Psychopathen im Job: Rechtzeitig erkennen
Psychopathen im Job: Eine ganz und gar nicht seltene Spezies. Denn die typischen Wesenszüge eines Psychopathen sind - leider Gottes - oft das perfekte Rüstzeug für eine große Karriere. Vielleicht lauert auch in Ihrer Abteilung oder Firma ein solches Exemplar, vor dem man sich besser in Acht nimmt. Aber wie kommt man ihm auf die Schliche? Schwierig, aber nicht unmöglich, wenn man weiß, wie Psychopathen ticken ...

Psychopathen im Job: An jeder Ecke

Während nur ein Prozent der Gesamtbevölkerung psychopathische Züge aufweist, sind es bei Wirtschaftsbossen schon drei Prozent. Zu diesen Zahlen kam vor wenigen Jahren eine Studie im Fachjournal Behavioral Sciences & the Law. Zum Vergleich: Von den Insassen in US-Gefängnissen sind sogar 15 Prozent psychopathisch veranlagt.

Dabei ist Psychopathie kein festes Krankheitsbild, lässt sich unter die antisoziale Persönlichkeitsstörung subsumieren, hinter der genetische Veranlagung, aber auch traumatische Kindheitserlebnisse stecken können. Schon im Teenager-Alter werden typische Wesenszüge oft sichtbar, Aggressivität und Impulsivität etwa. Wenn, brutal veranschaulicht, kleine Jungs einem Frosch mit großem Vergnügen die Beine herausreißen, könnte man dies schon mal als Warnzeichen deuten. Grundsätzlich sind Männer, so schätzen Forscher, deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Die Zahlen oben deuten an: Die typischen Eigenschaften eines Psychopathen führen einen oft geradewegs in den Knast. Aber sie gereichen andererseits in der Business-Welt oft zum Vorteil. Ja, manchmal prädestinieren sie zu einer glorreichen Karriere in der Wirtschaft.

Möglicherweise gilt das auch für jemanden in Ihrem beruflichen Umfeld. Aber woran erkennt man einen Psychopathen eigentlich - ganz konkret? Zum Beispiel daran ...

5 Anzeichen, an denen Sie einen Psychopathen erkennen

  1. Sie manipulieren

    Psychopathen sind in der Lage, andere Menschen emotional zu manipulieren. Sie spielen den Kümmerer, Versteher, Rückenfreihalter, scheren sich in Wahrheit aber keinen Deut um Ihre Probleme. Beliebte Tricks können sein (allerdings nicht nur von Psychopathen): Sie bitten Sie im Büro um einen Gefallen, allerdings auf privater Ebene. Konsequenz: Wer auf der persönlichen Ebene abgeholt wird, ist dem anderen gegenüber deutlich empfänglicher und wohlgesonnener, als wenn es sich "nur" um einen beruflichen Gefallen handelt. Zweiter Trick: Sie imitieren Ihre Köpersprache: Auch das ist ein Mittel, um sich die Sympathien des Gegenübers zu sichern. Noch ein Trick: Sie jagen Leuten Angst ein - um ihnen im Anschluss das Gegenmittel zu verkaufen. Nach dem Motto: "Der Chef wird furchtbar sauer sein. Überlass das mir, ich kriege das schon wieder hin."

  2. Sie gehen Risiken ein

    Im Privaten äußert sich Sicherheitsdenken in den zahlreichen Versicherungspolicen in der Schublade - oder dem Pfefferspray in der Handtasche. Im Beruflichen bewahrt es einerseits vor Fehlern, hemmt aber umgekehrt Unternehmertum. Für Psychopathen kein Thema, denn die meisten scheuen vor Risiken nicht zurück. Sie lügen, schummeln, tricksen, täuschen. Das fängt im Kleinen an, kann sich aber steigern, in kriminelle Energie ausarten. Daher: Vorsicht vor Kollegen, die Sie schon einmal angelogen oder ausgetrickst haben. Allerdings müssen Sie ihnen erst einmal auf die Schliche kommen. Denn viele Psychopathen sind überdurchschnittlich intelligent und daher in der Lage zu planen, zu antizipieren, sich akribisch vorzubereiten. Besonders gruselige Beispiele findet man in der Popkultur: Hannibal Lecter aus "Das Schweigen der Lämmer" zum Beispiel, oder Kevin Spacey alias John Doe in "Sieben".

  3. Sie sind arrogant

    Arroganz äußert sich nicht nur in offener Selbstgefälligkeit oder gestelztem Auftreten. Sie kann sich auch in der Ignoranz gegenüber Regeln manifestieren. Man stellt sich über die Firmenleitlinien, pfeift auf die Vorgaben, hält sich nicht an Absprachen. Wenn Ihr Kollege systematisch Regeln bricht, steckt also vielleicht ein Psychopath dahinter. Außerdem problematisch: Arroganz verstärkt sich selbst, so lange man erfolgreich ist, gute Erfahrungen mit ihr macht. Und als CEO oder Top-Manager kann man sich Arroganz nun einmal leisten - vielleicht ein Grund, warum in den höheren Wirtschaftsetagen die Psychopathendichte (angeblich) höher ist.

  4. Sie zeigen keine Reue

    Ihr Kollege hat Sie vor versammelter Mannschaft lächerlich gemacht. Oder Ihnen ein schönes Projekt vor der Nase weggeschnappt. Oder er wischt Ihre Einwände beiseite, mit dem Verweis, doch bitte nicht so empfindlich zu sein. Und das Schlimme daran: Es tut ihm in keinster Weise leid. Wer so auftritt, ist nicht zwingend ein Psychopath, vielleicht aber schon. Denn auch fehlendes Mitgefühl, Verständnis und Reue sind typische Wesensmerkmale. Stattdessen zeichnen sich Psychopathen durch konsequente Gleichgültigkeit aus, lehnen die Verantwortung für Fehler ab und schieben sie anderen zu. Oder sie versuchen, ihre Taten rational zu erklären. Klassischer Spruch, den ein Psychopath erfunden haben könnte: "Da kann wohl jemand die Wahrheit nicht vertragen!?".

  5. Sie sind extrem charmant

    Einen Psychopathen stellt man sich manchmal vielleicht als irren Schlächter vor, der mit laufender Kettensäge einem Splatter-Movie entsteigt. Dabei ähneln die meisten wohl eher Prince Charming aus dem Animationsfilm Shrek. Er ist fies, eitel, hinterhältig, aber nach außen hin ganz Schmeichler und Charmeur. Parallelen zur Wirklichkeit: Auch Psychopathen aus Fleisch und Blut sind wortgewandt, stellen sich selbst in ein gutes Licht, haben witzige Anekdoten auf Lager - und besitzen die Fähigkeit, andere um den kleinen Finger zu wickeln. Unter anderem, weil sie extrem selbstsicher auftreten und zugleich sehr liebenswürdig sind. Deshalb: Bleiben Sie lieber misstrauisch, wenn Ihr neuer Kollege Sie durch sein positives Auftreten regelrecht vom Hocker haut...

Allerdings: Eines der Symptome macht noch keinen Psychopathen - die Summe macht's. Je mehr davon und je ausgeprägter diese zutreffen, desto eher sollten Sie alert sein...

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