Sabbatical-Urlaub-AuszeitEs ist nicht lange her, da wurden Sabbaticals in Deutschland eher mit Skepsis betrachtet. Wer eine Auszeit braucht, ist wohl zu schwach für den Job… oder will sich heimlich nach einem neuen umsehen – so jedenfalls das gängige Klischee. Die einjährige Auszeit galt entweder als Zeitverschwendung oder Alibi für Arbeitsscheue. Vorbei. Heute bieten zahlreiche Unternehmen ihren Mitarbeitern ein Sabbatical an, nicht zuletzt als Teil moderner und flexibler Arbeitszeitmodelle.

Doch so verlockend eine mehrmonatige oder gar einjährige berufliche Auszeit auch aussehen mag – sie birgt auch Risiken. Deshalb sollten Sie das sogenannte Sabbatjahr gut vorbereiten. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten sollten…


Sabbatical: Der Ratgeber zum temporären Aussteigen

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bildungsministeriums sehnten sich im Jahr 2013 rund 57 Prozent aller Arbeitnehmer nach einer Auszeit. Mehr als zwei Drittel wollten die Pause dazu nutzen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Woher kommt der Begriff “Sabbatical”?

Das aus dem Englischen entliehene Wort stammt ursprünglich aus der Bibel und vom hebräischen “Sabbat”: „Im siebten Jahr soll das Land eine vollständige Sabbatruhe zur Ehre des Herrn halten“, heißt es da. Gemeint ist also eine Atempause für Äcker und Ackernde. Entsprechend weitreichend ist heute die Auslegung, was Unternehmen dabei anbieten: Manche Firmen gestehen ihren Mitarbeitern bis zu fünf Jahre unbezahlten Urlaub ohne dass ihr Arbeitsplatz gestrichen wird, andere Mitarbeiter bekommen einen Monat Sonderurlaub, wieder andere können ihre Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto ansparen und das Zeitsparschwein mit einem Mal schlachten. Für alle diese Sabbatical-Modelle gilt jedoch: Die Auszeit muss in den Lebenslauf passen!

Sabbatical-Auszeit-Sabbatjahr-EntspannungWichtig zu wissen: Einen Anspruch auf ein Sabbatical oder eine längere Auszeit gibt es im Arbeitsrecht nicht. Es liegt also im Ermessen des Arbeitgebers, ob er Ihnen eine solches Arbeitszeitmodell anbietet beziehungsweise auf Anfrage genehmigt oder nicht.

Falls Ihr Unternehmen seinen Mitarbeitern ein solches Sabbatjahr originär nicht anbietet, bedeutet das allerdings noch nicht das Aus. In dem Fall müssen Sie allerdings Ihren Chef vom Nutzen der Auszeit überzeugen.

Das ist gar nicht mal so schwer. Tatsächlich bietet das Sabbatical auch Unternehmen zahlreiche Vorteile. Diese müssen Sie natürlich bei Ihrer Argumentation und Verhandlung in den Vordergrund stellen. Zum Beispiel:

  • Sie möchten die Auszeit zur Weiterbildung nutzen. Denkbar ist in dem Fall, dass Sie während des Sabbatjahres einen MBA absolvieren oder eine Qualifikation mit Zertifikat abschließen, die auch dem Arbeitgeber und Ihren künftigen Projekten zugute kommt.
  • Sie sparen Ihrem Unternehmen Kosten. Die meisten Sabbaticals sind unbezahlt, bei anderen Modellen haben Sie bislang auf Teile Ihres Gehalts verzichtet und sich so das Jahresgehalt für die Auszeit angespart. So oder so: Der Arbeitgeber spart Geld – und das kann gerade in Krisenzeiten Ihren Arbeitsplatz retten und Entlassungen vermeiden helfen. Statt Sie ganz rauszuschmeißen, entlässt der Chef Sie in eine längere Pause.
  • Sie entwickeln neue Talente. So ein Sabbatical kann auch ein wunderbares Experimentierfeld sein. Vielleicht gehen Sie dazu ins Ausland, testen sich und schnuppern in verschiedene Arbeitsweisen hinein, vielleicht bloggen Sie gar darüber. Auf jeden Fall sammeln Sie neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie später im alten Job gewinnbringend nutzen können.

Natürlich können auch rein private Gründe für eine Arbeitspause überzeugend sein und Verständnis wecken. Dazu gehören etwa:

  • Der wichtige Umbau und die Renovierung des eigenen Hauses
  • Ein akuter Pflegefall in der Familie
  • Ehrenamtliches Engagement
  • Mehr Zeit für die Familie und Kinder (in einer wichtigen Entwicklungsphase)
  • Entlastung des Partners

Wichtig neben Ihrer persönlichen Motivation ist natürlich auch, dass Sie Vorschläge für Ihre Vertretung und die Verteilung Ihrer bisherigen Aufgaben machen. Schließlich soll der Chef den Eindruck bekommen, Sie haben wirklich die Interessen des Unternehmens und des ungestörten Betriebsablaufs im Blick – und nicht nur Ihre eigene Freizeit.

Und fragen Sie Ihren Chef bitte rechtzeitig um Erlaubnis, einen längeren unbezahlten Urlaub nehmen zu dürfen – je nach Aufwand für die Vorbereitung Ihres Projekts sollte dies ein Jahr oder länger im Voraus geschehen.

Wie bereite ich ein Sabbatical vor?

Klären Sie als Erstes mit dem Arbeitgeber (aber auch für sich selbst) die Versicherungsfrage:

  • Wer mehr als einen Monat unbezahlten Urlaub nimmt, muss sich um seine Sozialversicherungen selber kümmern.
  • Wer die Zeit zudem im Ausland verbringt, sollte zudem den Umfang seines Versicherungsschutzes klären. Halten Sie sich dabei innerhalb Europas auf, bleiben Sie meist gesetzlich krankenversichert – für andere Regionen ist allerdings eine spezielle Auslands-Krankenversicherung nötig.

Klären Sie vorab aber auch die Modalitäten Ihrer Rückkehr und fixieren Sie diese im Arbeitsvertrag. Es könnte sonst passieren, dass Ihre alte Position nicht mehr vakant ist. Experten raten daher zum Abschluss eines sogenannten Sabbatical-Vertrags. Dieser sollte unbedingt beinhalten:

  • Übergabe und Dokumentation der bisherigen Aufgaben
  • Die (eventuelle) Vergütung während der Freistellung
  • Regelungen zu möglichen Versicherungsleistungen
  • Die Fortzahlung der betrieblichen Altersvorsorge oder anderen freiwilligen Leistungen
  • Erreichbarkeit während des Sabbaticals
  • Die Aufgabe und Position nach der Rückkehr.

Wer kann, sollte sicherheitshalber noch eine Abfindungsvereinbarung treffen – für den Fall, dass man Ihnen eine schlechtere Stelle zuweist.

Vorsicht Haken: In den meisten Arbeitsverträgen wird dem Arbeitgeber ein sogenanntes “erweitertes Direktionsrecht” zugebilligt. Das heißt im Klartext: Er kann Ihre Arbeit nach der Rückkehr frei bestimmen, solange diese vergleichbar und zumutbar ist. Wer vom Sabbatjahr zurückkehrt, kann dann womöglich auf eine andere Position versetzt werden – eine Garantie auf den alten Job gibt es in dem Fall also nicht.

Im Zweifel ziehen Sie also bitte noch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzu.

Urlaubsanspruch und Sabbatical

Ein Rechtsanspruch auf Sonderurlaub besteht – wie gesagt – nicht. Ist aber erst einmal eine Sabbatical-Vereinbarung getroffen, ist der Arbeitgeber grundsätzlich auch an diese gebunden (siehe hierzu auch den Artikel hier. Er kann das genehmigte Sabbatjahr also nicht einfach zurücknehmen und wieder verbieten.

Und wenn Sie eine einjährige Auszeit nehmen – ob bezahlt oder nicht – besteht auch weiterhin der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch nach §§ 1, 3 BUrlG von 24 Werktagen. Das heißt, die freie Zeit kommt noch einmal hinzu. Siehe hierzu auch hier. Der gesetzliche Urlaubsanspruch ist nämlich keine Gegenleistung des Arbeitgebers für erbrachte oder noch zu erbringende Arbeitsleistung, sondern eine gesetzliche Verpflichtung. Besteht also formell ein Arbeitsverhältnis, so existiert auch ein Urlaubsanspruch.

Wie finanziere ich das Sabbatical?

Sabbatical-finanzieren-LebenslaufZur Finanzierung des Sabbaticals gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Modelle, bei denen der eigentlichen Freistellungsphase meist eine längere Anspar- und Arbeitsphase vorausgeht:

  1. Teilweiser Gehaltsverzicht im Vorfeld
  2. Ansammeln von Überstunden
  3. Unbezahlter Urlaub

Es hängt also zunächst vom Unternehmen ab, was dieses Ihnen anbietet. Die ersten beiden Optionen sind die gängigsten Modelle und werden von den meisten Unternehmen akzeptiert. Vorteil: Das Sabbatical ist bezahlt, die Sozialversicherung vom Arbeitgeber ebenfalls.

Der Gehaltsverzicht im Vorfeld ist – ebenso wie das Ansammeln von Freizeit – aus Arbeitnehmersicht jedoch mit einem Risiko verbunden: Geht das Unternehmen während des Sabbaticals pleite, ist der Freizeitanspruch dahin. Das zustehende – reduzierte – Gehalt kann theoretisch zwar eingeklagt werden. Es ist jedoch alles andere als sicher, dass diese Ansprüche aus der Konkursmasse wirklich noch bedient werden. Und das zuvor freiwillig abgetretene Gehalt ist in der Regel ohnehin verloren.

Falls Sie die Auszeit selber mit Erspartem finanzieren wollen, rechnen Sie unbedingt mit spitzem Bleistift, wie viel Geld Sie während der Zeit brauchen.

Vergessen Sie dabei keinesfalls:

  • Laufende Versicherungen oder Hypotheken
  • Sporadische Reparaturen etwa an Auto oder Wohnung
  • Etwaige Reise- und Verpflegungskosten
  • Erhöhte Energie-, Heiz- und Telefonkosten falls Sie mehr zuhause sind

Faustregel: Wer auf Nummer sicher gehen will, erhöht den errechneten Bedarf um 20 Prozent. Die Arbeitspause soll ja auch Spaß machen…

Wie verkaufe ich das Sabbatical im Lebenslauf?

JWM/KarrierebibelNicht unwesentlich ist noch die Frage, wie Sie mit der Lücke in Ihrem beruflichen Werdegang umgehen. Alles, was über den Zeitraum von ein bis zwei Monaten hinaus geht und nicht erklärt wird, gilt Personalern als veritable Lücke.

Die ist in dem Fall aber gut zu vertreten – schließlich haben Sie ja bereits gute Argumente gegenüber Ihrem Chef gesammelt. Die ziehen auch im Lebenslauf.

Erwähnen Sie das Sabbatical also ruhig in Ihrer Vita und nennen Sie auch diese Gründe, warum Sie sich die Auszeit genommen haben. Denn damit verbunden waren ja Vorteile für den Arbeitgeber – von denen auch spätere Arbeitgeber profitieren können.

Aber auch in anderen Fällen dürfen Sie ruhig offensiv mit der Auszeit umgehen:

  • Wenn Sie beispielsweise nach der Auflösung einer Firma und der Entlassung von mehr als 100 Mitarbeitern nicht sofort wieder in die gleiche Tretmühle wollten und stattdessen ein halbes Jahr lang in Neuseeland herumgereist sind, bekommt Ihr neuer Arbeitgeber statt eines gestressten und erholungsbedürftigen Burnout-Kandidaten eine ausgeruhte, stressresistente und kreative Persönlichkeit.
  • Oder wenn Sie nach einem aufreibenden Job im Marketing einige Monate in Argentinien verbracht haben, um richtig gut Tango tanzen zu lernen und sich Gedanken zu machen, wo der nächste Teil Ihrer beruflichen Reise hingehen soll, dann kann Ihr neuer Arbeitgeber sich darauf verlassen, dass Sie mit hoher intrinsischer Motivation auch Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden.

So oder so: Planen Sie Ihre Auszeit stets mit Bedacht. Mit gründlicher Vorbereitung und vorausschauender Organisation wird Ihr Sabbatical zu einer einmaligen Erfahrung, von der Sie Ihr ganzes Leben lang profitieren können…

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