Lügen haben kurze Beine. Öfter aber hübsche. Das macht die Lüge so gefährlich: Oft gefällt sie uns besser als die Wahrheit. Aus unserer Gesellschaft ist das Lügen kaum noch wegzudenken: Täuschungen, Lug und Betrug – Lügenforscher sind sich inzwischen einig, dass der Mensch im Durchschnitt 200 Mal am Tag schwindelt oder es mit der Wahrheit (wissentlich) nicht so genau nimmt. “Nur knapp die Hälfte unserer Alltagsäußerungen sind wahr“, sagt etwa der Heidelberger Lügenforscher Klaus Fiedler. Das beginnt bei Alltagserzählungen, geht weiter in einem Bewerbungsgespräch oder der Beurteilung unserer eigenen Leistung und endet schließlich im Bett und der Frage: “Und wie war ich?” Glaubt man der Sexualforscherin Shere Hite, so täuscht rund ein Drittel aller Frauen regelmäßig einen Orgasmus vor.

Nun gibt es allerdings bedeutend wichtigere Situationen, bei denen es entscheidend sein kann, die Wahrheit zu kennen. Etwa wenn Politiker Wahlversprechen machen oder Chefs Aussagen über den Zustand des Unternehmens, die Bilanz oder zur Jobsicherheit treffen. Für diese Fälle gibt es – und das ist nichts als die reine Wahrheit – einige Anhaltspunkte, dass Sie Gefahr laufen, einem von und zu Münchhausen aufzuerliegen. So kommen Sie dem Schwindel auf die Spur:

12 Indizien für einen Lügner

  1. Augenblicke. Augen sind besonders verräterisch. Je nachdem, in welche Richtung man beim Erinnern schaut, kann das eine handfeste Lüge anzeigen. Der Blick nach links oben etwa deutet auf eine konstruierte Wahrheit hin, der Blick nach rechts oben auf eine visuell erinnerte.
  2. Blicktkontakt. Auch die Dauer des Augenkontakts selbst deutet teilweise auf Unwahrheiten hin. Ungeübte Lügner vermeiden oft den Augenkontakt – aus Scham und schlechtem Gewissen. Notorische Lügner oder Quacksalber wird man so aber kaum entlarven. Es ist ein Irrglaube, dass Menschen, die wegblicken, jedesmal lügen – und umgekehrt. Wer sich etwa an wichtige Details erinnern muss, wird zwangsläufig wegschauen (siehe vorheriger Punkt). Andere blicken aus Unterwürfigkeit vor ihrem Chef nach unten. Das umgekehrte Signal verrät mehr: Wer nichts erinnert, sondern konstruiert, kann die ganze Zeit dem andern in die Augen starren.
  3. Wortwahl. Dieses Verhalten lässt sich klassisch an Kindern beobachten: Lügner beantworten Fragen gerne mit den Worten des anderen. Will die Mutter etwa wissen: “Hast du die Schokolade gegessen?” antwortet der Heimlich-Nascher meist: “Nein, ich habe die Schokolade nicht gegessen.”
  4. Indirekte Rede. Profis mit moralischen Werten versuchen auf schwierige Fragen ausweichend zu antworten. Sie wollen nicht lügen, die Wahrheit wollen Sie aber auch nicht sagen – etwa, wenn die Schwiegermutter fragt, wie der Sonntagsbraten geschmeckt hat. Indirekte Antworten sind deshalb ein sehr starkes Indiz dafür, dass die Wahrheit verschleiert werden soll. In diese Kategorie fällt ebenso Humor oder Sarkasmus, der von der eigentlichen Aussage ablenken soll.
  5. Vorauseilende Rechtfertigung. Wenn Menschen erklären, warum sie sich etwa an eine Begebenheit oder ein Detail ganz besonders genau erinnern können, ist Skepsis geboten. Bisher hat ja noch niemand die Qualität ihrer Aussage infrage gestellt.
  6. Abnehmende Tonlage. Wer die Wahrheit sagt, wird bei seinen Erzählungen meist lauter und schneller, er redet sich sprichwörtlich in Rage. Lügner dagegen werden eher leiser, sprechen monotoner. Ihren Aussagen fehlen zudem beschreibende Details. Oft sind sie auch lückenhaft, und sie haben beim Erzählen Aussetzer.
  7. Langsame Antwort. Lügen dauert länger. So lassen sich die Untersuchungen des britischen Psychologen Aiden Gregg von der Universität von Southampton zusammenfassen. Im Gegensatz zu ehrlichen Menschen haben Lügner in 90 Prozent der Fälle eine längere Reaktionszeit.
  8. Wechselnde Körpersprache. Lügner wechseln oft unvermittelt ihre Körpersprache oder verraten sich duch unwillkürliche Mikrogesten, wie etwa das Reiben der Nase, Fingertippen auf den Mund oder Zupfen am Ohr. Das allerdings sind nur schwache Indizien, weil sie auch unter normalen Umständen vorkommen können, etwa weil es dort juckt.
  9. Barrikaden. Lügner versuchen oft Schutzwälle zu errichten. Natürlich nicht sprichwörtlich, sondern symbolisch. Wenn also jemand, während er Ihnen eine Geschichte erzählt, plötzlich einen Stift oder ein Buch zwischen Sie beide legt, ist das eine gutes Signal für einen Täuschungsversuch.
  10. Zeitversetzte Gestik. Bei nicht wenigen Lügen ist das Timing von Aussage, Gestik und Mimik zeitversetzt. Ein Schwindler würde beispielsweise erst sagen: “Das ist aber ein schönes Geschenk!” und erst dann dazu lächeln. Bei Menschen, die das auch so meinen, geschieht dies in der Regel zeitgleich.
  11. Verknappte Mimik. Wenn jemand von Herzen lacht, dann spiegelt sich die Freude auf seinem ganzen Gesicht wider: in den Mundwinkeln, den Augen, der Stirn. Bei einem falschen Lächeln hingegen grinst nur der Mund.
  12. Stress. Schwitzige Hände, trockener Mund, roter Kopf – alles sichere Zeichen für Stress und damit starke Indizen für einen möglichen Lügenbaron. Die Signale sind jedoch nicht eindeutig: Der Betreffende könnte auch erregt sein, weil er Angst hat, fälschlich verdächtigt zu werden. Eindeutiger ist das Antwortverhalten: Vor allem bei konfrontativen Rückfragen (wie im Verhör) reagieren Lügner übermäßig nervös, gereizt, verwirrt. Aber auch das extreme Gegenteil – also völlige Gefühlskälte und unnatürliche Gelassenheit – sind starke Anzeichen dafür, dass jemand etwas verbergen will.

[Und für alle Skype-Nutzer (wie mich) noch ein praktisches Tool: den Skype-Lügendetektor.]