Wer beruflich einige Zeit ins Ausland geht, tut einiges für seine Karriere – aber anders als Sie jetzt denken. Denn oftmals erwartet die Heimkehrer ein Schock: Der Posten daheim – wegstrukturiert. Das persönliche Netzwerk – zerfasert. Schon im vergangenen Jahr konnte Monika Hamori, Professorin an der spanischen Business School IE in Madrid, in einer Studie zeigen, dass Expatriates, kurz Expats, deutlich langsamer Karriere machen als ihre Kollegen, die in der Firmenzentrale bleiben. Bei dem Vergleich der Lebensläufe kam heraus: Führungskräfte, die daheim bleiben, steigen rund zwei Jahre schneller auf als die temporären Auswanderer. Zwar gilt in vielen Unternehmen ein Auslandsaufenthalt nach wie vor als Voraussetzung für einen beruflichen Aufstieg. Doch wer bei Abschluss eines solchen Arbeitsvertrages nicht ganz genau aufpasst, kann hinterher statt einer Beförderung eine böse Überraschung erleben.

Ungeachtet all dieser Risiken steigt jedoch die Zahl der Expatriates. Allein seit 2008 sind die Auslandsentsendungen um vier Prozent gestiegen. In der Hälfte der Unternehmen haben kürzere Auslandeinsätze zugenommen. Der Bildungsanbieter Berlitz hat das in einer Studie (“The Global Expatriation Observatory”) jetzt genauer untersucht. Insbesondere wurden Manager zu Motivationen und Erfahrungen im Ausland befragt und woran es beim erfolgreichen Auslandseinsatz hapert. Die Untersuchung selbst ist ziemlich lang und in weiten Teilen wortreich, daher an dieser Stelle nur die Essenz:

  • In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Expatriates, kurz Expats, weltweit um 40 Prozent gestiegen. Gegenwärtig sind über 1,5 Millionen Manager temporär im Ausland tätig.
  • Der typische Expat ist jung (20-35 Jahre), männlich (drei Viertel) und hat ein hohes Bildungsniveau. Weibliche Expats sind durchschnittlich jünger als ihre männlichen Kollegen; mehr als die Hälfte ist unter 30 und Single.
  • Die meisten Expats sind nicht ausreichend auf ihren Auslandeinsatz vorbereitet. Sowohl die Unternehmen als auch die Entsendeten selbst planen die Auslandsaufenthalte überwiegend schlecht.
  • Nach dem Auslandsaufenthalt wurde mehr als der Hälfte der Manager klar, dass nicht etwa die Sprache die größte Herausforderung war, sondern die Anpassung an das neue Arbeitsumfeld.
  • Die wichtigsten Kompetenzen für zukünftige Auslandsentsendungen sind nicht Selbstbewusstsein oder Selbstständigkeit, sondern Anpassungsfähigkeit, Offenheit und Flexibilität.