Dem ersten Eindruck haftet eine schier unerträgliche Endgültigkeit an: Es gibt für ihn keine zweite Chance. Umso schlimmer, dass er nur ganze 150 Millisekunden benötigt, um sich zu manifestieren. Solange braucht das Gehirn, um einen optischen Reiz zu verarbeiten. Danach steht in Grundzügen fest, wie wir eine Person einschätzen, wer uns als sympathisch, leistungsfähig, zuverlässig und durchsetzungsstark erscheint und wer nicht. Weil wir von dieser ersten Wahrnehmung kaum wieder abrücken, beeinflusst sie enorm unseren beruflichen Erfolg. Denn um uns in einer komplexen Welt zurechtzufinden, bilden wir alle Stereotypen: Schublade auf, Mensch rein. Auf Grund solcher Schemata werden dann unbewusst Voraussagen über das Wesen und Verhalten eines Menschen getroffen. Wen der Chef etwa für kompetent hält, dem überträgt er wichtige Aufgaben. Mit diesen kann sich derjenige leicht profilieren, was den Chef wiederum in seiner Erstauffassung bestätigt. Ein Kreislauf nach oben entsteht. Leider funktioniert er auch anders herum.


In diesem Zusammenhang spielt gutes Aussehen eine ungerechte, aber entscheidende Rolle. Zahlreiche Studien belegen die positive Wirkung von gutem Aussehen und Erfolg. Mit attraktiven Menschen verbinden wir durchweg gute Eigenschaften, wie Gesundheit, Intelligenz und Leistungskraft – auch sexuelle. Woraus sich die Frage ergibt: Was macht überhaupt attraktiv?

Auch hierzu gibt es längst eine Reihe von Untersuchungen. Grob zusammengefasst machen folgende Attribute einen Menschen schön:

  • Eine glatte, intakte Haut sowie ein schlanker Körper. Allesamt sind sie Zeichen für Vitalität.
  • Bei Männern ein Verhältnis von Taillenumfang zu Hüftumfang zwischen 0,9 und 1,0, weil das auf einen hohen Testosteronspiegel und damit auf sexuelle Potenz wie körperliche Stärke hinweist. Bei Frauen liegt der Idealwert bei 0,7. Das signalisiert Fruchtbarkeit.
  • Körpergröße. Vor allem Männer profitieren davon. Männer, die größer als 1,82 Meter sind, bringen später knapp sechs Prozent mehr Gehalt nach Hause als ihre durchschnittlich hoch geratenen Kollegen, so Forscher von der Londoner Guildhall Universität, die dazu 11.000 Berufstätige befragten.
  • Kindchenschema. Frauen wiederum macht die Kombination aus Reifekennzeichen (hohe, konkave Wangen) sowie infantilen Signalen (großer Kopf, gewölbte Stirn, große runde Augen, Stupsnase, kleines Kinn) attraktiv. Der Prototyp einer solchen Kindfrau ist übrigens Brigitte Bardot. Frauen wie sie lösen unbewusst einen Aufmerksamkeits- und Fürsorge-Reflex aus.
  • Durchschnittlichkeit. Tatsächlich: Je gewöhnlicher das Gesicht, desto attraktiver finden wir es (Langlois & Roggman, 1990). Das zeigen vor allem Untersuchungen, bei denen Porträts am Computer gemorpht, also übereinander gelegt, wurden. Wobei man einräumen muss, dass durch die Mittelwertsbildung in erster Linie unschöne Asymmetrien und Fältchen und Hautunreinheiten ausgeglichen wurden.
  • Symmetrie. Insbesondere Gesichtssymmetrie wirkt sich positiv auf entgegengebrachte Sympathien aus. Dies zeigt sich plakativ bei sogenannten Chimärengesichtern, also Porträts die am Computer durch spiegeln der jeweiligen Gesichtshälfte erzeugt werden. Das so symmetrisch erzeugte Gesicht besteht dann entweder aus zwei linken oder zwei rechten Gesichtshälften.

Die unterschiedliche Wirkung dieser Chimärengesichter ist allerdings enorm. Denn sie sind nicht beide automatisch attraktiver als das normale, unsymmetrische Gesicht. Teilweise tritt dabei sogar die sprichwörtliche Schokoladenseite deutlich zutage. Ein Beispiel:

Chimaere

Das mittlere Bild zeigt das Original; das linke Gesicht besteht aus zwei linken Gesichtshälften, das rechte aus zwei rechten Seiten. Und?! Wen finden Sie attraktiver? Bei Roland Kopp-Wichmann fand ich einen Link zu dieser Seite, wo man kostenlos sein eigenes Gesicht einem Symmetrietest unterziehen kann: Einfach Porträt hochladen, Spiegelachse festlegen und sehen, was passiert.

Der Einfluss der Symmetrie auf die Attraktivität ist allerdings nicht so groß, wie oft behauptet wird. So zeigen Versuche, dass asymmetrische Gesichter zwar häufiger unattraktiv empfunden werden, unattraktive Gesichter aber deswegen nicht asymmetrisch, beziehungsweise sehr symmetrische Gesichter nicht automatisch attraktiv sein müssen. Eine versöhnliche Erkenntnis für nicht ganz so perfekte Gesichter. Immerhin.