Medizin: Diese Note brauchen Sie für einen Studienplatz
Wer Mediziner werden will, braucht einen langen Atem. Eine richtige Pferdelunge benötigt sogar, wer ohne hervorragenden Schnitt auf dem Abiturzeugnis in den Arztkittel schlüpfen will. Neue Zahlen zeigen, welche Abinote Bewerber brauchen, um sich für Medizin, Pharmazie, Tier- und Zahnmedizin einschreiben zu können - und mit welchen Wartezeiten sie rechnen müssen, wenn die Bewerbung nicht direkt angeschlagen hat. So viel vorweg: Die Wartezeit für Möchtegern-Mediziner hat zum Wintersemester 2015/16 neue Höchststände erreicht.

Medizin: 4,8 Bewerber pro Platz

Trotz zahlloser Überstunden, Dauerstress und Doppelschichten am Wochenende: Vom Leben im Arztkittel träumen noch immer Heerscharen von Abiturienten. Zum Wintersemester 2014/15 hatte es nach Zahlen der Stiftung für Hochschulzulassung allein für das Fach Humanmedizin deutschlandweit 43.002 Bewerber gegeben - für gerade einmal 8.999 Studienplätze. Damit kamen 4,8 Bewerber auf einen Platz. Etwas besser sah es in Pharmazie (3.865 Bewerber für 1.862 Plätze), Tiermedizin (4.591 Bewerber für 1.053 Plätze) und Zahnmedizin (6.369 Bewerber für 1.516 Plätze) aus.

Ob Sie einen Studienplatz bekommen oder nicht, hängt grundsätzlich von mehreren Faktoren ab. Sie haben gute Chancen, wenn ...

  1. ... Sie einen sehr guten Notenschnitt im Abitur vorweisen können. 20 Prozent der Mediziner-Studienplätze werden über die Abiturnote vergeben. Dabei dient der Landesdurchschnitt als Referenzpunkt, Sie müssen sich also nur mit denen messen lassen, die im gleichen Bundesland ihr Abitur gemacht haben. Die häufige Wehklage, dass das Abi von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich schwer ist, wird also in diesem System schon berücksichtigt.
  2. ... Sie schon eine gewisse Anzahl an Wartesemestern abgeleistet haben. Denn weitere 20 Prozent der Plätze werden über diesen Faktor entschieden. Damit haben auch Abiturienten ohne brillante Note Chancen auf die Mediziner-Laufbahn. Semester aber, die man an der Uni womöglich schon in ein anderes Fach investiert hat, fließen nicht in die Wartezeit mit ein. Und noch ein Problem: Die Wartezeit verlängert sich stetig, mittlerweile übersteigt sie sogar schon die Regelstudienzeit (siehe Tabelle unten). Wer 14 Semester warten muss, fängt mit knapp 30 sein Studium an - viel zu spät. Nun liegt die Klage, ob die Wartezeit zum Studium länger die Studienzeit selbst sein darf, sogar schon beim Bundesverfassungsgericht.
  3. ... Sie die örtlichen Aufnahmekriterien erfüllen. Sie machen 60 Prozent aus. Die Hochschulen haben dabei die Möglichkeit, ihre eigenen, individuellen Kriterien heranzuziehen. Das können außerschulische Leistungen sein, eine berufliche Ausbildung im medizinischen Bereich, zum Beispiel als Altenpfleger, Logopäde oder Rettungsassistent, ein freiwilliges soziales Jahr, gute Ergebnisse beim medizinischen Auswahltest (TMS) oder ein guter Auftritt beim Auswahlgespräch. Aber: In den allermeisten Fällen ist auch hier die Abiturnote das ausschlaggebende Kriterium.

Alles in allem: Das deutsche System versucht, es allen Recht zu machen. Weil es gleichzeitig so komplex ist, besteht auch die beliebte Möglichkeit auf eine Studienplatzklage - mit ungewissem Ausgang, aber möglicherweise hohen Kosten. Klar ist: Die Abiturnoten spielen eine herausragende Rolle. Zum Wintersemester 2015/16 liegen die Abiturbestenquoten, mit denen Sie unmittelbar Aufnahme in den Medizin-Hörsaal finden, bei ...

Abiturbestenquote WS 2015/16: Diese Noten brauchen Sie

Abitur erworben in Medizin Pharmazie Tiermedizin Zahnmedizin
Baden-Württemberg 1,0 1,3 1,3 1,2
Bayern 1,0 1,3 1,3 1,3
Berlin 1,0 1,3 1,4 1,3
Brandenburg 1,0 1,2 1,2 1,3
Bremen 1,0 1,6 1,4 1,3
Hamburg 1,0 1,5 1,6 1,3
Hessen 1,0 1,3 1,2 1,2
Mecklenburg-Vorpommern 1,0 1,1 1,2 1,2
Niedersachsen 1,1 1,5 1,5 1,4
Nordrhein-Westfalen 1,0 1,4 1,2 1,2
Rheinland-Pfalz 1,0 1,4 1,2 1,2
Saarland 1,0 1,3 1,4 1,3
Sachsen 1,0 1,1 1,2 1,2
Sachsen-Anhalt 1,0 1,3 1,3 1,2
Schleswig-Holstein 1,1 1,4 1,4 1,4
Thüringen 1,0 1,1 1,2 1,1
[Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

Abiturbestenquote: Trends

  • Ohne Top-Note haben Sie weiterhin kaum eine Chance, direkt in den Hörsaal hineinzurutschen. Schon ein Abi-Schnitt im hohen Einser-Bereich bedeutet: Bitte warten!
  • Die Abiturbestenquote hat auch in den vergangenen Jahren noch einmal einen (leichten) Sprung gemacht. In jedem Bundesland liegt sie nun bei exakt 1,0 - mit Ausnahme von Niedersachsen und Schleswig-Holstein (je 1,1). Zum Vergleich: Zum Wintersemester 2012/13 musste "nur" in neun von 16 Bundesländern eine 1,0 nachgewiesen werden. In Pharmazie reichte damals mitunter sogar eine 1,7 - in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Wer die erforderliche Note nicht vorweisen kann, muss aber nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Denn da gibt es ja noch die ...

Wartezeitquote WS 2015/16: So lange müssen Sie warten

Medizin Pharmazie Tiermedizin Zahnmedizin
Wartezeit in Halbjahren 14 2 10 12
[Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung]

Wartezeitequote: Trends

  • Die Wartezeit hat einen neuen Höchststand erreicht. 14 Semester müssen sich Anwärter auf Humanmedizin jetzt gedulden, das ist länger als die Regelstudienzeit und neuer Rekord. Im Vorjahr waren es noch zwölf Wartesemester.
  • Deutlich besser sieht es in Pharmazie aus. Hier verharrt die Wartezeitquote seit Jahren bei zwei Halbjahren - das lässt sich vergleichsweise locker absitzen. In Tiermedizin ist der Trend sogar leicht rückläufig. Betrug die Wartezeitquote zum Wintersemester 2012/13 noch elf Halbjahre, sind es aktuell nur noch zehn.

Numerus Clausus: Alternative Wege zum Medizin-Studium

Falls Sie keine ausreichende Abiturnote haben, aber dennoch einen Medizinstudienplatz bekommen möchten. Es gibt noch ein paar (wenige) Alternativen:

  • Auslandsstudium

    Da Medizin eine internationale Disziplin ist, können Sie das Fach natürlich auch im Ausland studieren, wo die Zulassungsbeschränkungen lockerer sind. Beliebt sind derzeit vor allem die Plätze in Österreich und Ungarn - hier gibt es deutschsprachige Medizinstudiengänge. In England, Lettland, Polen und Tschechien können Sie hingegen auf Englisch studieren. Und: Wer innerhalb der Europäischen Union Medizin studiert, dessen Abschluss wird später laut Bundesärztekammer anerkannt.

  • Studienplatzklage

    Mancher erstreitet sich den Weg in die Uni auch und klagt gegen das Vergabeverfahren. Die Strategie zielt dann meist auf sogenannte außerkapazitäre Studienplätze - sie werden nicht offiziell ausgeschrieben, sind aber vorhanden. Nachteil: Eine Studienplatzklage kann mehrere tausend Euro kosten.

  • Bundeswehr

    Auch die Bundeswehr verfügt über ein Reservekontingent von 2,2 Prozent der Medizinstudienplätze. Allerdings muss man sich hierfür für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten und beim Eignungsfeststellungsverfahren für Offiziersanwärter besonders gut abschneiden.

  • Losverfahren

    Die letzte Chance bietet das sogenannte Losverfahren - die Note zählt dabei nichts, nur Glück. Dazu muss man sich direkt bei der Hochschule einschreiben und jeweilige Fristen beachten.

[Bildnachweis: wavebreakmedia]