Blauer Teststreifen, Kind unterwegs? Eine nach wie vor heikle Situation, gerade für berufstätige Frauen. Vor allem wenn sie erst vor kurzem eingestellt wurden und der Chef gerade große Pläne mit ihnen macht. Dann wegen einer Schwangerschaft ein Jahr oder gar drei auszufallen, verhagelt dem Boss seine gesamte Personalplanung. Die Reaktionen reichen da von verhaltenem Verständnis bis hin zu Mobbing und Schikane. Wie also sagt man es dem Chef am besten – und wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?
Zuerst muss man natürlich klar vorweg sagen: Eine Patentlösung dafür gibt es nicht, kann es auch nicht geben. Denn jeder Chef ist anders und vieles hängt eben auch von der jeweiligen Position der werdenden Mutter ab. Für eine Berufseinsteigerin lässt sich leichter eine Interimslösung finden als für eine gut vernetzte Managerin, die den Laden aus dem Eff-Eff kennt. Arbeitsrechtlich ist es aber klar: Den Zeitpunkt der Offenbarung bestimmt die Frau. Allerdings dürfen werdende Mütter nicht mehr als 8,5 Stunden täglich oder 90 Stunden pro Doppelwoche arbeiten. Sich damit zu erklären, bringt also auch einen gewissen Schutz.
Zugleich stecken hinter der Frage nach dem wann und wie gleich mehrere Ängste und Annahmen:
- Die einen plagt – wohl auch nicht immer zu unrecht – die Sorge, mit der Karriere sei es mit Bekanntwerden der Schwangerschaft vorbei. Der Boss könnte sauer sein, sich hintergangen fühlen, weil er sich nun um personellen Ersatz kümmern und seine Abteilungspläne neu justieren muss. Deswegen wollen die betroffenen Frauen es so spät wie möglich sagen. Verständlich.
- Andere wollen sich auf keinen Fall vor der zwölften Woche erklären. Bis dahin können immer wieder Komplikationen auftreten. Manche verlieren schlimmstenfalls ihr Kind. Haben sie ihre Schwangerschaft aber vorher schon bekannt gegeben, stecken sie automatisch in Erklärungsnot – und das ist das Letzte, was eine Frau in einer solchen Situation braucht.
- Dann gibt es noch die Sorge vor allzu gutmeinenden Kollegen und Kolleginnen, die einen ungefragt mit Ratschlägen und Weisheiten bombardieren, sobald die gute Nachricht raus ist. Plötzlich sind alle besonders zuvorkommend und rücksichtsvoll und die Schwangere fühlt sich bald, als sei sie schwer erkrankt und nicht in froher Erwartung.
- Das Gegenteil gibt es aber auch: Kaum weiß das Team, dass die Kollegin schwanger ist, behandeln sie sie besonders rücksichtslos, Motto: „Die soll sich nicht so anstellen, ist schließlich die normalste Sache der Welt.“ Auch nicht schön.
Das ist es aber nicht allein. Mit der Schwangerschaft und dem damit veränderten Hormonhaushalt verändern sich zahlreiche Sinne – vor allem der Geruchs- und Geschmackssinn. Dinge, die sie früher mochte, werden ihr plötzlich unangenehm. Kaffeeduft zum Beispiel. Oder der Geschmack von Fisch und Zitrusfrüchten. Selbst Körpergerüche nehmen schwangere Frauen intensiver wahr – was, je nach Kollege, sehr unangenehm werden kann. Wenn sie dann plötzlich nicht mehr zum Plausch mit in die Kaffeeküche kommt, das gemeinsam Mittagessen in der Kantine schwänzt oder gegenüber bestimmten Kollegen auf Distanz geht, kann das Klatsch und böse Gerüchte auslösen: „Die ist in letzter Zeit immer so schnippisch.“ „Die ist doch total arrogant!“ „Glaubt die etwa, sie ist was Besseres?“
Hinzu kommen Stimmungsschwankungen. Gerade in den ersten drei Monaten gesellt sich dann auch noch häufig Übelkeit am Morgen oder gar den ganzen Tag über hinzu. All das belastet die eigene Leistung, bleibt also nicht lange verborgen und zwingt die Frauen früher oder später zu einer Erklärung.
Offensichtliche Erklärungsnot
Entsprechend vielschichtig ist damit auch die Antwort auf die Frage des Wann: Solange Sie sich wohl damit fühlen, können Sie die Sache für sich behalten – für die ersten drei Monate ist das völlig okay. Danach aber wäre es gut – schon aus Fairnessgründen – mindestens den Chef einzuweihen. Denn der braucht diese Information schließlich, um entsprechend für die Mutterschutz-Zeit vorzuplanen – und erst recht, wenn Sie für länger in die Elternzeit gehen.
Überhaupt sollte es der Chef möglichst als erster im Team und nicht über Dritte erfahren. Ganz besonders falls Sie wissen (oder ahnen), dass er Sie gar für eine Beförderung vorgesehen hat. Dann gilt: Je eher er von dem Baby weiß, desto besser. Klar, ist die Beförderung damit höchstwahrscheinlich futsch, aber alles andere würde er Ihnen – zu Recht – als Heimtücke auslegen, Motto: Den Scheck nimmt sie noch mit, aber dann lässt sie mich sitzen. Ein schwerer Bruch im Vertrauensverhältnis wäre die Folge. Und der Start im neuen, besser dotierten Job nach der Rückkehr in den Beruf wird damit auch nicht leichter.
Wenn Sie den Boss bitten, behält er die Sache sicher noch eine Weile für sich und überlässt Ihnen das Privileg, die Nachricht zu verbreiten. Sollten Sie aber spüren, dass die Kollegen früher als im vierten Monat Veränderungen an ihnen registrieren, die Spekulationen auslösen, ist es besser sich zu outen. Nur behalten Sie immer die Initiative!
Mit der Kunde solange zu warten, bis es ohnehin jeder sieht, wäre unschön und unprofessionell dazu. Wesentlich besser: Die Schwangerschaft offenbaren, zugleich aber eigene Vorschläge mitbringen, wie Ihr Vorgesetzter und die Abteilung Ihr temporäres Fehlen optimal überbrücken können.







Jana
Noch schwieriger ist die ganze Situation, wenn mit der Bekanntgabe in bestimmten Branchen ein Beschäftigungsverbot droht. Davon bin ich selbst betroffen. Ich liebe meinen Job und habe die Schwangerschaft meinem Chef und den Kollegen vorenthalten bis es nicht mehr zu verbergen war. Zum Glück haben wir ein super Betriebsklima und es hat keinem geschadet, denn natürlich wurde getuschelt und gerätselt. Für mich war es undenkbar z.B. schon von Anfang an zuhause bleiben zu müssen. Ist doch die Zeit nach der Geburt auch noch lang genug.
Nun bin ich daheim und nutze die Zeit anderweitig (Fortbildungen etc.) und freue mich auf mein Kind und die Rückkehr in den Job.
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Daniela
“Der Boss könnte sauer sein, sich hintergangen fühlen, weil er sich nun um personellen Ersatz kümmern und seine Abteilungspläne neu justieren muss.” – Also mal ehrlich, ein bisschen Menschenverstand stehe ich der Managementriege jetzt schon noch zu. Wenn der Boss eine Frau zwischen 20 und 40 einstellt, sollte es ihn nicht überraschen, wenn diese schwanger wird. Das ist doch biologisch so vorgesehen. Dann darf er eben keine Frauen im gebährfähigen Alter einstellen. Ach da fällt mir ein, ältere Arbeitnehmer sind ja ständig krank und nicht mehr so leistungsfähig und zu junge Arbeitnehmer haben nicht genügend Erfahrung. Wie mans auch dreht und wendet, wenn man will, findet man das Haar in der Suppe schon. :-)
Jochen Mai
@Daniela: Du bringst da war durcheinander: Es geht nicht darum, dass eine Frau im gebährfähigen Alter tatsächlich ein Kind bekommt. Es geht darum, dass Sie weiß, dass Ihr Boss sie fest einplant – und zwar so, dass er auf sie nur schwer verzichten kann – und sie sich dann heimlich (!) entschließt, doch lieber ein Kind zu bekommen. Gegen die Entscheidung für das Kind ist überhaupt nichts zu sagen, dass ist schließlich ihr gutes Recht. Nur sollte sie dann so fair sein, dem Chef frühzeitig eine Chance zu geben, umzuplanen. Oder anders formuliert: Der Chef rechnet sicher damit, dass seine jungen Mitarbeiterinnen irgendwann auch mal schwanger werden könnten. Nur gibt es aus seiner Sicht dafür gute Zeiten und schlechte. Ein bisschen gegenseitige Rücksichtnahme und weniger Pochen auf Rechte tut dem Klima sicher besser.
Daniela
Hallo Jochen, in der Theorie magst du Recht haben, dass ein bisschen gegenseitige Rücksichtnahme wohl verlangt werden kann. Auch von den Frauen, die ein Kind (oder auch mehrere) in ihre Lebensplanung “einbauen”. In der Praxis sieht es häufiger doch anders aus. Denn nicht selten hält sich die Natur an die Pläne des Menschen. Überspitzt lässt sich ja zum Beispiel so argumentieren:
Ein Kind passt nicht
- wenn man 20 ist – da ist man zu jung.
- wenn man in der Ausbildung ist – da würde man was verpassen.
- wenn man im ersten Job ist – da muss man sich seine Sporen verdienen
- wenn man im zweiten Job ist – wegen der Rücksichtnahme und der Fairness und der Schwierigkeit, Ersatz zu finden.
Irgendwann passt dann ein Kind, aber dann will die Natur nicht mehr.
Das ist natürlich sehr schwarz gemalt. Zum Glück lassen sich ja doch viele Frauen und Männer auf das “Risiko Kind” ein. Ich finde es nur wichtig, dass man mal darauf hinweist, in welcher Zwickmühle man stecken kann, sobald das Thema Kind auf den Tisch kommt.
Ich würde mir wünschen, dass das Kinder kriegen positiver bewertet würde und nicht immer mit den Schlagworten “Ersatz finden”, “Karriereknick” oder gar “Kind-Karriere-Spagat” einhergeht. Ich finde es nämlich nicht gut, wenn Frauen ein schlechtes Gewissen ihrem Chef gegenüber haben, weil sie schwanger sind.
Guenter
Ein sehr guter Artikel, der gute Ansätze zur Lösung dieses Problems bietet. Ich kenne viele Frauen in meinem Alter, die mit der Mitteilung ihrer Schwangerschaft an den Chef oder Arbeitgeber ihre liebe Not hatten.
Ich stimme vollkommen zu, dass man es so früh wie möglich tun sollte. Denn die betriebliche Realität ist nun einmal, dass man neue qualifizierte Arbeitnehmer nicht von heute auf morgen bekommt. Und wenn dann noch eine bestimmte Einarbeitungszeit benötigt wird, wünscht man sich als Arbeitgeber sicher, so früh wie möglich davon zu erfahren.
Ich glaube, dass dies aber auch für Frauen, die nach der Schwangerschaft wieder in den Beruf zurückkehren wollen, eine gute Seite hat. Denn durch die Art wie sie den Betrieb in die Mutterschaftszeit verlassen, empfehlen sie sich gleichzeitig auch für den späteren Karriereweg in diesem Unternehmen.