Definition: Was ist Selbstsabotage?
Selbstsabotage bedeutet, die eigenen Ziele, Chancen oder Bedürfnisse durch das eigene Verhalten zu behindern – bewusst oder unbewusst. Wer sich selbst sabotiert, steht sich im Weg: Er oder sie schiebt wichtige Aufgaben auf, vermeidet Entscheidungen oder macht sich durch übertriebene Selbstkritik klein. Dahinter steckt häufig der innere Kritiker, der uns einredet, nicht gut genug zu sein.
Das Paradoxe daran: Selbstsabotage erfüllt oft einen kurzfristigen Zweck. Wer sich nicht auf eine attraktive Stelle bewirbt, riskiert keine Absage. Die Angst vor Zurückweisung verschwindet für einen Moment. Dafür bleibt die berufliche Chance dauerhaft ungenutzt. So entsteht ein Teufelskreis: Wir vermeiden eine unangenehme Erfahrung, fühlen uns zunächst erleichtert und bestätigen damit ungewollt unser bisheriges Verhalten. Beim nächsten Mal fällt es noch schwerer, mutig zu handeln.
Ist Selbstsabotage eine psychische Störung?
Selbstsabotage ist keine psychische Erkrankung oder Persönlichkeitsstörung. Selbstschädigende Verhaltensweisen treten jedoch auch im Zusammenhang mit Depressionen, Angststörungen oder belastenden Erfahrungen auf. Wer dauerhaft unter seinen Verhaltensmustern leidet, sollte das ärztlich abklären lassen. Selbstverletzungen sind bereits ein ernstes Warnsignal.
Selbstsabotage erkennen: 10 typische Anzeichen
Selbstsabotage trägt viele Gesichter. Manche Menschen scheitern an ihrem Perfektionismus, andere an ihrer Angst vor Ablehnung. Wieder andere übernehmen ständig zu viel Verantwortung und vernachlässigen dabei ihre eigenen Bedürfnisse. Achten Sie auf diese Verhaltensweisen:
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Ständige Selbstzweifel
Sie unterschätzen Ihre Fähigkeiten und trauen sich Aufgaben nicht zu, die Sie bewältigen würden.
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Übertriebene Selbstkritik
Ein kleiner Fehler beschäftigt Sie tagelang. Eigene Erfolge spielen dagegen kaum eine Rolle.
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Perfektionismus
Sie überarbeiten Ergebnisse endlos oder beginnen gar nicht erst, weil Sie Ihren Ansprüchen nicht genügen.
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Prokrastination
Sie schieben wichtige Aufgaben auf, obwohl der Zeitdruck dadurch immer größer wird.
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Angst vor Veränderungen
Sie bleiben lieber in einer unbefriedigenden Situation, als sich auf etwas Neues einzulassen.
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Negative Glaubenssätze
Sätze wie „Ich schaffe das sowieso nicht“ oder „Das habe ich nicht verdient“ bestimmen Ihre Entscheidungen.
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Fehlende Grenzen
Sie können schlecht Nein sagen und übernehmen Aufgaben, obwohl Ihre Kräfte längst erschöpft sind.
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Ausreden und Rechtfertigungen
Sie finden immer neue Gründe, warum jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt für Ihr Vorhaben ist.
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Misstrauen gegenüber anderen
Sie zweifeln an ehrlichem Lob, weisen Hilfe zurück oder vermuten hinter guten Absichten einen Haken.
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Wiederkehrende Beziehungskonflikte
Sie wünschen sich Nähe, gehen aber auf Distanz, sobald Ihnen jemand wirklich wichtig wird.
Erkennen Sie sich wieder? Einzelne Verhaltensweisen gehören zum normalen Leben. Jeder schiebt gelegentlich etwas auf oder zweifelt an sich. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn sich dieselben Muster wiederholen und Ihnen spürbar schaden.

Selbsttest: Sabotiere ich mich selbst?
Selbstsabotage geschieht häufig unbewusst. Mit diesem kurzen Selbsttest erkennen Sie, welche Verhaltensmuster Ihnen im Alltag möglicherweise im Weg stehen. Haken Sie die Aussagen ab, die regelmäßig auf Sie zutreffen:
- Ich habe oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
- Ich schiebe wichtige Vorhaben immer wieder auf.
- Ich beginne Aufgaben erst, wenn ich mich perfekt vorbereitet fühle.
- Ich sage Ja, obwohl ich eigentlich Nein sagen möchte.
- Ich habe Angst, andere zu enttäuschen.
- Ich nehme mir Fehler lange übel.
- Ich finde häufig Gründe, etwas lieber nicht zu versuchen.
- Ich spiele meine Erfolge herunter.
- Ich bleibe in Situationen, die mich unglücklich machen.
- Ich zweifle an Komplimenten und Anerkennung.
- Ich gebe schnell auf, wenn etwas nicht sofort gelingt.
- Ich stelle unrealistisch hohe Erwartungen an mich.
- Ich fürchte die Folgen wichtiger Veränderungen.
- Ich erlebe in Beziehungen immer wieder ähnliche Konflikte.
- Ich ärgere mich häufig über Chancen, die ich nicht genutzt habe.
Selbstsabotage-Test: Auswertung
Ab 5 Haken sollten Sie genauer hinsehen: Möglicherweise stehen Sie sich durch negative Glaubenssätze, Ängste oder Gewohnheiten bereits selbst im Weg. Je mehr Aussagen zutreffen, desto wichtiger ist es, die eigenen Verhaltensmuster zu hinterfragen und gezielt zu verändern. Der Test dient ausschließlich der Selbstreflexion und ersetzt keine psychologische Diagnose!
Ursachen: Warum sabotieren wir uns selbst?
Niemand nimmt sich morgens vor, das eigene Leben möglichst gründlich zu ruinieren. Hinter Selbstsabotage stecken oft erlernte Schutzstrategien: Wir versuchen, unangenehme Gefühle zu vermeiden, Anerkennung zu sichern oder unser gewohntes Selbstbild zu bewahren. Das erklärt, warum wir manchmal wider besseres Wissen handeln. Die häufigsten psychologischen Ursachen sind:
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Geringes Selbstwertgefühl
Wer wenig von sich hält, unterschätzt seine Möglichkeiten. Ein negatives Selbstbild lässt selbst erreichbare Ziele aussichtslos erscheinen.
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Angst vor dem Scheitern
Eine Niederlage erscheint so bedrohlich, dass Betroffene lieber auf den Versuch verzichten. Ohne Versuch gibt es schließlich auch keinen sichtbaren Misserfolg.
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Angst vor dem Erfolg
Mit einer Beförderung, einem Abschluss oder einer neuen Beziehung wachsen womöglich Verantwortung und Erwartungen. Manche Menschen vermeiden deshalb sogar Chancen, die sie sich lange gewünscht haben.
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Überhöhte Erwartungen
Wer ausschließlich perfekte Ergebnisse akzeptiert, setzt sich selbst unter Druck. Die Angst vor Fehlern blockiert Entscheidungen und Fortschritte.
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Belastende Erfahrungen
Wiederholte Kritik, Zurückweisungen oder traumatische Erlebnisse prägen mitunter die Erwartungen an sich und andere. Alte Schutzreaktionen bleiben bestehen, obwohl die ursprüngliche Gefahr längst vorüber ist.
Ein bekanntes psychologisches Phänomen ist das sogenannte „Self-Handicapping“ (deutsch: Selbstbehinderung). Menschen schaffen sich dabei Hindernisse oder Ausreden, um ihr Selbstwertgefühl vor einem möglichen Misserfolg zu schützen. Wer beispielsweise vor einer Prüfung kaum lernt, hat bei einem schlechten Ergebnis eine Erklärung parat: „Ich war eben nicht vorbereitet.“ Das Problem: Die Ausrede schützt kurzfristig das Selbstbild, verschlechtert aber die tatsächlichen Erfolgsaussichten. Wiederholt sich das Verhalten, entsteht eine selbsterfüllende Prophezeiung.
Selbstsabotage: Beispiele aus dem Alltag
Selbstsabotage begegnet uns besonders dort, wo viel auf dem Spiel steht: bei der Karriere, in der Liebe, bei persönlichen Träumen. Das Verhalten wirkt von außen manchmal unverständlich. Für Betroffene fühlt es sich zunächst nach Sicherheit an:
Lebensbereich |
Typische Selbstsabotage |
| Beruf | Sie wünschen sich einen neuen Job, schreiben aber aus Angst vor Absagen keine Bewerbungen. |
| Studium | Sie verschieben das Lernen so lange, bis die Prüfungsvorbereitung kaum noch zu schaffen ist. |
| Beziehung | Sie wünschen sich Nähe, ziehen sich bei ernsthaften Gefühlen jedoch zurück. |
| Gesundheit | Sie wollen sich mehr bewegen, geben nach einem ausgelassenen Training aber gleich ganz auf. |
| Finanzen | Sie vermeiden den Blick auf Ihre Ausgaben, obwohl Sie dringend Ordnung in Ihre Finanzen bringen möchten. |
Selbstsaboteure verhalten sich manchmal so, als würden sie durch flüssigen Zement stapfen. Jede mögliche Lösung wird vertagt, bis das befürchtete Scheitern tatsächlich eintritt. Das klingt dann fast wie eine Bestätigung: „War doch klar! Mir gelingt nie etwas!“ Die Autorin Petra Bock beschreibt in ihrem Buch „Mindfuck: Warum wir uns selbst sabotieren“, wie Menschen aus Angst vor negativen Folgen in eine Schutz- und Schonhaltung geraten. Selbst gut ausgebildete Fachkräfte trauen sich dann keine neue berufliche Herausforderung zu, obwohl sie die Voraussetzungen mitbringen.
Selbstsabotage in Beziehungen
Gerade in der Liebe ist Selbstsabotage schmerzhaft. Sie wünschen sich einen Menschen, dem Sie vertrauen und bei dem Sie sich geborgen fühlen. Doch sobald die Beziehung ernster wird, melden sich Zweifel: Meint der andere es wirklich ernst? Was passiert, wenn ich verlassen werde? Aus Angst vor Verletzungen entstehen Verhaltensweisen, die die Partnerschaft belasten: übertriebene Eifersucht, Rückzug, ständige Beziehungstests oder provozierte Streitigkeiten. Manche Menschen verschweigen ihre Bedürfnisse und ärgern sich später, dass der Partner sie nicht erraten hat.
Ein Beispiel: Ihr Partner meldet sich einen Abend nicht. Statt nachzufragen, unterstellen Sie Desinteresse und reagieren kühl. Der andere zieht sich daraufhin ebenfalls zurück. Ihre ursprüngliche Befürchtung scheint bestätigt – obwohl erst das eigene Verhalten die Distanz verstärkt hat. Solche Muster hängen mitunter mit Verlustangst, Bindungsunsicherheit oder früheren Beziehungserfahrungen zusammen. Ein offenes Gespräch über die eigenen Gefühle ist häufig hilfreicher als der nächste heimliche Beziehungstest.
Selbstsabotage durch Angst vor Erfolg
Auch Erfolg verändert das Leben. Wer befördert wird, übernimmt mehr Verantwortung. Wer ein Unternehmen gründet, muss Entscheidungen treffen. Wer eine glückliche Beziehung eingeht, macht sich verletzlich. Manche Menschen fürchten diese Folgen so sehr, dass sie Chancen unbewusst vereiteln. Sie sagen ein wichtiges Gespräch ab, beenden ein vielversprechendes Projekt kurz vor dem Ziel oder spielen ihre Fähigkeiten herunter. Dahinter steckt die Sorge, den neuen Erwartungen nicht gewachsen zu sein.
Selbstsabotage überwinden: 7 wirksame Tipps
Selbstsabotage ist kein unveränderliches Schicksal. Viele hinderliche Verhaltensmuster wurden über Jahre gelernt und lassen sich durch neue Erfahrungen verändern. Das erfordert Aufmerksamkeit, Geduld und manchmal auch den Mut, etwas Ungewohntes zu tun. Besonders hilfreich ist es, mit einer konkreten Situation anzufangen, statt gleich das ganze Leben umkrempeln zu wollen:
1. Selbsterkenntnis gewinnen
Beobachten Sie, wann Sie sich selbst ausbremsen. Welche Aufgabe schieben Sie auf? Welche Chance haben Sie zuletzt verstreichen lassen? Was ging Ihnen unmittelbar davor durch den Kopf? Selbsterkenntnis beginnt mit ehrlichen Fragen. Schreiben Sie sich drei typische Situationen auf und suchen Sie nach Gemeinsamkeiten. Häufig entdecken Sie dahinter dieselbe Angst oder Überzeugung.
2. Selbstvertrauen stärken
Ihr Selbstvertrauen wächst durch Erfahrungen. Übernehmen Sie eine Aufgabe, die Sie bisher gemieden haben, sprechen Sie ein schwieriges Thema an oder bewerben Sie sich trotz Ihrer Zweifel. Sie benötigen dafür keine absolute Gewissheit. Jede bewältigte Herausforderung liefert Ihnen einen neuen Beweis für Ihre Fähigkeiten. Und falls etwas misslingt, haben Sie zumindest Erfahrungen gewonnen.
3. Erfolge aufschreiben
Unser Gehirn merkt sich Misserfolge oft besonders gut. Gleichen Sie diesen einseitigen Blick aus: Führen Sie ein Erfolgstagebuch und notieren Sie abends drei Dinge, die Ihnen gelungen sind. Das dürfen Kleinigkeiten sein: ein erledigter Anruf, ein schwieriges Gespräch oder eine Entscheidung, die Sie endlich getroffen haben. Lesen Sie Ihre Einträge durch, sobald der innere Kritiker wieder behauptet, Sie würden nichts schaffen.
4. Vergleiche stoppen
Andere sind erfolgreicher, schöner, schneller oder selbstbewusster? Irgendjemand ist es immer. Wer sich ständig vergleicht, übersieht die eigenen Fortschritte. Schauen Sie lieber auf Ihre persönliche Entwicklung: Was gelingt Ihnen heute besser als vor einem Jahr? Welche Schwierigkeiten haben Sie bereits gemeistert? Ihre Geschichte braucht keinen fremden Maßstab.
5. Selbstvergebung üben
Sie haben eine Chance verpasst, einen Fehler gemacht oder ein Ziel nicht erreicht? Das passiert. Hören Sie auf, sich dafür immer wieder zu bestrafen. Fragen Sie lieber, was Sie beim nächsten Mal anders machen möchten. Selbstkritik hilft beim Lernen, solange sie sachlich bleibt. Wer sich dagegen ständig beschimpft, verliert die Lust, es erneut zu versuchen. Behandeln Sie sich so fair wie einen guten Freund!
6. Erwartungen senken
Perfektionismus ist ein anspruchsvoller Chef: Er verlangt alles und ist trotzdem nie zufrieden. Setzen Sie sich realistische Ziele und definieren Sie vorher, wann eine Aufgabe gut genug erledigt ist. Nicht jede Präsentation braucht die zehnte Überarbeitung. Nicht jede Entscheidung verlangt vollständige Sicherheit. Manchmal sind 80 % vollkommen ausreichend. Das spart Energie für die Aufgaben, bei denen Sie wirklich alles geben möchten.
7. Teilschritte machen
Große Veränderungen wirken schnell einschüchternd. Zerlegen Sie Ihr Vorhaben deshalb in kleine, überschaubare Schritte. Statt „Ich muss endlich den Job wechseln“ nehmen Sie sich vor: „Heute aktualisiere ich meinen Lebenslauf.“ Morgen suchen Sie drei passende Stellen. Übermorgen schreiben Sie die erste Bewerbung. So wird aus einem riesigen Berg eine Reihe machbarer Aufgaben. Jeder erledigte Schritt stärkt Ihre Selbstwirksamkeit.
Übung: Stoppen Sie Ihre Selbstsabotage in 5 Minuten
Nehmen Sie ein Blatt Papier und denken Sie an eine Situation, in der Sie sich zuletzt selbst ausgebremst haben. Schreiben Sie die Antworten auf diese vier Fragen auf:
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Was wollte ich eigentlich erreichen?
Formulieren Sie Ihr ursprüngliches Ziel möglichst konkret.
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Was habe ich stattdessen getan?
Beschreiben Sie Ihr Verhalten, ohne sich dafür zu verurteilen.
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Wovor wollte ich mich schützen?
War es die Angst vor Kritik, Ablehnung, Verantwortung oder Enttäuschung?
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Was ist mein nächster kleiner Schritt?
Notieren Sie eine Handlung, die Sie innerhalb der nächsten 24 Stunden umsetzen.
Ein Beispiel: Sie wollten sich auf eine neue Stelle bewerben, haben aber stundenlang Ihren Lebenslauf überarbeitet. Dahinter steckt die Angst vor einer Absage. Ihr nächster Schritt: Sie schicken die Bewerbung morgen bis 12 Uhr ab – auch wenn nicht jede Formulierung perfekt ist. Wiederholen Sie diese Übung, sobald Sie ein bekanntes Muster entdecken. So unterbrechen Sie den gewohnten Ablauf zwischen Angst, Vermeidung und anschließender Enttäuschung.
Häufige Fragen zur Selbstsabotage + Interview
Selbstsabotage ist ein zerstörerisches Verhalten, bei dem Menschen sich selbst zum Scheitern bringen und eigenen Zielen entgegenwirken – bewusst oder unbewusst. Ursache dafür sind häufig Minderwertigkeitsgefühle, negative Glaubenssätze sowie gelernte Verhaltensmuster aus denen wiederum Versagensangste resultieren.
Selbstsabotage hat ihre Ursachen und Auslöser oft in negativen (Kindheits-)Erfahrungen und der Überzeugung, nicht gut genug zu sein. So entsteht ein Teufelskreis aus erwartetem Versagen und dem tatsächlichen Scheitern. Selbstsaboteure durchkreuzen ihre eigenen Pläne, um sich in ihrem negativen Selbstbild zu bestätigen.
Mangelndes Selbstwertgefühl, Unsicherheit und zu wenige Erfahrungen sorgen dafür, dass Menschen ihre Beziehung sabotieren. Vor allem junge Menschen verhalten sich so – auch weil sie Angst vor einem 100-prozentigen Engagement haben.
Gelerntes Verhalten lässt sich ebenso wieder verlernen und gegen bessere Gewohnheiten ersetzen. Beginnen Sie damit, sich zu hinterfragen: Warum glauben Sie nicht an den eigenen Erfolg? Was hält Sie wirklich davon ab? Anschließend sollten Sie sich auf positive Ziele und vorhandene Stärken konzentrieren. Schreiben Sie Ihre Erfolge in einem Tagebuch auf. Nebeneffekt: So können Sie immer wieder nachlesen, wie gut Sie tatsächlich sind!
Wir haben mit der Tübinger Fachärztin für Psychosomatik, Michaela Muthig, ein Hintergrundgespräch über die Ursachen der Selbstsabotage geführt. Hier die ausführliche Fassung:
Frau Muthig, warum ist Selbstsabotage so gefährlich?
Weil sie eine der Hauptursachen dafür ist, warum wir unsere Ziele nicht erreichen. Als Konsequenz sinkt unser Selbstvertrauen. Nun fürchten wir erst recht Misserfolge – und gerade diese Versagensängste führen dazu, dass wir uns noch mehr blockieren. Aus dieser Falle kommen wir nur schwer wieder heraus. Ein geringes Selbstwertgefühl ist oft ein wesentlicher Auslöser für Selbstsabotage.
Ein klassischer Teufelskreis und Selbstverstärker.
Genau. So denkt unser innerer Saboteur. Wenn wir einen geringen Selbstwert haben, trauen wir uns nicht zu, eine Aufgabe zu bewältigen. Wir suchen daher schon im Vorfeld nach Erklärungen, damit wir über ein Scheitern besser hinweg kommen. Es gibt sogar Menschen, die lieber einen Burnout in Kauf nehmen, als zu kündigen. Dahinter stecken oft Versagensängste.
Das ist aber nicht die einzige Ursache?
Nein. Nicht wenige sabotieren sich auch, weil sie in einem Interessenskonflikt stecken.
Weil sie sich nicht entscheiden können?
Ja. So eine Entscheidung zwischen zwei Alternativen kennt jeder. Meist schaffen wir das gut. Aber manchmal steht dabei viel auf dem Spiel. Etwa, wenn es um existentielle Entscheidungen geht. Dann stecken wir fest und können partout keine Entscheidung treffen.
Und dann?
Dann versuchen wir unbewusst diesen Konflikt zu lösen, indem wir dafür sorgen, dass eine der beiden Alternativen nicht mehr möglich ist. Zum Beispiel indem wir eine Frist verpassen oder plötzlich krank werden und dadurch eine Option wegfällt.
Selbstsabotage als indirekte Lösung?
Es ist zwar leichter, eine Entscheidung zu treffen, wenn man nur eine Option zur Auswahl hat. Aber eigentlich würde ich mich lieber zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden können, als nur noch eine einzige zur Verfügung zu haben. Zumal diese eine verbleibende nicht zwingend die beste Wahl sein muss. Manchmal führt diese Option auch in eine Sackgasse.
Haben Sie dafür ein Beispiel?
Angenommen, Sie sind in Ihrem aktuellen Beruf nicht zufrieden und haben nun die Möglichkeit, zu wechseln. Für den neuen Job spricht viel. Gleichzeitig haben Sie im alten Job die Sicherheit und Vertrautheit. Um diesen Konflikt zu lösen, werden Sie krank und entwickeln chronische Schmerzen. Die Option eines Jobwechsels besteht nun nicht mehr. Aber wenn sich nun die Arbeitsbedingungen verschlechtern, müssen Sie bleiben. Unter Stress nehmen die chronischen Schmerzen zu. Einen Jobwechsel können Sie sich noch weniger vorstellen. Bleibt nur noch der Weg in die Frührente – bei deutlichen finanziellen Einbußen.
Kein schönes Szenario.
Sie sagen es. Daher ist es so wichtig, selbst und aktiv eine Entscheidung zu treffen und diese nicht dem inneren Saboteur zu überlassen.
Was macht es so schwer, sich zu entscheiden?
Das liegt vor allem daran, dass uns diese inneren Konflikte oft nicht bewusst sind.
Inwiefern?
Nehmen wir zum Beispiel den Sohn eines Anwalts, der Gitarrenbauer werden will. Der Vater wünscht sich insgeheim, dass der Junge die Nachfolge der Kanzlei antritt. Schon befindet sich der Sohn in einem Interessenkonflikt, den er nicht einmal genau benennen kann. Er hat nur ein vages Gefühl, wenn er an seine Zukunft denkt. Da der Vater seinen Wunsch nicht offen ausspricht, kann der Sohn nicht einschätzen, warum er sich bezüglich seiner beruflichen Zukunft so unwohl fühlt. Das macht es aber schwer, eine Entscheidung zu treffen, wenn nicht alle Karten klar auf dem Tisch liegen.
Spielt die Familie häufig eine so große Rolle – oder machen wir es uns da nicht zu einfach, die Schuld bei anderen zu suchen?
Es geht mir gar nicht darum, jemandem den schwarzen Peter zuzuspielen. Vielmehr geht es um mehr Verständnis: Es ist tatsächlich so, dass manche familiäre Verstrickungen dazu führen, dass wir unseren eigenen Erfolg behindern. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Klassenneurose.
Die müssen Sie erklären.
Die Klassenneurose bedeutet, dass sich bestimmte, meist angepasste Kinder damit schwer tun, die Eltern in Bezug auf Status, beruflichen Erfolg oder Vermögen zu übertreffen. Sie haben als Kind vermittelt bekommen, dass es besser ist, in der sozialen Klasse zu bleiben, in die sie hineingeboren wurden. Zum Beispiel durch Sprüche wie „Schuster, bleib bei deinem Leisten.“ Manchmal gibt es auch die implizit vermittelte Botschaft: „Ich als Mutter/Vater kann das sowieso besser.“ Das macht es dem Kind schwer, aus diesen Grenzen auszubrechen und beruflich erfolgreich zu sein. Menschen mit Klassenneurose bleiben daher meist unter ihren Möglichkeiten. Sie scheitern wiederholt in Prüfungen oder treffen falsche Karriereentscheidungen.
Und was lässt sich dagegen tun?
Der wichtigste Schritt ist, sich bewusst darüber zu werden, welche Faktoren uns beeinflussen – seien es eigene Bedürfnisse und Ängste oder Erwartungen von außen. Je mehr Klarheit wir darüber haben, in welchem Spannungsfeld wir uns befinden und welche Kräfte auf uns wirken, desto besser können wir eine bewusste Entscheidung treffen. Manchmal brauchen wir dafür allerdings Hilfe von außen. Menschen, die uns darin bestärken und ermutigen, die Erwartungen anderer einmal nicht zu erfüllen. Bei sehr starken familiären Bindungen ist manchmal auch eine Psychotherapie nötig.
Was würden Sie jenen raten, die nicht gleich eine Therapie benötigen?
Schauen Sie bei einem Misserfolg genau hin, welche Faktoren dazu beigetragen haben und welche Rolle Sie dabei gespielt haben! Versuchen Sie die Vorteile an Ihrem Scheitern zu finden. Gäbe es diese nicht, so wäre es unnötig gewesen, sich selbst zu sabotieren. Fragen Sie sich auch, welche inneren Konflikte es geben könnte, die zur Selbstsabotage geführt haben und erstellen Sie eine Pro-Kontra-Liste mit allen möglichen Vor- und Nachteilen. Das kann helfen, eine Entscheidung zu treffen, ohne dass der innere Saboteur dies übernehmen muss.
Frau Muthig, Danke für das Gespräch.
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