Emoji Übersetzer: Die ersten Arbeitgeber suchen einen
Der allgemeine Konsens zur Zukunft der Arbeit lautet ganz grobkörnig so: Die Digitalisierung gefährdet viele Arbeitsplätze der Gegenwart. Stattdessen entstehen aber neue Jobs in Bereichen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können. Einen ersten Vorgeschmack auf diese Entwicklung liefert uns eine Agentur aus Großbritannien. Die Übersetzungs-Dienstleister von Today Translations suchen per Stellenanzeige nach ihrem ersten Emoji-Übersetzer. Wer Interesse hat, muss zuvor einen unorthodoxen Eignungstest bestehen...

Emoji-Übersetzer: Beruf der Zukunft?

Eine Aufgabe: Was hat folgender Tweet zu bedeuten, den Tennis-Star Andy Murray im April 2015 absetzte? Kommen Sie darauf?

Richtig: Murray hatte geheiratet und nicht viele Worte darum gemacht, seinen Hochzeitstag dafür komplett in Emojis zusammengefasst. Ein Fall für einen Emoji-Übersetzer?

Emojis: Alltag

Seit einigen Jahren schon sind die putzigen Symbole feste Bestandteile der Alltagskommunikation, nachdem sie in Japan in den späten 90ern erstmals auf Mobiltelefonen aufgetaucht waren. Und sie sind die weiterentwickelte, verbildlichte Variante der Emoticons, bei denen man aus Punkten und Strichen Gesichter zusammenbaut.

Eine nähere Erklärung bedarf das Prinzip auch gar nicht. Nahezu jeder, der im Besitz eines Smartphones ist, dürfte schon Bekanntschaft mit einem Emoji gemacht haben.

Tatsächlich stellte der britische Linguist Vy Evans von der Bangor University im vergangenen Jahr die These auf, dass Emojis die am schnellsten wachsende Sprache überhaupt in Großbritannien seien und dass ihre Evolution schneller vonstatten gehe als die antiker Kommunikationsformen wie Hieroglyphen. So hätten die ägyptischen Schriftzeichen Jahrhunderte gebraucht, um sich zu entwickeln. Bei Emojis passiere das in High-Speed innerhalb kürzester Zeit.

Junge Menschen: Emoji-affin

Emoji-affinIn einer Umfrage für den Mobilfunkanbieter TalkTalk Mobile sagten zudem 72 Prozent der 18- bis 25-Jährigen, dass sie ihre Emotionen einfacher in Emojis als in geschriebenen Wörtern ausdrücken könnten.

Und auch die BBC lieferte schon Anhaltspunkte für die Sprach-Evolution, testete sechs junge Menschen im Alter zwischen 18 und 29 auf ihre Emoji-Kompetenz. Sie sollten simple Sätze wie "Mein Auto ist rot" in Emojis ausdrücken, aber auch komplexe Sachverhalte wie zum Beispiel: „Ich habe meinen Pass verloren und mein Flug geht in drei Stunden.“

Ergebnis: Die Digital Natives hatten damit kaum Probleme.

Nun also scheint sich die Emojisierung auch auf dem Arbeitsmarkt niederzuschlagen - und neue Jobperspektiven zu eröffnen. Per Stellenanzeige sucht die Übersetzungs-Agentur Today Translations aus der Londoner City nach einem "Emoji-Übersetzer".

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei - ohne, dass wir es mit Gewissheit wüssten - um den weltweit ersten Job dieser Art handelt.

Emoji-Übersetzung: "Wachstumsfeld"

Die Profi-Übersetzer suchen laut Anzeige nach der "richtigen Person, die uns dabei hilft, die Herausforderungen zu bewältigen, vor die uns die am schnellsten wachsende Sprache der Welt stellt."

"Als die führende Übersetzungsfirma Großbritanniens sind wir immer auf der Höhe der neuesten Sprachtrends - aber wir spüren, dass die zunehmende Geschwindigkeit in diesem Wachstumsfeld nun einen spezialisierten Fokus benötigt", schreiben sie.

"Emoji-Übersetzung ist ein aufstrebendes Feld - aber eines, das bis heute von Software dominiert wird, die jedoch oftmals unempfänglich für die vielen kulturellen Unterschiede in Nutzerverhalten und Interpretation ist. Wir suchen daher eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die den Human Touch beisteuert, wenn Übersetzungssoftware nicht ausreicht."

Erster Job: Tagebücher für Kinder übersetzen

Konkret wollte ein Kunde Tagebücher für seine Kinder in Emojis übersetzen lassen. Software-Übersetzungen alleine konnten die Aufgabe nicht bewältigen, erzählte CEO und Gründerin Jurga Zilinskiene der BBC. Sie selbst spricht Litauisch, Russisch und Englisch spricht, beherrscht daneben die Programmiersprachen Python und C#.

Möglicherweise gibt in der Arbeitswelt wirklich steigenden Bedarf für Emoji-Übersetzer. So spielen die Bildzeichen beispielsweise auch in Justizangelegenheiten verstärkt eine Rolle - als Indizien oder Alibis in Mordfällen gar.

Bizarres Beispiel: In Kentucky wurde eine Mutter beschuldigt, ihren fünfjährigen Sohn vergiftet zu haben. Um sich dem Gericht als liebende Mutter zu zeigen, legte sie eine Textnachricht vor mit den Worten: "Mein süßer Engel ist im Krankenhaus", unterlegt mit einem weinenden Emoji.

Emoji-Übersetzer: Originelle Bewerbung

"In Abwesenheit von Muttersprachlern sollte der erfolgreiche Kandidat in der Lage sein, eine Passion für Emojis zu zeigen, in Kombination mit topaktuellem Wissen und einem Bewusstsein dafür, welche kulturellen/internationalen Unterschiede zu Verwirrung führen könnten", so die Anzeige von Today Translations weiter.

Die Bewerber werden dafür einem praktischen Emoji-Test unterzogen. Beispielaufgabe: Die Emojis "Freiheitsstatue" + "Flugzeug" stehen für welches US-amerikanische Sport-Team? Richtige Antwort: New York Jets.

In einer anderen Aufgabe müssen die Kandidaten ein Zitat von Premierministerin Theresa May in Bildzeichen umformulieren: "Brexit bedeutet Brexit." Welche Symbole würden Sie einsetzen?

Hier noch drei weitere Aufgaben aus dem Test:

emoji-test

Jobprofil: Missverständnisse ausräumen

Zu den Aufgaben des kommenden Emoji-Übersetzers werden demnach unter anderem zählen:

  • Emoji-Übersetzung für Kunden, Stakeholder und intern
  • Monatliche Reports über Emoji-Trends, Entwicklungen, Nutzerverhalten und Bereiche, in denen Verwirrung oder kulturelle Missverständnisse auftauchen
  • Interkulturelle Recherche über Unterschiede in Gebrauch und Interpretation von Emojis

Dafür wird ein "wettbewerbsfähiges Gehalt" versprochen. 30 Bewerbungen sind laut BBC schon eingegangen. Anfang 2017 wolle Today Translations jemanden als Freelancer anheuern - mit der Aussicht auf eine Vollzeitstelle. Die Aufträge sollen pro Wort bzw. Emoji abgerechnet, für die Erstellung der monatlichen Reports feste Stundenhonorare vereinbart werden.

Wenn Sie Interesse haben, dann sollten Sie sich also beeilen ...

[Bildnachweis: photototo, Nicotombo by Shutterstock.com]

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