Zwischenzeugnis Anspruch: Was Sie beachten müssen

Sofern Sie ein geschätzter Mitarbeiter des Unternehmens sind, in dem Sie arbeiten, hat ein Arbeitgeber wenig Interesse daran, Ihnen eins auszustellen. Aber haben Sie auf ein Zwischenzeugnis Anspruch, sofern Sie es gut begründen können. Das sollten Sie zu Ihrem Vorteil nutzen, denn wenn Sie erst einmal ein Zwischenzeugnis haben, darf ein später ausgestelltes, endgültiges Arbeitszeugnis (etwa im Falle eines Arbeitsplatzwechsels) nicht gravierend in der Bewertung abweichen. Wann Sie Anspruch darauf haben und was Sie sonst noch zu Ihrem Zwischenzeugnis wissen sollten…

Zwischenzeugnis Anspruch: Was Sie beachten müssen

Zwischenzeugnis Anspruch: Gesetz hält sich bedeckt

Zwischenzeugnis Anspruch Gesetz Frist Vorgesetztenwechsel wie oft Formulierungen qualifiziertesWie der Begriff Zwischenzeugnis bereits vermuten lässt, wird es im Gegensatz zum üblichen Arbeitszeugnis noch während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt.

Einige Arbeitnehmer denken vielleicht, sie hätten einen generellen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Dem ist nicht so. Es existiert kein Gesetz, das den Zwischenzeugnis Anspruch regelt. Einfach aus einer Laune heraus sollte ein Arbeitnehmer nicht nach dem Zwischenzeugnis fragen, zumal es das Verhältnis zum Arbeitgeber negativ beeinflussen könnte.

Denn der naheliegendste Gedanke ist in so einem Fall, dass der Mitarbeiter mit seinem derzeitigen Arbeitsplatz unzufrieden ist und wechseln möchte. Hauptgrund für ein Zwischenzeugnis ist meist, dass in aktuellen Bewerbungen damit die aufgeführten Kompetenzen belegt werden sollen.

Selbst für den Fall, dass Sie einen Jobwechsel in nächster Zukunft anstreben, sollten Sie Ihre Zukunftspläne lieber für sich behalten.

Zwischenzeugnis Anspruch: Wann gilt er?

Übrigens hat der Arbeitgeber ein Recht darauf zu erfahren, wofür Sie ein Zwischenzeugnis verlangen. Ein Zwischenzeugnis macht nicht weniger Arbeit als ein übliches Arbeitszeugnis. Verständlich, dass die Begeisterung mancher Unternehmen darüber, nun eins auszustellen, sich in Grenzen hält.

Unabhängig davon kann es triftige Gründe geben, nach einer schriftlichen Beurteilung zu fragen. Triftige Gründe heißt, dass Ihr Interesse berechtigt ist und das sollten Sie dann auch kommunizieren. In diesen Fällen besteht ein Zwischenzeugnis Anspruch:

  • Langes Arbeitsverhältnis

    Sie sind bereits langjähriger Mitarbeiter ohne jemals beurteilt worden zu sein.

  • Vorgesetztenwechsel

    Der neue Vorgesetzte muss sich erst noch ein Bild von Ihnen machen.

  • Abteilungswechsel

    Bei Ihnen steht ein Wechsel in eine andere Abteilung an, der neue Vorgesetzte kennt Sie nur flüchtig.

  • Beförderung

    Mit einer Beförderung gehen neue Verantwortlichkeiten einher, für den bisherigen Job ist eine abschließende Benotung erwünscht.

  • Weiterbildung

    Wer sich durch eine Weiterbildung höher qualifiziert, kann neue Positionen bekleiden und neue Aufgaben übernehmen – ähnlich wie bei einer Beförderung oder Versetzung.

  • Betriebsübernahme

    Bei Betriebsübernahmen oder Fusionen kommt es immer wieder zu Entlassungen aufgrund doppelter Arbeitsplätze. Entsprechend vorzusorgen, kann Ihnen niemand verübeln.

  • Befristetes Arbeitsverhältnis

    Einen Zwischenzeugnis Anspruch haben Sie ebenfalls bei einem befristeten Arbeitsverhältnis, um bereits bei potenziellen neuen Arbeitgebern bisherige Tätigkeiten nachweisen zu können.

  • Stellenabbau

    Das gleiche gilt bei geplantem Stellenabbau aufgrund finanzieller Einbrüche.

  • Elternzeit

    Elternzeit bedeutet in der Regel eine längere Auszeit und markiert eine Zäsur im bisherigen Berufsleben. Hier ist ein Zwischenzeugnis eine Möglichkeit, sich einen Überblick über die bisherige Karriere zu verschaffen.

  • Auszeit

    Wer eine längere Auszeit plant – beispielsweise für ein Sabbatical oder Zweitstudium – kann sich ebenfalls verdeutlichen, wo er karrieretechnisch steht.

Diese Fälle markieren jeweils einen Zeitpunkt, an dem Sie ohne große Bedenken nach einem Zwischenzeugnis fragen können, ohne Gefahr zu laufen, dass sich das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Chef drastisch verschlechtert.

Einen Zwischenzeugnis Anspruch haben Sie außerdem, wenn dieser im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag vereinbart wurde.

Zwischenzeugnis Anspruch: Frist für Erstellung und Korrektur

Unternehmen können im Arbeitsvertrag Ausschlussfristen festsetzen, innerhalb derer sie ein Zeugnis noch ausstellen. Mit Verstreichen dieser Frist kann ein Arbeitnehmer keinen Anspruch mehr auf ein Zeugnis geltend machen. Üblicherweise ist dies bei Arbeitszeugnissen mit Ausscheiden aus dem Betrieb der Fall.

Sind keine Ausschlussfristen festgelegt, ermöglichen Gerichte oftmals nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Zeit zwischen 6 und 36 Monaten, in denen ein Arbeitnehmer doch noch einen Anspruch geltend machen kann. Allerdings ist die Rechtsprechung diesbezüglich recht uneinheitlich und abhängig von Kriterien wie der Dauer des Arbeitsverhältnisses oder der Stellung im Unternehmen.

Es gilt also sich rechtzeitig um ein Zeugnis zu bemühen, ganz gleich ob es ein Arbeitszeugnis oder ein Zwischenzeugnis ist. Im Falle eines weiterhin bestehenden Arbeitsverhältnisses, beispielsweise bei einer Versetzung, kann ein Zwischenzeugnis Anspruch auch mit zeitlichem Verzug noch bestehen.

Sie sollten Ihrem ehemaligen Vorgesetzten gegenüber erklären, wofür Sie das Zwischenzeugnis brauchen – etwa eine berufliche Weiterbildung oder Ähnliches. Fristen können sich auch ergeben, wenn Sie ein Zwischenzeugnis erhalten haben und formale oder inhaltliche Fehler entdecken.

Für solche Korrekturen haben Sie in der Regel zwischen drei und sechs Monaten Zeit, ein neues Zwischenzeugnis zu verlangen.

Qualifiziertes Zwischenzeugnis: Anspruch oder nicht?

Zwischenzeugnis Anspruch Gesetz Frist Vorgesetztenwechsel wie oft Formulierungen qualifiziertBezüglich des Inhalts und der formalen Gestaltung gibt es keine Unterschiede zwischen einem endgültigen Arbeitszeugnis und einem Zwischenzeugnis. Unterschiede gibt es nur insofern, dass Sie wie bei einem Arbeitszeugnis zwischen qualifiziert und einfach unterscheiden können.

Üblicherweise erhält der Arbeitnehmer ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, auf das er Anspruch hat. Nur in manchen Fällen empfiehlt sich ein einfaches Arbeitszeugnis. Das hat die Besonderheit, dass eine Beurteilung des persönlichen Verhaltens und der Leistungen des Arbeitnehmers nicht aufgeführt werden.

Stattdessen geht es ausschließlich um eine Wiedergabe der Tätigkeiten. Zum Einsatz kommt so ein einfaches Arbeitszeugnis daher nur, wenn die Tätigkeit nur von kurzer Dauer war oder das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht besonders gut.

Folglich sollten Sie sich also auch ein qualifiziertes Zwischenzeugnis ausstellen lassen, um nicht bei einem potenziellen Arbeitgeber den Anschein zu erwecken, dass zwischen Ihnen und Ihrem Vorgesetzten aktuell Eiszeit herrscht.

Zwischenzeugnis: Formulierungen selbst ausarbeiten

Wie bei einem qualifizierte Arbeitszeugnis haben Sie beim Zwischenzeugnis Anspruch darauf, dass alle wesentlichen Tätigkeiten aufgeführt werden und der Wahrheit entsprechen. Darüber hinaus sollten keine Selbstverständlichkeiten betont und das Zwischenzeugnis in einem wohlwollenden Ton verfasst werden.

Hier liegt übrigens ein großer Vorteil eines Zwischenzeugnisses: Es setzt gewissermaßen den Standard für ein späteres Arbeitszeugnis. Die Rede ist von der sogenannten „Bindungswirkung“, heißt: Das Abschlusszeugnis muss an die Beurteilung aus dem vorangegangenen Zwischenzeugnis knüpfen.

Das gilt auch, wenn bereits eine längere Zeit vergangen ist: Nur falls sich erhebliche Änderungen im Leistungsvermögen feststellen lassen, darf das Arbeitszeugnis vom besseren Zwischenzeugnis abweichen.

Wenngleich sich im Laufe der Zeit eine regelrechte Zeugnissprache entwickelt hat, sind Geheimcode-Formulierungen offiziell verboten.

Geht es um den genauen Tätigkeitsbereich, kann es sinnvoll sein, die Formulierungen selbst auszuarbeiten. In den seltensten Fällen sind die Personalverantwortlichen im Detail mit den Aufgaben vertraut und können keine aussagekräftigen Beispiele anführen.

Achten Sie darauf, dass die Formulierungen in der Gegenwart gehalten sind, denn das Arbeitsverhältnis besteht ja noch fort: Wären sie in der Vergangenheitsform, könnte beim Leser der Eindruck entstehen, dass die Kündigung schon fest eingeplant sei.

Zwischenzeugnis Anspruch: Geeigneten Zeitpunkt wählen

Zwischenzeugnis Anspruch Gesetz Frist Vorgesetztenwechsel wie oft Formulierungen qualifiziertSie wollen etwas von Ihrem Chef. Da ein Zwischenzeugnis zusätzliche Arbeit für ihn bedeutet, sollten Sie den Zeitpunkt und die Worte für Ihre Anfrage mit Bedacht wählen.

Je nachdem, wie gut das Verhältnis ist, bietet es sich an, reinen Wein einzuschenken oder aber sie passen eine der oben genannten Situationen ab und kündigen „berechtigtes Interesse“ an.

Was Sie vermeiden sollten:

  • Ihren Vorgesetzten bei offensichtlichem Stress und Termindruck anzusprechen.
  • Ihn um einen Gefallen zu bitten, wenn Sie gerade ein Projekt in den Sand gesetzt haben.

Sinnvoller ist es, einen guten Zeitpunkt zu erwischen, etwa wenn er erholt aus dem Urlaub zurück ist (allerdings nicht am ersten Tag – da liegt für gewöhnlich viel an). Ebenfalls bietet sich ein Mitarbeitergespräch dafür an, nach einem Zwischenzeugnis zu fragen.

Haben Sie in letzter Zeit maßgeblich zum Unternehmenserfolg beigetragen, dürfte Ihre Anfrage deutlich positiver aufgenommen werden. Wer diese Punkte beachtet, erhöht die Chancen auf ein gutes Zwischenzeugnis. Denn auch dem Arbeitgeber ist letztlich nicht daran gelegen, seinen Mitarbeiter zu vergraulen, sondern das Arbeitsklima möglichst gut zu erhalten.

Um Zweifel an Ihrer Motivation zu zerstreuen, sollten Sie nach Erhalt eines Zwischenzeugnisses genauso engagiert weiter arbeiten wie zuvor.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Mehr als 200 Codes entschlüsselt

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27. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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