Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Reverse-Recruiting bedeutet, dass sich nicht Jobsuchende beim Unternehmen bewerben, sondern Arbeitgeber proaktiv auf qualifizierte Fachkräfte zugehen.
- Gründe: Durch den Fachkräftemangel in vielen Bereichen müssen Unternehmen umdenken und größere Initiative bei der Mitarbeitergewinnung und Personalplanung übernehmen.
- Ablauf: Kandidaten erstellen ein detailliertes Profil auf einer Plattform (z.B. Lebenslauf-Datenbank). Dort können Arbeitgeber nach passenden Kandidaten suchen, diese kontaktieren und Job-Pitches einreichen.
- Plattformen: Zu den bekanntesten Anbietern im deutschsprachigen Raum gehören Honeypot und Instaffo. Aber auch große Jobbörsen wie Stepstone bieten die Möglichkeit zur passiven Bewerbung.
- Erfolgsfaktor: Entscheidend sind ein aussagekräftiges, lückenloses Profil mit wichtigen Kernkompetenzen und Schlüsselbegriffen, damit Sie zu passenden Jobs gefunden werden.
Im IT-Bereich ist Reverse-Recruiting besonders wichtig – hier bewerben sich bereits bis zu 40 % der Arbeitgeber bei Talenten. Über alle Branchen hinweg sind es etwa 15 % der Unternehmen, die das umgekehrte Recruiting fest im HR-Prozess etabliert haben. Das Konzept wird zunehmend wichtiger: Laut Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) klagen rund 84 % aller deutschen Unternehmen über Personalmangel.
Was ist Reverse-Recruiting genau?
Beim Reverse-Recruiting bewerben sich Arbeitgeber bei potenziellen Arbeitnehmern, Fachkräften und Nachwuchstalenten. Der Grund dafür ist der zunehmende Fachkräftemangel und der demografische Wandel: Der Wirtschaft gehen die Mitarbeiter aus, folglich suchen Personaler und Recruiter bei der Personalbeschaffung nach neuen Wegen.
Wie funktioniert Reverse-Recruiting?
Reverse Recruiting stellt die klassische Jobsuche auf den Kopf: Die Arbeitgeber bewerben sich jetzt bei vielversprechenden Kandidaten. Das Ganze funktioniert heute überwiegend auf speziellen Plattformen – eine Art umgedrehte Jobbörse. Dazu gehören zum Beispiel:
Auf diesen Plattformen laden Jobsuchende und Bewerber ihr Profil samt Lebenslauf hoch, beschreiben ihre Fähigkeiten und Anforderungen an den neuen Job oder Arbeitgeber. Letztere wiederum können die Datenbank nach geeigneten Fachkräften durchsuchen – und bewerben sich bei ihnen. Den genauen Ablauf erklären wir im nächsten Abschnitt noch einmal detailliert.
Was ist der Unterschied zum Active Sourcing?
Auch beim Active Sourcing sprechen Personaler gezielt potenzielle Mitarbeiter an. Im Gegensatz zum Reverse Recruiting tun sie dies aber nicht auf speziellen Plattformen, sondern meist in sozialen Netzwerken – allen voran Linkedin und Xing. Gleichzeitig durchlaufen die Kandidaten anschließend noch den klassischen Bewerbungsprozess – beim Reverse Recruiting hingegen trifft der oder die Kandidatin die letzte Entscheidung.
Wie läuft Reverse Recruiting ab?
Die umgekehrte Bewerbung folgt einem klaren Ablauf in verschiedenen Phasen. Wir zeigen den genauen Prozess, damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen:
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Profilerstellung
Als Jobsuchender legen Sie ein Profil auf einer der Plattformen an. Statt eines klassischen Anschreibens füllen Sie strukturierte Datenfelder aus: Was ist Ihr Studienabschluss? Welche Ausbildung haben Sie? Wie sieht Ihre Berufserfahrung aus? Welche Programmiersprachen beherrschen Sie? Wie viele Jahre Führungserfahrung bringen Sie mit? Welche Benefits (z.B. 100 % Homeoffice) sind Ihnen wichtig? Wie hoch ist Ihr Wunschgehalt?
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Freischaltung
Viele Premium-Plattformen prüfen die Profile der Bewerber vorab. So wird sichergestellt, dass nur qualifizierte Talente auf dem Marktplatz landen. Ist das Profil freigeschaltet, wird es für verifizierte Unternehmen sichtbar gemacht. Ab diesem Zeitpunkt können Personaler Sie finden und prüfen, ob Sie zur freien Stelle im Betrieb passen könnten.
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Firmen-Pitch
Sie bringen benötigte Kompetenzen mit und passen ins Suchprofil des Unternehmens? Dann kann der Arbeitgeber Ihnen eine Anfrage schicken. Das ist kein einfaches „Haben Sie Interesse?“ oder „Wollen Sie einen Job?“ Es ist ein echter Firmen-Pitch: Darin stellt sich das Team vor, beschreibt Projekte, Aufgaben, Rahmenbedingungen und teilweise auch schon das angebotene Gehalt.
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Entscheidung
Im letzten Schritt haben Sie beim Reverse-Recruiting die Entscheidung. Wenn Ihnen das Angebot zusagt, schalten Sie Ihre Kontaktdaten frei und akzeptieren die Einladung zu einem ersten und unverbindlichen Gespräch. Passt das Angebot nicht, lehnen Sie es mit einem Klick ab. Dabei müssen Sie keine Begründungen oder Rechtfertigungen angeben.
Welche Plattformen kann ich für das Reverse-Recruiting nutzen?
Mit der neuen Recruiting-Strategie der Unternehmen und Arbeitgeber sind zugleich neue Plattformen entstanden, die Bewerberinnen und Kandidaten für sich nutzen können. Zu den bekanntesten gehören:
Instaffo
Auf der Reverse-Recruiting-Plattform Instaffo suchen derzeit mehr als 1.800 Arbeitgeber nach Talenten. Die Plattform verfügt über eine Datenbank, in der aktuell mehr als 100.000 geprüfte Profile von Talenten aus Tech, Marketing und Sales schlummern. KI-basierte Prozesse sollen die Nutzer überdies unterstützen, das jeweils beste Match zu finden. Für Fachkräfte ist die Nutzung kostenlos – Arbeitgeber zahlen eine Grundgebühr und bei erfolgreicher Vermittlung eine Vermittlungsgebühr.
Honeypot
Die Talentplattform für den IT-Sektor wurde 2019 von Xing übernommen und wirbt mit mehr als 1.000 Unternehmen, die dort Talente suchen und einstellen. Entwickler können dort ebenfalls kostenlos ein Profil anlegen, das aber zuerst einer fachlichen Prüfung unterzogen wird, bevor es online geht. Arbeitgeber wiederum können die Kandidaten nach Kriterien wie Programmiersprachen, Gehaltsvorstellungen oder Arbeitsort durchsuchen.
Stepstone
Auch namhafte Jobbörsen sind inzwischen auf den Trend aufgesprungen und bieten sogenannte Bewerberdatenbanken (auch: Lebenslaufdatenbank) an – zum Beispiel Stepstone oder Indeed. Auch hier registrieren sich Jobsuchende mit einem Bewerberprofil, das neben dem beruflichen Werdegang ebenso relevante Hard Skills und Soft Skills enthält, die einen Mehrwert bieten können (siehe auch: One-Click-Bewerbung).
Was ist Post & Pray-Recruiting?
Der Anglizismus „Post & Pray-Recruiting“ beschreibt die klassische Personalsuche über Stellenanzeigen: Das Jobangebot wird geschaltet („Post“), anschließend hoffen die Recruiter auf zahlreiche Bewerbungen („Pray“). Genau dieser Rekrutierungsprozess funktioniert aber zunehmend schlechter.
Vor- und Nachteile von Reverse Recruiting
Das Reverse-Recruiting erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Kandidaten und Unternehmen gleichermaßen. Es hat für beide Seiten einige Vor-, aber auch Nachteile. Wir stellen sie gegenüber:
Jobsuchende |
Unternehmen |
| Vorteile Zeitersparnis bei Bewerbungen, kein Anschreiben-Frust, hohe Gehaltstransparenz, große Wertschätzung. |
Vorteile Zugriff auf Top-Talente, sehr guter Kultur- und Skill-Fit, hohe Rückmeldequoten |
| Nachteile Nicht in jeder Branche üblich, erfordert passgenaues Profil, lange Wartezeiten möglich |
Nachteile Teure Plattformgebühren, größerer Aufwand, harte Konkurrenz um Talente |
Was muss ich beim Reverse-Recruiting beachten?
Für Fachkräfte ist das Reverse-Recruiting eine weitere Form der passiven Bewerbung und Chance, auf dem sogenannten verdeckten Stellenmarkt einen attraktiven Job zu finden. Wenn Sie als Fachkraft das Reverse-Recruiting für sich erfolgreich nutzen wollen, sollten Sie allerdings ein paar Punkte beachten:
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Aussagekräftiges Profil
Der Erfolg der umgekehrten Jobsuche steht und fällt mit Ihrem Profil bei den Reverse-Recruiting-Plattformen. Auch hier sollten der Lebenslauf und das Profilbild aktuell und aussagekräftig sein. Das gilt genauso für Ihre Social-Media-Profile.
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Relevante Schlüsselbegriffe
Sie wollen nicht irgendeinen Job, sondern DEN richtigen Job, der perfekt zu Ihnen passt. Dann sollten Sie sich vorab überlegen, welche Schlüsselbegriffe und -qualifikationen potenzielle Arbeitgeber bei der Kandidatensuche eingeben könnten. Diese gehören dann unbedingt in Ihr Profil. Erst so werden Sie sichtbar und von den richtigen Arbeitgebern gefunden.
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Professionelles Verhalten
Auch wenn sich die Unternehmen jetzt bei Ihnen bewerben: Werden Sie nicht arrogant! Ihre Gehaltsvorstellungen sollten realistisch bleiben und der Kennenlernprozess auf Augenhöhe stattfinden. Schließlich arbeiten Sie später auch so zusammen.
PS: Es gibt auch die kostenpflichtige Dienstleistung „Reverse Recruiter“ – diese unterstützen Arbeitsuchende bei der Jobsuche und sind daher eher klassische Personalvermittler, vergleichbar mit einem Headhunter.
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