Definition: Was ist ein Psychopath?
Ein Psychopath ist jemand mit einer schweren Persönlichkeitsstörung. Betroffenen fehlt es an Empathie, Mitgefühl und Unrechtsbewusstsein. Psychopathen können die Gefühle anderer weder nachempfinden noch teilen, weshalb sie kaum emotionale Bindungen eingehen.
Häufig wirken Psychopathen auf ihr Umfeld zunächst charmant, selbstbewusst und eloquent, nutzen diese Eigenschaften jedoch gezielt aus, um andere zu manipulieren. Sie handeln oft extrem berechnend sowie impulsiv und überschreiten dabei ohne Schuldgefühle oder Reue gesellschaftliche Regeln und Gesetze. Da ihr Gehirn Emotionen und Risiken anders verarbeitet, lassen sie sich nur schwer therapieren.
Wie viele Psychopathen gibt es?
Studien sprechen häufig von einer durchschnittlichen Rate von etwa 1,2 % in der Allgemeinbevölkerung. Untersuchungen unter Straftäterinnen und Straftätern kommen auf bis zu 20 % in den USA und 7-9 % in Deutschland.
Psychopath ist keine Diagnose für schwierige Menschen
Im Alltag wird der Ausdruck „Psycho“ häufig für aggressive, rücksichtslose oder unberechenbare Personen genutzt. Einzelne unangenehme Verhaltensweisen belegen jedoch keine Psychopathie. Vor allem ist Psychopathie keine offizielle Diagnose. Sie kommt im Diagnose-Klassifikationssystem ICD-10 nicht vor. Dort gibt es lediglich die Diagnose „dissoziale Persönlichkeitsstörung“. Gerade am Arbeitsplatz sollten Sie deshalb keine Ferndiagnosen stellen. Entscheidend ist, problematische Verhaltensmuster zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren.
Psychopath im Job erkennen: 9 typische Merkmale
Ein einzelner Konflikt macht einen Kollegen noch nicht zum Psychopathen. Aussagekräftiger sind wiederkehrende Muster, die sich über verschiedene Situationen und einen längeren Zeitraum zeigen. Im Berufsalltag sollten Sie auf folgende Merkmale und Warnzeichen achten:
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Oberflächlicher Charme
Die Person tritt redegewandt, selbstbewusst und gewinnend auf. Dadurch kann sie schnell Vertrauen gewinnen und einen überzeugenden ersten Eindruck hinterlassen.
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Strategisches Lügen
Informationen werden verschwiegen, verdreht oder erfunden, wenn das dem eigenen Vorteil dient. Fliegt eine Unwahrheit auf, wird die Darstellung oftmals kurzerhand angepasst.
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Manipulatives Verhalten
Kollegen werden beeinflusst, gegeneinander ausgespielt oder für eigene Zwecke instrumentalisiert. Freundlichkeit kann dabei ebenso als Werkzeug dienen wie Druck.
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Geringe Empathie
Die Gefühle anderer werden zwar teilweise erkannt, führen aber nicht zu Rücksichtnahme. Entscheidungen orientieren sich allein am eigenen Nutzen.
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Wenig Reue
Nach Grenzüberschreitungen oder Fehlentscheidungen zeigen Betroffene keinerlei Schuldbewusstsein. Negative Folgen werden eher relativiert oder gerechtfertigt.
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Verantwortung abschieben
Eigene Erfolge werden betont, Fehler dagegen Mitarbeitern, Kollegen oder den Umständen zugeschrieben. Auch Zuständigkeiten werden im Nachhinein anders dargestellt.
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Regeln missachten
Vorgaben besitzen wenig Gewicht, wenn sie persönlichen Zielen im Weg stehen. Grenzen werden immer wieder ausgetestet oder bewusst umgangen.
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Unnötige Risiken eingehen
Mögliche Konsequenzen schrecken kaum ab. Das wirkt zunächst mutig und entschlossen, bei folgenreichen Entscheidungen kann jedoch hoher Schaden entstehen.
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Überhöhtes Selbstbild
Die eigenen Fähigkeiten und die persönliche Bedeutung (für die Firma) werden grandios überschätzt. Kritik und Einwände anderer werden sofort abgeschmettert.
Psychopathie überschneidet sich in einzelnen Punkten mit Narzissmus und Machiavellismus. Zusammen bilden diese drei Persönlichkeitsdimensionen die sogenannte Dunkle Triade.

Welche Auswirkungen haben Psychopathen im Beruf?
Das Klischee vom besonders erfolgreichen „Business-Psychopathen“ greift zu kurz. Zwar können Selbstsicherheit, Furchtlosigkeit, überzeugendes Auftreten oder hohe Risikobereitschaft in vielen Positionen laut einer Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zunächst Vorteile haben. Andere Studien zeigen aber auch: Ausgeprägte psychopathische Züge führen oft zu geringerer Arbeitsleistung und weniger kooperativem Verhalten. Gleichzeitig treten kontraproduktive Verhaltensweisen häufiger auf. Zwar gibt es überraschend viele Psychopathen auf der Chefetage – ein kausaler Zusammenhang zwischen Psychopathie und dem Aufstieg in Führungsrollen lässt sich aber nicht nachweisen.
Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, ob es in Ihrem Beruf möglicherweise besonders viele Psychopathen gibt, dann werfen Sie einen Blick auf die Liste (PDF) des Psychologen Kevin Dutton. Sie fasst die Top-10-Berufe mit den meisten Psychopathen zusammen.
Psychopath-Test: Kann ich Psychopathie erkennen?
Einen zuverlässigen Psychopathen-Test für Laien gibt es nicht. In der forensischen Psychologie wird häufig die von Robert D. Hare entwickelte „Psychopathy Checklist-Revised“ (PCL-R) genutzt. Das professionelle Beurteilungsverfahren umfasst 20 Kriterien und berücksichtigt unterschiedliche Informationsquellen.
Psychopathie-Checkliste nach Robert Hare
Wichtig: Die PCL-R ist aber weder ein Online-Selbsttest noch eine Checkliste, mit der Sie einen Kollegen oder Vorgesetzten diagnostizieren können:
- Oberflächlicher Charme und sprachliche Gewandtheit
- Übersteigertes Selbstwertgefühl
- Pathologisches Lügen
- Betrügerisches und manipulatives Verhalten
- Mangel an Reue oder Schuldbewusstsein
- Oberflächliche Gefühle
- Gefühlskälte und mangelnde Empathie
- Fehlende Bereitschaft, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen
- Starkes Stimulationsbedürfnis und Neigung zu Langeweile
- Ausbeuterischer beziehungsweise parasitärer Lebensstil
- Fehlende realistische langfristige Ziele
- Impulsivität
- Verantwortungslosigkeit
- Unzureichende Verhaltenskontrolle
- Frühe Verhaltensauffälligkeiten
- Jugendkriminalität
- Missachtung von Auflagen oder Bewährungsbedingungen
- Vielseitige Kriminalität
- Häufig wechselnde Sexualkontakte
- Viele kurzzeitige eheliche oder eheähnliche Beziehungen
Zwischenmenschliche Merkmale
Emotionale Merkmale
Lebensstil
Antisoziales Verhalten
Zwei weitere Kriterien
Im Berufsalltag benötigen Sie solche Kriterien aber nicht: Wenn ein Kollege wiederholt täuscht, manipuliert, Vereinbarungen missachtet oder anderen schadet, sollten Sie darauf angemessen reagieren – unabhängig von der psychologischen Ursache.
Kann man einen Psychopathen an Augen oder Gesicht erkennen?
Ein starrer Blick, vermeintlich „kalte Augen“, markante Gesichtszüge oder andere körperliche Merkmale verraten gar nichts. Das ist Humbug. Auch aus Gestik und Mimik sagen nichts über die Persönlichkeit. Beobachten Sie besser das Verhalten über längere Zeit: Wie geht die Person mit Macht, Verantwortung und Kritik um? Respektiert sie Vereinbarungen und Grenzen? Wie behandelt sie Menschen, von denen sie keinen Vorteil erwartet? Solche Situationen liefern Ihnen für den Arbeitsalltag wesentlich nützlichere Informationen als Gesichtszüge.
Psychopath oder Soziopath: Was ist der Unterschied?
Psychopath und Soziopath werden umgangssprachlich oft gleichgesetzt. Wissenschaftlich handelt es sich jedoch um zwei Diagnosen, die sich nicht eindeutig abgrenzen lassen. Insbesondere der „Soziopath“ wird uneinheitlich verwendet:
Begriff |
Einordnung |
| Psychopath | Psychologisches Konstrukt mit zwischenmenschlichen, emotionalen und verhaltensbezogenen Merkmalen |
| Soziopath | Uneinheitlich verwendeter Begriff für ausgeprägt antisoziales Verhalten, keine eigenständige psychiatrische Diagnose |
Die populäre Unterscheidung „Psychopathie ist angeboren, Soziopathie anerzogen“ ist daher falsch. Persönlichkeit und antisoziales Verhalten können durch biologische Voraussetzungen ebenso beeinflusst werden wie durch Umwelt und Erfahrungen.
Psychopath im Job: Was tun?
Vermuten Sie einen Psychopathen im Job? Für Ihren Schutz ist in dem Fall entscheidend, wie Sie auf Täuschung, Manipulationsversuche, Schuldverschiebung oder andere Grenzüberschreitungen reagieren:
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Konkretes Verhalten benennen
Argumentieren Sie bitte nicht mit Charakterurteilen. Sagen Sie besser: „Wir hatten vereinbart, dass die Aufgabe bei Ihnen liegt“ statt „Sie übernehmen nie Verantwortung.“ Das macht Ihre Position sachlicher und überprüfbar.
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Persönliche Informationen dosieren
Gehen Sie zurückhaltend mit privaten Problemen und vertraulichen Informationen um. Intimes Wissen, das Sie nicht preisgeben, kann später auch nicht gegen Sie eingesetzt werden.
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Vereinbarungen schriftlich sichern
Bestätigen Sie Zuständigkeiten, Fristen und wichtige Entscheidungen per E-Mail oder Gesprächsnotiz. So entsteht eine nachvollziehbare Grundlage, falls Aussagen später verändert werden.
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Eigene Beiträge sichtbar machen
Dokumentieren Sie Ergebnisse und Ihren Anteil an Projekten. Damit erschweren Sie es anderen, Ihre Leistungen für sich zu beanspruchen oder Ihnen fremde Fehler zuzuschreiben.
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Nicht provozieren lassen
Vermeiden Sie emotionale Machtkämpfe. Kehren Sie im Gespräch zu Fakten, Zuständigkeiten und dem gewünschten Ergebnis zurück, wenn Ihr Gegenüber ablenkt oder persönlich wird.
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Grenzen konsequent verteidigen
Sagen Sie eindeutig, welches Verhalten Sie nicht akzeptieren. Entscheidend ist anschließend die Konsequenz: Eine Grenze, deren wiederholte Verletzung folgenlos bleibt, verliert ihre Wirkung.
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Vorfälle protokollieren
Notieren Sie bei ernsthaften Problemen Datum, Beteiligte, Geschehen und Auswirkungen. Trennen Sie dabei Beobachtungen von Vermutungen. Eine sachliche Chronologie ist bei einer späteren Eskalation wertvoller als allgemeine Vorwürfe.
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Unterstützung organisieren
Bei wiederholten oder erheblichen Grenzüberschreitungen können Sie die Führungskraft, Personalabteilung oder den Betriebsrat einschalten. Schildern Sie konkrete Vorfälle – keine vermutete Diagnose! Bleibt die Situation dauerhaft untragbar, sollten Sie einen internen Wechsel oder einen Jobwechsel prüfen.
So sprechen Sie das Verhalten bei HR an
Sagen Sie bloß nicht: „Mein Chef ist ein Psychopath.“ Beschreiben Sie stattdessen stets einen überprüfbaren Vorgang: „Am 12. September wurde meine Zuständigkeit nachträglich geändert. Die ursprüngliche Vereinbarung liegt schriftlich vor.“ Ergänzen Sie, welche Folgen daraus für Ihre Arbeit oder das Team entstanden sind. So wird aus einer persönlichen Bewertung ein konkreter Sachverhalt.
FAQ – häufige Fragen zu Psychopathen
Sind Psychopathen automatisch gefährlich?
Psychopathische Persönlichkeitsmerkmale bedeuten nicht automatisch Gewalt oder Kriminalität. Die Gleichsetzung mit gefährlichen Straftätern wird stark durch diese populäre Darstellungen geprägt. Problematisches Verhalten kann sich aber schon durch Täuschung, Ausbeutung, Regelverstöße oder mangelnde Rücksicht zeigen.
Können Psychopathen Gefühle haben?
Psychopathie bedeutet nicht, dass Betroffene überhaupt keine Emotionen haben. Auffälligkeiten betreffen vielmehr fehlende Empathie und mangelhaftes Mitgefühl. Die Vorstellung vom vollständig gefühllosen Psychopathen ist zu pauschal.
Gibt es weibliche Psychopathen?
Psychopathische Züge kommen bei Frauen wie Männern vor. Ein Teil der Forschung basiert allerdings auf forensischen Stichproben mit überwiegend männlichen Teilnehmern. Vermeintlich eindeutige Unterschiede zwischen „männlichen“ und „weiblichen“ Psychopathen sollten deshalb nicht verallgemeinert werden.
Kann Psychopathie behandelt werden?
Eine psychopathische Persönlichkeit lässt sich nicht mit einer einfachen Therapie beseitigen. Typische Behandlungen setzen eher an konkreten Problemen wie aggressivem oder impulsivem Verhalten an. Ob und welche Therapie infrage kommt, entscheiden Ärzte aber immer individuell.
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