PsychopathenPsychopathen im Job: Eine leider gar nicht so seltene Spezies, wie man meinen würde. Denn die typischen Wesenszüge eines Psychopathen sind - leider Gottes - oft das perfekte Rüstzeug für eine große Karriere. Vielleicht lauert auch in Ihrer Abteilung oder Firma ein solches Exemplar, vor dem man sich besser in Acht nimmt. Aber wie kommt man ihm auf die Schliche? Schwierig, aber nicht unmöglich, wenn man weiß, wie Psychopathen ticken. Woran Sie Psychopathen im Job erkennen und wie Sie darauf reagieren...

Psychopathen im Job: An jeder Ecke?

Ein Kollege wie Patrick Bateman bringt einen geradewegs in die Hölle. Den New Yorker Investmentbanker treibt eine Gier nach Ruhm und Geld. Er lügt, täuscht, nimmt mehr und mehr Drogen, dreht durch, tötet sogar. Die Figur aus American Psycho, im Film gespielt von Christian Bale, ist der Archetyp eines Psychopathen.

Ein Segen, dass er nicht mehr ist als eine überzeichnete Romanfigur. Oder etwa doch? Denn Psychopathen sind keine Erfindung von Buchautoren und Hollywood-Regisseuren. Es gibt sie wirklich. Womöglich sitzen wir ihnen Tag für Tag im Büro gegenüber, ohne es zu ahnen. Ausschließen kann man das jedenfalls nicht. Gerade im Beruf begegnet man schließlich den unterschiedlichsten Menschen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem Führungspositionen fast schon ein Magnet für Psychopathen sind.

Der kanadische Psychologe Robert Hare hat sich intensiv - und leibhaftig - mit Psychopathen auseinandergesetzt, er gilt als Wegbereiter der forensischen Forschung. Auf Hare geht auch die Psychopathie-Checkliste zurück, die sehr anschaulich erklärt, wie diese Menschen ticken. Wir möchten Ihnen Hares wichtigste Punkte einmal vorstellen. Allerdings handelt es sich bei seinen Beschreibungen um das Worst-Case-Szenario, um Psychopathen der Endstufe sozusagen. Nur wer folgende Eigenschaften in kleineren Dosierungen aufweist, hat gute Chancen, auf dem Managerstuhl zu landen.

Möglicherweise gilt das auch für jemanden in Ihrem beruflichen Umfeld. Aber woran erkennt man einen Psychopathen eigentlich - ganz konkret? Zum Beispiel daran ...

Wie verbreitet sind Psychopathen wirklich?

Die gute Nachricht: Tatsächlich sind Psychopathen insgesamt die deutliche Minderheit. Abhängig ist deren Verbreitung vor allem von der jeweils analysierten Gruppe von Menschen - und hier kann es große Unterschiede geben.

Während nur etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung psychopathische Züge aufweist, gehen Studien bei Wirtschaftsbossen schon von mindestens drei Prozent, andere sogar von sechs Prozent aus. Zu diesen Zahlen kam vor wenigen Jahren eine Studie im Fachjournal Behavioral Sciences & the Law. Zum Vergleich: Von den Insassen in US-Gefängnissen sind sogar 15 Prozent psychopathisch veranlagt.

Dabei ist Psychopathie kein festes Krankheitsbild, lässt sich unter die antisoziale Persönlichkeitsstörung subsumieren, hinter der genetische Veranlagung, aber auch traumatische Kindheitserlebnisse stecken können. Schon im Teenager-Alter werden typische Wesenszüge oft sichtbar, Aggressivität und Impulsivität etwa. Eine prägnante Definition findet sich beispielsweise auch auf Wikipedia. Hier heißt es: Psychopathie bezeichnet eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht.

Die Zahlen deuten an: Die typischen Eigenschaften eines Psychopathen führen einen oft geradewegs in den Knast. Aber sie gereichen andererseits in der Business-Welt oft zum Vorteil. Ja, manchmal prädestinieren sie zu einer glorreichen Karriere in der Wirtschaft.

11 Indizien, dass Sie mit einem Psychopathen arbeiten

  1. Er ist charmant und ein guter Small-Talker

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    Nicht selten sind Psychopathen redegewandt und versierte Small Talker. Sie sind witzig, unterhaltsam und gute Geschichtenerzähler, rücken sich dabei auch gerne selbst in ein gutes Licht. Und sie sind charmant, machen Komplimente und wirken - oftmals - sehr sympathisch.

    Sie haben die Fähigkeit, andere um den kleinen Finger zu wickeln, hinter der Fassade verbirgt sich allerdings oft nur Eigennutz und hinterhältiges Denken. Deshalb: Bleiben Sie lieber misstrauisch, wenn Ihr neuer Kollege Sie durch sein positives Auftreten regelrecht vom Hocker haut...

  2. Er entschuldigt sich nie bei Ihnen

    Ein Entschuldigung kommt einem Psychopathen niemals - oder nur sehr schwierig - über die Lippen. Mitgefühl, Reue, Schuldgefühle? Fremdwörter. Ein gutes, wenngleich extremes Beispiel liefert eine Begegnung von O'Hare mit einem kriminellen Psychopathen. Die Testperson, die zuvor bei einem Raubüberfall jemanden niedergestochen hatte, sagte ihm: Wach auf! Er ist für ein paar Monate im Krankenhaus und ich verrotte hier. Wenn ich ihn hätte töten wollen, hätte ich ihm die Kehle durchgeschnitten. Ich habe ihm eine Pause verschafft.

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  3. Er übernimmt keine Verantwortung

    Verpflichtungen und Versprechungen bedeuten Psychopathen nichts. Sätze wie: Ich werde dich nie wieder anlügen sind nicht mehr als Lippenbekenntnisse, um sich aus der Situation herauswinden zu können. Stattdessen zeichnen sich Psychopathen durch konsequente Gleichgültigkeit aus, lehnen die Verantwortung für Fehler ab und schieben sie anderen zu.

    Im Job zeichnen sich Psychopathen durch häufige Abwesenheit und Missbrauch von Firmeneigentum aus. Sie halten sich an keine Unternehmensrichtlinien, liefern unbeständige Leistungen ab und sind grundsätzlich wenig vertrauenswürdig.

  4. Er ist ein pathologischer Lügner

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    Die Möglichkeit, ertappt zu werden, lässt Psychopathen kalt. Weist ihnen jemand eine Lüge nach, sind sie weder perplex noch peinlich berührt - sie ändern einfach ihre Story und errichten auf der Schwindelei ein noch größeres Lügenkonstrukt. Und: Psychopathen sind nicht selten stolz auf ihre Fähigkeit, andere an der Nase herumführen zu können.

    Allerdings müssen Sie ihnen erst einmal auf die Schliche kommen. Denn viele Psychopathen sind überdurchschnittlich intelligent und daher in der Lage zu planen, zu antizipieren, sich akribisch vorzubereiten. Besonders gruselige Beispiele findet man in der Popkultur: Hannibal Lecter aus "Das Schweigen der Lämmer" zum Beispiel, oder Kevin Spacey alias John Doe in "Sieben".

  5. Er hat sich nicht unter Kontrolle

    Psychopathen sind aber impulsiv. Mit der Abwägung von Vor- und Nachteilen verschwenden sie nur ungern Zeit - stattdessen handeln sie. Damit ist häufig das Ziel verbunden, Bedürfnisse unmittelbar zu befriedigen, eine sofortige Belohnung zu erhalten. Sie kündigen von jetzt auf gleich, stoßen andere vor den Kopf. Und: Sie reagieren oft völlig ungehemmt auf Provokationen und Beleidigungen.

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  6. Er manipuliert andere

    Psychopathen sind in der Lage, andere Menschen emotional zu manipulieren. Sie spielen den Kümmerer, Versteher, Rückenfreihalter, scheren sich in Wahrheit aber keinen Deut um Ihre Probleme. Beliebte Tricks können sein (allerdings nicht nur von Psychopathen): Sie bitten Sie im Büro um einen Gefallen, allerdings auf privater Ebene.

    Konsequenz: Wer auf der persönlichen Ebene abgeholt wird, ist dem anderen gegenüber deutlich empfänglicher und wohlgesonnener, als wenn es sich "nur" um einen beruflichen Gefallen handelt.

    Zweiter Trick: Sie imitieren Ihre Körpersprache: Auch das ist ein Mittel, um sich die Sympathien des Gegenübers zu sichern. Noch ein Trick: Sie jagen Leuten Angst ein - um ihnen im Anschluss das Gegenmittel zu verkaufen. Nach dem Motto: "Der Chef wird furchtbar sauer sein. Überlass das mir, ich kriege das schon wieder hin."

  7. Er braucht den Nervenkitzel wie die Luft zum Atmen

    Psychopathen suchen den Thrill. Manchmal, um ein konkretes Ziel zu erreichen. Manchmal aber auch nur um des Nervenkitzels wegen. Sie sind schnell gelangweilt und daher kaum in der Lage, Routinetätigkeiten auszuüben oder sich für eine längere Zeit zu konzentrieren. Eine Gefängnisinsassin antwortete O’Hare auf die Frage, ob sie gefährliche Dinge nur zum Spaß tue: Oh ja, und ob! Am aufregendsten ist es, mit Drogen durch einen Flughafen zu spazieren. Mein Gott, was für ein irres Gefühl!

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  8. Er ist übertrieben arrogant

    Arroganz äußert sich nicht nur in der Ignoranz gegenüber Regel, sondern zeigt sich auch in offener Selbstgefälligkeit oder gestelztem Auftreten. Das übersteigerte Selbstbewusstsein wird dabei besonders gerne auch anderen unter die Nase gerieben, indem man demonstriert, dass man sich für etwas Besseres hält.

    Außerdem problematisch: Arroganz verstärkt sich selbst, so lange man erfolgreich ist, gute Erfahrungen mit ihr macht. Und als CEO oder Top-Manager kann man sich Arroganz nun einmal leisten - vielleicht ein Grund, warum in den höheren Wirtschaftsetagen die Psychopathendichte (angeblich) höher ist.

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  9. Er setzt sich unrealistische Ziele

    Psychopathen schwelgen in großen Visionen über ihre Zukunft. Wie sie sie erreichen, davon machen sie sich hingegen keine Vorstellungen. Ein Insasse, den O’Hare betreute, wollte zum Beispiel - ungeachtet jeglicher beruflicher Anforderungen - Immobilientycoon werden. Ein anderer plante, ein Buch über sich zu schreiben und rechnete vorab schon die Summe aus, die er damit verdienen würde.

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  10. Er ist narzisstisch veranlagt

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    Ein überhöhtes Selbstbild und ein übergroßes Anspruchsdenken zeichnet Psychopathen aus. Nur sie selbst sind das Zentrum des Universums. Eine Testperson sagte O’Hare: Ich befolge keine Gesetze. Ich folge nur meinen eigenen Gesetzen. Meine eigenen Regeln breche ich niemals.

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  11. Er pflegt einen parasitären Lebensstil

    Psychopathen halten sich für die Könige der Welt, bedienen sich aber schamlos der Ressourcen anderer. Sei es auf illegale oder auf legale, dafür aber unmoralische Art und Weise. Erkennen Sie Ihren Kollegen oder Chef in den genannten Punkten ansatzweise wieder? Wenn Ihr psychopathischer Chef Ihnen das Leben auf der Arbeit dauerhaft zur Hölle macht, hilft oft nur eins: die Kündigung.

Allerdings: Eines der Symptome macht noch keinen Psychopathen - die Summe macht's. Je mehr davon und je ausgeprägter diese zutreffen, desto eher sollten Sie alert sein...

Die Berufe mit den meisten Psychopathen

Sicher können Sie es in jedem Job mit einem - oder im schlimmsten Fall und bei großen Teams gleich mehreren - Psychopathen zu tun bekommen. Tatsächlich hat die Branche und der Beruf aber durchaus einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit. Oder anders ausgedrückt: In manchen Berufen gibt es mehr Psychopathen als in anderen.

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, ob unter Ihren Kollegen möglicherweise besonders viele Psychopathen versteckt sind, kann ein Blick in eine Studie helfen. Die Great British Psychopath Survey des Psychologen Kevin Dutton fasst die Top Ten der Berufe mit den meisten Psychopathen zusammen:

  • 1. Geschäftsführer / CEO
  • 2. Anwalt
  • 3. Medienbranche (Fernsehen / Radio)
  • 4. Verkäufer
  • 5. Chirurg
  • 6. Journalist
  • 7. Polizist
  • 8. Geistlicher
  • 9. Koch
  • 10. Beamter

Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Berufe, in denen man kaum befürchten muss, mit einem Psychopathen konfrontiert zu werden.

  • 1. Pflegepersonal
  • 2. Krankenschwester
  • 3. Therapeuten
  • 4. Handwerker
  • 5. Kosmetiker / Stylist
  • 6. Mitarbeiter im Wohltätigkeitsbereich
  • 7. Lehrer
  • 8. Künstler
  • 9. Arzt
  • 10. Buchhalter

Tipps, wie Sie mit Psychopathen umgehen

Ysbrand Cosijn/shutterstockGerade im Beruf kann man sich kaum davor schützen, es früher oder später mit einem Psychopathen zu tun zu haben. Bei mehreren Jobwechseln im Laufe der Karriere erhöht sich die Wahrscheinlichkeit noch weiter, dass einer der vielen Kollegen oder sogar der Chef psychopathische Züge und Eigenschaften aufweist. Und dann? Das Beste wäre sicherlich, den Kontakt vollkommen zu vermeiden, sich gar nicht erst in das hinterhältige und durchtriebene Spiel des Psychopathen hineinziehen zu lassen und seiner Wege zu gehen.

Im Privatleben, wo man sich frei aussuchen kann, mit wem man sich umgibt und wem man die eigene Zeit schenken möchte, kein großes Problem. Doch im Job? Hier hat man nur bedingt Einfluss darauf, wer im Nachbarbüro oder gar im Chefsessel sitzt. In extremen Fällen, in denen die Zusammenarbeit sich stark auf Ihre Zufriedenheit auswirkt, kann ein Jobwechsel helfen. Damit kann man einen Schlussstrich ziehen und neu anfangen.

Leider bleibt die Gefahr, dass man sich im neuen Job in einer ähnlichen Situation wiederfindet und es erneut mit einem Psychopathen zu tun hat. Am besten sollten Sie daher lernen, mit Psychopathen umzugehen - selbst dann, wenn Sie diese nicht aus Ihrem Umfeld verbannen können. Wir haben einige Tipps, die Ihnen dabei helfen können:

  1. Halten Sie Abstand

    Sie können vielleicht nicht dafür sorgen, dass der Kontakt gänzlich endet, Sie haben aber sehr wohl Einfluss darauf, wie intensiv dieser ist und in welcher Form er stattfindet. Sorgen Sie für den größtmöglichen Abstand, lassen Sie den Kontakt nur dann zu, wenn es unbedingt erforderlich ist und setzen Sie dabei möglichst auf Telefonate oder noch besser E-Mails.

    Je weniger Sie sich mit dem Psychopathen herumschlagen müssen, desto besser für Sie und Ihre allgemeine Zufriedenheit. Zusätzlich gilt: Wenn Sie hauptsächlich schriftlich kommunizieren, haben Sie hinterher Belege und Beispiele für das Verhalten des anderen.

  2. Zeigen Sie keine Schwäche

    Psychopathen konzentrieren sich auf die Schwächen anderer, nutzen diese aus und suchen dadurch den eigenen Vorteil auf Kosten anderer. Indem Sie dem Psychopathen gegenüber keine Schwächen offenbaren, bieten Sie eine geringere Angriffsfläche und machen es dem anderen schwer.

    Im Beruf gelingt dies am ehesten durch gute Leistungen, aber auch, indem Sie mögliche Kritik und Fragen nicht gegenüber dem Psychopathen äußern. Anfangs wird dieser sicherlich Verständnis zeigen, doch irgendwann nutzt er dieses Wissen gegen Sie aus.

  3. Geben Sie sich nicht die Schuld

    Psychopathen sind gut darin, nicht nur das Handeln, sondern auch das Denken anderer zu manipulieren und zu eigenen Gunsten zu verdrehen. Besonders wichtig ist es daher, dass Sie die Schuld nicht bei sich selbst suchen. Sie haben niemanden dazu aufgefordert, Sie auszunutzen, Lügen zu verbreiten oder hinter Ihrem Rücken Intrigen zu schmieden.

    Auch ist es nicht automatisch ein Zeichen von schlechter Menschenkenntnis. Psychopathen sind gerissen und leider oft Meister in ihrem Bereich. Es bringt nichts, wenn Sie sich selbst schlecht machen.

  4. Bleiben Sie nicht allein

    Leiden Sie unter einem Psychopathen im Büro, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es anderen ganz genauso geht. Versuchen Sie das Thema anzusprechen und Verbündete zu suchen. Gemeinsam lässt sich die Situation nicht nur besser ertragen, es ist auch erfolgsversprechender, wenn Sie etwas unternehmen wollen.

    Sie können sich auch an die Personalabteilung oder falls vorhanden den Betriebsrat wenden. Schildern Sie die Problematik, am besten mit konkreten Beispielen und erläutern Sie, wie das Verhalten Sie bei Ihrer Arbeit stört.

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