Definition: Was ist Mobbing?
Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule ist eine gezielte und regelmäßige Schikane von Menschen durch eine Gruppe oder Einzelpersonen. Dazu gehören unterschiedliche Formen der physischen und psychischen Gewalt:
- Ständige Kritik oder Beleidigung
- Öffentliche Demütigung
- Bewusste Ausgrenzung (siehe: Obelix-Effekt)
- Gezielte Über- oder Unterforderung
- Sexuelle Belästigung
- Versteckte Sabotage
- Gewaltandrohung (oder schubsen, rempeln, Bein stellen)
- Regelrechter Psychoterror
Laut Studien werden in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen im Job gemobbt. Eine Studie der Universität Leipzig sagt, dass allein 11,4 Prozent der Arbeitnehmer zwischen 18 und 29 Jahren von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen sind.
Arbeitsrecht: Ab wann ist es Mobbing?
Nicht jede Kritik oder Beleidigung ist automatisch Mobbing am Arbeitsplatz. Laut Arbeitsrecht müssen hierfür zwei Faktoren bzw. Voraussetzungen zwingend erfüllt sein:
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Systematisch
Die Schikane durch Chef oder Kollegen muss systematisch und zielgerichtet erfolgen. Erst dann liegt eine strafbare Handlung vor. Vorher ließe sich das Fehlverhalten als „Ausrutscher“ entschuldigen.
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Wiederholt
Mobbing muss über einen längeren Zeitraum stattfinden. Nicht jedes böse Verhalten ist gezielter Psychoterror. Zum Nachweis und zur Dokumentation brauchen Betroffene – leider – unbedingt einen längeren Leidensweg.
Tatsächlich handelt es sich bei Mobbing meist um ein Gruppenphänomen oder „Mobbing System“ – aus Tätern und Opfer sowie Mitläufern, Zuschauern und Wegschauern. Ganz selten sind es nur Einzeltäter.
Was sind häufige Formen von Mobbing?
Im Gegensatz zu normalen Konflikten ist Mobbing ein permanenter Prozess, wobei in der Wissenschaft inzwischen unterschiedliche Formen unterschieden werden:
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Bossing
Von oben nach untern: Beim sogenannten Bossing werden Mitarbeiter vor allem durch ihre Vorgesetzten gemobbt.
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Staffing
Von unten nach oben: Bei Staffing ist es genau andersherum: Die Mitarbeiter mobben ihren Chef.
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Straining
Beim Straining versuchen Arbeitgeber unliebsame Mitarbeiter zur Kündigung zu drängen – durch Langeweile und Aufgabenentzug.
Heinz Leymann ist einer der führenden Mobbing-Experten in Deutschland und hat insgesamt 45 Mobbing-Arten (PDF) im Job identifiziert. Gerade zu Beginn merken viele Opfer nicht einmal, dass sie gemobbt werden, weil die Täter subtil vorgehen und auf Zermürbung setzen. Erste Angriffe lauern bereits in Sticheleien oder heimlichen Intrigen.
Bedeutung: Was ist Cybermobbing?
Cybermobbing bezeichnet das absichtliche und wiederholte Belästigen, Bloßstellen oder Bedrohen von Personen im Internet. Dazu gehören z.B. diffamierende Kommentare, das Verbreiten von Gerüchten, peinlichen Fotos oder Videos sowie das Ausgrenzen in sozialen Netzwerken, Chats oder Online-Spielen. Anders als beim analogen Mobbing braucht Cybermobbing keinen direkten Kontakt zum Opfer. Dadurch bleiben die Täter oft anonym und können Betroffene rund um die Uhr treffen. Es gibt kein Entkommen, auch nicht in der Freizeit oder zuhause. Laut Statistik sind in Deutschland rund 18 % der Schüler von Cybermobbing betroffen, vor allem auf WhatsApp (52%), TikTok (34%) und Instagram (33%).
Welche Folgen hat Mobbing am Arbeitsplatz?
Mobbing hat weitreichenden Folgen im Job. Wo gemobbt wird, leiden die Arbeitsatmosphäre und Arbeitsqualität erheblich. Noch schlimmere Auswirkungen hat das Mobbing auf die Opfer – im Beruf und Privatleben. Unter dem Psychoterror leiden Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Hinzu kommen häufig:
- Angst vor der Arbeit
- Ess- und Schlafstörungen
- Kopf- und Rückenschmerzen
- Magenschmerzen
- Atemprobleme
- Herzrhythmusstörungen
- Depressionen
- Suizidgedanken
Entsprechende Symptome können bereits nach 6 Monaten auftreten, wenn Betroffene eine ausweglose Situation erleben. Nicht wenige versuchen mit Medikamenten oder Alkohol die Situation erträglicher zu machen. Dazu kommen teils finanzielle Einbußen, wenn Arbeitnehmer infolge des Mobbings krank werden oder den Job verlieren.
Achtung: Auch mobben macht krank!
Laut einer Studie um Richard Ryan von der Universität von Rochester erzeugt Mobbing bei den Tätern auf Dauer Scham- und Schuldgefühle. Auch diese können krank machen. So werden die Täter am Ende selbst zum Opfer.
Den gesamtwirtschaftlichen Schaden aller bekannten Mobbingfälle schätzt die Frankfurter Fairness-Stiftung auf 40 Milliarden Euro jährlich.
Ist Mobbing strafbar?
Mobbing am Arbeitsplatz ist in Deutschland strafbar und gilt als Eingriff in das Persönlichkeitsrecht. Einige Mobbing-Formen sind sogar im Strafgesetzbuch genannt und können mit Geld- oder Freiheitsstrafe belangt werden. Dazu zählen:
- Beleidigung (§ 185 StGB)
- Üble Nachrede (§ 186 StGB)
- Verleumdung (§ 187 StGB)
- Körperverletzung (§ 223 StGB)
Zusätzlich können sich Mobbingopfer auf das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) berufen, wenn sie sich diskriminiert fühlen. Bekommen Sie vor Gericht recht, haben Mobbingopfer oft noch Anspruch auf Schmerzensgeld (BAG, AZR 351/15).
Studien: Wer sind die Täter und Opfer?
In manchen Branchen und Berufen kommt Mobbing häufiger vor. Dazu zählen ausgerechnet soziale Berufe und der Pflegebereich. Auch mobben Frauen statistisch häufiger als Männer, sind aber gleichzeitig ebenso häufiger selbst das Mobbingopfer, siehe Tabelle:
Täter |
Opfer |
| Kollegen: 44 % | Frauen: 81,3 % |
| Vorgesetzte: 37 % | Männer: 18,7 % |
Was sind die Ursachen für Mobbing am Arbeitsplatz?
Mobbing entsteht meist durch ein Zusammenspiel verschiedener persönlicher, sozialer und organisatorischer Faktoren. Eine häufige Ursache sind Konflikte, die nicht offen geklärt werden, etwa durch Konkurrenzdruck, Neid oder Machtkämpfe innerhalb eines Teams.
Auch unklare Rollenverteilungen, hohe Arbeitsbelastung sowie starker Leistungsdruck können Spannungen fördern, die sich im Mobbing entladen. Begünstigt wird Mobbing überdies durch einen autoritären oder gleichgültigen Führungsstil oder mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte.
Persönliche Unsicherheiten, geringe soziale Kompetenzen oder Vorurteile gegenüber bestimmten Personen können ebenfalls eine Rolle spielen. In einem Arbeitsklima, in dem Respekt, klare Regeln und gegenseitige Wertschätzung fehlen, hat Mobbing besonders leichtes Spiel.
Was sind die 4 Phasen des Mobbings am Arbeitsplatz?
Mobbing am Arbeitsplatz entsteht selten plötzlich. In der Regel handelt es sich um einen schleichenden Prozess, der sich über Wochen oder Monate zuspitzt. Wer die vier Phasen des Mobbings erkennt, kann frühzeitig gegensteuern:
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Konfliktphase
Am Anfang steht meist ein harmloser Konflikt: Missverständnisse, unterschiedliche Meinungen oder kleinere Streitigkeiten. Werden diese jedoch nicht konstruktiv gelöst, wachsen Spannungen, Misstrauen und eine zunehmend feindselige Atmosphäre an.
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Mobbingphase
Aus dem ungelösten Konflikt entwickelt sich nun das eigentliche Mobbing: Opfer werden wiederholt ausgegrenzt, abgewertet oder lächerlich gemacht. Die soziale Isolation nimmt zu – und das Selbstvertrauen der Betroffenen sinkt spürbar.
-
Eskalationsphase
In der dritten Phase wird das Mobbing intensiver, gezielter und verletzender. Betroffene leiden bereits unter Angst, Schlafstörungen oder körperlichen Beschwerden. Gleichzeitig werden ihnen demütigende, sinnlose oder bewusst überfordernde Aufgaben übertragen.
-
Ausgrenzung oder Kündigung
Schließlich ist der Leidensdruck so hoch, dass Betroffene oft keinen Ausweg mehr sehen als selbst zu kündigen – oder sie werden aus dem Unternehmen gedrängt. In schweren Fällen drohen langfristige gesundheitliche Folgen bis hin zur dauerhaften Arbeitsunfähigkeit.
Checkliste: Mobbing am Arbeitsplatz erkennen
Haben Sie das Gefühl, dass Sie im Job gemobbt werden? Dann nutzen Sie die folgende Checkliste und haken Sie gleich online ab, welche typischen Anzeichen bzw. Warnzeichen auf Sie zutreffen:
- Sobald ich in den Raum komme, verstummen alle.
- Die Kollegen ignorieren mich schließen mich bei Gesprächen oder Pausen aus.
- Wichtige Informationen werden mir gezielt vorenthalten.
- Ich werde ständig und unsachliche für meine Arbeit kritisiert.
- Ich werde in Meetings vor Kollegen oder Vorgesetzten bloßgestellt.
- Ich werde absichtlich unterbrochen und kann nicht mehr ausreden.
- Andere machen mich lächerlich oder sarkastische Bemerkungen über mich.
- Ich bekomme oft sinnlose Aufgaben oder unerfüllbare Anforderungen.
- Mir werden völlig unbegründet Zuständigkeiten entzogen.
- Die anderen spotten über mein Aussehen, Alter oder meine Herkunft.
- All dies passiert regelmäßig und schon seit 3 Monaten.
Wenn Sie mehr als vier Haken, insbesondere beim letzten Punkt machen konnten, handelt es sich nicht mehr nur um einen einmaligen Konflikt, sondern um ein Muster. In diesem Fall sollten Sie die Vorfälle dokumentieren und frühzeitig Unterstützung suchen (z.B. Vorgesetzte, Betriebsrat, ärztliche oder rechtliche Beratung).
Was tun gegen Mobbing am Arbeitsplatz?
Lassen Sie sich Mobbing nie gefallen! Wer die Schikane duldet und schweigt, bestärkt die Mobbing-Täter nur noch. Auch wenn Sie sich ohnmächtig fühlen, können und sollten Sie sich aktiv zur Wehr setzen. Gegen Mobbing am Arbeitsplatz gibt es bewährte Strategien:
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Angriffe ignorieren
Klingt passiv – meint aber, dass Sie dem Mobber und Täter die kalte Schulter zeigen. Reagieren Sie souverän und ziehen Sie sein armseliges Handeln ins Lächerliche. Haben die Gerüchte und Gemeinheiten keine Wirkung, lassen viele Täter davon wieder ab.
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Gespräch suchen
Gibt der Mobber nicht auf, müssen Sie ihm oder ihr Paroli bieten: Sprechen Sie den Täter erst unter vier Augen an. Hilft das nicht, dann vor Zeugen, dem Vorgesetzten oder Betriebsrat. Machen Sie klar, dass Sie wehrhaft sind und notfalls juristische Schritte einleiten.
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Tagebuch führen
Führen Sie ein sogenanntes „Mobbing-Tagebuch“ und notieren Sie die Übergriffe im Detail (Datum, Uhrzeit, Namen, Beschreibung). Das stärkt die Beweiskraft bei einem Rechtsstreit. Fordern Sie den Täter anschließend schriftlich auf, sein Verhalten zu unterlassen. Andernfalls schalten Sie einen Anwalt ein.
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Verbündete suchen
Wenn nichts hilft, bleiben Ihnen immer noch zwei Alternativen: der Gang zum Chef oder die Eigenkündigung. Ein Unternehmen mit einer Intrigantenkultur hat Sie nicht verdient, und Ihre Gesundheit ist es nicht wert, auszuharren.
Was muss der Arbeitgeber bei Mobbing tun?
Mobbing am Arbeitsplatz ist kein Kavaliersdelikt. Sobald der Arbeitgeber davon erfährt, muss er aktiv eingreifen, um Betroffene zu schützen. Das ergibt sich schon rechtlich aus der „Fürsorgepflicht“. Zu den ersten Maßnahmen gehören, Gespräche mit den Beteiligten zu führen, den Mobbingvorwurf aufzuklären und je nach Situation mit Versetzung, Mediation oder einer Abmahnung des oder der Täter zu reagieren. Unterlassen Arbeitgeber dies, riskieren die Unternehmen Schadensersatzansprüche gemäß § 823 BGB.
Wie kann ich mich gegen Cybermobbing wehren?
Auch gegen Cybermobbing können Sie sich wehren. Experten empfehlen in dem Fall folgende Gegenmaßnahmen:
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Seitenbetreiber kontaktieren
Wurden Fotos oder Videos von Ihnen ohne Ihre Erlaubnis gepostet, haben Sie das Recht, diese löschen zu lassen. Kontaktieren Sie den Seitenbetreiber, die Kontaktdaten stehen im Impressum oder es gibt Seiten, um Verstöße zu melden.
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Beweismaterial sammeln
Dokumentieren Sie – auch mithilfe von Freunden – Chats, Mails, SMS, Kommentare oder Posts, die gegen Sie gerichtet, und machen Sie davon Screenshots oder drucken Sie die Beweise mit Datum aus. Diese brauchen Sie für eine Strafanzeige.
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Polizei einschalten
Schalten Sie die Polizei ein und erstatten Sie Strafanzeige. Täter fühlen sich oft unantastbar oder anonym. Falsch! Übergeben Sie die Beweise der Polizei, um deren Ermittlungen zu erleichtern.
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Cybermobbing vorbeugen
Für die Zukunft gilt: Beugen Sie Cybermobbing direkt vor und bieten Sie Tätern nur wenig Angriffsfläche. Dazu gehört ein bewusster und sparsamer Umgang mit eigenen Daten und Bildern. Geben Sie nur das Nötigste an privaten Informationen preis und schränken Sie die Sichtbarkeit Ihrer Profile für Fremde ein.
Anlaufstellen und Beratung für Mobbing-Opfer
Für Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz gibt es in Deutschland heute zahlreiche Beratungsstellen, Mobbingtelefone und Hilfsvereine. Die folgende Liste gibt Ihnen eine erste Übersicht:
- Antidiskriminierungsstelle, Bund: Hotline 030 185551855
- Mobbing-Kontaktstelle, Frankfurt: Hotline 069 830077128
- Mobbing-Zentrale, Hamburg: Hotline 040 21983289
- Mobbing-abwehr.de: Hotline 040 33442557
FAQ – Häufige Fragen zu Mobbing
Mobbing kann für die Täter ein Kündigungsgrund sein. Weiß der Arbeitgeber von einem Mobbing-Fall, ist er verpflichtet, einzugreifen. Gelingt keine Lösung, können mobbende Mitarbeiter nach vorheriger Abmahnung „verhaltensbedingt“ gekündigt werden. Mobbing gilt als nicht tolerierbares Fehlverhalten.
Führt das Mobbing zu psychischen oder körperlichen Beschwerden, sollten Betroffene ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Eine Krankschreibung ist sinnvoll, wenn die Belastung zu groß wird und die Angriffe auch nach Feierabend nachwirken. Wichtig: Die Krankschreibung dient dem Schutz der Gesundheit, ist aber keine dauerhafte Lösung! Parallel sollten Sie weitere Schritte zur Klärung unternehmen.
Ist die Belastung durch die Mobber unzumutbar, kann das eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer rechtfertigen – auch ohne Sperrzeit beim Arbeitslosengeld. Zusätzlich kommen je nach Fall weitere rechtliche Schritte in Betracht, etwa eine Unterlassungsklage sowie Schadensersatzklage. Eine Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht ist hierbei dringend zu empfehlen.
Mobbingopfern steht häufig Schmerzensgeld zu. Gezahlt wird dieses von den Tätern und teils auch Arbeitgebern (bei unterlassener Fürsorge). Die Höhe des Schmerzensgeldes hängt jedoch immer vom Einzelfall bzw. von der Dauer, Schwere und den Folgen des Mobbings ab. Bisherige Schmerzensgeld-Summen lagen an deutschen Gerichten schon bei 1.000-3.000 Euro (leichte Fälle), 5.000-10.000 Euro bei längerem Mobbing mit psychischen Folgen, 10.000-20.000 Euro in schweren Fällen.
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