Auszeit für die Pflege: Tipps zur Pflegezeit

Ein Gastbeitrag von Esther Wellhöfer

Wird ein Angehöriger pflegebedürftig, stellt sich für viele Arbeitnehmer die Frage, wie sie Beruf und Familie am besten vereinbaren können. In diesem Fall helfen das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz. Doch wer kann Pflegezeit beantragen, wie lange gilt diese und welche Unterstützung erhalten Sie? Wir geben einen Überblick, welche Rechte Familienangehörige haben, wenn der Pflegefall eintritt...

Wer kann Pflegezeit beanspruchen?

Pflegezeit steht insbesondere Familienmitgliedern des Pflegebedürftigen zu. Inzwischen ist der Kreis der anspruchsberechtigten Personen zum Jahresanfang noch erweitert worden. Folgende Personen können Pflegezeit beantragen:

  • Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, Stiefeltern
  • Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft, Partner in einer lebenspartnerschaftlichen Gemeinschaft
  • Kinder, Adoptivkinder, Pflegekinder des Ehegatten beziehungsweise Lebenspartners
  • Geschwister
  • Enkel- und Schwiegerkinder
  • Verschwägerte Personen

Welche Pflegesituationen sind erfasst?

Photographee.eu/shutterstock.comWie lange die Pflegezeit dauert, ist von der jeweiligen Pflegesituation abhängig. Bei einem akuten Pflegebedarf kann man eine kurzzeitige berufliche Auszeit bis zu zehn Tagen nehmen. Als finanzieller Ausgleich kann für den Zeitraum eine Lohnersatzleistung beantragt werden.

Die reguläre Pflegezeit kann – wie die Familienpflegezeit – bis zu sechs Monate genommen werden. In dieser Zeit kann sich der Arbeitnehmer ganz oder teilweise für die Pflege seines Angehörigen von der Arbeit freistellen lassen. In besonderen Fällen kann die Pflegezeit bei einer teilweisen Freistellung auch bis zu einer Gesamtdauer von 24 Monaten verlängert werden.

Seit Anfang des Jahres sind weitere Pflegesituationen von den gesetzlichen Vorschriften zur Pflegezeit erfasst. Ist zum Beispiel der Angehörige in einem Hospiz, kann eine berufliche Auszeit bis zu drei Monaten genommen werden.

Eltern eines pflegebedürftigen Kindes, das in einer externen Einrichtung gepflegt wird, können wählen, ob sie wie bei der regulären Pflegezeit sechs Monate ganz oder teilweise freistellen lassen oder ob sie bis zu 24 Monate teilweise eine Auszeit nehmen.

Wie kann man finanzielle Unterstützung erhalten?

Für die Dauer der Pflegezeit können Lohneinbußen auf zwei verschiedenen Wegen ausgeglichen werden: als sogenanntes Pflegeunterstützungsgeld oder in Form eines zinslosen Darlehens.

Das Pflegeunterstützungsgeld dient dazu, den Verdienstausfall teilweise aufzufangen. Es wird unabhängig von der Größe des Unternehmens an die Anspruchsberechtigten ausgezahlt. Angehörige müssen hierfür einen Antrag bei der Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen stellen.

Zudem kann das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ein zinsloses Darlehen gewähren, mit dem pflegende Angehörige die finanziellen Folgen der teilweisen Freistellung von der Arbeit abfedern können. Die Auszahlung des Darlehens erfolgt in monatlichen Raten. Es beträgt die Hälfte des Nettogehalts, das durch die Reduzierung der Arbeitszeit fehlt. Auf Antrag ist auch die Auszahlung eines geringeren Betrages bis zu 50 Euro monatlich möglich. Weiter ist bei diesem Darlehen eine Härtefallregelung vorgesehen, sodass in einigen Fällen das Darlehen teilweise oder sogar ganz erlassen werden kann.

Über die Autorin

anwalt.deNach dem Jurastudium an der Universität Augsburg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen begann Esther Wellhöfer ihre berufliche Laufbahn in einem Redaktionsteam von deutsch- und englischsprachigen Fachzeitschriften und ist seit Anfang September 2006 bei anwalt.de als Redakteurin tätig.

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