie man einem Betroffenen am besten sein Beileid ausspricht. Wir haben einige Tipps zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen können:

  1. Bleiben Sie ehrlich

    Beim Beileid bekunden stellen sich viele immer die gleiche Frage: Was soll ich nur sagen? Man möchte sein Mitgefühl aussprechen, aber sinnvolle Sätze oder angemessene Worte wollen einfach nicht in den Sinn kommen. Alles scheint entweder nichtssagend oder irgendwie fehl am Platz. Wie soll man ein solch starkes Gefühl auch in Worte packen?

    Die Antwort: Mit Ehrlichkeit. Es wird nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und in den meisten Fällen kommt es gar nicht so sehr darauf an, was Sie sagen. Im Mittelpunkt steht die Geste, die Zuwendung und der Trost, die Sie dem anderen spenden. Solange Sie das, was Sie sagen, ehrlich meinen, wird die Botschaft verstanden und Sie brauchen sich über die Formulierung nicht den Kopf zerbrechen.


  2. Versetzen Sie sich ein Stück weit in die Situation

    Wenn Sie nicht wissen, wie Sie einem Freund oder auch einem Kollegen, der trauert, begegnen können, sollten Sie versuchen, sich in seine Lage hineinzuversetzen. Sie können den Schmerz nicht gänzlich nachempfinden, aber vielleicht erinnern Sie sich daran, wie Sie sich selbst in einer ähnlichen Situation gefühlt haben und was Sie in dieser Zeit gebraucht haben. Das kann manchmal einfach nur jemand sein, der zuhört oder gemeinsam in schönen Erinnerungen schwelgt.

    Ein wenig Vorsicht ist jedoch bei Vergleichen geboten: Jeder empfindet und verarbeitet die Trauer auf eine andere Weise. Manche sind sehr emotional, andere brauchen Ablenkung und wieder andere werden wütend. Auch wenn Sie sich an eigene Trauer erinnern, sollten Sie die aktuelle Situation nicht offen damit vergleichen. Bei mir war es so... oder Ich habe das gemacht... sind gut gemeinte Ratschläge, besser ist es aber, den Gegenüber bei seinem Umgang mit der Situation zu unterstützen.


  3. Spenden Sie Trost

    Eine der wichtigsten Funktionen der Beileidsbekundung ist der Trost, den man dadurch spenden möchte. Die empfundene Trauer lässt sich dadurch zwar nicht nehmen, aber hoffentlich ein wenig lindern. Verzichten Sie dabei auf jegliche Abschwächung oder Schönrederei. Mit einem Es wird alles wieder gut ist niemandem geholfen und es geht auch nicht darum, die Trauer zu unterbinden. Diese ist ein wichtiger, wenn auch schmerzlicher Prozess.

    Um Trost zu spenden, reicht es oft schon aus, einfach für den Betroffenen da zu sein, ihm in dieser Zeit zur Seite zu stehen und ihn wissen zu lassen, dass er nicht alleine ist. Bieten Sie Ihre Hilfe an, fragen Sie, ob Sie etwas tun können und sagen Sie, dass Sie immer da sind, wenn Sie gebraucht werden. Was nach Floskeln klingt, kann tröstend wirken, wenn Sie es ernst meinen und auch zu Ihrem Wort stehen.


  4. Verzichten Sie auf viele Worte

    Wenn Sie Ihr Beileid aussprechen, müssen Sie dabei nicht unbedingt viel sagen. Viele Menschen sind so ergriffen, dass Ihnen kaum ein Wort über die Lippen kommt - und das ist völlig in Ordnung. Ihre ehrliche Anteilnahme sagt oft mehr, als Sie selbst ausdrücken könnten und so können ein oder zwei Sätze bereits ausreichen, um alles notwendige zu sagen.

    Nichts zu sagen ist sogar besser, als zu viel zu sagen. Gerade wenn es sich um einen guten Freund oder eine andere Person handelt, der Sie sehr nahe stehen. Die Verständigung klappt dabei auch wenn nichts gesagt wird, es reicht eine Umarmung oder tröstende Hand auf der Schulter, damit beide Seiten wissen, was gemeint ist. Plattitüden hingegen kann man sich auch gleich sparen.


  5. Hören Sie einfach nur zu

    Manchmal brauchen Sie nach einem kurzen Es tut mir leid.. gar nicht mehr viel sagen. Es kann völlig ausreichen, wenn Sie stattdessen zuhören. Dem Betroffenen geht gerade eine ganze Menge durch den Kopf. Fragen, auf die es oft keine Antwort gibt oder Emotionen, die irgendwann raus müssen.

    Stehen Sie mit einem offenen Ohr zur Seite oder bieten Sie eine Schulter, an der man sich ausweinen kann. Wer gerade einen Verlust erlitten hat, fühlt sich oft besser, wenn er sich alles von der Seele reden konnte, was in ihm vor geht.

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