Definition: Was ist Konkurrenz?
Konkurrenz bezeichnet den Wettstreit oder Wettbewerb zwischen Personen, Gruppen, Unternehmen oder Gesellschaften um dieselben begrenzten Ressourcen – etwa Nahrung, Partner, Aufmerksamkeit und Anerkennung, Kunden und Marktanteile, Status oder Macht. Im Sport geht es dabei oft um einen sportlichen Vergleich in einem begrenzten Bereich sowie nach klar definierten Regeln. Konkurrenz kann aber ebenso zur aggressiven Rivalität werden, bei der die Konkurrenten mit fiesen Tricks, Täuschung und unlauteren Mitteln arbeiten oder sich einander schaden.
Was ist die interspezifische & intraspezifische Konkurrenz?
In der Ökologie und Biologie beschreibt Konkurrenz den Wettbewerb zwischen Lebewesen um begrenzte Ressourcen wie Nahrung, Wasser, Licht oder Lebensraum. Unterschieden werden dabei nochmal zwei Formen:
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Intraspezifische Konkurrenz = innerhalb einer Art
Bei der intraspezifischen Konkurrenz konkurrieren Individuen derselben Art miteinander – also z.B. Hirsche im Wald um dieselben Sexualpartner.
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Interspezifische Konkurrenz = zwischen verschiedenen Arten
Bei der interspezifischen Konkurrenz herrscht der Wettbewerb zwischen verschiedenen Arten – etwa unterschiedliche Pflanzen, die dicht nebeneinander wachsen und sich gegenseitig das Licht wegnehmen.
Wie entsteht Konkurrenz?
Schon Charles Darwin und Thomas Robert Malthus erkannten, dass es vor allem knappe und begrenzte Ressourcen sind, die Konkurrenz entstehen lassen. Im Berufsleben sind das zum Beispiel die bestbezahlten Jobs, die Gunst beim Chef und damit eine Beförderung oder Projekte, die viel Prestige und Einfluss versprechen. Wettbewerb ist damit ein fester, aber nicht immer allgegenwärtiger Bestandteil der natürlichen Selektion und unseres Alltags. Auch im Privaten. Ein Weg, diesen Wettstreit auszutragen, ist der Kampf. Genauso kann schon der einfache Vergleich entscheiden, wer der oder die Cleverere ist oder wer schöner aussieht oder reicher ist. Aus diesem Antrieb heraus stürzen wir uns nicht zuletzt auch in die absurdesten Wettkämpfe, etwa auf der Autobahn, in Social Media um Klicks und Follower oder in der Liebe durch Imponiergehabe.
Warum konkurrieren Menschen so gern mit anderen?
Konkurrenzdenken und Konkurrenzkampf sind uns bereits in die Wiege gelegt. Von Kindesbeinen an, vergleichen und messen wir uns mit anderen. Die Hauptmotivation hierbei ist allerdings weniger der Sieg, sondern vielmehr das Lernen und „Über-uns-hinauswachsen“. Gesunde Konkurrenz kitzelt im Idealfall das Beste aus uns heraus, spornt uns an und weckt den Ehrgeiz. Obwohl das ständige Konkurrieren anstrengend ist, versetzt uns der Wettbewerb oft in einen besonderen Rauschzustand: Dabei werden Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, Körper und Geist sind maximal aktiv und leistungsbereit. Sogar die Schmerztoleranz und das Selbstvertrauen steigen. Konkurrenz wird so zum Motor, durch den wir immer besser werden – und wagemutiger. Nicht zuletzt ist es unser Konkurrenzdenken, das uns dabei hilft, Ängste zu überwinden und unseren Mut zu trainieren.
Männer suchen den Wettbewerb mehr als Frauen
Menschen erleben Konkurrenz unterschiedlich – abhängig von ihrer Persönlichkeit oder je nachdem, wie sie ihre Gewinnchancen einschätzen. Studien zeigen jedoch, dass Männer den Wettkampf tatsächlich mehr lieben und suchen als Frauen. Das ist also kein Klischee: Bei einer US-Studie sagten rund 73 % der Männer, sie hätten Lust auf Wettbewerb, aber nur 35 % der Frauen stimmten dem zu. Das liegt jedoch auch daran, dass Frauen meist besser darin sind, ihre Erfolgschancen realistisch einzuschätzen. Männer dagegen konkurrieren öfter, weil sie sich überschätzen. Kompetitives Denken kann uns deshalb nicht nur leistungsfähiger machen, sondern genauso leichtsinniger – mit manchmal katastrophalen Folgen.
„Wer konkurriert, kann gewinnen.“ – Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Gleichzeitig gibt es immer auch Verlierer. Im Wettbewerb können wir ebenso scheitern. Auch das Gefühl kennt jeder. Trotzdem halten die meisten die vielen schmerzhaften Niederlagen nicht davon ab, weiterzumachen, wieder aufzustehen und neu anzutreten.
Was sind die Vor- und Nachteile von Konkurrenz?
Wettbewerb und Konkurrenz lassen sich nicht verhindern. Entweder werden wir mit anderen verglichen oder wir vergleichen uns selbst. Das hat allerdings ebenso Vorteile wie Nachteile:
Vorteile
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Schwachstellen erkennen
Mitstreiter sind ein guter Maßstab für die eigene Performance. Sich mit anderen zu batteln, zeigt uns nicht nur unsere Stärken, sondern eben auch die Schwachstellen. Der Wettstreit fördert somit die Selbsterkenntnis, die wiederum ein guter Ausgangspunkt für Potenziale und die persönliche Entwicklung ist.
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Selbstvertrauen steigern
Wer sich gegen einen Mitbewerber durchsetzt, steigert Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit. Der Sieg ist der beste Beweis für eigene Fähigkeiten. Das fördert den Mut für weitere Vorhaben.
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Antrieb entwickeln
Ohne Konkurrenz verlieren viele ihr Ziel aus den Augen. Konkurrenten sind oftmals ein Motor, der uns antreibt, ungeahnte Kräfte weckt und uns dazu bringt, uns eben noch etwas mehr anzustrengen, um letztlich besser zu werden – selbst wenn wir am Ende nicht gewinnen.
Nachteile
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Mehr Stress
Es kostet enorme Energie, jedes Mal sein Bestes zu geben oder besser zu sein als andere. Weil solche Vergleiche nie enden, entsteht ein endloser Wettlauf, den man nicht gewinnen kann – das sprichwörtliche Rattenrennen oder Hamsterrad im Job.
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Mehr Frust
Niemand gewinnt immer, und der Zweite ist schon der erste Verlierer. Wer aber immer wieder den Kürzeren zieht, entwickelt mit der Zeit Frustration, wachsende Selbstzweifel oder sogar Neid und Missgunst.
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Mehr Feinde
Es kommt natürlich darauf an, wie sportlich jemand den Wettbewerb nimmt und erlebt. Je nach Persönlichkeit kann die harmlose Rivalität aber genauso in offene Feindschaft umschlagen – was nicht selten ein Faktor für psychische Belastungen, Depressionen oder einen Burnout ist.
Nicht wenige Konkurrenten greifen irgendwann zu unfairen Mitteln – insbesondere, wenn sie sich ständig auf der Verliererseite sehen. Wer das Gefühl hat: „Ich kann nicht mehr gewinnen, weil der oder die andere betrügt“, wird entweder versuchen, die Spielregeln zu ändern, oder selbst anfangen zu täuschen und zu betrügen. In einem solchen Umfeld und Klima wachsen Intrigen, Hinterhältigkeiten und Mobbing.
Was sind toxische Narrative?
Gerade Gruppen konkurrieren ebenso oft um die Deutungshoheit, suchen Verbündete und grenzen sich ab. Das Ergebnis sind dann oft sogenannte toxische Narrative: manipulative, emotional aufgeladene Erzählmuster, die gesellschaftliche Debatten vergiften, polarisieren und sich gegen andere Gruppen richten. Sie nutzen häufig Falschinformationen und überzogene Darstellungen, um Vorurteile zu schüren, Minderheiten abzuwerten und eigene Gruppen aufzuwerten. Der Faschismus ist dafür ein klassisches und zugleich katastrophales Beispiel.
Gesunde Konkurrenz braucht einen fairen Rahmen
Damit Konkurrenz motivierend und leistungssteigernd wirkt, benötigen wir Mitstreiter, denen wir auf Augenhöhe begegnen – die wir also theoretisch besiegen können. Im Sport gibt es dazu Alters-, Geschlechts- oder Gewichtsklassen. Eine knappe Niederlage tut dann zwar immer noch weh, bleibt aber lehrreich: Beim nächsten Mal gibt es eine neue Chance! Eine zweite Voraussetzung ist generelle Fairness. Anderen den Erfolg zu gönnen, ist nicht einfach, wenn die Bedingungen ungerecht sind. Im Sport ist deshalb Doping verboten. Aber auch sonst haben wir ein ziemlich gutes Gespür dafür, ob der Wettbewerb fair oder unlauter ist.
Das Ultimatumspiel
Ein gutes Beispiel hierfür ist das sog. Ultimatumspiel. Bei dem spieltheoretischen Experiment muss ein Spieler (Proposer) einen festen Betrag (z.B. 100 €) aufteilen. Ein zweiter Spieler (Responder) kann das Angebot annehmen, dann erhalten beide ihren Anteil – oder ablehnen, dann gehen beide leer aus. Rein rational wäre es für den Responder klug, jedes Angebot anzunehmen, weil 10 € immer noch besser sind, als null Euro. Das Ultimatumspiel zeigt aber, dass unfaires Verhalten jeden Eigennutz überwiegt. Zur Annahme kommt es in den meisten Spielen erst bei einem Verteilungsverhältnis von 70:30 oder 60:40. Geringere Angebote werden praktisch immer abgelehnt. Jeder Wettstreit benötigt deshalb stets einen festen und fairen Rahmen, um auch von jenen akzeptiert zu werden, die als Verlierer vom Platz gehen.
Zu viel Konkurrenz macht irrational
Dass zu viel Konkurrenzstreben sogar den eigenen rationalen Verstand benebelt, zeigt ein inzwischen legendäres Experiment der Harvard-Universität. Die Absolventen wurden vor die Wahl gestellt: Entweder sie verdienen später im Job 50.000 Dollar, während alle anderen nur 25.000 Dollar bekommen. Oder Ihr Jahresgehalt steigt auf 100.000 Dollar, während alle anderen 200.000 Dollar bekommen. Mehr als die Hälfte wählte Option A. Sie verzichteten lieber auf ein gutes Einkommen, wenn sie dadurch relativ besser dastanden als ihre Mitstreiter. Irrational, aber menschlich: Sieg und Niederlage sind eben relativ.
Was kann ich gegen zu viel Konkurrenz tun?
Wenn Konkurrenz um die beste Lösung ringt, wirkt sie ebenso positiv wie produktiv. Konkurrenzdenken gehört zur menschlichen Psyche, hat aber leider auch dunkle Seiten. Schon die Bibel nennt das Beispiel von Kain und Abel: Ein Bruder erschlägt den anderen aus Neid auf die Gunst Gottes. Gesetze und Regeln (etwa: Corporate Compliance) helfen, allzu ausufernden Wettbewerb zu beschränken und in gesunde Bahnen zu lenken. Manchmal ist es auch schon die eigene Reputation, die uns von unredlichen Mitteln abhält. Man kann zwar den Kollegen ein Bein stellen, aber der Ruf leidet darunter, was schließlich zu sozialer Isolation oder zum Jobverlust führen kann.
Ein möglicher Ausweg aus dem Rattenrennen ist Spezialisierung: Dadurch entsteht automatisch weniger direkte Konkurrenz, weil Sie nicht mehr mit allen, sondern nur noch mit wenigen vergleichbar sind. Gleichzeitig werden Sie relevanter und wiedererkennbarer. Dasselbe passiert, wenn Sie sich ganz auf Ihre Stärken und Alleinstellungsmerkmale konzentrieren und einen klaren Mehrwert schaffen, statt sich zu vergleichen. Statt Konkurrenten oder Mitstreiter blind zu kopieren, bleiben Sie Ihr eigenes Original – ehrlich und authentisch. Die Erfahrung zeigt, dass sich genau das langfristig durchsetzt. Letztlich geht es weniger darum, die Konkurrenz zu bekämpfen, sondern vielmehr darum, eine eigene, unverwechselbare Position zu beziehen.
Erfolgreiche Systeme – auch das zeigen Studien – fördern zwar den Wettbewerb untereinander, gleichzeitig aber genauso die Fairness, Transparenz und Kooperation. Trotz aller Konkurrenz kooperationsfähig zu bleiben und im Zweifel sogar mit einem Wettbewerber ein Bündnis einzugehen, ist die erfolgreichste Strategie. Das wahre Ziel der Konkurrenz ist schließlich nicht der Sieg, sondern die eigene Entwicklung und das persönliche Wachstum.
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