Ich sterbe vor Langeweile. – Die Phrase scheint wahrer zu sein, als der Volksmund glauben mag. Denn Langeweile kann tatsächlich die natürliche Lebenserwartung eines Menschen verkürzen, so die Langzeitstudie Whitehall Study von Annie Britton und Martin Shipley, beide tätig an der School of Life and Medical Sciences am University College London. Bereits in den späten Achtzigerjahren wurde dazu unter mehr als 7500 Londoner Beamten (sic!), zwischen 35 und 55 Jahren, eine Langzeitstudie durchgeführt.

Die Teilnehmer wurden unter anderem gefragt, ob sie sich innerhalb des letzten Monats während der Arbeit gelangweilt hatten. Jahre später wurde recherchiert, welche der befragten Staatsdiener bis einschließlich April 2009 verstorben waren. Das Ergebnis ist verblüffend:

  • Diejenigen, die geantwortet hatten im Job sehr gelangweilt zu sein, starben früh an Herzproblemen – und zwar 2,5 Mal so oft, wie ihre nicht gelangweilten Kollegen.

Zum besseren Verständnis und zum Vergleich:

  • Raucher leiden im Schnitt doppelt so oft an Herzkrankheiten wie Nichtraucher.
  • Menschen, die sowohl von Fettsucht wie hohem Blutdruck und Diabetes geplagt sind, werden doppelt so oft von einem Herzinfarkt getroffen wie Normalbürger.

Dies belegt eine Studie der American Heart Association, durchgeführt unter anderem von Deepak Bhatt.

Das heisst:

Das Risiko, durch erhöhte Langweile (im Job) zu sterben, ist nicht weniger gering, als bei den oben genannten Beispielen. Eher ist es größer.

So verkürzt ist das, zugegeben, etwas überspitzt, denn die Langeweile ist nicht die eigentliche Todesursache. So fanden die Forscher ebenfalls heraus: Menschen, die sich öfter langweilen, scheinen einen weniger gesunden Lebensstil zu pflegen. Statt zum Beispiel ihre Nudeln am Herd selbst zu kochen, öffnen sie einen Pott Nudelterrine, drehen den Knopf an der Mirkowelle und langweilen sich kurz darauf schon wieder auf dem Bürosessel weiter.

Aber auch völlig gestresste Menschen können sich der gepflegten Faulheit hingeben – etwa, indem sie abends nur noch vor dem Fernseher lümmeln und sich berieseln lassen. Natürlich ist nicht jeder faul, der viel gearbeitet hat und abends einfach zu kaputt ist, um mehr zu leisen, als einen Spielfilm zu glotzen. Fakt aber ist: Das Gehirn verkümmert bei den abendlichen Fernsehfreuden. So oder so. Die grauen Zellen brauchen regelmäßig neue Reize, sie verlangen nach Herausforderung und Aktivität. Menschen, die sich chronisch langweiligen, sind dagegen schlicht nicht neugierig genug.

Neugierde hält unser Gehirn jung

Nun nimmt die Gehirnfunktion mit zunehmenden Alter immer schneller ab, daher sollten wir uns auch bis ins hohe Alter geistig fordern. Zum Beispiel beim Schach. Rein zur Prophylaxe können Sie bereits heute damit beginnen, denn ein neugieriger und abenteuerlustiger Geist ist ein wichtiger Schritt gegen Alzheimer und Parkinson. Nicht nur unter medizinischen Gesichtspunkten lohnt sich Hirnjogging, auch für Sie persönlich ist es gewinnbringend. Ein paar interessante Gedanken und Zitate zum Thema Neugier finden Sie in diesem Beitrag oder Sie trainieren Ihr Gehirn mit diesen Kopfnüssen.

Fünf Tipps gegen Langeweile im Büro

Darüber hinaus können Sie im Job noch Folgendes tun:

  1. Analysieren Sie, ob der Job an sich oder die tägliche Routine die Langweile verursachen. Routinearbeiten gibt es in jedem Job.
  2. Finden Sie heraus, wo das eigentliche Problem liegt. Es muss nicht immer der Chef oder die Kollegen schuld an Ihrer Misere sein.
  3. Versuchen Sie, eine andere Position im Unternehmen zu bekommen. Hören Sie sich bei Kollegen um und bewerben Sie sich intern.
  4. Machen Sie eine Pause. Nehmen Sie Ihren Urlaub oder überlegen Sie, ob ein Sabbactical das Richtige wäre.
  5. Wenn nichts hilft, erwägen Sie einen Jobwechsel – Sie müssen Ihre Fähigkeiten und Ihr Potenzial nicht verschenken.

Sie haben nur ein Leben, verbringen Sie es nicht gelangweilt auf der Arbeit…