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Bachelorarbeit schreiben: Tipps, Beispiele und Strategien

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Am Ende eines jeden Erststudiums wartet sie auf die angehenden Absolventen. Manch ein Student sieht in ihr einen unüberwindbaren Berg, den er unmöglich bezwingen kann, während andere sie als bessere Hausarbeit abtun. Die Rede ist von der Bachelorarbeit. Seit der Einführung des Abschlusses hat dieser das Diplom in den meisten Studiengängen verdrängt. Dadurch hat sich das Studium in den meisten Fachbereichen strukturell deutlich verändert – inhaltlich jedoch (leider) nicht immer.

Die Konsequenz: Bachelor-Studenten stehen unter einer spürbar höheren Belastung als ihre Diplom-Vorgänger. Ein Druck, der sich auch in der Bachelorarbeit wiederfindet. Denn im Vergleich zur Diplomarbeit haben sich auch hier die Ansprüche und Erwartungen deutlich verändert. Wir haben die wichtigsten Tipps, Strategien und Beispiele für angehende Bachelorabsolventen zusammengestellt.


Timing: Entscheidender Erfolgsfaktor für die Bachelorarbeit

Für alle folgenden Ausführungen gilt ein essentieller Grundsatz: Nur wenn Studierende und Absolventen rechtzeitig mit Themenfindung, Vorbereitung und Arbeit beginnen, kann die Bachelorarbeit gelingen.

Was selbstverständlich klingt ist meiner Erfahrung nach mit weitem Abstand der Hauptgrund für Probleme, Hektik und Stress. Daher vorab drei Hinweise zur Zeitplanung:

  1. Planen Sie zwei oder mehr Wochen für Themen- und vor allem Betreuerfindung ein. Sie wissen nicht, ob und wenn ja wie schnell Ihr Wunsch-Betreuer Sie annehmen und sich bei Ihnen melden wird.
  2. Rechnen Sie damit, dass Ihre Literatur auch von anderen Studierenden ausgeliehen und daher nicht immer verfügbar sein wird. Wartezeiten können die Recherche und Literaturarbeit – und damit die gesamte Bachelorarbeit – deutlich ausbremsen.
  3. Legen Sie möglichst frühzeitig Termine fest, an denen Sie sich mit Ihrem Betreuer abstimmen. Rechtzeitige Planung kann unnötige Wartezeiten und Überarbeitung vermeiden helfen.

Bachelorarbeit: Ohne Thema geht es nicht

Neben all den formalen Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit droht die Themenwahl manchmal fast in den Hintergrund zu treten. Dabei entscheidet das passende Thema über Erfolg oder Scheitern einer Bachelorarbeit. Wer das für übertrieben hält, sollte sich das folgende Beispiel – so erlebt bei einem meiner Gruppencoachings für Studenten – zu Gemüte führen:

Julia H. studiert Sozialmanagement an einer Fachhochschule. Sie steckt mitten im letzten Semester und ist der Verzweiflung nahe. Der Grund: Sie kommt bei ihrer Bachelorarbeit einfach nicht weiter, steckt fest und findet überhaupt keinen Ansatzpunkt für den nächsten Schritt. Dabei hat Sie das Thema „Der gesellschaftliche Einfluss auf verantwortungsvolles Management in Sozialen Einrichtungen“ (Thema von der Redaktion geändert) bewusst gewählt und ist voller Enthusiasmus gestartet. An Fachliteratur und Ideen mangelt es nicht – eher im Gegenteil. Nach einiger Diskussion stellt sich heraus, dass genau hier das Problem liegt: Das Thema ist zu breit aufgestellt, Julia H. weiß nicht, worauf sie sich konzentrieren soll. Als nächstes steht daher ein Gespräch mit ihrem Betreuer an. Das Thema lässt sich zwar nicht mehr ändern, doch mit etwas Wohlwollen seinerseits ist eine Eingrenzung des Themas innerhalb der Arbeit vielleicht noch möglich.

Julia H. hatte Glück. Ihr Betreuer hat sich darauf eingelassen und mit ihr den internen Schwerpunkt der Arbeit verändert. Ohne sein Entgegenkommen wäre die Bachelorarbeit jedoch garantiert gescheitert und hätte – trotz hohem Einsatz der Studentin – eine unterirdische Bewertung erhalten. Damit Ihnen das nicht passiert, sollten Sie die folgenden Fragen – die Sie auch als PDF herunterladen können – für Ihre Themenfindung nutzen:

  • Für welche Themen interessiere ich mich persönlich?
  • Gibt es Themen, die ich leidenschaftlich verfolge und beobachte?
  • Kann ich an Themen früherer Bachelorarbeiten anknüpfen?
  • Welche Themen haben mich im Studium besonders angesprochen?
  • Gibt es Fragen zu Studieninhalten, denen ich schon lange nachgehen will?
  • Habe ich, während Praktika oder Praxisphasen, Erfahrungen gemacht, die sich als Bachelor-Thema eignen?
  • Gibt es Themenvorschläge oder Anregungen von Professoren und Dozenten?
  • Finde ich zu meinem Wunsch-Thema ausreichend viel Literatur?
  • Gibt es Nischenthemen, die mich reizen?
  • Eignet sich ein Thema auch für die fortgesetzte Bearbeitung im Rahmen einer möglichen Masterarbeit?
  • Mit welchen Themen und Fragen beschäftige ich mich schon jetzt intensiv?
  • Welche Dozenten kommen für mich als Betreuer in Frage?
  • Welche Themen werden diese Dozenten unterstützen und betreuen?
  • Gibt es Vorgaben der Hochschule oder meines Betreuers, an die ich mich bei der Themenwahl halten muss?
  • Wie viel Zeit steht mir für die Bachelorarbeit zur Verfügung?
  • Welchen Umfang muss die Arbeit mindestens haben?
  • Muss ich immer Primärliteratur verwenden oder reicht in begründeten Fällen auch Sekundärliteratur?
  • Finde ich für die empirische Arbeit genug Probanden und Teilnehmer?
  • Kann ich für ein bestimmtes Thema bereits im Vorfeld eine Gliederung schreiben?
  • Welche Themen erschließen sich mir problemlos und ohne größeren Aufwand?
  • Welche Themen bieten mir für meinen späteren Job Mehrwert und Anknüpfungspunkte?
  • Gibt es Themen und Ausschreibungen als Werkstudent, die für mich in Frage kommen?
  • Ist mein Wunsch-Thema im Rahmen der Bachelorarbeit überhaupt zu schaffen?
  • Verfüge ich über die notwendigen Grundlagen, um ein bestimmtes Thema zu bearbeiten?
  • Welche Voraussetzungen muss ich schaffen, um mein Wunsch-Thema angehen zu können?



Aufbau und Organisation

wavebreakmedia/shutterstock.comEntscheidend für eine erfolgreiche Bachelorarbeit ist jedoch nicht nur das Thema, sondern Ihre gesamte Herangehensweise. Wer sich beispielsweise mit den formalen Vorgaben wissenschaftlichen Arbeitens – die von Hochschule zu Hochschule etwas variieren können – hervorragend auskennt, sich jedoch kaum oder gar nicht mit Arbeitsorganisation, Literaturarbeit oder der Korrekturphase befasst, wird früher oder später Probleme bekommen – und sich damit selbst Stress verursachen. Frei nach dem Motto: Wer keine Probleme hat, schafft sich eben welche.

Um die gängigsten Fehler und Probleme zu vermeiden, sollten Sie sich an die folgenden zehn Tipps halten:

  1. Wählen Sie den passenden Betreuer.

    An den meisten Hochschulen können Sie den Betreuer Ihrer Bachelorarbeit mehr oder weniger frei wählen. Nutzen Sie diese Chance und suchen Sie sich einen Dozenten, der Ihr Wunschthema unterstützt und sich dafür interessiert. Dabei kann es Ihnen durchaus passieren, dass der Betreuer Ihrer Wahl nicht sofort von Ihrem Thema begeistert ist. In diesem Fall müssen Sie die passenden Argumente zur Hand haben und ihn vom Reiz Ihres Themas überzeugen. Wenn Sie mit Leidenschaft dahinter stehen, sollte Ihnen das jedoch gelingen.

  2. Beginnen Sie frühzeitig.

    Jede Hochschule hat unterschiedliche Stichtage, ab denen Sie Ihr Thema offiziell einreichen können. Idealerweise werden Sie jedoch bereits deutlich vor diesem Datum aktiv, da Sie so noch die freie Wahl bei den Betreuern haben. Offiziell dürfen diese Ihnen vielleicht noch nicht zusagen. Doch wenn Sie bei Ihrem Wunschkandidaten bereits Interesse für Ihr Thema geweckt haben, wird er Ihre Bachelorarbeit sicher auch betreuen.

  3. Suchen Sie sich Ihre Literatur rechtzeitig.

    Sicher, in Zeiten des Internets scheint Literaturrecherche für viele Studenten ein Thema der Vergangenheit zu sein. Doch spätestens seit Ihrer ersten umfangreichen Studienarbeit wissen Sie: Um Fachbücher und den einen oder anderen Besuch in der Bibliothek kommen Sie nicht herum. Das gilt noch viel stärker für Ihre Bachelorarbeit. Optimal ist es, wenn Sie bereits bei der Themensuche eine grobe Literaturrecherche durchführen und dabei sichten, ob es ausreichend Material zu Ihrem Thema gibt.

  4. Bereiten Sie sich gründlich vor.

    So offensichtlich es auch sein mag: Für Ihre Bachelorarbeit müssen Sie sich optimal vorbereiten. Von meinen Coachees weiß ich, dass dabei einige wichtige Punkte gerne vergessen werden. Dazu gehören zum Beispiel die Einrichtung von Formatvorlagen im Textverarbeitungsprogramm oder die Wahl der passenden Literaturverwaltung. Diese Themen müssen Sie vor dem Beginn der Arbeit geklärt haben.

  5. Lernen Sie Ihre Tools zu beherrschen.

    Sie kennen sich mit Microsoft Word aus? Wunderbar! Doch können Sie auch mit der integrierten Literaturverwaltung umgehen? Ist das Ändern von Formatvorlagen für Sie problemlos möglich? Und haben Sie auch schon mit den anderen Programmen gearbeitet, die Sie zusätzlich einsetzen wollen?

  6. Strukturieren Sie Ihre Quellen von Beginn an.

    Im Coaching von Studenten erlebe ich es immer wieder: Eine chaotische Quellensammlung kostet in den Tagen vor der Abgabe den letzten Nerv. Hektische Bibliotheksbesuche wechseln sich dann häufig mit nächtlichen, leicht panischen Literaturrecherchen ab und kosten viel Schlaf. Ersparen Sie sich dieses Schicksal und archivieren Sie Ihre Quellen von Anfang an strukturiert. Der Aufwand lohnt sich. Garantiert.

  7. Arbeiten Sie unbedingt mit Formatvorlagen.

    Auch wenn ich Formatvorlagen schon mehrfach erwähnt habe, widme ich ihnen einen eigenen Punkt. Wenn Sie nicht gerade LateX verwenden – und selbst dafür gibt es gut Vorlagen – sollten Sie unbedingt mit Formatvorlagen arbeiten. Open Office, Libre Office, Microsoft Word, Mellel – egal, welches Textverarbeitungsprogramm Sie verwenden, Formatvorlagen finden Sie in allen vor. Layout-Änderungen kurz vor der Abgabe sind mit Formatvorlagen beispielsweise kein Problem. Ohne rauben diese Ihnen den letzten Nerv.

  8. Informieren Sie Ihr Team rechtzeitig.

    Aus meiner Erfahrung als Coach und Bildungsarbeiter weiß ich: 90 Prozent aller Bachelorarbeiten – wahrscheinlich sind es sogar mehr – entstehen im Team. Das heißt jedoch nicht, dass genau so viele Studenten lügen oder betrügen, wenn Sie in der Präambel unterschreiben, dass sie die Arbeit selbst erstellt haben. Das Team besteht – in der Regel – nicht aus Ghostwritern, sondern aus Korrektur-Lesern, Freunden und Ideengebern. Suchen Sie sich diese Personen frühzeitig und informieren Sie vor allem Ihre Korrektur-Leser so früh wie irgend möglich darüber, wann Sie ihnen den Entwurf zur Korrektur überlassen. Nur so können diese die notwendige Zeit einplanen und die Korrektur schnell vornehmen.

  9. Planen Sie Zeitpuffer ein.

    Okay, Sie können es vielleicht schon nicht mehr hören und ich bin mir sicher, dass Sie diese Ansage bereits – mehrfach (?) – von Ihren Dozenten zu hören bekommen haben. Dennoch: Es ist fundamental wichtig, dass Sie für Ihre Bachelorarbeit genug Zeit einplanen. Damit meine ich übrigens nicht die gesamte Arbeit, sondern jede einzelne Arbeitsphase. Das beginnt mit der Themenfindung, geht weiter über die Literaturrecherche zur Literaturarbeit und von dort aus über die Gliederung bis zum Entwurf der Arbeit. Abschließend kommen dann noch Korrekturzeiten und der Druck der Arbeit dazu. Von der regelmäßigen Abstimmung mit Ihrem Betreuer gar nicht zu sprechen. Sie sehen: Das dauert wirklich einige Zeit.

  10. Schaffen Sie Transparenz.

    Unabhängig davon, ob Sie sich während Ihrer Bachelorarbeit von einem Coach begleiten lassen, oder dieser „nur“ in Abstimmung mit Ihrem Betreuer schreiben, ist Transparenz von entscheidender Bedeutung. Denn weder ein Coach noch – viel wichtiger – Ihr Betreuer können Sie auf Schwächen oder mögliche Argumentationsfehler hinweisen, wenn Sie den aktuellen Stand nicht klar kommunizieren. Natürlich darf Ihr Betreuer Sie nicht unbedingt direkt auf Fehler aufmerksam machen. Doch wenn Sie sich zu sehr in eine bestimmte Argumentation verrennen, darf und wird ein guter Betreuer, der an Ihrem Thema interessiert ist, Sie darauf hinweisen.

Weiterführende Artikel

Wenn Sie sich umfassend mit einzelnen Aspekten der Bachelor- oder der möglicherweise folgenden Masterarbeit befassen wollen, empfehlen wir Ihnen die folgenden Artikel:

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[Bildnachweis: Minerva Studio, wavebreakmedia by Shutterstock.com]
  • Charlie Brown

    So ein Abschlussarbeiten-Kolloquium ist auch sehr empfehlenswert. Dort kann man stückchenweise seine Arbeit vorstellen und muss im Gegenzug die der anderen lesen und beurteilen. Mein Erstbetreuer bietet das an. So weiß ich, ob ich auf dem richtigen Weg bin und bin motivierter bis zur nächsten Sitzung etwas zu schreiben.

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  • Birgit Engelhardt

    Ich stecke grad mitten in meiner Bachelorarbeit – als Designstudent ist das noch etwas anders, wir gestalten etwas, ich etwa ein Magazin.

    Was ich noch an Tipps ergänzen kann:
    – In den Zeitplan auch den Druck einplanen mit Puffer und frühzeitig schauen, wo gedruckt wird, ggf. Öffnungszeiten etc.
    – Für meine Branche sehr hilfreich: einen Feedbackgeber suchen. Natürlich kann ich meine Freunde fragen, aber außer „schön“ können die wenig zur Gestaltung sagen. Ich telefoniere wöchentlich mit einer Kommilitonin und wir geben uns gegenseitig Feedback.
    – Freizeit bewusst einplanen. Das habe ich bei früheren Projekten vergessen und das ist dann zu kurz gekommen. Und am Ende des Semesters trink ich zuviel Cola und Kaffee. Net gesund…
    – Sich mal eingraben. Aus früheren Projekten weiß ich, dass ein paar Wochen bei meinen Eltern extrem produktiv sind. Weil ich mich weder um Wäsche noch Essen kümmern muss. Arbeiten-Schlafen-Arbeiten-Schlafen. Nicht spaßig, aber bringt richtig was! Wer das kann, sollte das machen.

    So, dann arbeite ich mal weiter ;)

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  • Sandra

    Danke für den Beitrag!

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  • Jogi

    ich würde noch erwähnen: plant Pausen ein! es ist wichtig sich ein bisschen zu erholen und neue Kräfte zu haben, um engagiert wieder an der Bachelorarbeit zu arbeiten! und nicht vergessen: auf manche Situationen (Krankheit etc.) haben wir keinen Einfluss….

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