Definition: Was bedeutet Stutenbissigkeit?
Stutenbissigkeit (Synonym: Queen-Bee-Syndrom) ist eine abwertende Beschreibung für Neid- oder Konkurrenzkämpfe im Job unter Frauen. Der Begriff leitet sich von den Rangordnungskämpfen weiblicher Pferde in einer Herde ab. Häufige Synonyme sind Zickenkrieg, Zickenterror, Dramaqueens oder Queen-Bee-Hysterie. Allesamt stigmatisieren sie das Verhalten, Frauen andere Frauen im Job oft nicht unterstützen oder zu Rivalinnen werden – zum Beispiel durch negative Anspielungen zur Leistung, Sticheleien zum Aussehen, durch Intrigen oder regelrechte Sabotage.
Kritik: Gibt es Stutenbissigkeit wirklich?
Der Begriff „Stutenbissigkeit“ wird häufig kritisiert, weil er negative Geschlechterrollen zementiert oder Konflikte unter Frauen destruktiver bewertet als Streit unter Männern. Tatsächlich existieren Konkurrenzdenken und Sticheleien im Berufsleben unabhängig vom Geschlecht. Eine Meta-Studie von Daniel Balliet von der Universität Amsterdam bestätigt, dass es keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Geschlecht und Kooperationsbereitschaft gibt. Stutenbissigkeit ist also eher ein Vorurteil. Weil danach aber häufig im Internet gesucht wird, verwenden wir den Begriff, um diese spezielle Konfliktform genauer zu untersuchen.
Was sind typische Merkmale von Konflikten unter Frauen?
Typische Mittel klassischer Bürokämpfe – unter Männern wie Frauen – sind verbale Spitzen, das Streuen von Gerüchten oder handfeste Lügen, ebenso Ideenklau oder Intrigen. Wird speziell von „Stutenbissigkeit“ gesprochen, sind meist subtilere Formen der Konkurrenz gemeint. Typische Merkmale können sein:
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Soziale Distanz
Aufmerksamkeit, Blickkontakt oder persönliche Wärme werden gezielt entzogen. Besonders attraktive Frauen werden z.B. bewusst ausgegrenzt und gemieden. Studien von Tracy Vaillancourt (Universität Ottawa) zeigen: Je aufreizender eine vermeintliche Rivalin gekleidet ist, desto aggressiver reagieren andere Frauen.
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Ständige Vergleiche
Aussehen, Anerkennung oder beruflicher Erfolg werden regelmäßig (negativ) thematisiert: Erfolge oder Erfahrungen werden heruntergespielt oder überboten.
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Spitze Bemerkungen
Persönliche Kritik wird eher beiläufig, ironisch oder als vermeintlicher Scherz formuliert (siehe: Diss-Sprüche). Das Verhalten ist eher passiv-aggressiv.
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Vergiftete Komplimente
Jede Anerkennung enthält gleichzeitig einen subtilen Seitenhieb. Beispiel: „Für dein Alter siehst du wirklich gut aus.“
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Herablassendes Verhalten
Eine andere Frau wird belehrt, korrigiert oder demonstrativ nicht ernst genommen. Gleichzeitig werden
Zuständigkeiten, Kontakte oder die eigene Position besonders vehement betont und verteidigt.
Wie gesagt: Solche Verhaltensweisen sind keineswegs typisch weiblich! Sie können bei Männern genauso auftreten. „Stutenbissigkeit“ bezeichnet daher eher diese Formen von Konkurrenzverhalten zwischen Frauen.
Was sind die Gründe für Stutenbissigkeit?
Warum geraten Frauen untereinander überhaupt in Konkurrenz? Eine eindeutige psychologische Erklärung für die sogenannte Stutenbissigkeit gibt es nicht. Ebenso wenig lässt sich wissenschaftlich belegen, dass Frauen grundsätzlich häufiger oder härter miteinander konkurrieren als Männer. Konkurrenzverhalten hängt vielmehr von der Persönlichkeit, der Situation, Hierarchie und der Unternehmenskultur ab. Dennoch gibt es zumindest einige psychologische und soziale Faktoren, die Konkurrenz zwischen Frauen begünstigen können:
Konkurrenz um knappe Positionen
Wo attraktive Positionen, Anerkennung oder Aufstiegschancen knapp sind, steigt der Konkurrenzdruck automatisch. Das kann Frauen besonders betreffen, weil sie in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. Treffen mehrere ambitionierte Frauen auf wenige Aufstiegsmöglichkeiten, konkurrieren sie zwangsläufig auch miteinander. Entscheidend ist dabei weniger das Geschlecht als die Knappheit begehrter Positionen.
Soziale Vergleiche
Menschen vergleichen sich bevorzugt mit Personen, die ihnen ähnlich sind. Entsprechend vergleichen sich Frauen häufiger mit anderen Frauen – etwa bei Leistung, Karriere, Status oder Anerkennung. Schneidet die Kollegin besser ab, kann dies Neid, Missgunst oder das Gefühl auslösen, selbst zurückzufallen. Aus einem solchen sozialen Vergleich kann Rivalität entstehen.
Wettbewerb um Attraktivität
Auch Attraktivität kann Konkurrenz auslösen. Untersuchungen des niederländischen Psychologen Abraham Buunk und anderer Forscher deuten darauf hin, dass Frauen auf attraktive weibliche Konkurrentinnen mitunter stärker reagieren – insbesondere wenn gleichzeitig romantische oder sexuelle Konkurrenz wahrgenommen wird. Solche Befunde stammen allerdings überwiegend aus spezifischen experimentellen Situationen und lassen sich nicht pauschal auf den Berufsalltag übertragen.
Kampf um Status
Konkurrenz entsteht nicht nur um Beförderungen. Auch Aufmerksamkeit, Einfluss oder die eigene Rolle im Team können begehrt sein. Wird der Erfolg einer Kollegin etwa als Bedrohung für den eigenen Status wahrgenommen, können daraus Konflikte entstehen. Besonders anfällig dafür sind Arbeitsumfelder, in denen Leistungen ständig miteinander verglichen und individuelle Erfolge stärker belohnt werden als die Zusammenarbeit.
Unsicherheit und bedrohtes Selbstwertgefühl
Manchmal steckt hinter abwertendem Verhalten weniger Stärke als Unsicherheit. Frauen mit einem geringen Selbstwertgefühl oder Selbstvertrauen neigen eher dazu, die eigene Position durch Abwertung oder demonstrative Überlegenheit zu stabilisieren. Auch hier gilt jedoch: Das Verhalten ist nicht typisch weiblich, sondern ein allgemeiner psychologischer Mechanismus!
Was hilft gegen Stutenbissigkeit?
Stutenbissigkeit ist keine weibliche Charaktereigenschaft. Der Begriff beschreibt umgangssprachlich allenfalls die persönliche Feindseligkeit zwischen Frauen. Häufig liegen dahinter dieselben Mechanismen wie bei anderen Konflikten: soziale Vergleiche, Neid, Statusdenken, Unsicherheit und knappe Ressourcen. Falls Sie davon betroffen sind, sollten Sie wiederkehrende Spitzen oder Konkurrenzverhalten möglichst frühzeitig und unter vier Augen ansprechen. Bleiben Sie dabei sachlich und beschreiben Sie konkrete Situationen als Ich-Botschaft, statt der Kollegin Motive zu unterstellen.
Vermeiden Sie sollten Sie hingegen öffentliche Konfrontationen: Wer die andere Person vor Kollegen bloßstellt, verschärft den Konflikt meist nur und fördert Rachegefühle. Klare Grenzen, direkte Kommunikation und ein professioneller Umgang sind langfristig die bessere Strategie.
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