Es ist unglaublich leicht drauflos zu arbeiten, zu arbeiten und zu arbeiten, um sich am Ende doch nur zu wundern, warum man sich nicht weiterentwickelt oder der Spaß am Job allmählich flöten geht. Dagegen lassen sich freilich ebenso zahlreiche wie hilfreiche Tipps formulieren. Das haben wir hier auf Karrierebibel.de auch immer wieder gemacht. Solche Empfehlungen haben allerdings einen inhärenten Fehler: Man liest sie, nickt – und macht trotzdem weiter wie bisher. Deshalb gehen wir heute einen anderen Weg: Statt Tipps gibt’s (selbst-)kritische Fragen. Bei denen reicht Nicken in der Regel nicht. Oft wirken Sie wie ein Virus: Ist der Gedanke erst einmal im Kopf, breitet er sich aus – und die Fragen bohren weiter.

Wir warnen daher ausdrücklich vor möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Lesen könnte Ihr Leben verändern.

Wo Ratschläge immer nur allgemein gehalten sein können, wenn Sie möglichst vielen Lesern helfen sollen, ergeben sich die persönlich besseren Antworten oft dann, wenn Sie sich die richtigen und zudem schwierigen Fragen stellen. Und zwar nicht nur einmal, sondern idealerweise immer wieder mal (deshalb gab’s den Beitrag auch schon mal – 2008). Lassen Sie sich dazu also ruhig Zeit. Gut Ding und so…

  1. Was war die größte Leistung, der größte Erfolg der vergangenen Woche? Vorsicht: Sagen Sie jetzt nicht, Sie hatten keinen Erfolg! Es gibt immer einen – vielleicht ist es eben nur ein kleiner. Und hierbei geht es um den relativ größten davon. Loben Sie sich dafür, seien Sie stolz auf sich. Und fragen Sie sich gleich dazu, ob Sie dieses Paradestück in der kommenden Woche wiederholen können? Oder gar steigern? Wie?
  2. Mit wem sollte ich mich mal wieder treffen oder reden? In der Frage stecken gleich zwei mögliche Ziele. Das erste ist offensichtlich: netzwerken. Jobkontakte muss man schließlich pflegen. Das zweite ist jedoch oft wichtiger: persönliche private Beziehungen erhalten. Jeder Mensch braucht gute Freunde. Und wenn der Stress im Alltag wächst, verliert man solche Beziehungen leicht aus dem Blickfeld. Nicht gut. Denn hier stecken die wahren Stressreduzierer, Ratgeber, Leitplanken.
  3. Welchen Streit sollte ich dringend klären? Ärger gibt es immer wieder. Vor allem im Job. Wenn solche Auseinandersetzungen unausgesprochen bleiben und schwelen, können daraus leicht Intrigen oder gar veritable Feindschaften erwachsen. Ein offenes persönliches Gespräch (nicht per Telefon!) nimmt manchem Ärgernis den Stachel.
  4. Wem könnte oder sollte ich danken? Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Und sie macht selber glücklicher.
  5. Falls hinter Ihnen eine Horrorwoche liegt: Wie komme ich zu neuer Kraft? Natürlich gehört dazu auch die Frage: Wie kommen Sie jetzt erst einmal wieder runter von dem hohen Stresslevel? Beides gehört aber zusammen und wirkt meist symbiotisch.
  6. Fragen zum Job selbst

  7. Warum tue ich das? Haben Sie sich schon dabei erwischt, an etwas zu arbeiten ohne zu wissen warum? Das ist uns allen schon passiert, denke ich, also kein Grund zum Zweifel. Dennoch sollten wir uns alle ab und an fragen: Wozu ist das gut, was ich gerade mache? Wer profitiert davon? Was ist meine Motivation dafür? Wer die Antwort auf diese Fragen kennt, bekommt sofort bessere Laune und neuen Schwung für den Job.
  8. Welches Problem löse ich damit? Oder anders gefragt: Was ist überhaupt das Problem? Hilft das unseren Kunden? Hilft es uns? Und lost das, woran ich arbeite, wirklich ein reales Problem? Nicht wenige exekutieren nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, statt wirkliche Probleme aus der Welt zu schaffen. Und allein letzteres bringt einen persönlich und das Unternehmen weiter.
  9. Ist das nützlich, was ich tue? Die Frage korrespondiert mit der davor, geht aber noch einen Schritt weiter. Es reicht ja nicht nur ein Problem zu lösen – es muss dafür auch eine Nachfrage geben. Oder anders gesagt: Was immer Sie entwickeln, es muss Ihrer Zielgruppe einen gefragten Nutzen bringen. Denn nur so haben Sie eine Chance, dass daraus auch ein Geschäftsmodell wird.
  10. Wo liegt der Mehrwert? Und wie hoch ist dieser? Angenommen Sie entwickeln einen neuen Kugelschreiber: Sie lösen damit ein Problem (Wie schreibe ich es auf?) und Ihr Produkt ist nützlich (Schreibt immer und verschmiert nicht). Aber welchen Mehrwert liefern Sie damit? Kugelschreiber gibt es längst in allen Ausführungen. Es gibt sie in bunt und billig, in ausgefallen und simpel. Was also können die Kunden aus Ihrem Schreiber mehr herausholen? Und manchmal – aber das nur am Rande – ist weniger mehr wert. Ich denke da zum Beispiel an Apple-Produkte: Nicht 10 Knöpfe, sondern einer; nicht 10 Formen und Features, sondern nur die wichtigen. Herausgekommen sind dabei Kultprodukte wie der iPod oder das Mac Book Air.
  11. Was bewirkt es? Diese Frage sollten sich vor allem Forscher, Researcher, Berater & co. stellen. Macht es einen Unterschied, wenn ich weiß, es sind 41 Prozent statt 39 Prozent? Hat es Folgen sich mit 0,04 Minuten oder 2,1 Promille zu beschäftigen. Manchmal ja, manchmal nein. Aber bevor man solche Informationen beschafft und analysiert, hat es mehr Sinn sich zu fragen, ob die Daten und das Ergebnis wirklich zu Veränderungen führen (sollen).
  12. Geht es einfacher? Oft geht das so: Wir haben das Problem erkannt – und legen los, initiativ, inspiriert, intuitiv. Aber warum umständlich, wenn es auch leichter geht? Kurz darüber nachdenken, was der bessere Weg ist, kostet vielleicht etwas Zeit, spart hinterher aber mehr Ressourcen. Das Denken in Alternativen und Opportunitätskosten sollte zum Alltagsrepertoire gehören. Und diese Frage darf man sich nicht nur am Anfang stellen! Auch zwischendurch hat das immer wieder Sinn.
  13. Fragen zum Lernen

  14. Was habe ich vergangene Woche gelernt? Vielleicht ist es nur eine kleine Erkenntnis darüber, wie Sie Ihren Alltag künftig besser organisieren. Vielleicht aber auch eine persönliche Erfahrung mit Kollegen, denen Sie künftig besser nicht mehr trauen – oder jetzt erst recht. Vielleicht haben Sie aber auch etwas über die Liebe und das Leben gelernt. Jeder Mensch lernt jede Woche etwas hinzu. Wichtig ist nur, dass Sie die Lektion für sich festhalten und memorieren.
  15. Was waren die schönsten Momente der vergangenen Woche? Gedanken haben Macht. Womit wir uns gedanklich beschäftigen, worüber wir grübeln, das prägt uns, unsere Gefühle und unser Handeln. Memorieren Sie also – entgegen der üblichen Gewohnheiten – vor allem positive Erlebnisse.
  16. Was war der größte Fehler der Vergangenheit? Die Frage steht nicht im Widerspruch zur vorherigen. Sie soll nicht herunterziehen, sondern dient ebenfalls einem Lerneffekt. Denn daran schließen sofort die Fragen an: Machen Sie den Fehler chronisch? Können Sie ihn sich abgewöhnen? Wie? Was sind die typischen Folgen – und kann man das abändern?
  17. Bin ich meinen Zielen näher gekommen? Auch hier gibt es zwei mögliche Perspektiven: Sind Sie den Zielen Ihres aktuellen Projektes näher gekommen – oder Ihren langfristigen Karrierezielen? Letztere sollten Sie nicht aus den Augen verlieren. Natürlich müssen Sie dabei keine Karriere-To-Do-Liste abhaken. Das wäre albern. Aber sich hin und wieder zu fragen: Wo will ich eigentlich hin – und bin ich noch auf meinem Weg? bringt Sie Ihrem Ziel in jedem Fall näher, mindestens aber hält es Sie auf Kurs.
  18. Was hält mich ab? Oder anders gefragt: Was hindert Sie daran, Ihren Zielen näher zu kommen? Sind es (unbestimmte/unbegründete) Ängste, Kollegen, Konstellationen, mangelnder Mut, Planlosigkeit? Sie müssen in naher Zukunft ja nicht alle Hürden auf einmal ausräumen, Hauptsache Sie beginnen möglichst bald damit.
  19. Fragen an die Zukunft

  20. Was möchte ich verändern/verbessern? Das können Arbeitsabläufe sein, aber auch das eigene Image im Unternehmen sowie das Verhältnis zum Chef (was oft korreliert).
  21. Warum ist mir dieses Ziel so wichtig? Welche Bedürfnisse würden damit befriedigt: mehr Selbstwert, Freiheit, finanzielle Sicherheit?
  22. Was müsste ich tun, um diesem Ziel näher zu kommen? Und sind Sie bereit, jeden Preis dafür zu zahlen? Wann wäre Schluss? Worauf müssten Sie dafür verzichten? Könnten Sie das?
  23. Was sind die Herausforderungen der kommenden Woche? Es ist gut sich seine Kräfte einzuteilen und sich auf die dicksten Brocken zuerst zu konzentrieren. Erstens, weil man dafür die meiste Zeit braucht, aber auch die größten Lorbeeren ernten kann. Zweitens, weil der Rest einem dann wesentlich leichter von der Hand geht.
  24. Wie kann ich einem anderen Menschen helfen? Nachdem Sie sich in vielen Fragen auf sich selbst fokussiert haben, sollten Sie allerdings auch Ihre Mitmenschen nicht aus den Augen verlieren. Das betrifft, Freunde, Familie, Kollegen oder gar Chefs. Seien Sie nicht nur für sich selbst ein Problemlöser. Anderen zu helfen, schafft Freude und Freunde und obendrein hilft es die Welt ein kleines Stück zu verbessern

Na, was haben Sie sich davon heute schon gefragt?